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"Kuriose Osterbräuche in Bayern"

Beim «Gockelholen» geht es um die Damengunst – «Ostereierwerfen» soll vor Blitzschlag schützen. Neben Karfreitagsprozession, Speisenweihe und Osterspaziergang existieren in Bayern zahlreiche “kuriose Osterbräuche”, erinnert ein Argenturbericht. Viele Bräuche haben keinen religiösen Hintergrund.

In Ostheim an der Röhn kommt Ostern nicht der Osterhase, sondern der Storch. Über 3000 Osterstörche verlassen deswegen jedes Jahr eine kleine Backstube im Ort. «Es gibt eine Vielzahl von Eierbringern, um pädagogische Ziele wie Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit durchzusetzen», erklärt Ethnologin Heidrun Alzheimer.

>> weiter zum ddp-Bericht “Kuriose Osterbräuche in Bayern” (Mittelbayrische, Link aktualisiert)

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Beim «Gockelholen» geht es um die Damengunst - «Ostereierwerfen» soll vor Blitzschlag schützen. Neben Karfreitagsprozession, Speisenweihe und Osterspaziergang existieren in Bayern zahlreiche "kuriose Osterbräuche", erinnert ein Argenturbericht. Viele Bräuche haben keinen religiösen Hintergrund.

In Ostheim an der Röhn kommt Ostern nicht…

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Je mehr Wissenschaft, je mehr Okkultismus

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Der Glaube an verborgene Kräfte ist im angeblich rationalen Europa heute keineswegs ausgestorben. Im Gegenteil. In dem Mass, in dem Wissenschaft und Rationalität sich als Organisationsprinzipien des modernen Lebens durchsetzen konnten, stieg auch das Bedürfnis nach dem Unerklärlichen, schreibt Ethnologin / Volkskundlerin Sabine Doering-Manteuffel in ihrem neuen Buch Das Okkulte, das u.a. in der faz besprochen wird.

Sabine Doering-Manteuffel lässt ihre Geschichte des Okkulten mit der Erfindung des Buchdrucks in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts beginnen. Denn die Buchdruckerkunst war die Voraussetzung für die “Erfolgsgeschichte des Okkulten”, lesen wir:

Wenn aufklärerische Geister hofften, der Buchdruck werde den Sieg der Vernunft über den Aberglauben herbeiführen, sollten sie sich getäuscht sehen. Denn gleich nach der gedruckten Heiligen Schrift entstanden “Ersatzbibeln”, in denen alle Spielarten des Aberglaubens in einem bis dahin nicht gekannten Maß verbreitet wurden: “Die Geburt der modernen Esoterik lässt sich in derselben Zeit verorten, in der Bildung und Wissenschaft aufblühten”, schreibt Sabine Doering-Manteuffel und weist nach, wie mit der Lesefähigkeit und dem Bildungsgrad der Menschen der Bedarf an Okkultem stieg.

>> weiter in der faz

Wie wir in der Besprechung im Deutschlandradio erfahren, stellt das Internet für Doering-Manteuffel “ganz allgemein ein okkultes Medium dar, in dem nicht nur unüberprüfte Informationen Wildwuchs treiben, sondern auch alle möglichen obskurantistischen, esoterischen und magischen Inhalte gepflegt werden, deren Überleben bis in die Wissensgesellschaft der Gegenwart eigentlich als erstaunlich erscheinen könnte”.

Der Begriff des “Okkulten” werde jedoch im Buch zu wenig theoretisiert:

Die noch immer schwierige Frage, wo genau die Trennlinien zwischen guter wissenschaftlicher Praxis und rationalem Wissen einerseits und okkulten Praktiken und Wissensformen andererseits zu ziehen sind, wird wenig thematisiert. Gerade diese Frage ist aber interessant. Denn ganz abgesehen davon, dass auch heute noch wissenschaftstheoretische Debatten über das Verhältnis von legitimem und illegitimem Wissen geführt werden, wird ja gerade in der frühen Neuzeit diese Abgrenzung erst etabliert.

Die Alchemie etwa ist nicht einfach “okkult”, sondern Vorläuferin sowohl von esoterischen Strömungen als auch unserer heutigen Wissenschaft Chemie. Doering-Manteuffel beschreibt in spannender Weise das Okkulte als langen Schatten der Aufklärung; wo aber genau die Grenze zwischen Schatten und Licht liegt, ist vielleicht doch etwas unklarer, als es dieses Buch an manchen Stellen vorauszusetzen scheint.

>> weiter beim Deutschlandradio

Ich war vor rund zehn Jahren fuer die Badische Zeitung auf einer Esoterik-Messe. Das war sehr exotisch, siehe meinen Bericht “Esoterik? Das ist der Weg zu mir”

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Der Glaube an verborgene Kräfte ist im angeblich rationalen Europa heute keineswegs ausgestorben. Im Gegenteil. In dem Mass, in dem Wissenschaft und Rationalität sich als Organisationsprinzipien des modernen Lebens durchsetzen konnten, stieg auch das Bedürfnis nach dem Unerklärlichen, schreibt Ethnologin…

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Ethnologin Shalini Randeria zum Kastensystem und Hindunationalismus

Welche Rolle spielt das Kastensystem in Indien? Erleben anti-muslimische hindunationalistische Strömungen einen Aufwind? Ethnologin Shalini Randeria steht in einem Interview mit dem Magazin Chilli.cc (Teil eines Schwerpunktes Hindunationalismus) Rede und Antwort.

Den Sieg der Hindunationalisten in Gujarat sei besorgniserregend:

Denn Narendra Modi, der als Ministerpräsident bestätigt wurde, war derjenige, dessen Regierung 2002 für die Pogrome gegen die Muslime verantwortlich war. Anstatt die Politik der Gewalt gegen religiöse Minderheiten zu bestrafen, wurde diese Regierung zum zweiten mal wieder gewählt.

Der Wahlsieg kann jedoch mehr mit Wirtschaftspolitik als Religion zu tun haben:

Dieser Wahlsieg aber soll als Reaktion der Wähler auf die erfolgreiche neoliberale Wirtschaftspolitik der Landesregierung gewertet werden. Gujarat hat ein sehr hohes Wirtschaftswachstum, die Privatwirtschaft floriert, ausländische Investitionen fließen ins Bundesland und schaffen Arbeitsplätze. Mittelschichten profitieren von diesen Entwicklungen. Eine neoliberale Wirtschaftspolitik ist also sehr gut mit der hindunationalen Politik vereinbar.

Die Rolle des Kastensystems ist komplex. Auf der einen Seite ist die Bevorzugung oder Diskriminierung aufgrund der Kasten-Zugehörigkeit strafbar. Andererseits spielt Kastenzugehoerigkeit bei Heiraten und im Wahlkampf eine Rolle, erzaehlt sie.

>> zum Interview auch Chilli.cc

Shalini Randeria, die derzeit am Ethnologischen Seminar der Uni Zürich lehrt und forscht, wurde vor knapp drei Jahren in der ZEIT interviewt – und zwar zur Frage, ob eine Frau als deutsche Kanzlerin einen Fortschritt bedeutet:

Als Inderin wundere ich mich über die Aufregung, die eine weibliche Kanzlerschaft in Deutschland verursacht. In Südasien werden seit 35 Jahren Frauen in fast jedem Land in politische Spitzenämter gewählt. Daran, dass Frauen das dürfen und können, gab es nie Zweifel. Nur haben diese Regierungschefinnen weder eine andere Frauenpolitik gemacht noch der strukturellen Benachteiligung von Frauen entgegengewirkt. Insofern ist die Wahl einer Frau nur von symbolischer Bedeutung.

>> Asien ist längst weiter: Interview mit Shalini Randeria in der ZEIT

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Wieso immer noch Kasten in Indien?

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Welche Rolle spielt das Kastensystem in Indien? Erleben anti-muslimische hindunationalistische Strömungen einen Aufwind? Ethnologin Shalini Randeria steht in einem Interview mit dem Magazin Chilli.cc (Teil eines Schwerpunktes Hindunationalismus) Rede und Antwort.

Den Sieg der Hindunationalisten in Gujarat sei besorgniserregend:

Denn…

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Journal Ethnologie 4/2007: Religion im Alltag

Der Themenschwerpunkt Religion im Alltag der neuesten Ausgabe des Magazins Journal Ethnologie zeigt wie Menschen „Religion“ in ihr alltägliches Leben integrieren. Im Editorial lesen wir:

„Alltag“ soll hier nicht als Gegensatz zu Feiertag verstanden werden, sondern als das Gewöhnliche im Gegensatz zum Außergewöhnlichen oder Sakralen. Nicht die heilige Handlung als solche, nicht religiöses Spezialistentum stehen hier im Mittelpunkt, sondern die Art und Weise wie Rituale oder die religiöse Praxis Sinnstiftung und Orientierung im Leben geben. Es geht auch nicht um das Profane im Gegensatz zum Sakralen, sondern darum wie Menschen Religion „leben“.

Zu den Beitraegen:

Urte Undine Frömming: Fußspuren in der Lava. Friedensrituale bei Vulkanausbrüchen in Ost-Flores
Was ist in Ost-Flores zu tun, wenn Konflikte oder sogar Krieg den Alltag beherrschen? Das nahe liegendste ist ein Ritual

Ulrike Krasberg: Die Schwangerschaft mit dem Apfel. Über Heiligenverehrung in Griechenland
Jeweils der oder die Äpfel, die an einem bestimmten Tag im Jahr reif vom Baum fallen, sind wundertätige Äpfel. Sie werden in die Kirche getragen und bleiben dort einige Zeit.

Ulrike Stohrer: Gästeempfang im nördlichen Jemen. Ein Übergangsritual
Reisen und der Kontakt mit Fremden sind Übergänge, die ein Konfliktpotenzial bergen und daher häufig von Ritualen begleitet werden, die den Reisenden ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und Konflikte vermeiden helfen.

Godula Kosack: Nur über Männer sind Frauen vor Geistern geschützt. Die Bedeutung der Religion für die Mafa-Frauen (Nordkamerun)
Für eine afrikanische Frau bedeutet die Christianisierung Fortschritt: Sie ist nicht mehr über ihren Vater, ihre Brüder, ihren Ehemann oder ihren Sohn mit den geistigen Kräften der Erde und des Himmels verbunden. Sie tritt Gott als eigenständige Person gegenüber (Kommentar: Was soll man von solch einer Generalisierung halten?!)

Lioba Rossbach de Olmos: Zigarren, Palmöl, Honig und Rum. Afrokubanische Alltagsreligiosität zwischen Kuba und Deutschland
Die Santería ist – als ursprünglich von afrikanischen Sklaven aus Yorubaland in Kuba ausgebildete Mischreligion – im Zuge der jüngsten Globalisierung auch nach Deutschland gelangt. In vielen deutschen Großstädten ist es mittlerweile kein Problem mehr, Priester und Orakelpriester zu finden, die entsprechende Dienste anbieten.

Der Themenschwerpunkt Religion im Alltag der neuesten Ausgabe des Magazins Journal Ethnologie zeigt wie Menschen „Religion“ in ihr alltägliches Leben integrieren. Im Editorial lesen wir:

„Alltag“ soll hier nicht als Gegensatz zu Feiertag verstanden werden, sondern als das Gewöhnliche im…

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Sind die Universitäten auf die »Wiederentdeckung der Religion« vorbereitet?

Diese Frage stellt die ZEIT in einem laengeren Text. Die ZEIT-Autoren Ulrich Schnabel und Martin Spiewak schreiben:

Das Thema Religion in Politik und Gesellschaft präsenter denn je. Der Islam drängt mit Macht in die Öffentlichkeit: von außen durch Ereignisse wie den 11. September, von innen durch die wachsende Zahl von Muslimen in Deutschland. Christlich-fundamentalistische Gruppen verzeichnen Zulauf, und der Papst gerät zum Medienstar. (…)

Sind die Universitäten auf diese »Wiederentdeckung der Religion« vorbereitet? Das Beispiel Islam lässt daran zweifeln: Rund 650 Theologen, evangelische wie katholische, arbeiten an deutschen Hochschulen. Dagegen gibt es ganze vier Professuren für islamische Theologie. Ebenso brach liegt die Erforschung jener christlichen Splittergruppen in Deutschland, die sich zum Teil in Parallelwelten abschotten.Begegnet die akademische Theologie diesen aktuellen Problemen? Oder beantwortet sie Fragen, die niemand mehr stellt?

Eine gewisse »Gegenwartsblindheit« bescheinigt der Münchner Theologe Friedrich Wilhelm Graf seiner Zunft. »Die heutige Universitätstheologie ist sehr text- und exegeseorientiert, hat aber einen Mangel an religiöser Deutungskompetenz in Hinblick auf aktuelle Phänomene.« Religion wird pluraler, widersprüchlicher, auch privater. An den Universitäten jedoch ist von dieser Pluralität wenig zu merken.

Weiter lesen wir dass “andere Disziplinen den Universitätstheologen die Deutungshoheit über Religion streitig machen”. So wollen Soziologen, Ethnologen und Religionswissenschaftler in Göttingen sich in einem neuen Max-Planck-Institut mit ethnisch-religiösen Konflikten beschäftigen, so die ZEIT.

Wir koennen uns fragen: Wozu diese Konkurrenz zwischen Faechern? Liegt nicht die Zukunft von Wissenschaft in Interdisziplinaritaet – wie eben in diesem neuen Max-Planck-Institut?

Der Artikel zeigt auch deutlich, wie wenig sekularisiert Deutschland ist – selbst an den Unis. DIE ZEIT hat auch mehrere relevante Links gesammelt.

>> zum Artikel in der ZEIT: Götter und Gelehrte

Diese Frage stellt die ZEIT in einem laengeren Text. Die ZEIT-Autoren Ulrich Schnabel und Martin Spiewak schreiben:

Das Thema Religion in Politik und Gesellschaft präsenter denn je. Der Islam drängt mit Macht in die Öffentlichkeit: von außen durch Ereignisse wie…

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