search expand

Festung Europa: “Wir wollen die Schicksale hinter den Zahlen aufzeigen”

Von Globalisierung und einer Welt mit weniger Grenzen koennen die meisten Menschen auf dieser Welt nur traeumen. Fuer die Flucht nach Europa risikieren viele Afrikaner ihr Leben. NUn drehen Ethnologin Christine Moderbacher und Afrikanistin Annika Lems einen Dokumentarfilm über tunesische Bootsflüchtlinge, meldet der Standard. “Wir wollen die Schicksale hinter diesen Zahlen aufzeigen”, sagt Moderbacher.

Die beiden Filmemacher sind auch beteiligt am Projekt Storie Migranti, einem Archiv fuer Migrationsgeschichten. Dort sind auch Interviews von ihnen zu lesen mit Bootfluechtlingen auf dem Weg von Tunesien nach Italien (Interview mit Aymen / Interview mit Riadh).

Information zum Thema auch bei Borderline Europe.

SIEHE AUCH:

For free migration: Open the borders!

Why borders don’t help – An engaged anthropology of the US-Mexican border

Von Globalisierung und einer Welt mit weniger Grenzen koennen die meisten Menschen auf dieser Welt nur traeumen. Fuer die Flucht nach Europa risikieren viele Afrikaner ihr Leben. NUn drehen Ethnologin Christine Moderbacher und Afrikanistin Annika Lems einen Dokumentarfilm über tunesische…

Read more

Die missverstandende kulturelle Globalisierung

Spannendes Interview in der Frankfurter Rundschau mit den Ethnologinnen Joana Breidenbach und Ina Zukrigl-Schief, das mit zahlreichen Vorurteilen ueber Globalisierung aufraeumt: Stimmt es wirklich, dass Globalisierung zu Vereinheitlichung fuehrt und dass nur McDonalds davon profitiert?

Viele sogenannte “Globalisierungsverlierer”, erzaehlen sie, haben durch den Aufbruch traditioneller Strukturen, eine größere Vielfalt an Lebensmöglichkeiten und bessere Chancen. Aber auch “traditionelle Kultur” kann von den neuen Moeglichkeiten profitieren. U.a. Aborigines in Australien nutzen das Internet, um ihr altes Wissen und ihre Gebräuche zu archivieren.

>> zum Interview in der Frankfurter Rundschau

Von den beiden Ethnologen gibt es auch Vernetzte Welten – Identitäten im Internet und Im Prisma des Lokalen. Die Dynamik der kulturellen Globalisierung. Breidenbach ist zudem regelmaessige Bloggerin bei Culture Matters.

Auch Ethnologe und Blogger Alex Golub ist in seiner Dissertation ueber Goldbergwerke auf Papua New Guinea zu einem aehnlichen Ergebnis gekommen: Urbevoelkerungen sind nicht automatisch Verlierer der Globalisierung, siehe Available for download: Alex Golubs dissertation on mining and indigenous people

Ein weiteres Beispiel: Pascale Hofmeier zeigt in ihrer Arbeit ueber Schweizer HipHop, wie Globalisierung zu einer Stärkung von lokalen Identitäten führen kann, siehe Neue Arbeit im Volltext: Mundartrap zwischen Lokalpatriotismus und Globalisierung.

All dies fasst Thomas Hylland Eriksen auch in seinem neuen Buch Globalization: The key concepts zusammen (auch behandelt in frueheren Texten)

SIEHE AUCH:

Globalisierung: Wie kommt die chinesische Sandale nach Burkina Faso?

Modern technology revives traditional languages

How to save Tibetan folk songs? Put them online!

Spannendes Interview in der Frankfurter Rundschau mit den Ethnologinnen Joana Breidenbach und Ina Zukrigl-Schief, das mit zahlreichen Vorurteilen ueber Globalisierung aufraeumt: Stimmt es wirklich, dass Globalisierung zu Vereinheitlichung fuehrt und dass nur McDonalds davon profitiert?

Viele sogenannte "Globalisierungsverlierer", erzaehlen sie,…

Read more

China: Reiche Touristen verdrängen die Naxis?

lijang
Lijang Sommer 1992

Als ich 1992 in Lijang im Suedwesten Chinas war, rund 20 lebensgefaehrliche Busstunden vom nachsten Bahnhof (Kunming) entfernt, war der Ort noch eine Art Geheimtip fuer Backpacker. Dem ist nicht mehr so. “Die Veränderungen brachen über Lijiang herein, als die Unesco die Altstadt im Jahr 1997 mit dem Titel „Weltkulturerbe“ auszeichnete”, meldet die faz:

Zehntausende strömen jeden Tag in die kleine Altstadt am Fuß des Jade-Drachen-Berges. Die Einwohner haben ihre Häuschen an Souvenirgeschäfte vermietet und sind aus dem Rummel geflohen. Jetzt ist die Altstadt voll mit Läden, Bars und Restaurants.

Lijiang, noch vor zehn Jahren eine verschlafene Stadt, ist berühmt geworden. In der auf 2400 Meter Höhe am Rand des Himalaja gelegenen Ortschaft sind große Anlagen mit luxuriösen Einfamilienhäusern entstanden. Reiche Städter aus Peking, Schanghai und anderen chinesischen Städten kaufen sich hier ein und genießen die frische Luft und die Aussicht auf die Berge.

In der Stadt Lijiang beherrschen weniger und weniger Naxi ihre eigene Sprache. Schamanen gibt es nur noch ein paar und sie geben ihr Wissen nicht mehr an die Jungen weiter, sondern an Ethnologen, lesen wir. Ihre Söhne und Enkel haben an der Religion ihrer Vorfahren kein Interesse mehr. Sie wollen lieber in der Stadt Geld verdienen.

Derweil wird die Minderheitenkultur im Tourismus vermarket. Die Naxis selbst sehen den Zustrom der Touristen aus ganz China und Übersee nicht nur negativ:

„Der Tourismus bringt Einnahmen und macht unsere Kultur bekannt“, sagt Naxi-Lehrerin Yang. „Doch sehen Sie mal, was sie mit unserer Schrift machen! Oft sind die Piktogramme auf den Souvenirs ganz falsch geschrieben!“ Alles wird eben möglichst gut vermarktet: die ureigene Kunst der Schamanen, die Bilderschrift, die Schnitzereien, die Keramik und die Malereien.

„Der Tourismus ist gut“, sagt Naxi-Forscher Li Xi, der Leiter des Dongba-Museums von Lijiang. Er bringe der armen Region Einnahmen. Tatsächlich wurden Straßen und ein Flughafen gebaut. Hotels entstanden, und die Sehenswürdigkeiten der Umgebung wurden erschlossen. „Der Tourismus hat unsere Kultur aufgewertet. Jeder kann jetzt mit unserer Kultur Geld verdienen. Wir Naxi können jetzt wieder auf unsere Kultur stolz sein. Es ist nicht mehr wie früher, als wir wegen unserer Rückständigkeit gehänselt wurden.“

Bzgl Ueberschrift der faz: Die faz bedient sich eines statischen Bildes von Kultur. Wie wir Ethnologiestudierenden bereits im 1.Semester gelernt haben: Kulturen sterben nicht aus, sondern veraendern sich.

>> zur Geschichte in der faz: Die Dongba sterben aus

>> Wikipedia ueber Naxis

SIEHE AUCH:

Hmong: An Endangered People

Berliner Forscher untersuchen die Geschichte der Alltagstechnik in China

The Problems with Chinese Anthropological Research

Mining and tourism more important: Bushmen forcibly removed from Central Kalahari

Christoph Antweiler: Fuer mehr Tourismusethnologie! – Neue Ausgabe journal-ethnologie

lijang

Lijang Sommer 1992

Als ich 1992 in Lijang im Suedwesten Chinas war, rund 20 lebensgefaehrliche Busstunden vom nachsten Bahnhof (Kunming) entfernt, war der Ort noch eine Art Geheimtip fuer Backpacker. Dem ist nicht mehr so. "Die Veränderungen brachen über Lijiang herein,…

Read more

Wien soll europäisches Zentrum der Tuareg-Forschung werden

Die Konferenz vor einer Woche (Programm, abstracts, pdf) machte den Auftakt: Ines Kohl von der Forschungsstelle Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) will gemeinsam mit der Universität aus der Bundeshauptstadt ein europäisches Zentrum der Tuareg-Forschung machen, meldet die Presse. Wie auch der Standard betont laesst sich das Leben der Tuareg nicht ohne den Einbezug der grosspolitischen Lage studieren, u.a. Bush’ sogenannter “war of terror”.

Von Ines Kohl gibt es u.a. das Paper Toyota, Chèch und E-Gitarre: Über Schönheit, Ästhetik und sozialen Wandel von Tuareg-Migranten in Libyen (pdf)

Die Konferenz vor einer Woche (Programm, abstracts, pdf) machte den Auftakt: Ines Kohl von der Forschungsstelle Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) will gemeinsam mit der Universität aus der Bundeshauptstadt ein europäisches Zentrum der Tuareg-Forschung machen, meldet die Presse.…

Read more

“Deutsche Migranten schlecht erforscht”

Seit 120 Jahren sollen nicht mehr soviele Deutsche ins Ausland migriert, ist z.Zt ueberall zu lesen (ich gehoere auch dieser Gruppe). Fuer uns speziell interessant: Im Gegensatz zu tuerkischen Migranten sind deutsche Migranten sind so gut wie gar nicht erforscht:

Auf die Frage der tagesschau “Wie gut erforscht ist die Motivation der Auswanderer?” antwortet Migrationsforscher Klaus J. Bade von der Uni Osnabrück:

Miserabel. Abgesehen von den aus Visa-Statistiken ablesbaren Absichten, zu bestimmten Zwecken auf Zeit in bestimmte Länder zu gehen, sind wir da erst ganz am Anfang. Auswanderung war eben lange kein aktuelles wissenschaftliches Thema mehr. Es wird Zeit, daß sich das ändert.

Die Zahlen (145 000 Auswanderer im vergangenen Jahr) sind offenbar mit Vorsicht zu geniessen. Diese Zahl gebe nicht an, wie lange die Menschen fortblieben, schreibt die faz. Auch eine befristete Tätigkeit für eine ausländische Firma wuerde als „Fortzug“ erfasst werden. Ausserdem scheinen gewisse Milieus die Zahlen fuer ihre eigenen Steckenpferde zu nutzen (weniger Sozialstaat, mehr Neoliberalismus).

Und da Panikstimmung zu herrschen scheint: Solange der Wegzug freiwillig erfolgt, tun jedem ein paar Jahre im Ausland gut – sollte eigentlich obligatorisch sein fuer alle :)

Recherchetip: Man koennte bei den zahlreichen Auswandererforen im Netz mal anfangen, z.B. im Norwegen Freunde Forum

Zwei Kommentare zur Auswanderwelle:

Clemens Wergin: Tschüss Deutschland
Auswanderung: Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften vertreiben viele Leistungsträger (tagesspiegel, 25.10.06)

Uwe Kalbe: Migrations-Paradox
Deutschland ist nicht nur ein Einwanderungsland. Deutschland ist auch ein Auswanderungsland (Neues Deutschland, 24.10.06)

Seit 120 Jahren sollen nicht mehr soviele Deutsche ins Ausland migriert, ist z.Zt ueberall zu lesen (ich gehoere auch dieser Gruppe). Fuer uns speziell interessant: Im Gegensatz zu tuerkischen Migranten sind deutsche Migranten sind so gut wie gar nicht erforscht:

Auf…

Read more