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Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

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Christoph Antweiler. Bild: privat

(LINKS AKTUALISIERT 8.4.2020) “Kulturelle Vielfalt ist nur in Zusammenhang mit Gemeinsamkeiten sinnvoll zu untersuchen”, meint Christoph Antweiler. “Was ist Menschen gemeinsam? Über Kultur und Kulturen” heisst das neue Buch vom Trierer Ethnologen, das also eine der ganz grossen Fragen anspricht (Inhaltsverzeichnis, pdf). Ich habe mich kurz via email mit ihm unterhalten:

Warum dieses Buch? Meinen Sie, Ethnologen hätten zuviel über die Unterschiede zwischen Menschen gesprochen?

Christoph Antweiler: Allerdings! Ethnologen sind nach wie vor stark auf Differenz fixiert. Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen sind zwar ein altes Thema der Ethnologie. Schon die ersten Ethnologen interessierten sich fuer Universalien, aber diese Perspektive war im Fach immer stark unterbelichtet. Mit wenigen Ausnahmen folgten und folgen die Fachvertreter aber der Aufforderung von Clifford Geertz, „Priester der Vielfalt“ zu sein. Auch ich befasse mich in der alltaeglichen Lehre und Forschung vorwiegend mit kulturspezifischen Charakteristika.

Aber kulturelle Vielfalt ist nur in Zusammenhang mit Gemeinsamkeiten sinnvoll zu untersuchen. Mit ihrer fast ausschließlichen Konzentration auf kulturelle Besonderheiten, Unterschiede und Grenzen folgen Ethnologinnen und Ethnologen etwas unkritisch den Menschen in den meisten Kulturen, die sie untersuchen. Die dem entgegenstehende Feier der Auflösung aller kulturellen Grenzen ist ebenso ueberzogen.

Können Sie ein paar Universalien nennen?

Ja, eine Universalie habe ich gerade schon implizit angesprochen. Ueberall gibt es Inklusion und Exklusion, die zumeist strikte Teilung in Eigen- und Fremdgruppe. Fast ueberall geht diese Ethnizität einher mit der Aufwertung der eigenen und der Abwertung anderer Gruppen, also Ethnozentrismus.

Die in der Öffentlichkeit bekannteste Universalie ist die Meidung von Inzest, also vereinfacht gesagt des Geschlechtsverkehrs oder der Heirat zwischen eng verwandten Personen. Es gibt allerdings starke Unterschiede, wer als „eng verwandt“ angesehen wird. Noch allgemeiner: Saemtliche Kulturen haben explizite Normen, die das Geschlechtsleben regeln. Es finden sich keine oder kaum Kulturen, die Jungen und Maedchen gleich sozialisieren, obwohl das durchaus denkbar waere. Es gibt aber auch ganz subtile Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen, z.B. Details der Zeiteinteilung bei der Rezitation von Texten.

Sie schreiben, das Wissen ueber Universalien sei “praktisch relevant für realistische Lösungen menschlichen Zusammenlebens”. Koennen Sie dies naeher erklären?

Die Relevanz entsteht vor allem dadurch, dass wir Menschen wegen immer größerere Vernetzung zunehmend in einer Welt leben und dass gleichzeitig eine der am erfolgreichsten globalisierten Ideen die der kulturellen Besonderheit ist. Jeder ist besonders und alle wollen sich unterscheiden. Das gilt fuer Individuen wie fuer Gruppen bzw. Ethnien. Wir leben in einer Welt der totalen Identitaetspolitik.

Trotz allen Redens ueber Hybriditaet herrscht die Konzentration auf kulturelle Besonderheiten und Unterschiede. Eine Gegentendenz ist die Suche nach Werten, die verschiedene Kulturen in einen Dialog miteinander bringen können. Hier finden wir aber vor allem Wunschdenken, wenig dagegen konkretes Wissen.

Das sieht man z.B. in manchen Projekten für ein globales Ethos oder in Verlautbarungen der UNESCO aus den letzten Jahren. Es wird einerseits eine universale Ethik postuliert; andererseits kulturelle Vielfalt hochgehalten. Die Widersprueche, die sich daraus ergeben, werden ausgeblendet. Ein Beispiel ist das UNESCO-Dokument „Our Creative Diversity“ (1995). Das ist eigentlich eine begrueßenswerte Initiative, die aber politisch naiv ist und dazu durch ethnologische Empirie gar nicht informiert ist.

Hier könnten Ethnologen mit konkretem Wissen aus dem Kulturvergleich nuetzlich sein. Leider fuehrt der systematische Kulturvergleich, obwohl zur Fachtradition gehörend, in der Ethnologie ein Schattendasein, nicht nur in deutschsprachigen Raum.

Was finden Sie besonders bemerkenswert in der Forschungsgeschichte über Universalien? Welche Rolle spielte hier die Ethnologie?

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Auffaellig ist das Schwanken zwischen polaren Auffassungen: entweder wird ein extremer Relativismus oder aber ein absolutistischer Universalismus vertreten. Moderate Positionen hatten es immer schwer, auch schon in Zeiten, als es noch keine Massenmedien gab.

Die Ethnologie war und ist besonders fuer einen empirischen Zugang zu Universalien wichtig. Hier waren vor allem kulturvergleichende Arbeiten von George Peter Murdock seit 1945 entscheidend. Fuer das Handwerkzeug der formalen Untersuchung von Universalien (Grundformen, Typen) sind dagegen die Arbeiten der vergleichenden Linguistik und der Kulturphilosophie, z.B. herausragend Elmar Holenstein, besonders wichtig.

Ein Hindernis der Erforschung menschlicher Gemeinsamkeiten war, dass Universalien oft einfach mit der „Natur des Menschen“ der Biologen oder den „anthropologischen Konstanten“ der Philosophen gleichgesetzt wurden. Zusammen mit der allgemeinen „Biophobie“ der meisten Kultur- und Geistswissenschaftler fuehrte das dazu, dass das Thema gar nicht angegangen wurde oder Universalien als banal galten.

Mit Donald Brown, dem fuehrenden unter einer Handvoll von Universalienforschern in der Ethnologie, bestimme ich Universalien bewusst so, dass in der Definition keine Erklaerung eingebaut ist. Universalien sind Merkmale bzw. Charakteristika, die empirisch nachweisbar und regelmaeßig in fast allen oder allen Kulturen vorkommen. Ihre Ursachen sind sehr verschieden. Extrem verkuerzt gesagt sind Universalien teils Resultat der Biologie menschlicher Personen, teils das Ergebnis ubiquitaerer Diffusion und teils der praktische Effekt des Lebens in einer ueberall in Teilaspekten aehnlichen materiellen Welt.

Was ist Ihre Position in der Debatte um die Begriffe “Kultur” und “Kulturen”? Ist die Welt in verschiedene “(ethnische) Kulturen” eingeteilt oder ist diese Vorstellung ueberholt, macht Menschen fremder als sie sind, exotisiert und (z.B. in der Auslaenderdebatte) stigmatisiert?

Schwierig! Die Welt ist tatsächlich in ethnische Kulturen geteilt, aber dennoch gibt es Austausch und Uebergänge! Was ich in der gängigen Kulturtheorie beobachte – und was mich echt nervt – ist, dass das Baby immer gleich mit dem Badewasser ausgekippt wird.

OK, extreme Positionen gehören im mediatisierten Wissenschaftsmarkt zum Geschaeft. Klar ist, dass das Kugelmodell bzw. Containermodell geschlossener Kulturen falsch ist. Die Feier der sich auflösenden Grenzen verkennt aber völlig, dass Menschen trotz aller globalen Kulturfluesse in aller Regel in bestimmten kulturellen und raeumlich begrenzten Einheiten aufwachsen.

Anders als die Helden des modischen Theorieschrifttums ist es eben immer noch nicht so, dass die typische Erdenbuergerin von einer kreolischen Mutter und einem migrantischen Vater in einem Flugzeug gezeugt und auf einem Flughafen geboren wird, um ihr Leben dann als transnationale Stadtnomadin in Megacities zu verbringen.

Ethnizitaet ist sicherlich oft situativ und wird strategisch eingesetzt. Das schließt aber nicht aus, dass sie grundlegend auch primordial gepraegt ist. Allgemeiner sollte die Ethnologie wieder staerker betonen, dass Kulturen zwar nicht ultraholistisch integriert sind, aber eben auch keine zusammenhanglosen Haufen. Kulturen sind systemische Formen menschlicher Daseinsgestaltung.

Einteilungen auf der Ebene der Großkulturraeume haben seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 eine ungeahnte Popularitaet erreicht. Auch ich halte das Culture Clash- Modell Samuel Huntingtons fuer allzu einfach, tendenziell ideologisch und zudem fuer zu sehr auf Religion fixiert. Aber auch hier wurde mit der berechtigten Kritik das Kind mit dem Bade ausgeschuettet.

Ich vermute, dass jeder Ethnologe, der nicht nur immer in sein eigenes Feldforschungsgebiet, sondern weiter in der Welt herumreist, bestaetigen wird, dass es so etwas wie regional gepraegte Mentalitaeten und Handlungsroutinen gibt. Ich sag´ das mal am Beispiel meiner Regionalgebietes. Trotz aller extremen (!) Diversitaet innerhalb der Kulturen Suedasiens gibt es bestimmte grundlegende Unterschiede zwischen Kulturen Suedasiens und Suedostasiens. Diese konkret empirisch zu benennen, faellt zugegebenermaßen schwer, ist aber möglich.

Dementsprechend meine ich auch, dass man die unter Ökonomen so extrem populaeren Einteilungen von Hofstede und Trompenaars konkret kritisieren und verbessern sollte, statt sie nur runter zu machen. Was mich aus universalistischer Sicht aber vor allem stört, ist die Einseitigkeit der Kritik. An Huntington wird – z.B. von Ethnologen – fast immer das grobe Raster der Einteilung kritisiert, auf die faktisch viel größere Differenzierung hingewiesen. Das andere Problem des Kultur-Clash-Modells wird dabei völlig uebersehen. Die Gemeinsamkeiten von Kulturen bleiben völlig außen vor, genau wie bei den kleinteiligen Differenzierungen der Ethnologen.

Es muss lange gedauert haben, dieses Buch zu schreiben? Es ist selten, dass Bücher zu solch umfassenden Fragen (“big questions”) von Ethnologen geschrieben werden?

An dem Buch hab´ ich ueber zehn Jahre gearbeitet! Ich habe neben dem Unialltag und Lokalstudien zu Indonesien und anderen Arbeiten, immer nebenbei an dem Buch gearbeitet.

Die allgemeine Situation an den Universitaeten hierzulande lässt kaum umfassende Werke zu. Hinzu kommt der Zustand der Ethnologie in Deutschland. Umfassende Studien werden genauso gemieden, wie einführende Werke. Beide sind aber wichtig und hier könnten die aktiv in der Forschung stehenden jungen Ethnologinnen und Ethnologen gestaltend wirken. Aber aus dem Mittelbau werden breiter angelegte Studien genauso selten kommen, wie Einführungswerke.

Ich habe das Glück, eine Professur zu haben; ansonsten ist so etwas zu gefährlich! Die Rezensions-“Kultur“ in Deutschland ist ohnehin extrem gering und dazu erratisch gepraegt. Ueber viele Kollegen und Buecher bilden sich die Meinungen vor allem ueber Telefonnetzwerke, statt ueber publizierte Rezensionen. Insofern sind Websites wie Ihre, Herr Khazaleh, fuer ein Fach wie die Ethnologie wirklich wichtig!

Bei grundlegenden Werken lauert wie bei Einführungen (dem m.E. anspruchvollsten Genre ueberhaupt) immer die Gefahr, dass einen die Kollegen gleich zerfetzen. So zeigen etliche der Rezensionen zum neuen DTV-Atlas Ethnologie (von Dieter Haller, 2005), dass die Rezensenten den Autor vor allem aufgrund einiger Grafiken abwatschen, ohne ueberhaupt genau auf den Text einzugehen.

Haben Sie vor, das Thema zu popularisieren, an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln? Ich nehme an, das Buch richtet sich hauptsächlich an Studenten und Forscher?

Das Buch wendet sich an Forscher, aber ganz bewusst nicht nur an Ethnologen, weshalb ich es diesmal nicht dem Reimer Verlag, sondern der WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt) angeboten habe. Da ist die Startauflage gleich höher und der Leserkreis breiter.

Für Studenten ist das Buch zu teuer, aber ich habe das Thema Universalien auch im Rahmen eines billigen Taschenbuchs zu kultureller Vielfalt zumindest grob behandelt („Positionen interkultureller Ethnologie“, 2007, 10 €).

Gerne wuerde ich das Thema einer breiten Öffentlichkeit vermitteln; deshalb auch dieses Interview. Ein Traum von mir wäre, wenn das Buch von Leuten popularisiert wuerde, die anders als ich wirklich gut schreiben können. Ich denke an die von mir hoch geschätzen Ethnologinnen Ina Zukrigl und Joana Breidenbach. Die können vereinfachen, spannend schreiben und dabei dennoch sachlich bleiben, wie das leider vergriffene Buch zu kultureller Globalisierung zeigt („Tanz der Kulturen“, zuletzt 2000).

Letzte Worte an die Leser an den Bildschirmen?

Interessant sind Universalien, wenn man sie nicht als Absoluta und als das Gegenteil von Unterschieden sieht, sondern als Muster im „Meer kultureller Vielfalt“.

Lesen Sie nicht nur mein Buch, sondern auch Autoren, die aus ganz anderen Ueberlegungen heraus zum Schluss kommen, dass Kultur nicht nur relativ bzw. auf Differenz zu reduzieren ist. Ich denke z.B. an Aufsaetze und populaere Zeitungsartikel von Thomas Hauschild, der trotz deutlich anderen Erfahrungen und theoretischen Positionen ähnliches betont. Ferner empfehle ich das neue Buch des Ökonomen Amartya Sen „Die Identitaetsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt“, 2007.

AKTUALISIERUNG

“Focalizar o que é comum aos seres humanos” – Uebersetzung des Interviews auf Portugiesisch

Besprechung des Buches auf rezensionen.ch

antweiler

Christoph Antweiler. Bild: privat

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“Gar nicht so einfach mit den ‘TürkInnen’, ‘Deutschen’ und ‘AusländerInnen’ “

Der Türkische Ringerverein ist in die Bundesliga aufgestiegen. Wie wir auf anders deutsch erfahren, ist es gar nicht so einfach, genau zu sagen wer nun was ist – türkisch oder deutsch. Denn der “Migrantenverein” ist “deutscher” als viele seiner künftigen “deutschen” Mitkonkurrenten in der Bundesliga…

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Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

Kultur ist einer der schwierigesten Begriffe in der Ethnologie. Nachdem die allermeisten Ethnologen ihn immer weniger benutzen, ist er besonders bei Nationalisten und lautstarken Islamkritikern beliebt. Karin Nungeßer hat im Freitag einen schoenen Text zum Nutzen des Begriffs “Kultur” in der Debatte um Zuwanderung in Deutschland geschrieben – inspiriert von einem offenbar umstrittenen Film (Knallhart):

Die Botschaft, nicht nur im Film, lautet: Wenn wir Zusammenstöße vermeiden wollen, müssen wir wachsam sein – und ihnen im Zweifelsfall besser aus dem Weg gehen. Die Unterscheidung zwischen “uns” und “den anderen” wird dabei ebenso vorausgesetzt wie legitimiert – mit dem fatalen Effekt, dass jede Differenz, die “Ausländer” betrifft, als potenziell bedrohliche wahrgenommen wird.

Hier ist “Kultur” der zentrale Begriff, um zwischen “uns” und “den anderen” zu unterscheiden.

Keine einfache Sache offenbar, denn das Statistische Bundesamt hat mittlerweile nicht weniger als zehn verschiedene Kategorien von “Menschen mit Migrationshintergrund”, z.B.

– “Ausländer”,
– “Spätaussiedler”
– “Eingebürgerte”
– “Deutsche mit einseitigem Migrationshintergrund”
– “Deutsche nach ius-solis-Regelung”
– hier geborene Kinder, die sich spätestens mit 23 Jahren zwischen ihrer deutschen und ihrer nicht deutschen Staatsangehörigkeit entscheiden müssen.

Diese “anderen Deutschen” (zu denen ich laut dieser Definition also auch zugehoere) machen über 15 Millionen Menschen und damit knapp ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Deutschlands aus.

Die Freitag Autorin zitiert Ethnologen Martin Sökefeld, der feststellt, dass der Gebrauch von “Kultur” als geteilter Bestand von Gruppen sich in der Ethnologie weitgehend erledigt hat:

Zu groß ist das Bewusstsein, dass Kultur von Menschen in ihrer sozialen Praxis geschaffen wird, dass sie daher Konflikten unterliegt und sich permanent verändert. Deshalb haben die Angehörigen einer Gruppe kaum durchgängig ein und dieselbe Kultur – auch wenn genau das behauptet wird. So wenig die autochthone Bevölkerung also samt und sonders auf die Werte von Christentum und Aufklärung verpflichtet werden kann, so wenig unterliegen Migranten und Migrantinnen einer eigenen “Kultur”, die ihr Denken und Handeln bestimmt.

Sie schreibt auch von einer Studie unter muslimischen Kopftuchtraegerinnen, die – nicht ueberraschend – folgendes ergab:

So gaben zwar 95 Prozent als wichtiges Lebensziel an, ihren Glauben leben zu wollen. Die meisten von ihnen – fast 80 Prozent und damit ungefähr genauso viele unter den kopftuchlosen deutschen Frauen – sehen es jedoch als ebenso wichtig an, “möglichst frei und unabhängig zu sein”.

Ihre Schlussfolgerung:

Wenn offenbar selbst streng religiöse Muslimas in Deutschland mit einem Mix aus traditionellen und modernen “westlichen” Werten leben, ist die Idee einer kulturellen Differenz zwischen “uns” und “denen” dann nicht ehrlicherweise als das zu verabschieden, was sie ist: eine Ideologie, die uns schadet? Weil sie Integration erschwert und den sozialen Frieden in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland gefährdet?

Tatsächlich geht es nämlich um viel. Das Reden über “Kultur” ändert ja nichts am sozialen und politischen Machtgefälle zwischen Mehrheitsgesellschaft und Einwanderern, das in der Tat gravierend ist und dringend angegangen werden muss. So brauchen wir, um nur die beiden wichtigsten Punkte zu nennen, endlich ein Schulsystem, das Kinder von Geringqualifizierten nicht länger eklatant benachteiligt, und politische Mitbestimmungsrechte für alle, die hier dauerhaft leben.

>> zum Text im Freitag

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Auch Migration und Multikulturalismus sind Themen: Wie wird kulturelles Erbe in eine zunehmend globalisierten Welt konstruiert? Und wie Konzepte des Kulturbegriffes erweitert werden können, was ist zum Beispiel in Multikulturalität enthalten?

>> zum Artikel beim ORF

>> zur Webseite Mediterranean Voices

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“Anders Deutsch” und “Die virtuelle zweite Generation”

andersdeutsch “Anders Deutsch” heisst ein interessanter neuerer Blog. Urmila Goel heisst die Autorin, sie hat u.a. Suedasienkunde studiert und ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Ethnologen Werner Schiffauer an der Europa-Universitaet in Frankfurt an der Oder. Sie ist eine sehr eifrige Bloggerin und schreibt so gut wie taeglich zum Thema Deutsche und Einwanderer, Migration(spolitikk) und “andere Arten Deutsch zu sein”.

>> zum Blog Anders Deutsch

Auf ihrer Homepage bietet sie Informationen über Menschen aus Südasien in Deutschland, darunter auch ihre Forschungsarbeit Die virtuelle zweite Generation. Zur Aushandlung ethnischer Identität im Internet am Beispiel der InderInnen der zweiten Generation in Deutschland. Genug Lesestoff zum Thema bietet auch die Seite Veroeffentlichungen.

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