Ist nicht Heterogenität gewöhnlicher als Homogeniät? Machen wir nicht Fremdheit in der Migrationsdebatte zu einem unnötig grossen Problem? Diese Fragen diskutiert Ethnologe Hans-Jürgen Heinrichs in einem schönen Aufsatz in der Frankfurter Rundschau mit dem Titel Die Unverzichtbarkeit des Fremden:
Kleinste Gruppen und Gemeinschaften bis zur Großform der Gesellschaft sind geprägt von extrem vielen divergierenden Verhaltensweisen, Haltungen, Positionen, Ritualen, Urteilen und Vorurteilen; viel stärker noch gilt dies für die großen Formen, die wir als Kontinente bezeichnen.
Aber auch auf der Ebene individuellen Lebens liebäugeln wir mit dem bloßen Konstrukt von Einheiten, sprechen von einem Ich und von Identität, wissend, dass jedes Ich unendlich viele Brechungen in sich birgt und Identität nur eine, wenn auch äußerst nützliche, Fiktion ist. Auch in persönlichen Beziehungen – von Freundschaften und Liebesgeschichten bis zur Ehe und Familie – mühen wir uns (oft genug widerwillig) ab an unseren Verschiedenartigkeiten.
Dann aber müssen wir feststellen: Gerade im Erkennen und Anerkennen von Differenzen entwickeln wir uns weiter. In der Homogenität langweilen wir uns schnell; von einer Differenz aber fühlen wir uns belebt, inspiriert, angestachelt zu Aktivität und Kreativität. Ist so gesehen das Erleben der Differenz im Kern nicht künstlerisch?
Er kritisiert zudem, “dass Ethnologen bei politischen Ereignissen nur in Ausnahmefällen zu Rate gezogen werden”.
> weiter in der Frankfurter Rundschau (Link ohne Tracking, aktualisiert 17.6.2025)
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Kleinste Gruppen…


