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Neue Ausgabe von Ethmundo: Das Fest – ein ganz normaler Ausnahmezustand

Was waere ein Leben ohne Feste? Ob nun Feste in erster Linie zur Orientierung im Jahresablauf dienen wie die Einleitung zur neuen Ausgabe von Ethmundo suggeriert oder weil wir Feste brauchen weil der Mensch ein soziales Wesen ist – darueber kann man filosofieren bei der Lektuere der Schwerpunktthema der neuen Ausgabe von Ethmundo.

Ein Interview zum Schuetzenfest in Everswinkel ist genauso dabei wie Texte ueber St.Patricks Day in Irland, das balinesische Neujahresfest, ueber den ganz besonderen 15. Geburtstag in Mexiko und ueber die Feier des dritten Milleniums in Aethiopien (dort hat das 21. Jahrhundert erst vorgestern begonnen)

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“Draußen nur Kännchen” – Ethnologe Asfa-Wossen Asserate redet ueber Deutschland

“Sagen Sie bitte einen hässlichen Satz, den es nur im Deutschen gibt”, sagt der ZEIT-Journalist. “Draußen nur Kännchen”, antwortet Ethnologe Asfa-Wossen Asserate: “Niemandem sonst leuchtet die Logik ein, warum man eine Tasse Kaffee nicht auch draußen trinken sollte.” Warum gibt es gerade in Deutschland »draußen nur Kännchen«? “Weil die Deutschen in vielerlei Hinsicht genormt sind; das hat mit der preußischen Vergangenheit zu tun”, meint der Ethnologe.

In dem Stil geht es munter weiter. Asfa-Wossen Asserate ist 1968 von Aethiopien nach Deutschland gekommen. Ueber Afrika aeussert er sich allerdings sehr abschaetzig mit der Standard-Phrase “Ich bin gegen Political Correctness”. Er hat offenbar nicht mitbekommen, dass es eben political correct ist, sich abschaetzig ueber Afrikaner zu aeussern (und Muslime etc). Man denke u.a. daran was Sarkozy neulich sagte: “The tragedy of Africa is that the African has never really entered into history … They have never really launched themselves into the future.”

>> zum Interview mit Asfa-Wossen Asserate in der ZEIT

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Alkoholismus und Selbstmorde bei den Inuit: “Kolonisierung hat Schuld”

Die WoZ interviewt Ethnologen Yvon Csonka, der ueber Zwangsumsiedlungen von Inuit in Kanada und Grönland forscht:

Angefangen hat das zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. In Kanada zum Beispiel war bis 1945 gar nicht klar, ob Inuit überhaupt kanadische Staatsbürger sind. Erst als wegen des Kriegs im Norden Militärstationen gebaut wurden, realisierte man, dass es dort eine Bevölkerung gibt. Zur selben Zeit baute die Regierung ihr Wohlfahrtssystem aus. (…) Damit (die Kinder) zur Schule gehen konnten, sollten sie auch in der Nähe einer Schule leben. Also überzeugte man die Familien, dorthin zu ziehen, wo Schulen entstanden – namentlich in Orte, wo es bereits eine Polizeistation oder eine religiöse Mission gab. Einer der ersten Schritte war also, die Nomaden zu sesshaften Bürgern zu machen.

Eine andere Zwangsumsiedlung: In 1953 errichtete die US-Armee in der Nähe von Thule, im Nordwesten Grønlands einen Armeestützpunkt:

Ja, die dänische Regierung erteilte den Amerikanern grünes Licht für den Bau – ohne die Menschen, die dort lebten, nach ihrer Meinung zu fragen. Die mussten von einem Tag auf den andern umziehen. Man hatte ihnen Grosses versprochen: wunderbare neue Dörfer mit schönen Häusern und finanzielle Kompensation. Dort angekommen aber sahen sie, dass das leere Versprechen waren. Erst viel später wurde das Versäumte nachgeholt.

Derzeit forciert die Regierung auf Grönland den Umzug von in kleinen Siedlungen lebenden Menschen in grössere Dörfer und Städte. Ein riesiges Aluminiumwerk ist geplant. Dafür müssten dann Tausende von Arbeitern in Fabriknähe verlegt werden.

Bringen diese Verän­derungen auch etwas Positives mit sich? Für wen hat sich die Situation verbessert, für wen nicht? Dies versucht der Ethnologe herauszufinden.

Doch Grønland hat mit vielen Problemen zu kaempfen: Alkoholismus, Kindsmissbrauch und die vielen Selbstmorde. Der Ethnologe sagt:

Diese Probleme gibt es erst seit fünfzig Jahren. Sie entstanden zur gleichen Zeit, in der die sogenannte Modernisierung stattfand und in der die Bevölkerung in die Zentren geholt wurde. Es ist also klar, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Problemen und dem den Inuit auferlegten Zwang, ihr Leben zu ändern.

Im Westen glaubte man fest an die Modernisierung und dass sie für alle gut sei. Man fand, das Nomadentum sei keine praktische Lebensform, jeder solle von den Errungenschaften und Bequemlichkeiten der Moderne profitieren können. Und dann glaubte man, diese Leute seien zu blöd, um das zu verstehen und für sich selbst zu entscheiden. Deshalb hat man für sie entschieden, ohne sie zu fragen. So lief das damals nicht nur in der Arktis, sondern in den meisten kolonialisierten Ländern ab.

Der Klimawandel wird den Inuit erneut rasche Veränderungen aufzwingen.

Können sie sich den Veränderun­gen anpassen? Menschen sind anpassungsfaehig. Auch die Inuit könnten sich anpassen, wenn die Veränderungen nicht so schnell passieren würden, so der Ethnologe.

>> zum Interview in der WoZ

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In Darkest Leipzig – Ethnologiestudent erfolgreich mit Buch über Leipziger Clans und Stämme

in darkest leipzig - cover

Ethnologiestudent Michael Schweßinger (29) macht etwas, was allzu wenige Ethnologe tun – er forscht und schreibt über das Alltagsleben in seiner eigenen Stadt – und er hat Erfolg. Sein Buch In darkest Leipzig: Über die seltsamen Sitten und Gebräuche der Lindenauer ist ein Hit geworden, erfahren wir in einem Interview in der Leipziger Internet Zeitung.

“Manchmal setze ich mich einfach in die Absturzkneipen, höre den Menschen zu und schreibe über sie oder über das, was sie mir erzählen. Und die haben verdammt viel zu erzählen”, sagt er:

Ich begann vor eineinhalb Jahren mit meiner ethnologischen Feldforschung. Dabei stieß ich auf die verschiedenen faszinierenden Lindenauer Volksgruppen, die weite Teile des Leipziger Westens besiedeln. In der Wissenschaft herrscht mittlerweile Einigkeit darüber, dass es bei den Lindenauern einen grundsätzlichen Unterschied zwischen sesshaften und nomadisch agierenden Clans gibt. So gesehen müssen wir differenzieren, wenn wir uns mit den Lindenauern beschäftigen.

Allgemein lässt sich jedoch sagen: Die Lindenauer siedeln seit nahezu 1000 Jahren an den fruchtbaren Elsterauen. Sie waren in früheren Zeiten für ihre Handwerkskunst und ihren kulturellen Reichtum bekannt. Heute teilen die Lindenauer das traurige Schicksal vieler indigener Völker, die vom Kapitalismus überrollt wurden. Hartz IV, zunehmender Alkoholismus, Perspektivlosigkeit

Wie wir sehen benutzt der Autor klassische ethnologische Begriffe – eine gute Idee! Generell, sagt er, hätte er fast nur positives Feedback auf Lesungen bekommen, doch einmal wurden “heftige Debatten” über ethnologische Terminologie” geführt und viele fühlten sich “mächtig auf dem Schlips getreten, wenn sie mit “den Primitiven” in einem Atemzug genannt werden”.

Auf die Frage nach besonders emotionalen Erlebnissen während der Feldforschung antwortet er u.a.:

Eines dieser Dramen spielte sich im Supermarkt ab. Ein Vater der mit seiner Tochter händchenhaltend durch den Supermarkt geht, um sich eine Flasche Schnaps zu kaufen. Die Tochter sieht die Eistruhe und will ein Eis. Du siehst, dass er sie liebt und das er ihr gerne das Eis kaufen würde, aber dass sein Geld nicht für Alkohol und Eis reicht.

Diesen Moment zu beobachten, wie er den inneren Kampf zwischen Alk und Tochter austrägt und man weiß, dass der Alk gewinnen wird, da könnte man heulen. Dann die Menschen, die alleine in irgendwelchen Hauseingängen sitzen und mit leeren Augen vor sich hinstarren und trinken. Ich weiß nicht, da gehen so viele Dinge falsch.

Das Interview ist sehr inspierierend und Michael Schweßinger öffnet uns die Augen für den spannenden Alltag gleich um die Ecke – gerade auch aus Studentenperspektive. Er hat mehrere weitere Projekte am laufen, erzählt er:

Ich arbeite gerade an meinem neuen Buch “Von Seemännern und anderen Gestrandeten”, welches Anfang Dezember erscheinen wird. Es geht darin wieder um den Leipziger Westen, allerdings beschäftigen ich mich dabei mehr mit den Menschen der Straßen und Kneipen und weniger mit den sesshaften Lindenauern. Irgendwie ist das Buch sehr viel nachdenklicher geworden als “In darkest Leipzig”, aber vermutlich muss das so sein, wenn man sich die Realität vor Ort bewusst macht.

Dann gibt es natürlich noch jede Menge anderer Stories an denen ich gerade schreibe. In einigen berichte ich über meine skurrilen Erlebnisse als Tagelöhner. Als Student bekommt man ja die freakigsten Jobs angeboten. Reinigung im Atomkraftwerk, Baumfäller auf Friedhöfen, Sklavenarbeit auf Baustellen, Inventuren in staubigen Ramschläden. Das wird dann wieder sehr humorvoll.

>> weiter zum Interview in der Leipziger Internet Zeitung

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China: Reiche Touristen verdrängen die Naxis?

lijang
Lijang Sommer 1992

Als ich 1992 in Lijang im Suedwesten Chinas war, rund 20 lebensgefaehrliche Busstunden vom nachsten Bahnhof (Kunming) entfernt, war der Ort noch eine Art Geheimtip fuer Backpacker. Dem ist nicht mehr so. “Die Veränderungen brachen über Lijiang herein, als die Unesco die Altstadt im Jahr 1997 mit dem Titel „Weltkulturerbe“ auszeichnete”, meldet die faz:

Zehntausende strömen jeden Tag in die kleine Altstadt am Fuß des Jade-Drachen-Berges. Die Einwohner haben ihre Häuschen an Souvenirgeschäfte vermietet und sind aus dem Rummel geflohen. Jetzt ist die Altstadt voll mit Läden, Bars und Restaurants.

Lijiang, noch vor zehn Jahren eine verschlafene Stadt, ist berühmt geworden. In der auf 2400 Meter Höhe am Rand des Himalaja gelegenen Ortschaft sind große Anlagen mit luxuriösen Einfamilienhäusern entstanden. Reiche Städter aus Peking, Schanghai und anderen chinesischen Städten kaufen sich hier ein und genießen die frische Luft und die Aussicht auf die Berge.

In der Stadt Lijiang beherrschen weniger und weniger Naxi ihre eigene Sprache. Schamanen gibt es nur noch ein paar und sie geben ihr Wissen nicht mehr an die Jungen weiter, sondern an Ethnologen, lesen wir. Ihre Söhne und Enkel haben an der Religion ihrer Vorfahren kein Interesse mehr. Sie wollen lieber in der Stadt Geld verdienen.

Derweil wird die Minderheitenkultur im Tourismus vermarket. Die Naxis selbst sehen den Zustrom der Touristen aus ganz China und Übersee nicht nur negativ:

„Der Tourismus bringt Einnahmen und macht unsere Kultur bekannt“, sagt Naxi-Lehrerin Yang. „Doch sehen Sie mal, was sie mit unserer Schrift machen! Oft sind die Piktogramme auf den Souvenirs ganz falsch geschrieben!“ Alles wird eben möglichst gut vermarktet: die ureigene Kunst der Schamanen, die Bilderschrift, die Schnitzereien, die Keramik und die Malereien.

„Der Tourismus ist gut“, sagt Naxi-Forscher Li Xi, der Leiter des Dongba-Museums von Lijiang. Er bringe der armen Region Einnahmen. Tatsächlich wurden Straßen und ein Flughafen gebaut. Hotels entstanden, und die Sehenswürdigkeiten der Umgebung wurden erschlossen. „Der Tourismus hat unsere Kultur aufgewertet. Jeder kann jetzt mit unserer Kultur Geld verdienen. Wir Naxi können jetzt wieder auf unsere Kultur stolz sein. Es ist nicht mehr wie früher, als wir wegen unserer Rückständigkeit gehänselt wurden.“

Bzgl Ueberschrift der faz: Die faz bedient sich eines statischen Bildes von Kultur. Wie wir Ethnologiestudierenden bereits im 1.Semester gelernt haben: Kulturen sterben nicht aus, sondern veraendern sich.

>> zur Geschichte in der faz: Die Dongba sterben aus

>> Wikipedia ueber Naxis

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Lijang Sommer 1992

Als ich 1992 in Lijang im Suedwesten Chinas war, rund 20 lebensgefaehrliche Busstunden vom nachsten Bahnhof (Kunming) entfernt, war der Ort noch eine Art Geheimtip fuer Backpacker. Dem ist nicht mehr so. "Die Veränderungen brachen über Lijiang herein,…

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