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Protest gegen “rassistischen” Professor in Münster

(via ethmundo) Vor einem Jahr protestierten Mainzer Ethnologen gegen seine “rassistischen Aussagen”. Nun ist Heiner Rindermann in der engeren Auswahl für eine Professur am Institut für Erziehungswissenschaften der Uni Münster.

Er hatte in einem Interview im Deutschlandradio über Intelligenzunterschiede zwischen “Völkern” und “Rassen” geredet. Ich meinte damals, die Kritiker seien vielleicht etwas zu weit gegangen.

In ihrem offenen Brief an die Berufungskommissionen gibt die Fachschaft Soziologie an der Uni Münster weitere Beispiele rassistischer Argumentation des Professors. “Wir stellen uns die Frage, wie zwei Berufungskommissionen der Erziehungswissenschaft derart unkritisch mit rassischen Naturalisierungen von Intelligenzunterschieden umgehen können”, schreiben die Soziologen.

Die Studierendenvertretung in Münster hat sich auch in diesem Fall engagiert. “Herr Rindermann sollte solange keine Lehrveranstaltungen anbieten dürfen, bis er sich deutlich von einer wissenschaftlich überholten Rassevorstellung distanziert hat”, schreibt sie in einer Stellungnahme.

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Mainzer Ethnologen protestieren gegen Gen-Rassismus

(via ethmundo) Vor einem Jahr protestierten Mainzer Ethnologen gegen seine "rassistischen Aussagen". Nun ist Heiner Rindermann in der engeren Auswahl für eine Professur am Institut für Erziehungswissenschaften der Uni Münster.

Er hatte in einem Interview im Deutschlandradio über Intelligenzunterschiede zwischen…

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Umstrittener “Sitting Bull” im Bremer Überseemuseum

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„Eine solche Ausstellung wäre in den USA schwer vorstellbar“, sagt Ethnologe Christian Feest. Nicht jedoch in Bremen. Im Übersee-Museum ist bis zum 3.5.09 eine Ausstellung über das Leben eines der bekanntesten Indianer zu sehen – Sitting Bull. Zivilisationskritiker erkoren ihn zur Ikone. Doch unter den Lakota-Sioux war er isoliert; seine kompromisslose Haltung gegenueber den Weissen ist bis heute in den USA umstritten.

Christian F. Feest, Direktor des Museums für Völkerkunde Wien, konzipierte die Ausstellung im Auftrag des Kunsthistorischen Museums Wien. „Sitting Bull und seine Welt“ feiert Premiere in Bremen, bevor die Ausstellung nach Finnland und Österreich weiterreist.

>> weiter in der WAZ

>> Webseite der Ausstellung

“Eine große und ziemlich grandiose Ausstellung”, schreibt die Welt, die auch mehrere weiterfuehrende Links gesammelt hat.

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„Eine solche Ausstellung wäre in den USA schwer vorstellbar“, sagt Ethnologe Christian Feest. Nicht jedoch in Bremen. Im Übersee-Museum ist bis zum 3.5.09 eine Ausstellung über das Leben eines der bekanntesten Indianer zu sehen - Sitting Bull. Zivilisationskritiker erkoren ihn…

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Ethnologe Christoph Antweiler: Wie universell sind die Menschenrechte?

Heute wurde das 60jährige Jubiläum der Menschenrechtserklärung gefeiert. Das Deutschlandradio unterhält sich aus diesem Anlass mit dem Ethnologen Christoph Antweiler über die Universalität der Menschenrechte: Sind denn die Menschen überhaupt universell genug für universelle Rechte?

Antweiler hat letztes Jahr das Buch geschrieben Was ist den Menschen gemeinsam?: Über Kultur und Kulturen (siehe auch mein Interview mit ihm hier auf antropologi.info).

Im Gegensatz zu seinen amerikanischen Kollegen, die vor 60 Jahren sich gegen die Universalität aussprachen, hält Antweiler die Vorstellung, dass es einen Katalog von Rechten geben kann, der für alle Gegenden der Welt gilt, für eine “sehr gute” und “wichtige” Idee. Jedoch gebe es lokale Varianten der Rechte. Nicht alles liesse sich 1-1 übertragen. “Das Wichtigste ist”, sagt er, “dass man Universales und Relatives, Kulturrelatives, nicht gegeneinander ausspielt.”

Weiter sagt Antweiler:

Bestimmte Kernbestände der Moral gibt es durchaus kulturübergreifend. Aber erst mal muss man dagegen argumentieren gegen diese These, dass es in allen anderen Kulturen einfach völlig andere Moral gebe. Es ist erst mal so, die Idee der Menschenrechte ist vorwiegend im Westen geäußert worden. Sie ist aber absolut nicht rein westlich, schon 1948 in den Gremien saßen Vertreter nichtwestlicher Kulturen.

Zweitens, die Idee der Menschenrechte musste sich im Westen selber erst gegen extreme Widerstände langsam mit vielen Konflikten durchsetzen, was übrigens auch die Kirchen betrifft, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg langsam das wirklich anerkannt haben.

Andererseits, wenn man in andere Kulturen geht, zum Beispiel aktuell jetzt nach China, wo immer gesagt wird, dort gebe es nur so Kommunalorientierung gegen den Individualismus, das stimmt großenteils, aber auch nicht nur. Alle Traditionen, alle großen Traditionen und Religionen haben auch Gegenrichtungen, abweichende Richtungen. So gibt es zum Beispiel durchaus in chinesischen Traditionen, das kann man heute nachweisen, die Idee der individuellen Freiheit

>> zum Interview im Deutschlandradio

In der dänischen Wochenzeitung Weekendavisen (so etwas wie die Weltwoche oder Zeit) erschien vergangenen Freitag ein sehr spannender Text, der mit der weitverbreiteten Auffassung, die Menschenrechtserklärung widerspiegele “westliche Werte”, aufräumt. Als die Erklärung vor 60 Jahren unterschrieben wurde, waren die Menschenrechte alles andere als “westlich”, klärt das eher konservative Blatt auf. Mit den grössten Widerstand gegen die Erklärung kam von den westlichen Ländern, besonders von den USA.

So waren z.B. “muslimische Länder” (leider nicht näher spezifiziert) mehr interessiert daran, soziale Rechte (Recht auf Arbeit, Wohnung, Bildung, Gesundheit etc, Artikel 22-26) in die Erklärung einzubringen als die USA. Diese sozialen Rechte harmonierten mit der Soziallehre des Koran, kollidierten jedoch mit USAs kapitalistischem Ethos. Die Einführung dieser Rechte versuchte die USA zu bremsen. USA meinte, die Menschenrechte sollten sich auf Freiheitsrechte beschränken. Unterstützung bekamen die muslimischen Länder u.a. von sozialistischen Delegierten aus Lateinamerika und von der Sowjetunion.

USA war auch gegen den Artikel 16, wonach Frauen und Männer das Recht haben “ohne Beschränkung aufgrund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion” zu heiraten und eine Familie zu gründen. Dies war in den wenigsten Staaten der USA erlaubt, vor allem nicht in Süden. Erst ab 1967 durften Weisse und Schwarze überall in den USA heiraten. USA allierte sich in dieser Frage mit dem Apartheidstaat Südafrika.

Wenn die Erklärung nicht nur um Männer handelt, haben wir dies Weekendavisen zufolge nicht westlichen Feministen zu verdanken, sondern Frauen aus Lateinamerika und Asien (besonders aus Indien / Pakistan). Diese Frauen sorgten dafür, dass es nicht heisst “all men are created equal”, sondern “all human beings are created equal”.

Interessanterweise gab es auch viel Protest von Ethnologen gegen die Universalität der Menschenrechte. Sie verstanden die Erklärung als “westlichen Imperialismus”. In einem Protestschreiben argumentierte die American Anthropological Association dafür dass weltumspannende Standards auf dem Prinzip basieren sollten, dass der Mensch frei sei, wenn er so lebe wie seine Gesellschaft Freiheit definiere. Hier kann man sich fragen, wer Freiheit definiert: Herrscher, die Frauen steinigen oder die Demokratievorkämpfer im Land, die das Steinigen als Menschenrechtsverletzung ansehen.

Schliesslich sah keiner der UNO-Representanten, die die Erklärung formulierten (Delegierte aus Libanon und China waren entscheidend darin beteiligt), die Rechte als etwas Westliches an. Der Chinese Peng Chen Chang meinte z.B. dass der Konfuzianismus das eigentliche Fundament der Erklärung darstelle.

>> zum Text in Weekendavisen von Jesper Vind Jensen und Klaus Wivel (auf Dänisch)

Zum Thema “universelle Moral” habe ich mich mit dem norwegischen Philosophen Odin Lysaker unterhalten, siehe Does the answer exist in human nature?

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Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Jack Goody: “The West has never been superior”

David Graeber: There never was a West! Democracy as Interstitial Cosmopolitanism

What holds humanity together? Keith Hart and Thomas Hylland Eriksen: This is 21st century anthropology

Heute wurde das 60jährige Jubiläum der Menschenrechtserklärung gefeiert. Das Deutschlandradio unterhält sich aus diesem Anlass mit dem Ethnologen Christoph Antweiler über die Universalität der Menschenrechte: Sind denn die Menschen überhaupt universell genug für universelle Rechte?

Antweiler hat letztes Jahr…

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“Gewalt gehört zu Indien wie ein gut gewürztes Currygericht” – Ethnologe kritisiert SZ

Die Münchner Ethnologen nehmen sehr aktiv am öffentlichen Diskus teil. Wieder wenden sie sich an die Medien. In einem Leserbrief an die Süddeutsche kritisiert der Münchner Ethnologieprofessor Frank Heidemann einen haarsträubenden Kommentar zu den Anschlägen in Mumbai.

Chefkorrespondent Stefan Klein schreibt u.a.

“Gewalt gehört zu Indien wie ein gut gewürztes Currygericht.”

und

“Gefühle geraten in Indien leicht in Wallung, Mordlust ist ohne großen Aufwand hervorzurufen, und nach einer Nacht wie dieser stellt sie sich nahezu automatisch ein.”

Heidemann schreibt:

die terroristischen Anschläge in Mumbai sind erschreckend, und der Kommentar von Herrn S. Klein, ihrem Chefkorrespondenten, leider völlig haltlos. Obwohl einige kluge, wenn auch nicht originäre, Ideen im Kommentar verpackt sind, fügt sich der Tenor jedoch in einen orientalistischen Repräsentationsmodus des 19. Jahrhunderts.

>> weiter zum Leserbrief auf ethno::log

Erst drei Wochen ist es her, als sein Kollege Wolfgang Habermeyer einen Leserbrief an die Abendzeitung versandt hat, siehe Die “negroiden Lippen Obamas” – Ethnologe reagiert auf Rassismus in der Abendzeitung

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Racism: The Five Major Challenges for Anthropology

Die SZ und die Ureinwohner: Gestrandet im vorsintflutlichen Evolutionismus

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Die Münchner Ethnologen nehmen sehr aktiv am öffentlichen Diskus teil. Wieder wenden sie sich an die Medien. In einem Leserbrief an die Süddeutsche kritisiert der Münchner Ethnologieprofessor Frank Heidemann einen haarsträubenden Kommentar zu den Anschlägen in Mumbai.

Chefkorrespondent Stefan Klein…

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Neue Ausgabe von Journal Ethnologie ueber Georgien

“Seltsames Gefühl. Seit Jahren bereiteten wir ein Forschungsprojekt zu Georgien vor. Nach vier Jahren reichten wir endlich den Projektantrag ein und zu unserer großen Freude wurde das Projekt bewilligt. Kurze Zeit später geht das Land, in dem wir forschen wollten, in Flammen auf. Es war der 8. August: Georgien überfiel Zchinwali in Südossetien und Russland überfiel Georgien.”

So beginnt der einleitende Artikel Georgien. Eine Annäherung von Stéphane Voell in der neuen Ausgabe von Journal Ethnologie zum Thema Georgien. Wir finden darin auch einen Text ueber „Meskhetische Türken“, die eigentlich so gar nicht genannt werden wollen. Ethnologin Natia Jalabadzewar entdeckte kulturelle Traditionen aus christlicher und vorchristlicher Zeit im Leben der Meskheter. Im Text Christen oder Muslime? „Meskhetische Türken“ in der georgischen Samtredia-Region erklaert sie die Hintergruende.

Ausserdem i dieser Ausgabe: Über Rituale, Weinkeller und den Fortschritt auf dem Land. Eine deutsch-georgische Exkursion nach Chewsuretien und Kachetien (Von Godula Kosack), Georgien – ein Land mit vielen Bevölkerungsgruppen (von Ulrike Krasberg) und Begegnungen im Kaukasus (von Elke Kamm)

In Georgien leben viele Bevoelkerungsgruppen. Das Land hat eine internationale Geschichte. Dennoch reden die Autoren meist ueber “ethnische Gruppen” als feste Einheiten. Den Eindruck hatte ich zumindest nach einem Ueberfliegen der Texte.

“Immer wieder marschierten Völker nach Georgien ein und teilten die Region unter sich auf. Durch die Jahrhunderte konnte – nach Meinung vieler Georgier – die nationale Identität aber erhalten bleiben”, schreibt Stéphane Voell. Doch ist es nicht eher so, dass nationale oder ethnische Identitaet erst in Abgrenzung zu anderen Gruppen entsteht?

"Seltsames Gefühl. Seit Jahren bereiteten wir ein Forschungsprojekt zu Georgien vor. Nach vier Jahren reichten wir endlich den Projektantrag ein und zu unserer großen Freude wurde das Projekt bewilligt. Kurze Zeit später geht das Land, in dem wir forschen wollten,…

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