Deutschlandforschung: "Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen"

Auslaendische Forscher interessieren sich mehr und mehr fuer deutsche Gegenwartskulturen. Das Handelsblatt gibt einen Ueberblick und erwaehnt u.a. den Ethnologen Flavien Ndonko aus Kamerun. Er arbeitet am Thema „Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen“. Hunde, lesen wir, waren schon immer ein gefragter Forschungsgegenstand ausländischer Wissenschaftler in Deutschland.

Ndonko vertritt in seiner Arbeit die These, dass die “Desintegration der Familie dazu beigetragen hat, dass in die deutsche Familie zunehmend Hunde integriert werden“. Viele Deutsche haben ein sehr nahes Verhaeltnis zu ihrem Hund:

“Auf der Suche nach ihren verloren gegangenen Hunden bedecken ihre Herren Wände, Telefonzellen und Elektromasten mit Suchanzeigen. Diese Texte sind sehr pathetisch gehalten, so dass man sich unmittelbar dazu aufgerufen fühlt, auf die Suche nach dem armen Tier zu gehen.”

>> weiter im Handelsblatt (Link aktualisiert 27.6.2024)

In einem aehnlichen Text auf foerderland.de sagt Ethnologe Thomas Hauschild, dass seit der Wiedervereinigung 1989/1990 das Interesse ausländischer Forscher am deutschen Alltag boome. Besonders beliebt seien Themen wie Fastnacht, Humor oder die «Ostalgie» in Erinnerung an den Trabi der DDR:

“Vor allem in den USA wurden vielfältig Mittel für Deutschlandforschung freigesetzt. Dabei hat sicher auch Angst vor dem wieder erstarkenden Land eine Rolle gespielt.”

>> weiter bei foerderland.de

SIEHE AUCH:

Deutschlandforschung: Ethnologen beobachten uns. “In erster Linie interessiert nicht Goethe, sondern Hitler” (Judith Rauch, Psychologie heute, Februar 2000)

Das wilde Germanistan. Wie ausländische Ethnologen versuchen, das deutsche Wesen zu ergründen (Die ZEIT 40/1999)

Ethnologen beobachten wie die Mentalität der Deutschen sich wandelt

8 thoughts on “Deutschlandforschung: "Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen"

  1. Auch innerhalb meiner Feldforschung zum Thema Odachlosigkeit in Bremen spielen Hunde und Hundehalter eine zentrale Rolle.
    Insbesondere Hundehalter in der Stadt bilden soziale Formationen verschiedenster Art. Manchmal kennen sich Hundehalter jahrelang, teilen bestimmte Bereiche ihres Alltagslebens, aber wenn man sie nach dem Namen der anderen Hundehalter fragt, wissen sie nur den Namen des anderen Hundes.

  2. Spannend! Offenbar ein Thema, das man sich mal naeher widmen sollte. Hast Du den Text ins Netz gestellt?
    Muss eine Bekannte denken, die immer davon erzaehlt wieviele Leute sie durch ihren Hund beim Spazierengehen kennen gelernt hat. Aber vielleicht weiss sie auch nur die Namen der Hunde?

  3. Nein der Text nicht im Netz. Ich schreibe ihn gerade.
    Ich kann noch nicht sagen, ob ich den veröffentlichen werde. Es ist eine qualitative Feldforschung gewesen und diese zu schreiben, ist mit Abstand das Schwierigste, was mir in meinem Studium bis jetzt untergekommen ist.
    Die städtische Hundehalterszene (es gibt ganz unterschiedliche Gruppen und große Unterschiede) ist auf jeden Fall ein interessanter Gegenstand im Bereich Stadtethnologie und mit meiner Forschung insofern verknüpft, als daß der Obdachlose, den ich 10 Monate ethnographisch begleitet habe, selbst ein Hundehalter ist.

    “Aber vielleicht weiss sie auch nur die Namen der Hunde?”

    Wenn sie sagt, sie habe viele Leute “kennengelernt”, weiß sie wahrscheinlich auch die Namen der Leute und hat möglicherweise neben den gemeinsamen Hundespaziergängen auch andere Lebens- oder Alltagsaktivitäten mit ihren “Hundebekanntschaften” geteilt.

  4. “.. mit meiner Forschung insofern verknüpft, als daß der Obdachlose, den ich 10 Monate ethnographisch begleitet habe, selbst ein Hundehalter ist,” und ein wesentlicher Bereich seines sozialen Umfeldes während der 10 Monate im Park aus anderen Hundehaltern bestand.

    Darf ich Dich mal fragen, wie Du auf das Thema gekommen bist?

  5. Oft gibt es mittelbare und unmittelbare Auslöser oder Anlässe, die zur Entstehung von Fragestellungen und Perspektiven führen. Betrachten wir den Handelsblattartikel als unmittelbaren Auslöser für Deinen post, zielte meine Frage nach dem mittelbaren Anlaß dafür.

  6. Hm? Zeigt auf jeden Fall, dass man oft durch Praxisen, die einen nebensaechlich vorkommen, viel ueber die Gesellschaft erfahren kann.

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