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Revolutinierte Afrika-Forschung: FAZ portraetiert den Ethnologen Georges Balandier

Anlaesslich der Herausgabe seines neuen, in Frankreich offenbar vieldiskutierten Buches “Le grand derangement” stellt faz-Autor Andreas Eckert en Ethnologen Georges Balandier vor. Von Balandier stammt u.a. die sympathische Aussage

“Eine Ethnologie, welche die gegenwärtige Situation ihrer Untersuchungsgegenstände ignoriert, pfeift auf die Welt, in der sie existiert.”

Diese Kritik richtete sich an Kollegen, die sich nur mit der Bedeutung von Ritualen, Mythen und Symbolen beschaeftigten.

In seinen heute als Klassiker geltenden Monographien, so die faz weiter, stellte Balandier viele der bis dahin gängigen Lehren über Kolonialismus und gesellschaftliche Ordnungen in Afrika in Frage. Er veröffentlichte mit die ersten Studien, die sich mit dem städtischen Leben im frankofonen Afrika beschäftigten.

Er hatte auch Bedeutung fuer die Entwicklung von Theorien ueber Ethnizitaet:

Nationalistische afrikanische Politiker nannten Ethnizität Hochverrat und wetterten gegen “tribalistische Tendenzen”. Balandier dagegen bezweifelte, daß ethnische Gruppen als ineffiziente und unbefriedigende Formen der menschlichen Gesellschaft zwangsläufig und mit Recht zum Untergang verurteilt waren. Er kehrte subversiv die Modernisierungstheorie um und deutete Tribalismus als Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und staatliche Unterdrückung.

>> weiter in der faz

Anlaesslich der Herausgabe seines neuen, in Frankreich offenbar vieldiskutierten Buches "Le grand derangement" stellt faz-Autor Andreas Eckert en Ethnologen Georges Balandier vor. Von Balandier stammt u.a. die sympathische Aussage

"Eine Ethnologie, welche die gegenwärtige Situation ihrer Untersuchungsgegenstände ignoriert, pfeift…

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Frobenius-Ausstellung: Historische 3D-Bilder aus dem Kongo

Das Museum der Weltkulturen schickt mir Infos ueber ihre aktuelle Ausstellung, die sehr spannend zu sein scheint: Im Schatten des Kongo – Leo Frobenius. Stereofotografien von 1904-1906.
Stereofotografien sind dasselbe wie 3D-Fotografien. Deswegen schaut man sich die Ausstellung mit einer 3D-Brille an:

Von 1904 bis 1906 veranstaltete der Afrikaforscher Leo Frobenius seine erste Expedition, die ihn zum Kongo und seinem Nebenfluss Kassai führte. Von dieser Reise brachte Frobenius nicht nur umfangreiches ethnographisches Material, sondern auch mehr als 100 stereoskopische Glasplatten mit. Die Glasnegative blieben lange unbeachtet im Archiv. Eine Auswahl ist nun nach aufwendiger Bearbeitung und 100 Jahre nach ihrer Entstehung zum ersten Mal in Stereo und als Großformat zu betrachten. Sie Zeigen Ansichten des Kongo und seiner Bewohner und bieten neben einer faszinierenden räumlichen Illusion auch den Nachvollzug des kolonialen Blickes jener Zeit.

Die von Mitarbeitern des Frobenius-Instituts an der Johann Wolfgang Goethe-Universität gestaltete Ausstellung wird von einem aufwendig gemachten Katalog begleitet, der erstmals alle 146 von Frobenius im Kongo aufgenommenen Stereofotografien zeigt. Aufsätze der Herausgeber beschäftigen sich mit Fragen der Technik, geben einen Überblick über die Kongo-Kassai-Expedition und analysieren die Repräsentationsstrategien in Frobenius’ Bildern.

“Es lohnt sich, den verblüffenden dreidimensionalen Effekt mit Hilfe der bereitgelegten Brillen zu erleben”, schreibt die faz. Die ZEIT jedoch meint: “Der koloniale Blickwinkel bleibt”.

Das Museum der Weltkulturen schickt mir Infos ueber ihre aktuelle Ausstellung, die sehr spannend zu sein scheint: Im Schatten des Kongo - Leo Frobenius. Stereofotografien von 1904-1906.
Stereofotografien sind dasselbe wie 3D-Fotografien. Deswegen schaut man sich die Ausstellung mit einer…

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“Der Ethnologie der Arktis kommt eine Vorreiterrolle zu”

Der orf berichtet von Ergebnissen einer ethnologischen Fachtagung in Wien. Auf Einladung der “Arbeitsgemeinschaft Arktis und Subarktis” kamen Ethnologen aus Russland, Japan, Nordamerika und Europa zusammen. “Mit der im Wissenschaftsbetrieb nicht ganz ungewohnten Verzögerung von fünf Jahren”, so der orf, liegen nun die Konferenzbeiträge als Buch vor.

Interessant:

Der Ethnologie des arktischen und, subarktischen Raumes kommt in vieler Hinsicht auch eine Vorreiterrolle hinsichtlich einiger momentaner Paradigmenwechsel in der Forschung zu. Darüber ist sich der Ethnologe Stefan Donecker sicher. Die alte Tradition, das alte hierarchische Verhältnis, der Ethnologe forscht und die Indigenen sitzen da und werden erforscht, dieses vollkommen einseitige Machtverhältnis, so Donecker, habe inzwischen ausgedient.

Gerade aus dem arktischen Raum gibt es in jüngster Vergangenheit einige sehr aufschlussreiche und sehr viel versprechende Pilotprojekte, wo Indigene und europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam forschen und gemeinsam publizieren.

>> weiter beim orf

Auf der Homepage der Arbeitsgruppe gibt es mehrere Artikel in Volltext!

SIEHE AUCH:

“Expanding willingness among anthropologists to listen to Native peoples”

“Aboriginal knowledge is science”

Inuit play makes fun of anthropologists

Der orf berichtet von Ergebnissen einer ethnologischen Fachtagung in Wien. Auf Einladung der "Arbeitsgemeinschaft Arktis und Subarktis" kamen Ethnologen aus Russland, Japan, Nordamerika und Europa zusammen. "Mit der im Wissenschaftsbetrieb nicht ganz ungewohnten Verzögerung von fünf Jahren", so…

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Evolutionismus, Funktionalismus und Durkheim

Andrea “zerzaust” Ben Lassoued benutzt diesen Herbst Blogs in ihrem Tutorium zur Geschichte der Ethnologie. Auch die meisten Studis bloggen. Andrea listet vier Texte auf, die im Kurs besonders gut ankamen: Kurze Einfuehrungen zu Evolutionismus, Funktionalismus und Durkheims Theorien. Sehr nuetzlich auch fuer uns ausserhalb des Kurses! >> zum Tutoriums-Blogg

Andrea "zerzaust" Ben Lassoued benutzt diesen Herbst Blogs in ihrem Tutorium zur Geschichte der Ethnologie. Auch die meisten Studis bloggen. Andrea listet vier Texte auf, die im Kurs besonders gut ankamen: Kurze Einfuehrungen zu Evolutionismus, Funktionalismus und Durkheims Theorien. Sehr…

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"Es gibt nichts Gutes, ausser Frauen tun es" – Fundamentalismus in der Forschung

Ethnologe David Signer kommt leicht frustriert vom Weltkongress für Matriarchatsstudien in Texas zurueck. Er scheint in ein Nest radikalfundamentalistischer Feministen geraten zu sein, die weniger mit Wissenschaft denn mit Ideologieproduktion beschaeftigt waren. “Es gibt nichts Gutes, ausser Frauen tun es. Denn wo Männer sind, herrscht das Unglück” war das Fazit des Kongresses infolge Signer. Im Eroeffnungsvortrag war u.a. dies zu hoeren, schreibt der Ethnologe:

«Matriarchale Gesellschaften haben eine nichtgewalttätige Sozialstruktur; sie beruhen auf Geschlechtergleichheit; ihre politischen Entscheidungen werden im Konsens gefällt; einsichtsvolle und wohldurchdachte Prinzipien und soziale Leitlinien verschaffen ein friedliches Leben für alle. Möge das Beispiel der matriarchalen Gesellschaften uns den Weg weisen, das Patriarchat hinter uns zu lassen!»

Dass es Gesellschaften gibt, in denen Frauen eine starke Stellung haben, steht ausser Frage. Doch das Bild ist nicht so Schwarz-Weiss wie es viele Matriarchatsforscherinnen malen, betont Signer:

Schon die Gegenüberstellung von Matriarchat und Patriarchat wirft Fragen auf, vor allem, weil die Begriffe etwas zirkulär definiert werden: Matriarchale Gesellschaften sind friedlich ? kriegerische Aspekte, etwa bei den matriarchalen Irokesen oder afrikanischen Akan, werden ausgeklammert; (…) «Patriarchat» und «Matriarchat» lassen sich auch nicht als radikale Alternativen gegeneinander ausspielen; sie sind zwei Pole eines Kontinuums, aus dem uns Geschichte und Ethnologie vielfältige Variationen präsentieren.

Sehr erfrischend waren daher laut Signer die Beitraege von Forscherinnen aus matriarchalen Gesellschaften. Sie relativierten die Verallgemeinerungen der Veranstalterinnen. Die Ethnologin Peggy Reeves Sanday beschrieb die Minangkabau auf Sumatra, entgegen der verbreiteten Gleichsetzung von «matriarchal» mit «herrschaftsfrei», als hierarchische Königtümer. Eine Vertreterin der Khasi in Indien z.B. sagte, dass die Khasi auch nicht gerade demokratisch seien:

Es herrscht eine ausgeprägte Oligarchie, nur gewisse Clans haben Zugang zur Macht. Es gibt grosse Spannungen zwischen den Geschlechtern; die Männer empfinden die Matrilokalität als drückend, wo sie unter der Kontrolle ihrer Schwiegerfamilie leben müssen. Sie versuchen ausserhalb der Khasi zu heiraten. Die Scheidungsrate ist hoch und häusliche Gewalt alltäglicher als in allen anderen Gesellschaften der Region; Alkoholismus auch. «Matriarchat», sagte die Khasi-Frau, ist ein patriarchaler Ausdruck (generalisierend, totalisierend, polarisierend). «Man sollte zuerst einzelne Kulturen studieren und dann verallgemeinern, und nicht umgekehrt.»

>> zu Signers Text in der Weltwoche (Link aktualisiert)

SIEHE AUCH:

Peggy Reeves Sanday: Life Among the Minangkabau of Indonesia

Peggy Reeves Sanday: Matriarchy as a Sociocultural Form: an Old Debate in a New Light

Jaana Holvikivi: Contemporary matriarchal societies: The Nagovisi, Khasi, Garo, and Machiguenga

Isabella Andrej: Matrilineare Gesellschaften. Eine Untersuchung aus ethnologischer und historischer Sicht

Ethnologe David Signer kommt leicht frustriert vom Weltkongress für Matriarchatsstudien in Texas zurueck. Er scheint in ein Nest radikalfundamentalistischer Feministen geraten zu sein, die weniger mit Wissenschaft denn mit Ideologieproduktion beschaeftigt waren. "Es gibt nichts Gutes, ausser Frauen tun es.…

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