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Ethnologen schulen Polizisten

Einwanderer – besonders Afrikaner – haben nicht unbedingt nur gute Erfahrungen mit der Polizei. “Stadtpolizei macht sich fit im Umgang mit Ausländern”, meldet das St.Galler Tagblatt. Fuer die Weiterbildung verantwortlich ist u.a. die Basler Ethnologin Lilo Roost Vischer, lesen wir:

Seit Lilo Roost Vischer vor einigen Jahren die Kantonspolizisten am Rheinknie für den Umgang mit afrikanischer Klientel sensibilisiert hat, klingelt bei ihr immer wieder das Telefon. Polizeikorps aus der ganzen Schweiz holen sich Wissen und Gelassenheit im Kontakt mit Ausländern bei ihr.

Entscheidend für den Umgang mit Ausländern ist: «Die Augen schärfen für das konkrete Gegenüber – aber Vorsicht mit Verallgemeinerungen», sagt sie.

>> weiter im St. Galler Tagblatt (Link aktualisiert)

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Einwanderer - besonders Afrikaner - haben nicht unbedingt nur gute Erfahrungen mit der Polizei. "Stadtpolizei macht sich fit im Umgang mit Ausländern", meldet das St.Galler Tagblatt. Fuer die Weiterbildung verantwortlich ist u.a. die Basler Ethnologin Lilo Roost Vischer, lesen wir:

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Protest gegen Streichungen in der Ethnologie in München

Die Proteste gegen Kürzungen und schlechte Studienbedingungen fuer Ethnologiestudierende gehen weiter. Die Fachschaft des Instituts für Ethnologie und Afrikanistik der Uni München sammelt Unterschriften für eine Petition an den Bayrischen Landtag.

Die Studierenden protestieren dagegen, dass an ihrem Institut im kommenden Sommersemester eine Professur und eine Mittelbaustelle wegfallen werden. Damit verbleiben drei Professoren und ein Assistent. Bei über 1000 Haupt- und Nebenfachstudenten, schreibt die Fachschaft, kann ein adäquates Studium nicht mehr gewährleistet werden.

Sprechstunden seien jetzt schon hoffnungslos überlaufen und müssen “gelegentlich im 5Minuten-Takt abgehalten werden”. Seminare seien vollkommen überfüllt und Dozenten könnten nur eine begrenzte Zahl an Seminararbeiten annehmen.

Die Bedeutung des Fachs werde zwar in der Öffentlichkeit zunehmend wahrgenommen, doch von der Hochschulleitung ignoriert.

>> zum Text der Petition

Münchner Ethno-Studenten und Dozenten werden aufgefordert, die Beschwerde zu unterschreiben.

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Die Proteste gegen Kürzungen und schlechte Studienbedingungen fuer Ethnologiestudierende gehen weiter. Die Fachschaft des Instituts für Ethnologie und Afrikanistik der Uni München sammelt Unterschriften für eine Petition an den Bayrischen Landtag.

Die Studierenden protestieren dagegen, dass an ihrem Institut im…

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Journal Ethnologie 2/2007 ueber Medizinethnologie

“Heilung und Wandel” ist das Thema der neuen Ausgabe von Journal Ethnologie, das vom Frankfurter Museum der Weltkulturen herausgegeben wird. In dieser Ausgabe geht u.a. darum, wie sich sogenannte “westliche” Medizin und sogenannte “traditionelle” Medizin gegenseitig beeinflussen.

Eine Berufskrankheit vieler Ethnologen ist das Kulturalisieren sozialer Phaenomene (Ueberbewertung kultureller Faktoren, Ausblenden von Politik, sozialer Verhaeltnisse etc). So auch in der Medizinethnologie.

In ihrem Text Infektionen und Ungleichheiten. Warum „kulturelle Differenz“ nicht immer die richtige Diagnose ist, macht uns Anke S. Weber mit der kritischen Medizinethnologie bekannt. Es gibt sicher Epidemien, die kulturelle Ursachen haben. Dies ist jedoch eher selten, schreibt die Ethnologin. Häufig können Verhaltensweisen von den Betroffenen nicht einfach geändert werden:

Gesundheit und Krankheit stehen in direktem Zusammenhang mit Armut, mit dem Zugang zu medizinischer Infrastruktur (wie Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken), mit Machtverhältnissen und strukturellen Mängeln. Dass eine direkte Verbindung zwischen Infektionen und sozialen Ungleichheiten besteht, demonstriert die kritische Medizinanthropologie.

Die Critical Medical Anthropology ist eine Entwicklung der 1980er- und 1990er-Jahre und konzentriert sich auf zwei Kritikpunkte, so Anke S. Weber weiter:

Zum einen stellt sie die Annahme in Frage, dass die westliche Biomedizin als eine empirische Wissenschaft frei von kulturellen Kontexten und Vorannahmen sei.

Zum Zweiten legt sie offen, dass gesundheitliche Mängel, Umfang und Erfolg der medizinischen Versorgung oft kulturellen Differenzen zugeschrieben werden, obwohl globale politische und ökonomische Ungleichheiten auf das Ausmaß und die Verteilung von Krankheiten einen ungleich größeren Einfluss haben.

Zum Beispiel haben über eine Milliarde Menschen auf der Erde aufgrund von Krieg und Vertreibung, Umweltschäden durch Wirtschaftsprojekte oder Marginalisierung in Ghettos keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. So infizieren sich täglich Millionen an kontaminiertem Wasser mit Hepatitis, Typhus, Ruhr oder einer der anderen sogenannten wasserbezogenen Krankheiten, die ohne Behandlung tödlich verlaufen.

Einer dieser kritischen Medizinanthropologen ist Paul Farmer. Infektionen und Epidemien, meint er, bewegen sich nicht entlang kulturell unterschiedlicher Verhaltensweisen, sondern verbreiten sich entlang von Wohlstandsgefällen:

Paul Farmer und einige andere Ethnologen und Anthropologen formulieren ihre Texte als eindeutige Proteste gegen die Verwechslung von strukturellen Missständen mit kultureller Differenz. In „Infections and Inequalities” entwirft Farmer ein Plädoyer für eine empathische Gegenbewegung, für die Beseitigung selektiver Blindheit im Westen und für mehr Fürsprache und Engagement durch Wissenschaftler und Entscheidungsträger.
(…)
Jährlich sterben über drei Millionen Menschen an Tuberkulose, obwohl die Krankheit heilbar ist. Farmers Bücher sind eine Anklage an die verantwortlichen Institutionen: die Weltbank, die Pharmaindustrie, transnationale Unternehmen. Aber sie zeigen auch Faktoren auf, die unsere Fähigkeit, die Trends von Epidemien zu erkennen, verschleiern.

>> weiter in Journal Ethnologie

Uebersicht ueber die Texte in der neuen Ausgabe:

Karin und Kurt F. Richter: Schamanismustransfer und westliche Psychotherapie. Probleme der Integration von schamanischen Heilkulturen in unsere westliche Psychotherapie

Carsten Kloepfer: AIDS und Buddhismus. Der psychologische Beitrag des Buddhismus zur HIV/AIDS-Prävention in Thailand

Dagmar Schweitzer de Palacios: Schamanismus und Globalisierung. Ein ecuadorianischer Schamane bei der Fußballweltmeisterschaft

Ruth Kutalek: Malerei aus Tansania. Ein Einblick in die Sammlung Ethnomedizin in Wien

Mihaela Paina: “Heilen – ein Erbe”. Kontinuität und Wandel ayurvedischer Praktiken im dörflichen Kerala, Südindien

Claus Deimel: Die Tesgüinada: Viel trinken und gesund bleiben! Alkohol in der Kultur der Sierra Tarahumara: Die Rarámuri

Ekkehard Schröder: Hanf, Tabak, Schlafmohn und Co. Ethnobotanik: Pflanzen und Ethnomedizin ein altes neues Thema

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"Heilung und Wandel" ist das Thema der neuen Ausgabe von Journal Ethnologie, das vom Frankfurter Museum der Weltkulturen herausgegeben wird. In dieser Ausgabe geht u.a. darum, wie sich sogenannte "westliche" Medizin und sogenannte "traditionelle" Medizin gegenseitig beeinflussen.

Eine Berufskrankheit vieler Ethnologen…

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Mehr anarchistische Ethnologie! – Ethnologik 1/2007 online

Macht ist das Thema der neuen Ausgabe der Zeitschrift Ethnologik, die von Muenchner Ethnologiestudierenden gestaltet wird. Peter Niedersteiner und Falko Zemmrich gehen im Artikel “Anarchistische Anthropologie: Wer hat unsere Macht?” auf eine Richtung unseres Faches ein, die selten erwaehnt wird, wenn man den “Nutzen” der Ethnologie diskutiert: Machtkritik und Aufzeigen von Alternativen zu autoritaeren Herrschaftssystemen, die im Zuge wirtschaftlicher Globalisierung zunehmen (mehrere Beispiel dazu im Heft).

Hier ist speziell die anarchistische Ethnologie relevant, schreiben Niedersteiner und Zemmrich:

Unserem Erachten nach kann eine anarchistische Anthropologie in Zeiten des Ausbaus des staatlichen Machtmonopols, fortschreitender Entmündigung und stärkerer Beschneidung der Freiheit des Individuums im Namen der gesellschaftlichen Sicherheit, ihren wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft leisten. Als Mittel zur Offenlegung und Kritik an Machtkonzentration und -missbrauch dient sie dabei sicherlich genauso gut, wie der Erarbeitung von Alternativen.

Anarchisten sind auf der Suche nach der perfekten Mischung von Freiheit und Solidaritaet. Sie halten nichts vom derzeit dominierenden Konkurrenz- und Elitedenken, bevorzugen das Ideal von “Gift economies”, wo man einander hilft und kooperiert (wie etwa idealerweise der Fall in den Wissenschaften und auch hier im Netz).

Die Autoren besprechen mehrere Theoretiker und Ethnologen (viele Ethnologen sympathisieren mit dem Anarchismus), u.a. auch David Graeber, der wegen seines Engagement von der Uni Yale geflogen ist. Sie schreiben:

Anarchistische Ethnologie ist nach David Graeber besonders geeignet, Strukturen und Alternativen jenseits von Hierarchie und Staatlichkeit aufzuzeigen, nicht nur weil die Ethnologie sich schon traditionellerweise mit nicht-staatlichen Gesellschaften befasste, sondern gerade wegen ihrer Vorgehensweise, die es erlaubt, zu jener verborgenen Symbolik und moralischen und pragmatischen Logik vorzudringen, die die Handlungen eben dieser Menschen prägen.

Indem der Ethnologe durch Zuschauen und Mitmachen Alternativen zur hierarchischen Sozialstruktur des Staates aufdeckt, erfährt er damit Möglichkeiten, Beiträge und Beispiele für menschliches Miteinander, die er sonst nicht erkennen würde. Indem er solche Alternativen formuliert, kann er diese auch für das eigene Handeln nutzbar machen, um einer gerechteren und freieren Gesellschaft den Weg bereiten zu können.

Sie nennen ein Beispiel, das in der Migrationsdebatte anwendbar ist. Die Ethnologie solle nicht müde werden zu betonen, dass der Staat und die Nation eine „imaginary totality par excellence“ sei, also eine gemeinschatliche Vorstellung der Zusammengehörigkeit, die nur in den Köpfen der Menschen existiert:

Von Natur aus gibt es keine Staatsbürgerschaften oder staatlichen Grenzen. Diese Kategorien existieren nur in den menschlichen Köpfen und treten in Symbolen und Ritualen zutage. Erst der feste Glaube an die „Imagined Community“ lässt uns zu der Überzeugung kommen, als „Deutsche“ geboren zu sein und dazu zu gehören. So stellt sich Graeber ähnlich wie damals Kropotkin gegen den Sozialdarwinismus – gegen die Staatlichkeit als unumstößliches Dogma.

David Graebers Buechlein Fragments of an Anarchist Anthropology” gibt’s als pdf.

>> Download Ethnologik 1/2007 (Link aktualisiert)

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Ethnologie und Oeffentlichkeit: Ethnologik – Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Macht ist das Thema der neuen Ausgabe der Zeitschrift Ethnologik, die von Muenchner Ethnologiestudierenden gestaltet wird. Peter Niedersteiner und Falko Zemmrich gehen im Artikel "Anarchistische Anthropologie: Wer hat unsere Macht?" auf eine Richtung unseres Faches ein, die selten erwaehnt wird,…

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Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie?

Es ist erfreulich, dass Ethnologiestudierende in neuen Online-Initiativen unser Fach bekannter machen wollen. Doch welches Bild von Ethnologie und Gesellschaft vermitteln sie?

Bei der Lektuere von Ethnologik und Ethmundo kommen gelegentlich Fragen auf wie: Warum sind die “kulturell Fremden” immer nur Auslaender oder Schamanen in Sibirien und nicht auch weisse Konzernchefs oder protestantische Pfarrer? Wieso soll die Ethnologie nur die “westliche” Perspektive erweitern? Wie up-to-date ist ihr Ethnologie-Verstaendnis?

Warum z.B. werden Studien ueber Phaenomene in der Mehrheitsgesellschaft (oft ethnozentrisch als “eigene Gesellschaft” bezeichnet) immer noch als etwas Neues (und evtl Problematisches) dargestellt? Wieso kann man anno 2007 noch schreiben “Ethnien und deren Kultur sind bekanntermaßen der Forschungsschwerpunkt von Ethnologie-Studierenden”? Und wieso wird auf der neuen Webseite der AG Musikethnologie an der Uni Muenchen, folgende (ueberholte) Definition von Musikethnologie benutzt?

“Die Musikethnologie / Ethnomusicology beschäftigt sich mit Musik in fremden Kulturen. Die Musikethnologie wird definiert als “jene Wissenschaft, die die musikkulturalen Werte ethnischer Gruppen außerhalb oder in Bezug zur Kunstmusik untersucht…”

(siehe Diskussion auf ethno::log dazu).

Mechthild von Vacano hat einen schoenen Text geschrieben, in dem sie einen Ethnozentrismus in der Ethnologie aufzeigt, der leider zu wenig debattiert wird. Ihr Text “Ethnologie aus kritisch-weißer Perspektive” basiert auf einem Vortrag, den sie auf dem Ethnologischen Symposium der Studierenden 2006 “Wir und die anderen” gehalten hat.

Sie schreibt:

Die Ethnologie begreift sich nicht nur als Wissenschaft von dem „Anderen“, sondern traditionell damit gleichgesetzt als die Wissenschaft von außer-europäischen Gesellschaften oder in moderner Variation von (außer-europäischen) MigrantInnen oder Diaspora-Gruppen. Hier stellt sich die Frage: Was für ein Ethnologe oder was für eine Ethnologin wird mit dieser Selbstdefinition konstruiert? – ein(e) weiße(r).
(…)
Vor diesem Hintergrund möchte ich das Motto und Logo dieses Ethno-Symposiums problematisieren: Wer ist beim Motto „Wir und die anderen“ gemeint?

Eine solche Ethnologie leistet ihrem Fach (und der Gesellschaft) einen Baerendienst. Das Bild das wir von “den anderen” liefern ist einseitig und alles andere emisch “from the native’s point of view”.

Um diesen Mangel zu beseitigen muessen wir daher stets Weißsein als spezifische Daseinsform und soziale Praxis problematisieren (und untersuchen), schreibt sie.

Doch was ist (kritisches) Weißsein? Sollten wir nicht aufhoeren, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu definieren?

Mechthild von Vacano erklaert:

Die Nicht-Existenz von menschlichen biologischen „Rassen“ bedeutet keinesfalls, dass die biologistisch konstruierte Idee der „Rasse“ nicht bis heute gesellschaftliche Verhältnisse prägt: Auch wenn es keine „Rassen“ gibt, Rassimus gibt es sehr wohl. Vor diesem Hintergrund markiert weiß diejenige Machtposition, die von Rassimus (strukturell) profitiert.
(…)
Es geht um weiß als eine soziale Konstruktion, die sich auf rassierte Körperkonstruktionen, aber auch andere Merkmalkonstruktionen wie z.B. Name oder Akzent bezieht.

Es geht darum, Weissheit als Norm, als das “Normale” zu problematisieren. Warum sind “Schwarze” automatisch “die anderen”?

Eine weiße Position zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie „normalerweise“ keine explizit weiße Position, sondern unmarkiert ist. Schwarze Positionen hingegen werden ständig als das rassierte Andere thematisiert. So sind z.B. Opfer rassistischer Gewalt immer als Schwarz markiert, die TäterInnen jedoch nie als weiß.

Nicht nur gesellschaftlich ist weiß eine unmarkierte Position, vielmehr halten Weiße ihr Weißsein selbst für unsichtbar. Während Weiße mit aller Selbstverständlichkeit und wissenschaftlichen Legitimation „das Andere“ beobachten, reagieren sie mit empörter Verwunderung, wenn Schwarze Beobachtungen über Weiße anstellen, „da nur ein Subjekt beobachten kann“. Weiße Menschen beanspruchen diese Subjektposition als Teil ihres Selbstvertändnisses, während sie Schwarzen Personen die Objektposition der Beobachteten zuweisen. Schwarze Menschen als Subjekte passen nicht in ein solches weißes Weltbild und rufen bei Weißen Irritation und Abwehr hervor.

Mit der Nicht-Markierung funktioniert Weißsein im hegemonialen Diskurs als unbenannte Norm. Dabei wird Weißsein als Menschsein gesetzt. Die spezifisch weiße Position produziert sich als universelle Daseinsform, während das „Andere“ immer wieder das Partikulare darstellt. Weiße Menschen sind Menschen, während Schwarze Menschen Schwarze Menschen sind.

Sie bezieht sich hier auf ein Feld an Auseinandersetzungen, die akademisch unter dem Titel Kritische Weißseinsforschung bzw. Critical Whiteness geführt werden. “Dabei ist hervorzuheben, dass die kritische Auseinandersetzung mit der Kategorie weiß auf der Grundlage Schwarzer Kritik beruht”, so die Ethnologin.

Ihr Text ist zu finden im Reader Reader – Ethno-Symposium 2006 auf Seite 80. Eine kuerzere Version hat sie bereits Ende November auf Ethmundo veroeffentlicht.

Urmila Goel hat viel zu diesem Thema auf ihrem Blog anders deutsch geschrieben. U.a. meint sie , dass die biologistische Kategorisierung von Menschen in ‘Rassen’ sich in anderen Begriffen wiederfindet, z.B. wie ‘Kultur’ oder ‘Ethnie’. “Es bedarf also weiterer Anstrengungen, Rassismus zu bekämpfen”, schreibt sie. Zu diesem Thema ist auf anders deutsch auch das Paper ‘Andere Deutsche’ – Strategien des Umgangs mit Rassismuserfahrungen” von Mareile Paske zu finden (siehe auch Urmila Goels Publikationen).

Sehr informativ ist der Wikipedia-Eintrag ueber Weiss-Sein.

Weniger Ethnozentrismus und eine globalere Ethnologie ist ein wichtiges Ziel des World Anthropologies Network.

FRUEHER DAZU AUF ANTROPOLOGI.INFO:

Thesis: “Unlearning White Superiority. Consciousness-raising on an online Rastafari Reasoning Forum”

Fieldwork in Papua New Guinea: Who are the exotic others?

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