Die Öffnung gegenüber dem Islam darf nicht der Terrorismusbekämpfung und Sicherheitspolitik untergeordnet werden, meinen Ethnologe Werner Schiffauer und Soziologe Michael Bommes, Herausgeber des neuen Migrationsberichts. Sie kritisieren, dass die Politik wird immer mehr von Bedrohungsszenarien dominiert wuerde, schreibt der SPIEGEL. Der Migrationsbericht 2006 ist noch nicht online. Ein interessanter Kommentar zu Islam in Deutschland liefert Omar Abo-Namous im Beitrag Sind Muslime integrationsresistent?
Vermutlich weil diese irrationalen Bedrohungsszenarien auch in den Medien beliebt sind, meint fast die Haelfte der deutschen Bevoelkerung, es gebe zu viele Auslaender in Deutschland. Besonders schlimm ist die Fremdenfeindlichkeit in Doerfern Ostdeutschlands laut der neuen Studie “Deutsche Zustände” des Bielefelder Sozialwissenschaftlers Wilhelm Heitmeyer, schreibt die taz. Einen laengeren Bericht dazu gibts in der ZEIT. “Heitmeyer verteufelt Andersdenkene”, kritisiert ein Kommentator auf dem Soziologie-Blog Soziologie und ihre mediale Aufmerksamkeit.
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Der Kommentator auf dem Soziologie-Blog ist das beste Beispiel für Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft. Er ignoriert konsequent die rassistische Strukturierung der Gesellschaft und ungleiche Machtverhältnisse. Zudem nutzt er gängige rassistische Argumentationsmuster.
Ja… es ist die typische (inzwischen politisch korrekte) Anti-Islam und Anti-Mittelklasseforscher-Argumentation (und er hat den Kommentar auch noch unter einem anderen Namen auf einem anderen Blog hinterlassen – typisch fuer Anti-Islam-Spammer).
Auf der anderen Seite hab ich Heitmeyers Studie nicht gelesen und kenne den Soziologen nicht besonders, so dass ich ihn nicht automatisch uneingeschraenkt verteidigen moechte.
Die Frage bleibt, wie man mit Nationalisten, Rassisten und anderen Anti-Kosmopolitten kommunizieren soll. Man erreicht sie jedenfalls nicht, glaube ich, wenn man sie staendig als Rassisten stempelt (was ich auch vermutlich zu oft tue).
Ich denke man sollte solche Haltungen ethnologisch erforschen: Woher kommen sie?
Kuerzlich hab ich von einer Forschung gelesen ueber Nachbarkonflikte unter Daenen in Villenvierteln. Nicht einmal mit anderen Daenen in der selben Strasse konnten sie kommnizieren, sie beschimpften sich, zerstoerten Gaerten, es gab Schlaegerrerien, sogar Morddrohungen. Oft nur weil die neue Garage oder der Baum des Nachbarn 10cm auf das eigene Grundstueck hineinragt.
Vielleicht kratz Rassismus nur an der Oberflaeche eines Problems das viel tiefer liegt?
Ohne die Studie gelesen zu haben, will ich sie auch gar nicht verteidigen. Heitmeyer hat auch schon einiges problematisches gesagt. Aber um den Kommentar zu kritisieren, braucht frau die Studie nicht zu kennen. Da reicht eine Diskursanalyse, um den Rassismus offenzulegen.
Ich will auch gar nicht einzelne als RassistInnen abstempeln. Aber ich glaube, wir müssen viel offener sagen, dass unsere Gesellschaften rassistisch strukturiert sind und wir alle rassistische Denkmuster in den Köpfen haben. Das muss reflektiert und bearbeitet werden.
Ein Ansatz dazu, der freilich auch viele Probleme hat, ist die Kritische Weißseinsforschung, also den Blick auf ‘weiße’ Privilegien und Macht zu richten.
Ja das stimmt, dieses Bewusstsein fehlt voellig. Da solche Haltungen als “harmlos” und “normal” gelten, ist es so schwierig dagegen zu argumentieren.
Hier in Norwegen ist es besonders Marianne Gullestad, die eine solche Perspektive anwendet und nur wenig Gehoer bei Norwegern dafuer findet, siehe Eintrag Racism: The Five Major Challenges for Anthropology
Ueber Weisseinsforschung wuerde ich gern mehr wissen, ich hab erst in letzter Zeit gelegentlich davon gehoert. Du wirst sich mehr darueber schreiben, Du warst ja erst auf einer Konferenz? Auf Deiner Webseite gibt es ja auch einiges darueber.