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Schiffauer: “Man sollte ein Bekenntnis zum Grundwertekatalog verlangen”

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagt Ethnologe Werner Schiffauer, dass Integration nicht durch Einbürgerungsfragebögen ermittelt werden kann. Ein Bekenntnis zu dem Grundwertekatalog sei allerdings ratsam, da er das Selbstverständnis der Gesellschaft widerspiegele. Schiffauer plädierte außerdem für das kommunale Wahlrecht fuer Auslaender.

Er sagte u.a.:

Man sollte ein Bekenntnis zum Grundwertekatalog verlangen und man sollte den Grundwertekatalog vermitteln. Das Problem der Diskussion im Augenblick ist, dass man diese ganzen Sachen fokussiert und zu einem Misstrauensdiskurs gegen eine ganz spezifische Bevölkerung wendet. Und das ist nun wirklich, im Bezug auf die Identifikationsbemühungen, wirklich kontraproduktiv. Der Punkt ist, dass man, wenn man einer Bevölkerung Misstrauen entgegenbringt, man tatsächlich die Identifikation verhindert.

(…)

Wir dürfen uns von Einbürgerungssachen, Fragebögen, aber auch Bekenntnissen zur Verfassung, nicht versprechen, dass wir solche Probleme [Ehrenmorde, Zwangsheiraten etc] in den Griff bekommen. (…)
Hier finden andere Mechanismen statt. Sie sind Ausdruck einer Migrantenkultur, die sich in sich selbst zurückzieht aus ganz verschiedenen Gründen, die aber mit der Herkunftskultur wenig zu tun haben, statt. Wir wissen es ja, dass Einwanderer oft konservativer sind als im Heimatland, einfach weil sie sich gegen die Mehrheitsgesellschaft meinen verteidigen zu müssen. Und hier führt zusätzlicher Druck oft ganz kontraproduktiv wieder dazu, dass die Leute ihre Borsten aufstellen, dass sie in Verteidigungshaltung et cetera gehen und sich tatsächlich zurückziehen. Und all das ist der Boden, wo tatsächlich solche Probleme aufkommen können.

>> zum Interview im Deutschlandfunk

SIEHE AUCH:

Ethnologe Werner Schiffauer über Hintergründe von Verbrechen im Namen der Ehre

Einwanderung, Stadtentwicklung und die Produktion von “Kulturkonflikten”

Einbürgerung – offizielle Seite mit Infos

Einbürgerung: Kauder kündigt bundeseinheitliche Regeln an (Spiegel, 22.3.06)

Einbürgerung: Bundesländer lehnen „Gesinnungstest” für Muslime ab (faz, 6.1.06)

Hätten Sie es gewußt? Fragen aus dem Einbürgerungstest (faz, 15.3.06)

“Ooohhh … Vaterland!” Der russische Schriftsteller Wladimir Kaminer füllt den Frageborgen aus (taz, 1.4.06)

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagt Ethnologe Werner Schiffauer, dass Integration nicht durch Einbürgerungsfragebögen ermittelt werden kann. Ein Bekenntnis zu dem Grundwertekatalog sei allerdings ratsam, da er das Selbstverständnis der Gesellschaft widerspiegele. Schiffauer plädierte außerdem für das kommunale Wahlrecht…

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Deutschlandforschung: "Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen"

Auslaendische Forscher interessieren sich mehr und mehr fuer deutsche Gegenwartskulturen. Das Handelsblatt gibt einen Ueberblick und erwaehnt u.a. den Ethnologen Flavien Ndonko aus Kamerun. Er arbeitet am Thema „Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen“. Hunde, lesen wir, waren schon immer ein gefragter Forschungsgegenstand ausländischer Wissenschaftler in Deutschland.

Ndonko vertritt in seiner Arbeit die These, dass die “Desintegration der Familie dazu beigetragen hat, dass in die deutsche Familie zunehmend Hunde integriert werden“. Viele Deutsche haben ein sehr nahes Verhaeltnis zu ihrem Hund:

“Auf der Suche nach ihren verloren gegangenen Hunden bedecken ihre Herren Wände, Telefonzellen und Elektromasten mit Suchanzeigen. Diese Texte sind sehr pathetisch gehalten, so dass man sich unmittelbar dazu aufgerufen fühlt, auf die Suche nach dem armen Tier zu gehen.”

>> weiter im Handelsblatt (Link aktualisiert 27.6.2024)

In einem aehnlichen Text auf foerderland.de sagt Ethnologe Thomas Hauschild, dass seit der Wiedervereinigung 1989/1990 das Interesse ausländischer Forscher am deutschen Alltag boome. Besonders beliebt seien Themen wie Fastnacht, Humor oder die «Ostalgie» in Erinnerung an den Trabi der DDR:

“Vor allem in den USA wurden vielfältig Mittel für Deutschlandforschung freigesetzt. Dabei hat sicher auch Angst vor dem wieder erstarkenden Land eine Rolle gespielt.”

>> weiter bei foerderland.de

SIEHE AUCH:

Deutschlandforschung: Ethnologen beobachten uns. “In erster Linie interessiert nicht Goethe, sondern Hitler” (Judith Rauch, Psychologie heute, Februar 2000)

Das wilde Germanistan. Wie ausländische Ethnologen versuchen, das deutsche Wesen zu ergründen (Die ZEIT 40/1999)

Ethnologen beobachten wie die Mentalität der Deutschen sich wandelt

Auslaendische Forscher interessieren sich mehr und mehr fuer deutsche Gegenwartskulturen. Das Handelsblatt gibt einen Ueberblick und erwaehnt u.a. den Ethnologen Flavien Ndonko aus Kamerun. Er arbeitet am Thema „Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen“. Hunde, lesen wir,…

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Schiffauer: “Die Deutschen haben nur auf jemanden wie Kelek gewartet”

“Die »Unkultur« der Moslems geht nicht zusammen mit den europäischen Werten”, meint die zurecht umstrittene deutsch-tuerkische Soziologin Necla Kelek. Nicht nur Rechtsradikale und andere Anti-Kosmopoliten vertreten diesen populaer gewordenen Standpunkt. In vielen europaeischen Laendern gibt es vehemmente Islamkritiker unter Einwanderen aus muslimisch dominierten Laendern. Doch das heisst nicht, dass – wie Henryk M. Broder im Spiegel offenbar meint – tuerkische Soziologen zwangsweise objektiver und glaubwuerdiger sind als deutsche.

In Berlin hat Kelek vor ein paar Tagen ihr neues Buch “Die verlorenen Söhne. Ein Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes” vorgestellt – laut der Jungen Welt ist “wie beim Vorgänger ist die empirische Basis der Publikation äußerst dünn”.

Dennoch ist sie populaer in den Medien und in der Staatsverwaltung. Rezensent Mehmet Ata schreibt:

Kelek erklärt Probleme einer sozialen Schicht für typisch muslimisch. Wenn sie dazu immer wieder versichert, daß niemandem die Verantwortung für das eigene Leben abgenommen werden kann, entläßt sie die Politik aus der Verantwortung. Deshalb hat sie hier so viele Freunde.

Ethnologe Werner Schiffauer ist auch kein grosser Freund von Necla Kelek . Er findet jedoch, man sollte nun aber nicht in erster Linie die Autorin angreifen, sondern auch die Deutschen:

Die Deutschen haben nur auf jemanden wie Kelek gewartet, der all das bestätigt, was sie schon immer über Muslime gedacht haben.

>> Bericht in der Jungen Welt

Importbräute für verlorene Söhne. Henryk M. Broder im Spiegel

Interessant hier auch der Text von Omar Abo-Namous auf Too Much Cookies Network. Der krümelige Weblog – live aus der Parallelgesellschaft, in dem er meint “Necla Kelek schliesst von sich auf andere … ohne zu zögern!” (auch sonst ein empfehlenswerter Blog!)

SIEHE AUCH:

Ueber Keleks Buch “Die Fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland”

Wikipedia ueber Necla Kelek mit vielen Links

Einwanderung, Stadtentwicklung und die Produktion von “Kulturkonflikten”

Ethnologe Werner Schiffauer über Hintergründe von Verbrechen im Namen der Ehre

Wieviel Zusammenhalt braucht eine Gesellschaft? Notizen zu Parallelgesellschaften und Leitkultur

For an Anthropology of Cosmopolitanism

"Die »Unkultur« der Moslems geht nicht zusammen mit den europäischen Werten", meint die zurecht umstrittene deutsch-tuerkische Soziologin Necla Kelek. Nicht nur Rechtsradikale und andere Anti-Kosmopoliten vertreten diesen populaer gewordenen Standpunkt. In vielen europaeischen Laendern gibt es vehemmente Islamkritiker unter Einwanderen…

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Trend Klinik-Hopping: Ethnologin untersucht “Fortpflanzungstourismus”

Der neueste Reisetrend ist nicht Insel-Hopping, sondern Klinik-Hopping: Ungewollt kinderlose Frauen reisen rund um den Globus, um in einem Land eine Behandlung zu erhalten, die in einem anderen verboten ist. Die Wiener Kultur- und Sozialanthropologin Eva-Maria Knoll untersucht das Phänomen Fortpflanzungstourismus am Beispiel der In-Vitro-Fertilisation (IVF), meldet der Forschungsnewsletter der Uni Wien. In Österreich gibt es etwa 30.000 Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

Das Thema ist in vielerlei Hinsicht von Bedeutung: Zum einem bringt es neue Erkenntnisse in Bezug auf Fragestellungen Familie und Verwandtschaft und Globalisierung:

“Die global verfügbare Technik ist in nationale Kontexte eingebunden. Nationale Beschränkungen gibt es, weil diese Technologie Normen und Werte berührt, die für alle wichtig sind. Es geht um Fragen der Verwandtschaft – sozial oder biologisch –, um ethische Fragen, darum, wann das menschliche Leben beginnt”, erläutert die Wissenschafterin.

Die Ethnologin fand auch einen Bezug zum Schamanismus:

Die Pharmakonzerne liefern die Hormonpräparate, finanzieren Ärztetreffen, unterstützen Selbsthilfegruppen für betroffene Paare und verdienen kräftig mit – sie sind die Gewinner im “Geschäft mit der Hoffnung”, wie es Knoll nennt: “Denn nicht nur in Kulturen, in denen es Schamanismus und Hexerei gibt, hat Medizin mit Glauben zu tun. Im Fortpflanzungstourismus wird kein Ergebnis, sondern die Hoffnung auf ein Ergebnis verkauft.”

>> weiter im Forschungsnewsletter

SIEHE AUCH:

Johanna Riegler und Eva Maria Knoll: Kultur liegt in der Natur des Menschen. Zum Österreichischen Genomforschungsprogramm (ORF)

Laurence Ossipow: Neue Formen in Ehe und Partnerschaft (tsantsa: Zeitschrift der Schweizerischen Ethnologischen Gesellschaft)

Book Review: Infertility Around the Globe: New Thinking on Childlessness, Gender, and Reproductive Technologies (American Ethnologist)

Klavs Sedlenieks: New Reproductive Technologies. Towards Assisted Gender Relations (anthrobase.com)

Marcia C Inhorn: Religion and Reproductive Technologies (AAA Anthropology News February 2005)

Der neueste Reisetrend ist nicht Insel-Hopping, sondern Klinik-Hopping: Ungewollt kinderlose Frauen reisen rund um den Globus, um in einem Land eine Behandlung zu erhalten, die in einem anderen verboten ist. Die Wiener Kultur- und Sozialanthropologin Eva-Maria Knoll untersucht das…

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Interkulturelle Gärten

(via ethno-log) Nach Städten wie Göttingen, Berlin, München und Leipzig, gibt es nun auch in Köln einen Interkulturellen Garten. Auf einer 1.700 m2 großen Fläche in Köln-Niehl können Menschen mit und ohne Migrationshintergrund künftig Blumen, Kräuter, Obst und Gemüse pflanzen – ganz nach eigenen Wünschen und kulturellen Vorstellungen:

Viele von ihnen bauen die Pflanzen an, die sie aus ihrer Heimat kennen und hier vermissen. Anders als in vielen deutschen Kleingärten wird durch das Gärtnern direkt die Kommunikation zwischen den Menschen gefördert, denn die Parzellen sind zwar gekennzeichnet, aber nicht durch Zäune voneinander abgetrennt. (…) Integrierend soll der Garten wirken. Bei Gartenfesten, Brotbackaktionen und dem Verkaufen der eigenen Produkte auf dem Markt kommen sich Einheimische und Migranten näher.

>> mehr Info auf www.interkultureller-garten.de

SIEHE AUCH:

Internationale Gärten helfen Migranten, neue Wurzeln zu schlagen

Internationale Gärten Göttingen

Christa Müller: “Wurzeln schlagen in der Migration” Frauen in den Internationalen Gärten Göttingen

(via ethno-log) Nach Städten wie Göttingen, Berlin, München und Leipzig, gibt es nun auch in Köln einen Interkulturellen Garten. Auf einer 1.700 m2 großen Fläche in Köln-Niehl können Menschen mit und ohne Migrationshintergrund künftig Blumen, Kräuter, Obst und Gemüse pflanzen…

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