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Wünscht sich ethnologisch gebildete Mathe-Lehrer

In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse wünscht sich Anette Rein, Direktorin des Frankfurter Museums der Weltkulturen, “dass die Ethnologie als Wissenslieferant für alle Bereiche angenommen würde: als Allgemeinbildung in positivem Sinn”.

Auch als Schulfach, ähnlich wie Drama und Theater in Hessen? fragt das Blatt. Die Ethnologin antwortet:

Nein. Mir schwebt eher vor, dass ein ethnologisch gebildeter Mathe-Lehrer seinen Schülern erklären kann, dass die „Null“ keine bloße Abstraktion ist, sondern ge- oder erfunden werden musste, als bestimmte Menschen die Notwendigkeit entwickelten, damit zu arbeiten. Oder das Fach Werken, das es kaum noch gibt, so dass manche Kinder in unseren Kursen nicht mal ein Muster mit der Schere ausschneiden können. Dabei ist die Verbindung Hand–Auge so wichtig für die vernetzten Verschaltungen im Gehirn!

>> zum Interview

In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse wünscht sich Anette Rein, Direktorin des Frankfurter Museums der Weltkulturen, "dass die Ethnologie als Wissenslieferant für alle Bereiche angenommen würde: als Allgemeinbildung in positivem Sinn".

Auch als Schulfach, ähnlich wie Drama und Theater…

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Wie wärs mit einem Mercedes-Sarg? Ausstellung in Bern

Begraegnisse in Ghana sind kreative Anlaesse. Die Form des Sarges hat oft mit der Persoenlichkeit des Toten zu tun. In weiten Teilen Ghanas ist es Brauch geworden, die Toten in figürlichen Särgen zu Grabe zu tragen:

Gemäss mündlicher Überlieferung hat den ersten figürlichen Sarg um 1950 ein Schreiner für seine Grossmutter hergestellt – ein Flugzeug zur Erinnerung an ihren Wunschtraum zu Lebzeiten. Ein Fischer wünschte sich bald darauf ein Boot, um auch im Jenseits auf Fischfang zu gehen, die Marktfrau will im Maiskolben bestattet sein, der Militärattache im Gewehr.
(…)
Heute gehören der Mercedes-Sarg, der Huhn-Sarg, der Kakao- oder Auberginen-Sarg zu den Standardmodellen. Für Christen gibts den Bibel-Sarg. Kniffligere Aufträge – ein Uterus-Sarg für Gynäkologen – stammen oft von europäischen Kunden.

Verschiedene Museums-Särge stehen zur Zeit in der Ausstellung Six feet Under im Kunstmuseum Bern. Während Jahren hat die Berner Ethnologin Regula Tschumi in Ghana Feldforschung betrieben. Am Beispiel der Sarg-Kunst zeigt Tschumi, wie seit Jahrhunderten fremde Einflüsse zu einer Dynamik führen, die in Innovationen von lebendiger Frische mündet, schreibt das Tagblatt.

>> zum Bericht im Tagblatt

SIEHE AUCH:

Ghana: Im Kultsarg in den Himmel (ARD Weltspiegel)

Exklusiv ins Jenseits: Ghanas teure Designer-Särge (ZDF Auslandsjournal)

Begräbnis in der Kakaoschote oder im Flugzeug (Ärzte Zeitung)

Ghana: Im Autosarg in den Himmel (NDR)

Völkerkundemuseum der Universität Zürich: Wie ist es im Jenseits und wie gelangt man dorthin?

Begraegnisse in Ghana sind kreative Anlaesse. Die Form des Sarges hat oft mit der Persoenlichkeit des Toten zu tun. In weiten Teilen Ghanas ist es Brauch geworden, die Toten in figürlichen Särgen zu Grabe zu tragen:

Gemäss mündlicher Überlieferung hat den…

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In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in der Ethnologie

(via riemer-o-rama) Zu einer antikolonialen Kundgebung und Ausstellung vor dem Ethnologischen Museum in Berlin am kommenden Sonntag rufen der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER e.V.) und die Antirassistsichen Initiative e.V. auf. Denn Ethnologie sei immer noch von kolonialen weissen Sichtweisen gepraegt, schreiben die Veranstalter:

“Ethnologisches Ausstellen findet aus einer europäischen Perspektive heraus statt und hat daher mehr mit europäischen Vorstellungen zu tun als mit den dargestellten Gesellschaften selbst. Durch die Ausstellungsstücke und die Art ihrer Präsentation werden koloniale und rassistische Bilderwelten der weißen Besucher_innen aktiviert und erneut bestätigt.

Zwar haetten die Ethnologen versucht, in ihrer neuen permanenten Afrika-Ausstellung versucht, mit Vorurteilen aufzuraeumen. Unter anderem wurde der Begriff der „primitiven Kunst“ verworfen:

Doch leider ist es nicht damit getan, diese rassistischen Vorstellungen als „überholt“ darzustellen. Vielmehr geht es darum, anzuerkennen, dass diese immer noch die Gedankenwelt der meisten weißen Deutschen prägen. Nach wie vor fehlen Hinweise auf die koloniale Herkunft der Gegenstände. In der neuen Ausstellung werden koloniale Machtverhältnisse sogar noch verschleiert, indem häufig Formulierungen wie „Handelsbeziehungen“ verwendet werden. Auch der europäische Blickwinkel bleibt bestehen, ohne in der Ausstellung als solcher benannt zu werden.

Die Veranstalter fordern zum einen die Rueckgabe geraubter Ausstellungsstuecke, zum andern die Umgestaltung des Ethnologischen Museums in ein Museum, das sich mit der kolonialen Geschichte der Sammlungen und der Tradition ethnologischen Ausstellens befasst.

>> mehr Information zur Kundgebung

>> Interview in der Jungen Welt

Gibt es eine Kontinuitaet zwischen diesen Ausstellungen und heutigen Ethno-Shows?

MEHR ZUM THEMA:

Kolonialismus ist ueberall – erste deutschsprachige Einführung in postkoloniale Theorie

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

Christoph Seidler: »Opfer ihrer Erregungen«: Die deutsche Ethnologie und der Kolonialismus

An exhibition and a movie: The French, colonialism and the construction of “the other”

Hat sich in der deutschen Ethnologie seit 100 Jahren nichts veraendert?

The spectacle and entertainment value of living Indians in the museum

“Unbedarftheit gegenueber kolonialer Vergangenheit”: taz ueber African Village im Augsburger Zoo

Revolutinierte Afrika-Forschung: FAZ portraetiert den Ethnologen Georges Balandier

‘Weiße’ Geschichte – deutsche Version: Kolonialgeschichte im öffentlichen Straßenbild allgegenwärtig

‘Weiße’ Geschichte: Es tut sich was in Australien

(via riemer-o-rama) Zu einer antikolonialen Kundgebung und Ausstellung vor dem Ethnologischen Museum in Berlin am kommenden Sonntag rufen der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER e.V.) und die Antirassistsichen Initiative e.V. auf. Denn Ethnologie sei immer noch von kolonialen weissen Sichtweisen gepraegt,…

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“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

Solche Ausstellungen muss es öfter geben. Die taz schreibt über die Fotoausstellung des Ethnologen und Fotografen Markus Bullik im Altonaer Museum (Hamburg):

Sie bedecken ihr Haupt mit Stroh und hängen sich große Glocken um die Taille. Markus Bulliks Bilder wirken, als seien sie in entlegenen Regionen der Erde aufgenommen worden. Porträtiert hat der Ethnologe und Fotograf seine “Brauchgestalten” aber in süddeutschen Dörfern.

Die norddeutsche Journalistin ist erstaunt über die “archaischen Ausdrücke”, die man im Süden verwendet:

Von manchen Worten wusste man gar nicht, dass die deutsche Sprache sie hat. “Buttenmandl” zum Beispiel, “Hisgier” und “Pfingsthäs”. Begriffe, die exotisch und archaisch wirken und mit denen der norddeutsch-protestantische Städter wenig anfangen kann. In südlich-katholischen Gefilden dagegen werden sie verständlich – vorausgesetzt, man studiert die Dialekte in den dortigen Dörfern. Genau das hat der Ethnologe und Fotograf Markus Bullik getan; die Resultate sind amüsant bis erschreckend. Als stammten sie aus entlegenen Siedlungen Afrikas, wirken die “Brauchtumsgestalten”, die Bullik abgelichtet hat – in Oberbayern, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Es scheint eine gute Ausstellung zu sein. Die Norddeutsche reflektiert über ihre eigene Sicht der Dinge:

Während man noch überlegt, warum sich ein junger Mann in ein Kostüm aus geflochtenem Roggenstroh zwängt (..) beginnt [man] sich zu fragen, ob sie nicht triftige Gründe dafür haben dürften, in klobigen Stroh- und Kuhglocken-Kostümen herumzulaufen. Ob es nicht Sinn hat, zu Beginn der Kirmes einen Ochsenschädel aus- und später wieder einzugraben.

Kein Zweifel: Die von Bullik dokumentierten Akteure sind durchweg erfüllt vom Sinn dessen, was sie tun; mit selbstbewusstem Stolz blicken sie in die Kamera. Und sollte man, ganz norddeutsche StädterIn, zu Beginn des Ausstellungsrundgangs noch leichte Überheblichkeit gespürt haben – sie gibt sich ganz schnell.

Auch diese Gedanken kommen bekannt vor, erinnern an andere Diskussionen:

Während man sich dabei ertappt, solch romantisierenden Gedanken nachzuhängen, wird man einigermaßen jäh in die Realität zurückgeholt: “Da unter dem Schutz der Masken manche Rechnung zum Ausgang des Jahres beglichen wurde”, ist da zu lesen, “kontrolliert die Polizei heutzutage das Treiben der Wilden Klausen.” Aus ist’s mit der Idylle: Auch diese folkloristischen Harmlosigkeiten lassen sich missbrauchen; patriarchalisch scheinen einem jetzt die sämtlich männlichen Gestalten, die da Winter austreiben und um gute Ernte bitten, sprich: im Advent, zu Ostern und Pfingsten Konjunktur haben. Die unter Kreischen um die Häuser ziehen und deren Bewohner zur Herausgabe von Geld, Speck und Eiern nötigen.

>> zum Text in der taz von Petra Schellen

Dieser Text ist damit die perfekte Ergänzung zum früheren Eintrag Auf zum Zoo der archaischen Riten in Papua New Guinea!

Markus Bullik kennen wir von seiner Tsunami-Hilfsaktion.

Solche Ausstellungen muss es öfter geben. Die taz schreibt über die Fotoausstellung des Ethnologen und Fotografen Markus Bullik im Altonaer Museum (Hamburg):

Sie bedecken ihr Haupt mit Stroh und hängen sich große Glocken um die Taille. Markus Bulliks Bilder wirken, als…

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Hat sich in der deutschen Ethnologie seit 100 Jahren nichts veraendert?

Sie ist Ethnologin, wohnt stets in der katholischen Missionsstation und erforscht die Mythen auf Papua Neu Guinea. Hat sich die Hamburger Ethnologie seit ihrer Südsee-Expedition 1908 nicht veraendert? Solche Gedanken kommen auf, liest man den Artikel im Hamburger Abendblatt, in dem Matthias Gretzschel die Ethnologin Antje Kelm bei ihrer Arbeit begleitet.

Wie werden die Bewohner Papua Neu Guineas dargestellt? Viel Platz wird verwendet, um eine gewalttaetige Auseinandersetzung zu beschreiben. Wir lesen:

“Das läuft hier nicht nach geschriebenen Gesetzen. In Wahrheit geht es auch nicht um ein getötetes Schwein, sondern um Verhaltensmuster, die tief in der Tradition und Kultur dieser Menschen verankert sind”, erklärt Antje Kelm auf der Rückfahrt nach Kokopo. Denn obwohl seit der Hamburger Südsee-Expedition fast 100 Jahre vergangen sind, obwohl Technik und Zivilisation in dieser Zeit riesige Fortschritte gemacht haben, hat sich im Denken der Sulka, der Tolai und der Baining, jener Stämme, die hier in Neubritannien leben, nicht viel geändert. Offiziell sind sie Christen, doch noch immer leben sie mit Geistern und Ahnen. Die Masken, die im stets verschlossenen Männerhaus verwahrt und nur zu Festen hervorgeholt werden, sind für sie magische Gegenstände.

Einer der Aufgaben der Ethnologin standen in Zusammenhang mit den wertvollen Artefakten, die die “Hamburger Südsee-Expedition” vor knapp hundert Jahren nach Hamburg gebracht hatte. “Eine Rückgabe wäre wünschenswert, ist aber aus konservatorischen Gründen nicht möglich, doch die Fotos vermittelten einen Eindruck von der Schönheit dieser Objekte”, sagt sie bei der Uebergabe der Bilder im Museum von Kokopo.

>> zum Bericht im Hamburger Abendblatt

MEHR DAZU:

Matthias Gretzschel: Vogels wiederentdeckte Bilder
Südsee: 1908/09 begleitete der Maler Hans Vogel die legendäre Hamburger Expedition.
(Hamburger Abendblatt, 31.5.05)

Matthias Gretzschel: Ein Glücksfall der Kulturgeschichte
1908 fuhren Hamburger Forscher in die Südsee – jetzt zeigt das Völkerkundemuseum die faszinierenden Erträge dieser Reise.
(Hamburger Abendblatt 7.11.03)

Bilder aus der deutschen Suedsee. Fotografien 1884-1914. Texte von Hermann Joseph Hiery und Antje Kelm

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Christoph Seidler: Die deutsche Ethnologie und der Kolonialismus

Sie ist Ethnologin, wohnt stets in der katholischen Missionsstation und erforscht die Mythen auf Papua Neu Guinea. Hat sich die Hamburger Ethnologie seit ihrer Südsee-Expedition 1908 nicht veraendert? Solche Gedanken kommen auf, liest man den Artikel im Hamburger Abendblatt, in…

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