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“Draußen nur Kännchen” – Ethnologe Asfa-Wossen Asserate redet ueber Deutschland

“Sagen Sie bitte einen hässlichen Satz, den es nur im Deutschen gibt”, sagt der ZEIT-Journalist. “Draußen nur Kännchen”, antwortet Ethnologe Asfa-Wossen Asserate: “Niemandem sonst leuchtet die Logik ein, warum man eine Tasse Kaffee nicht auch draußen trinken sollte.” Warum gibt es gerade in Deutschland »draußen nur Kännchen«? “Weil die Deutschen in vielerlei Hinsicht genormt sind; das hat mit der preußischen Vergangenheit zu tun”, meint der Ethnologe.

In dem Stil geht es munter weiter. Asfa-Wossen Asserate ist 1968 von Aethiopien nach Deutschland gekommen. Ueber Afrika aeussert er sich allerdings sehr abschaetzig mit der Standard-Phrase “Ich bin gegen Political Correctness”. Er hat offenbar nicht mitbekommen, dass es eben political correct ist, sich abschaetzig ueber Afrikaner zu aeussern (und Muslime etc). Man denke u.a. daran was Sarkozy neulich sagte: “The tragedy of Africa is that the African has never really entered into history … They have never really launched themselves into the future.”

>> zum Interview mit Asfa-Wossen Asserate in der ZEIT

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Feldforschung machte Ethnologin zum Filmstar

Das ist teilnahmende Beobachtung: Wenn man als Ethnologin ueber die Filmszene forscht, wird man schnell selber zu einer Schauspielerin. So erging es der Mainzer Ethnologin Claudia Böhme. Für ihre Doktorarbeit beobachtete sie die Film- und Videoszene Tansanias direkt vor Ort – und fand sich bald darauf vor der Kamera wieder. In dem Film “Welcome Back” spielte sie an der Seite von King Majuto, einem der beliebtesten Komödiendarsteller Tansanias, schreibt der Main-Rheiner.

Wir lesen:

“Die Arbeit war als teilnehmende Beobachtung konzipiert. Ich hatte zunächst eher an Kamerafrau oder sowas gedacht”, erklärt die unverhoffte Schauspielerin. Doch für die tansanischen Filmcrews war die weiße Frau tatsächlich etwas Besonderes. Über eine Schauspielgruppe kam sie in Kontakt mit der Szene. Es folgten zwei Gastauftritte in heimischen Fernsehserien.

Die Auftritte in den Seifenopern waren gewissermaßen der Durchbruch für die Schauspielkarriere. “Auf einmal war ich bekannt. Das war wie ein Türöffner”, erinnert sich Claudia Böhme. Es folgten tatsächlich viele weitere Angebote. “Die haben dort eigentlich keine weißen Darstellerinnen. Für die ist das eine echte Attraktion”, sagt die Ethnologin.

(…)

Veröffentlicht wurde der Film auf Video und DVD, die sich die Menschen oft gemeinsam in kleinen Videokinos, die es im ganzen Land gibt, anschauen. “Von da an wurde ich überall erkannt. Kleine Kinder haben mir auf der Straße Zitate aus dem Film zugerufen”, beschreibt die Nachwuchshoffnung des tansanischen Kinos den Starrummel.

>> weiter im Main-Rheiner

Claudia Böhme ist Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Populäre Kultur an der Schnittstelle des Globalen und Lokalen. Musik-, Bild- und Textproduktion in Ostafrika.

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Das ist teilnahmende Beobachtung: Wenn man als Ethnologin ueber die Filmszene forscht, wird man schnell selber zu einer Schauspielerin. So erging es der Mainzer Ethnologin Claudia Böhme. Für ihre Doktorarbeit beobachtete sie die Film- und Videoszene Tansanias direkt vor Ort…

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Wien soll europäisches Zentrum der Tuareg-Forschung werden

Die Konferenz vor einer Woche (Programm, abstracts, pdf) machte den Auftakt: Ines Kohl von der Forschungsstelle Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) will gemeinsam mit der Universität aus der Bundeshauptstadt ein europäisches Zentrum der Tuareg-Forschung machen, meldet die Presse. Wie auch der Standard betont laesst sich das Leben der Tuareg nicht ohne den Einbezug der grosspolitischen Lage studieren, u.a. Bush’ sogenannter “war of terror”.

Von Ines Kohl gibt es u.a. das Paper Toyota, Chèch und E-Gitarre: Über Schönheit, Ästhetik und sozialen Wandel von Tuareg-Migranten in Libyen (pdf)

Die Konferenz vor einer Woche (Programm, abstracts, pdf) machte den Auftakt: Ines Kohl von der Forschungsstelle Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) will gemeinsam mit der Universität aus der Bundeshauptstadt ein europäisches Zentrum der Tuareg-Forschung machen, meldet die Presse.…

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Journal Ethnologie 3/2007 über weibliche Genitalbeschneidung in Afrika

Weltweit sind 150 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Journal Ethnologie widmet sich diesem Thema mit mehreren Texten in der neuesten Ausgabe. Obwohl dieses Ritual “lebenslanges Leiden für die Betroffenen mit sich bringt”, besteht es weiter. Warum? Weil es sich um einen Brauch handelt, dessen Missachtung mit sozialer Ächtung bestraft wird, schreibt Petra Schnüll. Weitere Begründungen beruhen auf Mythen und Überlieferungen, medizinischer Unkenntnis und missinterpretierten Islam:

Dabei hat sich gezeigt, dass gesetzliche Verbote zwar durchaus Signalwirkung besitzen, doch ohne flankierende Maßnahmen weitgehend wirkungslos bleiben. Um ein allgemeines Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen und ein Umdenken zu erreichen, kann also nur eines greifen: eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Tabuthema und sensible Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Als fundamentales Element im soziokulturellen Kontext kann das Problem nicht isoliert betrachtet werden; letztlich muss diese Arbeit mit dem Empowerment von Frauen einhergehen.

>> zu Petra Schnülls Text “Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika. Kulturelle Hintergründe einer folgenschweren Tradition”

Weitere Texte in Journal Ethnologie 3/2007 zu diesem Thema:

„Ein Ritual, das lebenslanges Leiden für die Betroffenen mit sich bringt“ – Ein Interview mit Mamouna Quedraogo von Regine Bouédibéla-Barro

Franziska Gruber: Genitalverstümmelung in Deutschland. Menschenrechte versus Tradition

Marion A. Hulverscheidt und Claudia Piccolantonio: Gesundheitliche Folgen weiblicher Genitalverstümmelung

Marion A. Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung und die “Hottentottenschürze” Ein medizinhistorischer Diskurs des 19. Jahrhunderts

Weltweit sind 150 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Journal Ethnologie widmet sich diesem Thema mit mehreren Texten in der neuesten Ausgabe. Obwohl dieses Ritual "lebenslanges Leiden für die Betroffenen mit sich bringt", besteht es weiter. Warum?…

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“Kunstraub aus Nigeria im Wiener Völkerkundemuseum zu besichtigen”

Gestern wurde mit “Benin – Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria” die erste Ausstellung des Wiener Museums für Völkerkunde seit seiner Renovierung eröffnet. Ein Großteil dieser Objekte wurde im Jahre 1897 aus Nigeria von den Briten nach einer Strafexpedition geraubt, schreibt AfrikaNet in einem Text mit der Ueberschrift Kunstraub aus Nigeria im Wiener Völkerkundemuseum zu besichtigen. In einem anderen Text schreibt Kwame Opoku Africans illegally in Europe must leave. African art objects illegally in Europe must stay:

Africans and all those who believe in cultural cooperation based on mutual respect and understanding of different identities and views, must register their presence and interest in these manifestations; we must support the campaign for the return of all cultural objects stolen or illegally obtained from our continent which are in public or private possession in the U.S.A. or in Europe.

In einem Gespraech mit der Presse will Christian Feest, Direktor des Völkerkundemuseums, nicht Stellung nehmen zur Forderung nach Rückgabe von Objekten. Er sagt lediglich:

Wir schaffen durch diese Ausstellung eine Vertrauensbasis, auf der wir besprechen können, was in Zukunft sein wird. Meine private Meinung ist, dass legistische Maßnahmen nicht viel bringen, auch nicht die Resolutionen der Unesco. Das müssen die ehemaligen Kolonialherren und die ehemaligen Kolonien untereinander regeln.“

In ganz Europa versucht man derzeit, die außereuropäischen Sammlungen vom Kolonialgeruch zu befreien, schreibt die Presse in einem zweiten Artikel.

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