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Ethnologe Michael Oppitz: “Auf die Uni zu gehen ist Zeitverschwendung”

Michael Oppitz, der abtretende Direktor des Völkerkundemuseums in Zürich, verabschiedet sich mit zwei herausragenden Ausstellungen”, meldet der Tagesanzeiger und portraitiert ihn als unkonventionellen Forscher.

Oppitz, der viel ueber Schamanismus geforscht hat, hegt Skepsis aber gegenüber allen institutionalisierten Formen des Wissens: “Es ist für einen Anthropologen Zeitverschwendung, eine Universität zu besuchen, es sei denn, man trifft dort aussergewöhnliche Leute”, sagt er im Taggi. Er fuehlte sich wohler unter Künstlern als unter Wissenschaftlern. “Das waren Leute, die ein Feuer hatten, irgendwo hinzukommen, irgendwas zu finden, zu schaffen, Gegenwelten zu entdecken.”

Oppitz gehörte, so der Tagesanzeiger weiter, “zum Stosstrupp derjenigen, die das Primat des Wortes in der Wissenschaft aufweichten und Bilder in den Rang hochgradiger wissenschaftlicher Information erhoben”.

>> weiter im Tagesanzeiger (Link aktualisiert mit Kopie)

"Michael Oppitz, der abtretende Direktor des Völkerkundemuseums in Zürich, verabschiedet sich mit zwei herausragenden Ausstellungen", meldet der Tagesanzeiger und portraitiert ihn als unkonventionellen Forscher.

Oppitz, der viel ueber Schamanismus geforscht hat, hegt Skepsis aber gegenüber allen institutionalisierten Formen des Wissens:…

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Ethnologe: “Ethnien und Religion sind keine Kriegsursachen”

“Kulturelle Verschiedenheit korreliert nicht mit der Konflikthäufigkeit”, erklärt Günther Schlee, Direktor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle an der Saale, in einem langen Interview mit der Sueddeutschen.

Wir finden wir häufig Konflikte gerade zwischen kulturell besonders ähnlichen Gruppen, sagt er. Als grobe Faustregel koenne man sagen: Zwischen Menschen mit völlig unterschiedlichen Kulturen ist die Konfliktwahrscheinlichkeit geringer.

Konflikte hätten häufig eine ethnische oder religiöse Ausdrucksform. Aber die eigentlichen Konflikt- oder Kriegsursachen haben damit sehr wenig zu tun. Die eigentlichen Konfliktursachen seien oft der Zugang zu materiellen Ressourcen sein, Macht etc. Als sich einander ausschließende Einheiten wurden die ethnischen Gruppen aber erst im Konflikt erschaffen. Die ethnische Zugehörigkeit war nur ein wichtiges Mobilisierungselement für bestimmte Akteursgruppen, die den Konflikt wollten.

>> zum Inteview in der Sueddeutschen

Auf der Webseite des Department Integration and Conflict des Max Planck Instituts gibt es auch zwei Radioprogramme zum Herunterladen, u.a. “Soziale Konstruktion von Feindschaft” (mp3)

SIEHE AUCH:

Einwanderung, Stadtentwicklung und die Produktion von “Kulturkonflikten”

Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Cameroon: “Ethnic conflicts are social conflicts”

Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

Conflict Resolution and Anthropology: Why more scholarship on violence than on peace?

"Kulturelle Verschiedenheit korreliert nicht mit der Konflikthäufigkeit", erklärt Günther Schlee, Direktor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle an der Saale, in einem langen Interview mit der Sueddeutschen.

Wir finden wir häufig Konflikte gerade zwischen kulturell besonders ähnlichen Gruppen, sagt…

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Journal Ethnologie über Second Life und andere “digitale Welten”

“Aus sozialanthropologischer Perspektive ist das besondere an second life und anderen virtuellen Welten, dass sie uns gleichsam die geheimen Wünsche, die schönsten Erinnerungen der Menschheit an Landschaften, Räume und Situationen zeigen oder sagen wir eher, wie kleine Bühnenstücke mit ganz eigener Kulisse präsentieren”, schreibt Urte Undine Frömming. “Ebenso werden die dunklen oder verdrängten gesellschaftlichen Aspekte sichtbar.”

Das Schwerpunktthema der neuesten Ausgabe von Journal Ethnologie heisst “Digitale Welten”

Zu den Texten:

Urte Undine Frömming: A personal rainstorm in my Inventory
Über kulturelle Ursachen, Wirkungen und die sinnliche Wahrnehmung von second life und anderen virtuellen Welten – eine sozialanthropologische Analyse. Urte Undine Frömming hat mit ihrem Avatar eine teilnehmende Beobachtung in second life durchgeführt.

Mark Butler: Cyborg-Ethnographie. Zur Kultur des Computerspielens
“Was erleben die User von Computerspielen?” hat sich Mark Butler gefragt und Interviews mit Spielern geführt über deren Erleben in der realen und virtuellen Welt.

Patrick Neveling: Zur Stiftung sozialen Sinns (Online) und der Lackierung eines Doppeldeckerbusses (Offline)
Patrick Neveling zeigt uns, welche ganz praktische Rolle das Internet in der realen Welt beim Lackieren eines Vereinsbusses gespielt hat.

Werner Trieselmann: Die Überwindung des digitalen Grabens. Ein medienethnologischer Ansatz für marginalisierte Kids in Rio de Janeiro
Werner Trieselmann skizziert ein ethnologisches Forschungsprojekt in der realen Welt, bei dem es um die bewußte Einsetzung und Wirkung digitaler Möglichkeiten geht. Es geht um die Inszenierung von Fremdheit vor einer Filmkamera.

Thomas Becker: Matrix versus The Ghost in the Shell
Die neuen Mythen der virtuellen Welt sind nicht mehr allein diskursiv analysierbar. Ueber den virtuellen Bilderstrom als Mythos des Massenmarktes.

Doris Hallama: Sichere Alpen. Von Landschaftsbildern und verunsicherten Räumen
Doris Hallama weist er auf gesellschaftliche Veränderungen in unserem Verhältnis zur Natur hin, die ursächlich mit Erkenntnisprozessen zu tun haben, die durch die Existenz “Digitaler Welten” angestoßenen wurden.

SIEHE AUCH:

Cyberanthropology: “Second Life is their only chance to participate in religious rituals”

Studiert indianische Mythen im Netz

Forschungsprojekt untersucht Rituale in Internet

Why were they doing this work just to give it away for free? Thesis on Ubuntu Linux hackers

“YouTube clips = everyday ethnography”

Now online: EASA-conference papers on media anthropology

Mehr Cyberanthropology bei Xirdalium

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Ethnologische Tourismusforschung: Das “andere andere” stört

Der Tagesspiegel bespricht Arbeiten mehrerer Ethnologen zum Thema Tourismus. “Eine Erkenntnis der aktuellen Mobilitäts- und Reiseforschung: Das „andere andere“ stört”, schreibt das Blatt: Selbst Menschen, die in Deutschland entschieden gegen jede rassistische Äußerung auftreten würden, reagieren negativ auf “Auslænder” in ihrem Ferienland, sagt die Frankfurter Kulturanthropologin Ramona Lenz, die sich auf Migranten auf Kreta spezialisiert hat. Wir lesen:

Menschen aus anderen Ländern, für die die Arbeit auf der Insel lebensnotwendig ist, stören den von den Reisenden gewünschten Eindruck des Ursprünglichen. In noch stärkerem Maße gelte dies für Schwarzafrikaner, die meist nur hinter den Kulissen der Tourismusindustrie zum Einsatz kommen.

Reiseführer preisen lieber das „Prachtexemplar des nicht domestizierten Kreters“ an, und Rucksacktouristen treten in eine teilweise erbitterte Konkurrenz darum, wer den Einheimischen am nächsten komme. Menschen, die in Deutschland entschieden gegen jede rassistische Äußerung auftreten würden, finden plötzlich nichts dabei, über „kriminelle Albaner“ und „bettelnde Zigeunerkinder“ zu schimpfen – im Gegenteil: Solche Äußerungen gehörten zum „Lokalkolorit“, dem man sich als perfekter Individualtourist oder Aussteiger anpasse, sagt Lenz.

Auf Ramona Lenz’ Webseite kann man eine Menge Working Papers zum Thema lesen!

Klaus Schriewer forscht ueber deutsche Migranten in Spanien:

Sogenannte Residenten, überwiegend Briten und Deutsche jenseits der 60, leben in Spanien häufig in abgeschlossenen Siedlungen ohne mehr als den notwendigen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Schriewer, der an der Universität Murcia (Südost-Spanien) lehrt, untersucht im Rahmen des Projekts „Interkulturelle Kommunikation und europäisches Bewusstsein“, wie sich das Zusammenleben der Rentner untereinander und mit den Spaniern gestaltet.
(…)
Fast alle Befragten äußern sich positiv zu den Lebensbedingungen in der neuen Heimat. Man habe hier ein neues soziales Netz aufbauen, neue Freunde gewinnen können. Der Traum vom Alter im Süden endet für die meisten dann, wenn sie zum Pflegefall werden. Die ersten deutschen Pflegeheime an der Costa del Sol sind allerdings schon geplant. Der „Pauschaltourist auf Lebenszeit“ wird immer mehr zur Realität.

>> weiter im Tagesspiegel

Deutsche und Briten in Spanien sind auch Thema der Magisterarbeit der norwegischen Ethnologin Cecilie Skjerdal Pan pa’ hoy – hambre pa’ mañana. On processes of change in an agricultural village on Costa del Sol, die ich letztes Jahr gelesen hab. Sie schreibt, dass Spanier begonnen haben Deutsch zu lernen:

It is common knowledge in Torrox that tourists and foreign residents do not speak much Spanish, and in order to cater for the large group of German inhabitants, many Torroxeños learn some German, either in school, where the subject has been taught for the last twenty years as a second language, or by taking a course, or simply by learning the most useful phrases from colleagues at work.
(…)
When entering German owned businesses on the coast I was consistently welcomed in German, and upon asking whether they could please speak Spanish, the answer was usually that they do not know the language. Quite a few Spanish find it annoying and arrogant that foreigners refuse to speak Spanish – “They could at least show the courtesy of trying!”
(…)
Through my meetings with foreigners living in Torrox, their choice of exclusion was confirmed several times. As a local anthropologist puts it: these are not third world immigrants who stick together in a host society that considers them low class, these are voluntary immigrants who set themselves apart as culturally superior to their hosts – they exclude themselves through their ethnocentric prejudice (Medina Baena 2002:52, my translation).

>> zum Download der Arbeit

SIEHE AUCH:

Antweiler: Fuer mehr Tourismusethnologie! – Neue Ausgabe journal-ethnologie

Anthropology and tourism: Conference papers are online

“Deutsche Migranten schlecht erforscht”

Der Tagesspiegel bespricht Arbeiten mehrerer Ethnologen zum Thema Tourismus. "Eine Erkenntnis der aktuellen Mobilitäts- und Reiseforschung: Das „andere andere“ stört", schreibt das Blatt: Selbst Menschen, die in Deutschland entschieden gegen jede rassistische Äußerung auftreten würden, reagieren negativ auf "Auslænder" in…

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Neugestaltet: Mitschriften auf www.ethnomitschriften.at

(via anthropologic) Frueher waren die Mitschriften auf diverse privaten Seiten verstreut. Nun bieten die Wiener Kultur- und Sozialanthropologiestudierenen auf http://www.ethnomitschriften.at/ Mitschriften aus diversen Seminaren und Vorlesungen zum Download an – sei es Ethnologie der Kunst, Fachgeschichte, regionale Ethnologie etc. Die Seite ist dazu noch professionell gestaltet, verfuegt auch ueber RSS-Feeds, so dass sie nun auch in antropologi.info integriert werden konnte, z.B. hier http://www.antropologi.info/feeds/

(via anthropologic) Frueher waren die Mitschriften auf diverse privaten Seiten verstreut. Nun bieten die Wiener Kultur- und Sozialanthropologiestudierenen auf http://www.ethnomitschriften.at/ Mitschriften aus diversen Seminaren und Vorlesungen zum Download an - sei es Ethnologie der Kunst, Fachgeschichte, regionale Ethnologie etc. Die…

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