search expand

“Männlichkeit im Fussball ist eine echte Forschungslücke”

“Ich glaube nicht, dass Fußball ohne Männlichkeitskult und den Ausschluss von Weiblichkeit möglich ist”, sagt Ethnologin Almut Sülzle in einem Interview mit den Standard.

Drei Jahre lang ist Almut Sülzle in Fussballstadien auf Feldforschung gegangen. Sie steht kurz vor Abschluss ihrer Dissertation an der Universität Marburg zum Thema „Fussball und Männlichkeit“. “Männlichkeit im Fussball ist eine echte Forschungslücke”, meint sie – trotz einer seit Jahren boomenden sozialwissenschaftlichen Forschung zum Thema Fussball. “Die Forscher sind eben selbst Männer und Fussballfans.”

Feltarbeit im Stadion ist faszinierend, sagt sie – nicht zuletzt auch weil sich im Stadion alle Schichten, vom Manager bis zum Arbeitslosen, finden. Die gesellschaftlichen Schranken werden dort teilweise aufgehoben. Und es gibt jede Menge weibliche Fussballfans. Die Ethnologin ist zum Fan von Fussballfankulturen geworden:

Weibliche Fußballfans genießen es, nicht auf die Rolle der Frau festgeschrieben zu sein. Sie können vieles ausprobieren, was für Männer reserviert ist. Im Stadion darf eine Frau auch einmal wüst schreien und fluchen. Alles, was rosa und zickig ist, hat im Stadion nichts verloren. Was mich fasziniert, ist der Zusammenhalt unter den Frauen und der ironische Umgang mit Sexismus. Frauenfanklubs nennen sich „Titten auswärts“ oder „Hooligänse“.

>> zum Interview im Standard

SIEHE AUCH:

Almut Sülzle: Frauen und Fussball – warum sich die Geschlechterklischees trotzdem halten

Ethnologie und Fussball: “Der Fußball hat ein Problem mit der Homosexualität”

Ethnologe: “Deutscher WM-Patriotismus positiv”

“Faszination Fußball” im Hamburger Völkerkundemuseum

Fussball: Keineswegs nebensächlich für Ethnologen

"Ich glaube nicht, dass Fußball ohne Männlichkeitskult und den Ausschluss von Weiblichkeit möglich ist", sagt Ethnologin Almut Sülzle in einem Interview mit den Standard.

Drei Jahre lang ist Almut Sülzle in Fussballstadien auf Feldforschung gegangen. Sie steht kurz vor…

Read more

Ethnologin Shalini Randeria zum Kastensystem und Hindunationalismus

Welche Rolle spielt das Kastensystem in Indien? Erleben anti-muslimische hindunationalistische Strömungen einen Aufwind? Ethnologin Shalini Randeria steht in einem Interview mit dem Magazin Chilli.cc (Teil eines Schwerpunktes Hindunationalismus) Rede und Antwort.

Den Sieg der Hindunationalisten in Gujarat sei besorgniserregend:

Denn Narendra Modi, der als Ministerpräsident bestätigt wurde, war derjenige, dessen Regierung 2002 für die Pogrome gegen die Muslime verantwortlich war. Anstatt die Politik der Gewalt gegen religiöse Minderheiten zu bestrafen, wurde diese Regierung zum zweiten mal wieder gewählt.

Der Wahlsieg kann jedoch mehr mit Wirtschaftspolitik als Religion zu tun haben:

Dieser Wahlsieg aber soll als Reaktion der Wähler auf die erfolgreiche neoliberale Wirtschaftspolitik der Landesregierung gewertet werden. Gujarat hat ein sehr hohes Wirtschaftswachstum, die Privatwirtschaft floriert, ausländische Investitionen fließen ins Bundesland und schaffen Arbeitsplätze. Mittelschichten profitieren von diesen Entwicklungen. Eine neoliberale Wirtschaftspolitik ist also sehr gut mit der hindunationalen Politik vereinbar.

Die Rolle des Kastensystems ist komplex. Auf der einen Seite ist die Bevorzugung oder Diskriminierung aufgrund der Kasten-Zugehörigkeit strafbar. Andererseits spielt Kastenzugehoerigkeit bei Heiraten und im Wahlkampf eine Rolle, erzaehlt sie.

>> zum Interview auch Chilli.cc

Shalini Randeria, die derzeit am Ethnologischen Seminar der Uni Zürich lehrt und forscht, wurde vor knapp drei Jahren in der ZEIT interviewt – und zwar zur Frage, ob eine Frau als deutsche Kanzlerin einen Fortschritt bedeutet:

Als Inderin wundere ich mich über die Aufregung, die eine weibliche Kanzlerschaft in Deutschland verursacht. In Südasien werden seit 35 Jahren Frauen in fast jedem Land in politische Spitzenämter gewählt. Daran, dass Frauen das dürfen und können, gab es nie Zweifel. Nur haben diese Regierungschefinnen weder eine andere Frauenpolitik gemacht noch der strukturellen Benachteiligung von Frauen entgegengewirkt. Insofern ist die Wahl einer Frau nur von symbolischer Bedeutung.

>> Asien ist längst weiter: Interview mit Shalini Randeria in der ZEIT

SIEHE AUCH:

Wieso immer noch Kasten in Indien?

Chronicles Women’s Social Movements in India

Welche Rolle spielt das Kastensystem in Indien? Erleben anti-muslimische hindunationalistische Strömungen einen Aufwind? Ethnologin Shalini Randeria steht in einem Interview mit dem Magazin Chilli.cc (Teil eines Schwerpunktes Hindunationalismus) Rede und Antwort.

Den Sieg der Hindunationalisten in Gujarat sei besorgniserregend:

Denn…

Read more

Eine legendärer Ethnologe verabschiedet sich

Der Schweizer Ethnologe Michael Oppitz verabschiedet sich aus dem Lehrbetrieb. “Michael Oppitz ist eine legendäre Figur”, schreibt sein frueherer Student David Signer in der Weltwoche.

Oppitz, “einer der wenigen Geisteswissenschaftler in der Schweiz mit internationaler Strahlkraft”, lebte als Forscher in Kathmandu, Paris, London, New York, Los Angeles, Berkeley, Berlin, bis er 1991 in Zürich Professor und Direktor des Völkerkundemuseums wurde.

Seine Laufbahn ist sehr interessant. Dem akademischen Betrieb ist er so lange als möglich ferngeblieben. “Den freien Intellektuellen findet man heute ausserhalb der Universität”, meint er.

1984 kehrte er nach vielen Jahren im nepalesischen Hochland als 42jaehriger nach Europa zurück. Bei den nördlichen Magar in Nepal hatte er eine Gesellschaft gefunden, das seiner anarchistischen Neigung entsprach. Zurueck in Europa “tingelte er als Freelancer um die Welt, ein Stipendium da, eine Gastprofessur dort.”

«Meine Mutter fürchtete, ich würde verarmen, Freunde rieten mir dringend, unter die Haube zu kommen.» Er selber machte sich keine Sorgen. Obwohl ein Spezialist für Lokalkulturen, kommt er selber ohne viel Verwurzelung aus. Heimat? «Es ist mir egal, welchen Pass ich habe. Hauptsache, ich komme damit durch.»

Eine Professur in Mainz schlug er im letzten Moment aus – «so wie man seine Teilnahme an einer Party absagt» –, was ihm einige Feinde mehr bescherte. Schliesslich landete er in Zürich, wo er bei der Antrittsvorlesung einen Heilgesang vortrug und dabei auf das Kathederpult schlug, als wär’s eine Schamanentrommel.

>> mehr in der Weltwoche (Link aktualisiert)

Nun ist im Völkerkundemuseum Zürich seine Abschiedsausstellung zu sehen: Fotos aus seinem reichen Fundus über die Magar-Schamanen sowie eine umfassende Sammlung von Schamanentrommeln, siehe früherer Bericht Ethnologe Michael Oppitz: “Auf die Uni zu gehen ist Zeitverschwendung”.

Auf podcast.de kann man sich ein DRS Radio-Interview mit Oppitz anhören

Der Schweizer Ethnologe Michael Oppitz verabschiedet sich aus dem Lehrbetrieb. "Michael Oppitz ist eine legendäre Figur", schreibt sein frueherer Student David Signer in der Weltwoche.

Oppitz, "einer der wenigen Geisteswissenschaftler in der Schweiz mit internationaler Strahlkraft", lebte als Forscher in…

Read more

“Transkulturelles Lernen”

Kluge Worte von Ethnologin Christiane Klingspor vom Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen in der taz. Sie meint (wie viele andere Ethnologen auch), dass wir Kultur neu definieren müssen:

Die Art, wie wir Kultur definieren, prägt unser Verständnis von Gesellschaft. Meist wird unter Kultur etwas Geschlossenes verstanden, das mal durch Ethnie, mal durch Volk, mal durch Geschichte zusammengehalten ist.

Ein transkulturelles Verständnis indes geht davon aus, dass es nie eine abgeschlossene Kultur gab. Leute sind immer gewandert und haben etwas von einer Gesellschaft in eine andere getragen. Wenn man mit dieser Brille guckt, kann man besser miteinander auskommen.

(…)

(W)enn jemand sagt: “Wir sind die deutsche Leitkultur”, dann verkrampft das doch das Miteinander. Wenn man dagegen versteht, dass die Kultur des Okzidents nicht denkbar wäre, wenn der Orient nicht ordentlich zugeliefert hätte, dann kann man etwas entspannter damit umgehen. Dass die transkulturelle Wahrnehmung aber nicht einfach ist, das sieht man schon, wenn Leute aus Berlin auf einen Feuerwehrball in einem sauerländischen Dorf einfallen.

>> weiter in der taz Berlin

Die taz-Reportage über das Lernhaus ist jedoch weniger “transkulturell” – vielleicht liegt es ja an der Journalistin?

SIEHE AUCH:

Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Schule, Integration und Kosmopolitismus

Kluge Worte von Ethnologin Christiane Klingspor vom Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen in der taz. Sie meint (wie viele andere Ethnologen auch), dass wir Kultur neu definieren müssen:

Die Art, wie wir Kultur definieren, prägt unser Verständnis von Gesellschaft.…

Read more

Barbara Lüem ist tot

Die Basler Ethnologin Barbara Lüem ist im Alter von erst 55 Jahren gestorben, meldet webjournal.ch. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Buches ist sie durch einen unglücklichen Sturz unmittelbar gestorben.

Ich habe in den 90er-Jahren an einer ihrer Seminaren an der Uni Basel über die Pazifik-Inselgruppe Tuvalu teilgenommen. Die Einwohner Tuvalus waren auch Thema ihrer Doktorarbeit. Das Nachrichtenportal schreibt:

Sie war eine vielseitig interessierte Persönlichkeit, die als freischaffende Ethnologin, stets auch immer «berufsfremde» Tätigkeiten ausübte, die schliesslich aber immer wieder in ihre wissenschaftliche Arbeit einflossen.

So ist sie die Verfasserin von «Heimathafen Basel» eines der «Bestseller» des Christoph-Merian-Verlages Basel, worin sie umfassend die Geschichte der schweizerischen Hochsee- und Rheinschiffahrt sowie des Rheinhafens Basel in süffig lesbarer Weise schildert.

Sie war auch Märtfrau auf dem Basler Markt, und zwar am Elsässer-Stand von Boulay, Village-Neuf. (…) Barbara Lüem war während eines Jahres auch zuständig für das kulturelle Programm im Kleinbasler Integrations-Zentrum «Union».

>> weiter auf webjournal.ch

Ueber das Buch Heimathafen Basel schreibt die taz:

In vier Kapiteln untersucht die Autorin Fragen nach dem Wie und Warum der Flotte, nach den Schiffstypen, die vom Hochseehafen Basel aus die Welt befahren, und nach den Menschen, die damit zu tun haben. Das Resultat ist ein ausgesprochen interessantes und spannendes Werk, welches historische Informationen, private Dokumente Schweizer Seefahrer und persönliche Eindrücke auf angenehmste Art und Weise verbindet.

>> Interview mit Barbara Lüem über das Buch auf SwissInfo

Die Basler Ethnologin Barbara Lüem ist im Alter von erst 55 Jahren gestorben, meldet webjournal.ch. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Buches ist sie durch einen unglücklichen Sturz unmittelbar gestorben.

Ich habe in den 90er-Jahren an einer ihrer Seminaren an…

Read more