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Zwei Tage im Leben der Bundeswehr Ethnologin Barbara Mück

Wie berichtet, hat die Bundeswehr eine Ethnologin zu ihrem Auslandseinsatz in den Kongo mitgenommen. Der Tagesspiegel hat die Ethnologin zwei Tage begleitet. Offenbar hat die Bundeswehr genau die richtige Ethnologin erwischt. Mueck sagt:

“Die Art und Weise der Bundeswehr kommt meinem Typ entgegen. Strukturiert. Pünktlich. Ich war mal in der Entwicklungszusammenarbeit, das war so ein Wir-machen-eine-Arbeitsgruppe-Gelaber. Schrecklich.”

Am ersten Tag soll sie den Frauen „Eufor“ zu erklären, die Europäische Mission in der Demokratischen Republik Kongo:

Eine [Frau] fragt nach den Methoden der Eufor. „Madame Mück, werden Sie notfalls auch Waffen benutzen?“ „Ja, natürlich.“ Missmutiges Grummeln. „Und zwar sehr viele.“ Nun murren einige Frauen laut und machen abschätzige Gesichter. Sie haben genug Waffengewalt gesehen in ihrem Leben. Aber Barbara Mück spricht nun sehr engagiert. „Der Mann, dessen Namen eben niemand nennen wollte, mal angenommen, der greift zu den Waffen. Sollen wir da mit ihm reden? Oder sollen wir ihm nicht lieber zeigen, dass wir stärker sind?“

Darf man dieser Ethnologin trauen?

Die Frauen sollen die Informationen in ihren Vierteln dann weiterverbreiten. Aber später wird sie umgekehrt auch den Soldaten etwas über die Einheimischen erzählen. Deshalb hat auch sie Fragen, zum Beispiel: „Wie ist die Stimmung jetzt vor den Wahlen?“

Am zweiten Tag haelt “Hauptmann (!) Mück” ein Landeskundeseminar fuer 30 Sanitäter der Bundeswehr:

Der Unterricht ist frontal, „aber bitte unterbrechen Sie mich anytime“. Mück steht, Hände hinterm Rücken verschränkt, und beginnt: „Das Bild, das man in der Presse vom Kongo hat, ist nicht das Bild von der breiten Bevölkerung. Der normale Kongolese will Frieden und seine Kinder großziehen.“

Wir erfahren, dass Barbara Mück trotz Uniform keine „richtige“ Soldatin ist, sondern Zivilangestellte der Bundeswehr, Dezernat „Info-Konzepte“. Dieses Dezernat wurde gegründet, um der wachsenden Zahl der Auslandseinsätze der Bundeswehr gerecht werden zu können.

>> weiter im Tagesspiegel (Link aktualisiert 13.11.2022)

SIEHE AUCH:

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Anthropology and Counterinsurgency: The Strange Story of Their Curious Relations. Is it prostitution if anthropologists work for the military?

Wie berichtet, hat die Bundeswehr eine Ethnologin zu ihrem Auslandseinsatz in den Kongo mitgenommen. Der Tagesspiegel hat die Ethnologin zwei Tage begleitet. Offenbar hat die Bundeswehr genau die richtige Ethnologin erwischt. Mueck sagt:

"Die Art und Weise der Bundeswehr kommt meinem…

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Kindesmissbrauch bei den Aborigines: Kultur als Vorwand

(via anders deutsch) Viele Ethnologen benutzen das Wort Kultur so wenig wie moeglich oder gar nicht mehr. Oft verschleiert dieser Begriff mehr als dass er erklaert. Oft wird der Begriff naemlich missbraucht. Ein aktuelles Beispiel war in der gestrigen taz zu lesen ueber Kindesmissbrauch bei den Aborigines: Sowohl die Bleichgesichter wie auch die Taeter unter den Aborigines selbst benutzen Kultur als Vorwand – die Weissen um die Aboriginees zu attackieren, die Taeter um ihr kriminelles Verhalten zu legitimieren:

Viele Verbrechen blieben nicht nur ungeahndet, sondern würden von den Tätern und Entscheidungsträgern in den Aboriginal-Gemeinden unter Hinweis auf “Traditionen der Männer” entschuldigt.

“In den “Talkback”-Sendungen der kommerziellen Radiostationen liefen die Telefone heiß. Moderatoren und Hörer attackierten die rund 300.000 australischen Ureinwohner mit offen rassistischen Bemerkungen.
(…)
Der nationale Gesundheitsminister Tony Abbott schlug vor, nicht funktionierende Aboriginal-Gemeinden in Zukunft “paternalistisch” zu verwalten. Einzelheiten nannte er nicht, aber die Idee tönt sehr nach weißen Administratoren für schwarze Siedlungen. Die mehrheitlich regierungsfreundliche Presse jubelte.

Kultur ist ein wichtiges politisches Werkzeug geworden – gerade auch fuer Urbevoelkerungen im Kampf um ihre Rechte. Nicht zuletzt deshalb faellt es den Tätern (oft Männer mit großer Autorität) leicht, das Kultur-Argument einbringen. Sie werden von anderen Aborigines angeklagt, ihre Macht zu missbrauchen: “Sex mit Kindern war nie akzeptabel. Unter traditionellem Recht wäre eine solche Tat sofort mit dem Tod bestraft worden.”

Wie in vielen anderen Faellen, ist “Kultur” keine Erklaerung:

Fachleute sind der Meinung, der Grund liege vor allem beim Alkoholmissbrauch und der sozialen Verwahrlosung ganzer Gemeinden. Nicht selten sind in einer Familie Angehörige von drei Generationen konstant unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Wie Urmila “anders deutsch” Goel schreibt:

Das hört sich nicht nach ‘Kultur’ an, das hört sich eher nach den Folgen von Rassismus, Diskriminierung und Marginalisierung an. Aber wie in ‘Deutschland’ ist es auch in ‘Australien’ einfacher, die ‘Kultur’ der ‘Anderen’ als Sündenbock zu stilisieren als an die wirklichen Ursachen des Problems zu gehen.

>> zum Bericht in der taz

Kuerzlich hat Ethnologe John Morton zu der Problematik Stellung bezogen:

Ever since Europeans first came to Australia, public views of Aborigines have veered between two extremes. Aborigines have been promoted either as disgusting savages or as admired paragons, uncivilised riff-raff or as noble bearers of their culture – bad or good, but never ordinary.
(…)
There are many people both inside and outside Aboriginal communities who recognise that there are big problems in Aboriginal affairs. It’d be good if they could all be allowed to get on with the job of finding appropriate solutions to those problems without “culture” getting in the way.

SIEHE AUCH:

Aboriginees in Australia: Why talking about culture?

The Culture Struggle: How cultures are instruments of social power

Ehrenmorde: Ist Kultur ein mildernder Umstand?

Die ethnologische Kritik am Kultur-Konzept

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Zidane’s Kopfstoss: Helfen ethnologische Erklärungen weiter?

Warum hat Zidane Materazzi im Finale der Fussball-WM mit einem Kopfstoss zu Boden gebracht? Warum hat er ihn nicht geboxt, getreten oder geschlagen? Ethnologe Thomas Hauschild macht sich ein paar Gedanken ueber – in seiner Ansicht – “eine der emblematischsten und faszinierendsten Szenen der jüngsten Kulturgeschichte”. Fast alle Konfliktlinien, die die Gegenwart prägen, so der Ethnologe euphorisch, lassen sich dort studieren.

Solche Worte lassen erstmal aufhorchen: Sind nun wieder Ethnologen dabei, zu kulturalisieren, Handlungen ueberzuinterpretieren? Doch die Ausgangsfrage ist durchaus legitim, und wir alle – oder viele unter uns – werden uns wohl ueber Zidanes Kopfstoss gewundert haben. Fuer Mittelmeerethnologen, so Hauschild, ist dieser Kopfstoss gar nicht ueberraschend. Im “mediterranen Ehrbegriff” spielen naemlich Kopfstoesse (und Hornsymbolik) eine zentrale Rolle. Doch den Kopfstoss allein mit dem Konzept der Ehre zu erklaeren greift zu kurz. Genauso wichtig, so Hauschild weiter, ist es, den Klassenbegriff mit in die Analyse einzubringen.

Der Ethnologe schreibt:

Die zum Ziegengehörn gereckten Finger signalisieren, daß das Gegenüber sich benimmt wie ein Ziegenbock – die mächtigeren Böcke lassen nach der Begattung auch jüngere Männchen an ihre Weibchen heran. Ein Klatscher der linken Hand gegen den rechten Oberarm, manchmal verbunden mit nach hinten gebogenen Fingern aber signalisiert den Widder. Sein Kopfstoß ist bei Hirten zu Recht gefürchtet und trifft jeden, den er zu nah bei seinen Weibchen sieht.
(…)
Zidane verpaßte also dem Italiener einen Widderstoß: Zidanes Kopfstoß wandelt die klassischen Themen der Ehrsymbolik virtuos in ein internationales Fußballdrama um.

(..)

Er hat vielleicht gehandelt wie ein algerischer Hirte, aber er hing dabei nicht am langen Faden der Tradition, sondern er hat als moderner selbstbewußter Aufsteiger gehandelt, der am Endpunkt seiner Karriere Zeichen setzt. Die Zeichen gelten nicht islamischen Moralaposteln, sondern in paradoxer Weise auch einem Teil jener Kinder, derentwegen er sich nun wieder so schämen muß.

Es sind die Kinder aus den Banlieues. Es sind also nicht die auf ihre Ehre bedachten Kinder der algerischen Hirten, um die es geht. (…) La Castellane, der von Migranten und ihren Nachfahren bevölkerte Vorort von Marseille, aus dem Zidane stammt, ist der primäre räumliche Bezugspunkt seines Aktes im Olympiastadion, nicht Algerien allein oder der Mittelmeerraum an sich.

[Zidane hat] allen Franzosen und der Welt gezeigt, daß man sich als “beur” nicht alles gefallen lassen muß, daß man sich wehren kann.

>> weiter in der Faz

SIEHE AUCH:

Hauschild: “Wir müssen begreifen, was es heißt, als Muslim im Westen zu leben”

Warum hat Zidane Materazzi im Finale der Fussball-WM mit einem Kopfstoss zu Boden gebracht? Warum hat er ihn nicht geboxt, getreten oder geschlagen? Ethnologe Thomas Hauschild macht sich ein paar Gedanken ueber - in seiner Ansicht - "eine…

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(aktualisiert) Mit in Kongo dabei: Noch eine Bundeswehr-Ethnologin

“Für den Einsatz hat die blonde Frau mit dem Pferdeschwanz erstmals ihre Zivilkleidung mit einer Uniform getauscht”, lesen wir im FuldaInfo ueber Bundeswehr-Ethnologin Barbara Muck. Sie ist “seit der Verlegung der ersten deutschen Soldaten in den Kongo mit dabei”, um “den Soldaten vor Ort die völlig andere Umgebung nahe zu bringen und kulturellen Missverständnissen vorzubeugen”: Nur nicht zu stark Händeschütteln, Vorsicht mit Hierarchien, sagt sie.

Und dann lesen wir dies:

Den Bundeswehrsoldaten versucht die Ethnologin, deren Spezialgebiet der Sudan ist, zu verdeutlichen, dass in der afrikanischen Tradition sich die Menschen gern mit starken Führungspersönlichkeiten identifizierten. Entsprechend hart fallen dann die “Wahlkämpfe” aus, wenn verfeindete Lager aufeinandertreffen. In dieser Gemengelage hängt vieles davon ab, dass die Kongolesen die Eufor-Truppe als neutral wahrnehmen.

So ist die Ethnologin viel in Uniform auf den Straßen unterwegs und geht auf die Menschen zu. “Musik, Fußball und Kirche”, so ihre Einschätzung, bestimmen das alltägliche Leben. Deshalb wurde für die Informationstour der Eufor-Soldaten schon ein Jingle produziert, der die Einsätze auf der Straße begleitet. Und “ganz im Kleinen” nimmt Mück einfach mal einen Ball mit, wenn sie eine Schule besucht.

>> weiter bei FuldaIfo

Komischerweise konnte ich keine Infos ueber die Ethnologin im Netz finden. Ist der Name falsch geschrieben?

Sie ist nicht die einzige Ethnologin, die mit der Bundeswehr kooperiert. Vor sechs Wochenkuerzlich hatten wir hier die Ueberschrift Deutsche Ethnologin hilft der Bundeswehr (handelte um Anna-Maria Brandstetter)

UPDATE: Der Name scheint faktisch falsch geschrieben zu sein. Bei riemer-o-rama hats sogar ein Bild von jener Barbara Mück. Eine kurze Google-Suche ergab, dass von der Truppen-Ethnologin ein interessanter Text ueber ethnologische Deutschlandforschung im Netz ist.

"Für den Einsatz hat die blonde Frau mit dem Pferdeschwanz erstmals ihre Zivilkleidung mit einer Uniform getauscht", lesen wir im FuldaInfo ueber Bundeswehr-Ethnologin Barbara Muck. Sie ist "seit der Verlegung der ersten deutschen Soldaten in den Kongo mit dabei", um…

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Leidiger Kulturkampf, ein paar Links und hoffentlich ist bald Schluss

dagbladet Die Kontroverse um diese Mohammad-Karikaturen nimmt kein Ende und die Zeitungslektuere macht keine Freude – siehe Titelseite einer von Norwegens meistgelesener Zeitungen (unabhaengig von Alter und sozialer Schicht). Text: “Extremisten auf der Jagd nach Norwegern”. Auch der Eintrag bei ethno::log, hebt nicht die Stimmung.

Konstruktiver dagegen ist woweezowee’s Text Die alte Leier vom Kampf der Kulturen, in dem der Ethnologe Ethnologiestudent ein beliebtes Argument fundamentalistischer Islamhetzer zerpflueckt. Erbauend sind auch seine Links zur Karikaturen-Affäre.

Hinzufuegen moechte ich einen Text von Florian Rötzer in telepolis, in dem er aufzeigt, wie unglaubwuerdig und scheinheilig ein anderes viel benutztes Argument “Meinungs- und Pressefreiheit” in Wirklichkeit ist.

Ein differenzierter Blick auf den Konflikt bietet der Eintrag auf Global Voices Arab Bloggers Take on Danish Cartoons, der die Stimmung unter arabischsprachigen Bloggers auslotet.

Einen grundlegenden und empfehlenswerten Text mit viel Hintergrundinformation hat Ethnologe Daniel Martin Varisco geschrieben: Much Ado about Something Rotten in Denmark.

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Ein anderer Ethnologe – Erkan Saka – berichtet ebenfalls regelmaessig, siehe u.a. Danish Media’s Representations of Islam by anthropologist Peter Hervik und A call for respect and calm – ein Eintrag mit vielen Links

Ethnologin Pnina Werbner erklaert, weshalb England viel besonnener als viele andere Laender reagiert hat

Blogger Gullsnø (goldener Schnee) aus Norwegen fordert alle auf, Friedenstauben zu posten.

Hilgal Sezgin: Die Freiheit der anderen – (taz, 8.1.06)

(wird evtl fortgesetzt)

dagbladet

Die Kontroverse um diese Mohammad-Karikaturen nimmt kein Ende und die Zeitungslektuere macht keine Freude - siehe Titelseite einer von Norwegens meistgelesener Zeitungen (unabhaengig von Alter und sozialer Schicht). Text: "Extremisten auf der Jagd nach Norwegern". Auch der Eintrag bei ethno::log,…

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