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Die Globalisierung der Zeit: Neue Ethmundo im Netz

Wie gehen verschiedenen Gesellschaften mit dem Phänomen “Zeit” um? Die Autoren des Magazins “Ethmundo” haben wieder interessanten Lesestoff für uns zusammengestellt:

Was ist das eigentlich: die Zeit, dieses diffuse Etwas, das unser aller Leben Tag für Tag bestimmt? Fließt sie vorwärts oder rückwärts, wird sie schneller, langsamer oder dreht sie sich gar im Kreis? Zeit ist weit davon entfernt, dem Menschen als absolutes Ding gegenüberzustehen, sie ist eine kulturell flexible Idee.

Wobei – wir alle gehen unterschiedlich mit Zeit um. Daran erinnert Simone Schubert in einem Gespraech mit Dominique Schmitt. Manche – wie ich bei meinem Umzug kürzlich – sind schlechte Planer und werden erst auf den letzten Drücker (oder zu spät) fertig. Andere planen langfristig und schaffen immer alles rechtzeitig.

Besonders interessant fand ich den Text von Die Erfindung der Weltzeit von Thomas Reinhardt. Die Einteilung der Welt in 24 Zeitzonen ist erst 125 Jahre alt. Zuvor hatte so gut wie jede Ortschaft ihre eigene Zeit. Das war ziemlich chaotisch, z.B. für Reisende. Jede Eisenbahngesellschaft folgte ihrer eigenen Zeit – meist der Ortszeit am Stammsitz der Gesellschaft. Im Bahnhof von Pittsburgh, so Reinhardt, hingen Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts gleich sechs Uhren, die die Zeiten der verschiedenen Gesellschaften anzeigten, von denen die Stadt angesteuert wurde. Es war gar nicht so einfach, eine gemeinsame Zeit für den gesamten Globus zu “erfinden”. Reinhardt bezeichnet die “Erfindung der Weltzeit” daher als “ein Globalisierungsphänomen im ursprünglichen Sinne des Wortes”.

“Lebe schneller, dann bist Du eher fertig!” heisst der mehrdeutige und daher umso besser treffende Titel eines Textes von Martin Radermacher über die Jagd nach Effizienz in vielen Gesellschaften unseres Planeten. Er beschreibt das Paradoxon der Industrialisierung: Bessere Produktionsmöglichkeiten führen nicht zu einer Verkürzung der Arbeitszeiten, sondern zu ihrer Verlängerung. Beschleunigung wird zum Selbstläufer und erzeugt immer neue Beschleunigungsbestrebungen.

Zu diesem Thema hat Sozialanthropologe Thomas Hylland Eriksen vor sieben Jahren das Buch “Die Tyrannei des Augenblicks” geschrieben. Auch sehr interessant ist die Dissertation des Soziologen Hartmut Rosa “Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen der Moderne”

Ausserdem in der neuen Ethmundo-Ausgabe Auf Bali läuft es rund: Freya Morigerowsky erklaert, warum Balinesen zwei verschiedene Kalender benutzen.

In Zurück in die Zukunft nimmt und Annika Franke zu den Aymara in die Anden, wo die Zukunft hinten und die Vergangenheit vorne sein soll. Anthropologe Kerim Friedman hatte jedoch die Forschung zum Zeitverständnis der Aymara kritisiert

Rüdiger Burg beruhigt in 2012 – Viel Lärm um nichts die Kinogänger: Laut dem Kalender der Maya geht nun doch nicht die Welt in 2012 unter.

Wie gehen verschiedenen Gesellschaften mit dem Phänomen "Zeit" um? Die Autoren des Magazins "Ethmundo" haben wieder interessanten Lesestoff für uns zusammengestellt:

Was ist das eigentlich: die Zeit, dieses diffuse Etwas, das unser aller Leben Tag für Tag bestimmt? Fließt sie…

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Wider den Kulturenzwang, für mehr Transkulturalität

Mehr und mehr Bücher kommen auf den Markt, der mit dem verbreitenden Kulturalismus aufräumen. Nun haben Özkan Ezli, Dorothee Kimmich und Annette Werberger die Artikelsammlung Wider den Kulturenzwang. Migration, Kulturalisierung und Weltliteratur herausgegeben.

Das Buch stammt aus dem Umfeld des an der Universität Konstanz etablierten Forschungsverbundes “Kulturelle Grundlagen von Integration“. Die Autoren kommen aus Fächern wie Ethnologie, Soziologie, Kultur-, Literatur-, Politik- sowie Film- und Theaterwissenschaft. Sie hinterfragen dominierende Diskurse über Migration, Globalisierung und Identität, erfahren wir in Rezensionen auf literaturkritik.de und socialnet.de.

Migration ist kein neues Phänomen, sondern etwas Uraltes, Selbstverständliches, das durch die gesamte Menschheitsgeschichte vorgekommen ist. Es macht wenig Sinn von Kulturen als festen Grössen zu reden und Menschen als Produkt von einer bestimmten Kultur zu sehen. Ethnologe Thomas Hauschild schreibt in seinem Artikel über Ehrenmorde, es gebe “keinen fixierten mediterranen Ehrenkodex, der Männer dazu treibt, scheidungswillige Ehefrauen oder unternehmungslustige und modernisierte Schwestern oder Töchter zu töten“.

Im ersten Teil des Buches wird die Tendenz aufgezeigt, “dass die Grenze zwischen dem, was als das ‚Eigene‘ und dem, was als das ‚Fremde‘ betrachtet wird, in Folge von Prozessen der Migration und Globalisierung zwar durchlässiger, durch Ereignisse wie die Anschläge vom 11. September 2001 jedoch gleichzeitig auch verfestigt wurde und wird”, so Susan Mahmody auf literaturkritik.de.

Der zweite und dritte Teil des Bandes zeigt anhand von Beispielen aus Kultur, Literatur, Film und Wissenschaft eine “Gegenbewegung zu den Tendenzen der Kulturalisierung” auf. Eines dieser Beispiele sind deutsch-türkische Filmproduktionen, ein “Kino der Métissage, in dem „offene Formen des Zusammenlebens in einer hybriden, urbanen Gesellschaft“ zentral stehen”.

Özkan Ezli zeigt in seinem Beitrag, so Jos Schnurer auf socialnet.de, “eindrucksvoll auf, dass in den Filmen von türkischen Filmemachern, die in deutscher Sprache hergestellt werden, das zum Ausdruck kommt, was Integration eigentlich will: Eine Vermittlung! So wird der „Kultur“ das zurück gegeben, was sie eigentlich von Anfang an war und was in den ideologischen Festzurrungen verloren ging: Veränderung!”

Der dritte Teil widmet sich dem Konzept der “Weltliteratur”. Er stellt die Existenz von Kulturen als Akteure und Systeme in Frage. Eine Kennzeichnung der Literatur und Kultur als ethnische, sprachliche, homogene und territoriale Einheit sei längst überholt. Daher könne man von „Weltliteratur“ in einem neuen Sinne sprechen, so Dorothee Kimmich in ihrer Auseinandersetzung mit Franz Kafka, Feridun Zaimoğlu und der Weltliteratur als „Littérature Mineure“. Literaturbetrachtung und –forschung müsse beachten, „in welchen Räumen, aus welchen Räumen diese Texte entstehen“.

>> Rezension auf literaturkritik.de

>> Rezension auf socialnet.de

>> Leseproble (Einleitung)

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Werner Schiffauer: Wie gefährlich sind “Parallelgesellschaften”?

“No Pizza without Migrants”: Between the Politics of Identity and Transnationalism

Mehr und mehr Bücher kommen auf den Markt, der mit dem verbreitenden Kulturalismus aufräumen. Nun haben Özkan Ezli, Dorothee Kimmich und Annette Werberger die Artikelsammlung Wider den Kulturenzwang. Migration, Kulturalisierung und Weltliteratur herausgegeben.

Das Buch stammt aus dem Umfeld…

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Werner Schiffauer zum Mord an Marwa El-Sherbini: “Islamophobie reicht bis in die Mitte der Gesellschaft”

Marwa Funeral Meeting. Photo: Wikimedia Commons

(Bild: Wikipedia) “Der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini wirft ein Schlaglicht auf einen bisher wenig beschriebenen Rassismus in der deutschen Gesellschaft”, sagt Ethnologe Werner Schiffauer in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau:

(D)as Problem beschränkt sich nicht auf Russlanddeutsche, sondern der Mord wirft ein Schlaglicht auf einen bisher wenig beschriebenen Rassismus in der deutschen Gesellschaft. Dafür spricht auch, dass es seit dem 11. September 2001 vermehrt Pöbeleien gegenüber Frauen mit Kopftüchern gibt.

Islamophobie reicht bis in die Mitte der Gesellschaft. Diese ist in den 2000er Jahren deutlich nach rechts gerückt. Die bürgerliche Mitte verurteilt zwar Hass und Gewalt rechter Randgruppen gegen Ausländer, aber es gibt zunehmend Äußerungen aus dieser Mitte, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Machte jemand solche Äußerungen über Juden, würde das einen Skandal auslösen.

Die Haltung, ein sichtbarer Islam, also ein Islam mit Kopftuch, habe in Deutschland nichts zu suchen, sei weit verbreitet. Das zeigten jüngst auch die rassistischen Aussagen des Bundesbankvorsitenden Thilo Sarrazin. Es gebe, so Schiffauer, “eine Grundstimmung in der Gesellschaft, die einem Täter das Gefühl geben kann, in Übereinstimmung mit der Mehrheit zu handeln.”

Der Mord an El-Sherbini war jedoch auch die Tat eines Außenseiters. Der Russlanddeutsche Alex W. sei in Deutschland nie angekommen (siehe hierzu in der Leipziger Volkszeitung Gegensätzliche Welten – Täter und Opfer trennen Welten). “Rassismus gedeiht dort, wo sich jemand ausgegrenzt fühlt”, so der Ethnologe.

Wie müsste die Politik darauf reagieren? Politiker müssten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Rassismus in Deutschland gibt – und zwar nicht nur unter Randgruppen gibt:

Wir haben erfolgreich Standards im Umgang mit den Juden oder auch mit den Homosexuellen etabliert, auf die die deutsche Gesellschaft stolz sein kann. Das ist keine Garantie gegen Gewalt, aber Voraussetzung dafür, Gewalt zu bekämpfen. So könnten wir den Opfern das Gefühl geben, Teil dieser Gesellschaft zu sein.

Das Katastrophale an dem Mordfall war auch, dass Muslime den Eindruck gewinnen mussten: Es ist gefährlich, sich wie Marwa El-Sherbini zu wehren. Und die verzögerte politische Reaktion war mehr als skandalös: Letzlich hat die deutsche Politik erst reagiert, als sie merkte, wie es in Ägypten brodelte.

>> weiter in der Frankfurter Rundschau

Der Weg dahin ist noch weit. Das zeigen Kommentare zum Mord-Prozess, der vor ein paar Tagen in Dresden begonnen hat. Typisch abwehrend, rassismusverleugnend mit stereotypen Haltungen gegenüber der “islamischen Welt” und “Arabern”, die nach “Vergeltung” rufen, ist Sabine Rückerts Kommentar in der ZEIT. In eine ähnlich Richtung zielt auch der Kommentar in der Sueddeutschen von A. Kreye Kampf der fremden Kulturen.

Es ist auch interessant, dass der englische Wikipedia-Eintrag zum Mordfall viel umfangreicher ist als der deutsche.

Gerade ist Halbzeit im Prozess. Die Zusammenfassung gibt es auf musafira.de

Werner Schiffauer hat übrigens ein neues Buch auf dem Markt: Nach dem Islamismus: Eine Ethnographie der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (via Serdagunes Blog). In diesem Interview gibt er Einblicke ins Buch und erzählt u.a. vom Postislamismus und den verschiedenen Generationen von Muslimen in Deutschland:

Werner Schiffauer im Gespräch mit Geesa Tuch

Schiffauer hat eine vorbildliche Webseite, auf der er einen grossen Teil seiner Publikationen der Oeffentlichkeit zur Verfügung stellt

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Schiffauer: “Öffnung gegenüber dem Islam nicht der Terrorismusbekämpfung unterordnen”

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Phd-Thesis: That’s why they embrace Islam

Thesis: Hijab empowers women

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How to challenge Us-and-Them thinking? Interview with Thomas Hylland Eriksen

Marwa Funeral Meeting. Photo: Wikimedia Commons

(Bild: Wikipedia) "Der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini wirft ein Schlaglicht auf einen bisher wenig beschriebenen Rassismus in der deutschen Gesellschaft", sagt Ethnologe Werner Schiffauer in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau:

(D)as Problem beschränkt sich nicht auf Russlanddeutsche,…

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“Wenn wir so viel gemeinsam haben, warum gibt es dann ethnische Konflikte?”

Haben Inuits 100 Wörter für Schnee? Gibt es bei den Hopi-Indianern weder Zukunft noch Vergangengeit? Warum gibt es so viele “ethnische Konflikte”? In einem Interview mit dem Spiegel hinterfragt Ethnologe Christoph Antweiler verbreitete Auffassungen über “uns” und “die andern”. Anlass ist sein neues Buch “Heimat Mensch. Was uns alle verbindet“.

Antweiler interessiert sich für die Gemeinsamkeiten unten den Menschen und “geht auf die Nerven, dass Ethnologie immer nur dann fasziniert, wenn es um irgendwelche kulturellen Besonderheiten geht”. Er sieht Ethnologie als “vergleichende Wissenschaft des ganzen Menschen”.

Er warnt vor “übertriebenem Kulturrelativismus, der schnell in Kulturrassismus umschlägt”:

Der alte Rassismus hat gesagt: Wir leben in einer Welt, aber wir sind verschiedene Menschen, die gelben, die schwarzen, die roten und so weiter. Der Ultrarelativismus sagt: Wir sind alle Menschen, aber leben in völlig verschiedenen Welten, sprich Kulturen. Im Extremfall wird dann behauptet, die Kulturen seien inkompatibel und könnten sich nicht verständigen. Das ist wissenschaftlich nicht fundiert und politisch gefährlich.

Ethnische Gruppen sind keine starren Gebilde. Sie verändern sich und neue Gruppen entstehen:

Natürlich wachsen wir in unterschiedlichen Kulturen auf, manche Grenzen werden sogar neu gezogen: Als ethnische Gruppe im modernen Sinne könnte man etwa eine Untergruppe von Londoner Börsenbrokern nehmen, die in dieselben Bars gehen, deren Kinder untereinander heiraten und die eine ähnliche Weltorientierung haben. Trotzdem haben die Kulturen eine gemeinsame Heimat.

Der Ethnologe zählt diverse Gemeinsamkeiten auf. Auf die Frage “Wenn wir Menschen so viel gemeinsam haben, warum gibt es dann ethnische Konflikte?” antwortet er:

Die meisten sogenannten ethnischen Konflikte haben andere Ursachen, etwa Benachteiligung oder Ressourcenknappheit. Typisch sind die Bürgerkriege in Ruanda oder Exjugoslawien. Sie hatten sozioökonomische Ursachen, die nachträglich kulturell eingefärbt wurden, oft von den Beteiligten selber. Man spielt die ethnische Karte. Statt zu sagen: Wir sind einfach nur arm oder überfordert, sagt man: Wir sind die Kultur X und haben eine lange Geschichte, und deshalb steht uns das und das zu. Das ist Strategie.

Antweiler wird auch gefragt ob uns die Globalisierung ähnlicher macht:

Sie macht uns gleich und ungleich zugleich. Ich habe erlebt, wie in Jakarta das erste indonesische McDonald’s eröffnet wurde, übrigens die weltweit umsatzstärkste Filiale in jenem Jahr. Da erkennt man sofort Ähnlichkeiten wie die Farben und das Logo, aber auch Unterschiede: Die meisten essen dort keine Hamburger, sondern Reis mit Hühnchen. Und dann stellt man fest, dass viele dort gar nicht essen, sondern anderen zuschauen. Wir haben ein globales Phänomen, das aber lokal unterschiedlich interpretiert wird, so wie die Barbiepuppen. Ethnologen sprechen von Glokalisierung. Die Globalisierung funktioniert jedenfalls nur, weil die Menschen sich ähneln.

>> weiter im Spiegel

Das Interview ist übrigens Teil der Spiegel-Serie Kulturschock – Arbeiten in fremden Welten, wo u.a. deutsche Arbeitsmigranten von ihren Erfahrungen erzählen.

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Populärethnologie von Christoph Antweiler: Heimat Mensch. Was uns alle verbindet

Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Maxikulti: Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Haben Inuits 100 Wörter für Schnee? Gibt es bei den Hopi-Indianern weder Zukunft noch Vergangengeit? Warum gibt es so viele "ethnische Konflikte"? In einem Interview mit dem Spiegel hinterfragt Ethnologe Christoph Antweiler verbreitete Auffassungen über "uns" und "die andern". …

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Kosmopolitismus statt Multikulturalismus!

Die Ideologie des Multikulturalismus hat die Grenzen zwischen der Mehrheit und den Minderheiten verfestigt. Es ist gut, wenn Frankfurt nun “Abschied von Multikulti” nimmt, sagt Kulturanthropologin Regina Römhild in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Sie sagt u.a:

(Man kann) nicht mehr davon ausgehen, dass hier verschiedene Gruppen leben, die wir nach ihren Nationalitäten einordnen können und die wir als Minderheiten gegenüber einer deutschen Mehrheitsgesellschaft betrachten. Das ist das Multikulturalismus-Modell gewesen, das am Anfang wichtig war, um die Nationalgesellschaft zu durchbrechen und klarzumachen: Es gibt andere Menschen, die ebenfalls an dieser Gesellschaft beteiligt sind. Damit allerdings hat sich das Bild von den Minderheiten verfestigt. Die neben einer Mehrheit stehen. Von diesem Bild aber können wir nicht mehr ausgehen.
(…)
Überall dort, wo es gemeinsamen Alltag gibt, denken die Menschen nicht in Fragen nach der Herkunft. Dann beurteilen sich Menschen ganz einfach danach, was sie miteinander anfangen können.
(…)
Kulturen, die durch Einwanderung in dieser Gesellschaft präsent sind, bleiben ja nicht so, wie sie sind. Unsere Vorstellung ist: Migranten bringen ihre Kultur und oft auch ihre Religion mit. Im Prinzip gilt heute aber auch: Hier werden Kulturen ständig neu erfunden.
(…)
Aus der Vielfalt der Kulturen ergeben sich für Frankfurt Potenziale: Wir können auch eine kulturelle Weltstadt werden, nicht allein eine ökonomische. Im Grunde genommen gibt es hier einen kosmopolitischen Alltag – ohne dass wir das richtig wahrnehmen.

>> weiter in der Frankfurter Rundschau

Römhild leitete in den Jahren zwischen 2001 und 2003 am Institut für Kulturanthropologie der Goethe-Universität das Forschungsprojekt “global heimat”. Gemeinsam mit dem Soziologen Ulrich Beck arbeitete Römhild zuletzt in München über die Frage des Kosmopolitismus in europäischen Einwanderungsgesellschaften.

Von Regina Römhild fand ich die Texte Global Heimat Germany. Migration and the Transnationalization of the Nation-State (publiziert in der interessant ausschauenden Zeitschrift Transit) und Die Richtung stimmt – aber der Weg führt noch weiter. Kommentar zur Studie „Migranten-Milieus“ des vhw (pdf)

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Buchbesprechung: Unser merkwürdiger Umgang mit “Fremdem”

Schule, Integration und Kosmopolitismus

For an Anthropology of Cosmopolitanism

How to challenge Us-and-Them thinking? Interview with Thomas Hylland Eriksen

Keith Hart and Thomas Hylland Eriksen: This is 21st century anthropology

Populärethnologie von Christoph Antweiler: Heimat Mensch. Was uns alle verbindet

Ausstellung “Crossing Munich”: Ethnologen für neue Perspektiven in der Migrationsdebatte

Werner Schiffauer: Wie gefährlich sind “Parallelgesellschaften”?

Die Ideologie des Multikulturalismus hat die Grenzen zwischen der Mehrheit und den Minderheiten verfestigt. Es ist gut, wenn Frankfurt nun "Abschied von Multikulti" nimmt, sagt Kulturanthropologin Regina Römhild in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Sie sagt…

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