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Das spezielle Verhältnis der Hindus zu ihren Göttern

Ungefähr ein Sechstel der Menschheit gehört den Hindu-Traditionen an. Das Verhältnis der Hindus zu ihren Göttern ist anders als das der meisten Christen, lernen wir in einem Beitrag des orf. Ethnologe Chris Fuller von der London School of Economics sagt:

Es gibt nicht nur unendlich viele Göttinnen und Götter, es gibt auch keinen absoluten Unterschied zwischen den Gottheiten und den Menschen, wie das die westlichen Religionen sehen. Ganz im Gegenteil: Diese Beziehung ist flexibel und kontinuierlich. Für einen Hindu ist es völlig sinnvoll, zu sagen, dass ein menschliches Wesen göttlich wird, oder dass sich eine Gottheit in menschlicher Form manifestiert. Wenn Hindus also ihren Gottesdienst feiern, dann geht es nicht nur darum, dass sie der Gottheit näher kommen, sondern gewissermaßen wie die Gottheit werden, weil sie Kraft von der Gottheit bekommen.

>> weiter beim orf

SIEHE AUCH:

Wikipedia zu Hinduismus

Wieso immer noch Kasten in Indien?

Ungefähr ein Sechstel der Menschheit gehört den Hindu-Traditionen an. Das Verhältnis der Hindus zu ihren Göttern ist anders als das der meisten Christen, lernen wir in einem Beitrag des orf. Ethnologe Chris Fuller von der London School of Economics…

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Das Alevitentum als Forschungsobjekt – Interview mit Ethnologen Martin Sökefeld

Die Aleviten bilden in der Türkei nach den sunnitischen Muslimen mit mindestens 15 bis 20 % der Bevölkerung die zweitgrößte Religionsgruppe. Sie hatten im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer wieder Verfolgungen zu erdulden. Auch in Deutschland wohnen Aleviten.

1993 ist der Hamburger Ethnologe Martin Sökefeld zufaellig neben dem Alevitischen Kulturzentrum eingezogen. Seitdem interessiert er sich fuer das Alevitentum, erzaehlt er in einem Interview in der Istanbul Post:

Im Mai 1995 gab es dann das Massaker in Gazi, und daraufhin habe ich mich ausführlicher mit verschiedenen Mitgliedern des Zentrums unterhalten, um mehr über Aleviten zu erfahren. Ich war ziemlich beeindruckt davon, dass sich junge Aleviten sehr engagiert für das Alevitentum einsetzten und an allem Alevitischen sehr interessiert waren. Das war für die alevitischen Jugendlichen damals ja auch noch ziemlich neu, da die Aleviten erst wenige Jahre zuvor an die Öffentlichkeit getreten waren. Für mich als Ethnologen war das eine sehr interessante neue Identitätsbewegung, und langsam entstand die Idee, mich damit wissenschaftlich zu beschäftigen.

>> zum Interview in der Istanbul Post

>> Martin Sökefeld: Das Sivas-Massaker: Erinnerungskultur der Aleviten in Deutschland

>> Martin Sökefeld and Susanne Schwalgin: Institutions and their Agents in the Diaspora: A Comparison of Armenians in Athens and Alevis in Germany

Die Aleviten bilden in der Türkei nach den sunnitischen Muslimen mit mindestens 15 bis 20 % der Bevölkerung die zweitgrößte Religionsgruppe. Sie hatten im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer wieder Verfolgungen zu erdulden. Auch in Deutschland wohnen Aleviten.

1993 ist…

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Forschungsprojekt untersucht Rituale in Internet

Man kann eine virtuelle Kerze anzünden und ein Fürbittegebet anklicken. Man kann ein Labyrinth betreten, dort virtuellen Fußstapfen folgen und an einzelnen Wegstationen meditieren. An der Uni Heidelberg werden diese modernen religioesen Erscheinungsformen seit vier Jahren erforscht, meldet die Deutsche Welle. Beteiligt am interdisziplinaeren Forschungsprojekt “Ritualdynamik” sind die klassischen Indologie, die Ethnologie, Soziologie und Religionswissenschaft.

Im Internet treffen die Forscher auf Erstaunliches. Neue Rituale und religioese Ausdrucksformen werden da zusammengebastelt.

Wir lesen:

“Im Internet gibt es neue Ritualräume”, sagt der Religionswissenschaftler Gregor Ahn. Computer-User nehmen Avatar-Figuren und treffen sich virtuell mit anderen solchen Stellvertretern. “In diesen Versammlungsräumen, die zum Teil Kirchencharakter haben, finden regelrechte religiöse Versammlungen statt und es werden auch Gottesdienste abgehalten.”

Warum diese Forschung für die Wissenschaftler so spannend ist, erklärt Simone Heidbrink, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Heidelberger Projekt: “Wie Individuen glauben, was sie tun und wie sie Rituale durchführen, das war bislang nicht sichtbar zu machen. Da gibt erst das Medium Internet dem Individuum eine Stimme. Wir können so erkennen. was ganz normale Menschen auf der Straße glauben.”

>> weiter bei der Deutschen Welle

Auf der Homepage des Forschungsprojektes Ritualdynamik hat es eine Menge Berichte und Publikationen im Volltext.

Man kann eine virtuelle Kerze anzünden und ein Fürbittegebet anklicken. Man kann ein Labyrinth betreten, dort virtuellen Fußstapfen folgen und an einzelnen Wegstationen meditieren. An der Uni Heidelberg werden diese modernen religioesen Erscheinungsformen seit vier Jahren erforscht, meldet die Deutsche…

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“Faszination Fußball” im Hamburger Völkerkundemuseum

Rasenteppiche und Tribüne mit Kiosk und historischem Wettbüro im Hamburger Völkerkundemuseum: Die Ausstellung “Faszination Fußball” zeigt wie nuetzlich der vergleichende ethnologische Blick sein kann. Er entfremdet das Fremde und verfremdet das Bekannte, zeigt Gemeinsamkeiten zwischen weit entfernten Gesellschaften. Zumindest infolge dem Bericht in der Welt.

“Die Chinesen haben den Fußball erfunden, die Engländer haben ihn reglementiert und die Brasilianer haben ihn perfektioniert”, faßt Soziologe Julio Roldán die Fußballhistorie grob zusammen.

(…)

“Fußball wurde schon immer überall gespielt”, sagt Wulf Köpke, Direktor des Museums an der Rothenbaumchaussee. “Man hat Fußball überall so gern aufgenommen, weil es in den meisten Ländern schon eigene Formen dieses Spiels gab”. Ob Mexiko, Malaysia oder Japan: die meisten Länder rund um den Erdball sind stolz auf eine eigene Fußballvariante, die dem be- kannten Spiel verwandt ist. Originalbelege zeigten dies.

(…)

Daß Fußball ganz anders aussehen kann, als wir ihn kennen, zeigen auch die verschiedenartigen Bälle, die aus allen Ecken der Welt nach Hamburg rollten. Der Ball ist nämlich keineswegs rund und genormt, er darf auch eckig sein, oval, verbeult, winzig, federleicht, klobigschwer und selbstgebastelt. Kinder kicken mit Coladosen, die mexikanischen “Ulama”-Spieler mit kleinen Vollgummikugeln, in Mikronesien spielt man am Strand mit kubischen Objekten, die aus Pandanußblattstreifen geflochten werden.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich den Fans und deren magischen Kulten:

Zum Beispiel werden die vor Fanartikel strotzenden Privatzimmer treuer Fußballanhänger aus Brasilien, Holland, Schottland, Japan, Mexiko und der Türkei ausgestellt, deren Begeisterung für ihren Verein alle anderen Lebensinhalte ausklammert.

Der Kult um den Ball bringt Attribute hervor, die religiösen, mindestens aber magischen Charakter besitzen. Maskottchen und andere Hoffnungsträger abergläubischer Natur sind aus dem Fan-Dasein nicht wegzudenken, denn sie garantieren Siege.

>> zum Text in der WELT

>> Homepage der Ausstellung mit Fotogalerie

SIEHE AUCH:

Besprechung der Ausstellung in der Sueddeutschen

Fussball: Keineswegs nebensächlich für Ethnologen

Habilitiert u.a. ueber Homosexualität im Fußball

HALBDISTANZ – FUSSBALLBIOGRAFIEN UND FUSSBALLKULTUREN HEUTE. Ein Studienprojekt des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität Berlin

Rasenteppiche und Tribüne mit Kiosk und historischem Wettbüro im Hamburger Völkerkundemuseum: Die Ausstellung "Faszination Fußball" zeigt wie nuetzlich der vergleichende ethnologische Blick sein kann. Er entfremdet das Fremde und verfremdet das Bekannte, zeigt Gemeinsamkeiten zwischen weit entfernten Gesellschaften. Zumindest infolge…

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Bewerbungskultur und magisches Denken im 21. Jahrhundert

Telepolis-Autor Peter Mühlbauer schaut mit einer originellen Perspektive auf die heutige Bewerbungskultur. Die zunehmend als unkontrollierbar wahrgenommenen ökonomischen Lebensbedingungen, schreibt er, führen zu einer Renaissance von magischem Denken, z.B. in der Bewerbungskultur.

Laut Malinowski werden immer jene Bereiche wissenschaftlich behandelt, die der Mensch technisch beeinflussen kann, “magisch” jene die außerhalb seiner Wirkungsmacht stehen:

Malinowski definierte die Magie als übernatürliche, unpersönliche Macht in der Vorstellungswelt des Menschen, die all das bewegt und steuert was für ihn gleichzeitig wichtig und unkontrollierbar ist. Magie wird mit Ehrfurcht und Scheu ausgeführt, mit Verboten und ausgefeilten Benimmregeln gesichert.

Was hat dies mit Bewerbungen zu tun? Mühlbauer schreibt von den Bergen an neuen Buechern ueber Bewerbungstechniken. Erklärbar wird diese Entwicklung, wenn man auch hier den Effekt einer Begegnung des nicht Beherrschbaren mit Hilfe von Magie annimmt, schreibt er:

Die Bewerbungsmappe und das Bewerbungsfoto dienen dann als (auch finanziell deutlich spürbares) “Opfer”, die immer strengere Form der Bewerbung, in mehrwöchigen Zwangskursen vom Arbeitsamt gelehrt, als “Ritual”. Hinzu kommt, dass die Bewerbungstechniken, wie in der Magie üblich, als Geheimwissen übermittelt werden – was sich bereits an der Auskunftsfreudigkeit der Arbeitsagentur oder ihrer ausgelagerten Veranstalter gegenüber der Presse gut beobachten lässt.

(…)

Die Überprüfung der Richtigkeit des magischen Rituals schreibt man deshalb hier wie da einer übernatürlichen, unpersönlichen Macht zu. Was bei den Südseeinsulaner des frühen 20. Jahrhunderts [extern] “Mana”, bei den Sioux [extern] “Wakan” und bei Algonkin-Indianern [extern] “Manitu” hieß, das ist für den Arbeitslosen des frühen 21. Jahrhunderts der “Markt”.

(…)

Auch die Reaktionen auf Misserfolge gleichen sich in primitiven und in entwickelten Gesellschaften: Lässt der Erfolg eines Opfers auf sich warten, “so besteht die Antwort nicht etwa in einer Überprüfung der Zweckmäßigkeit des Opfers, sondern stets in der Forderung nach Steigerung der Opfergaben” – also in noch teureren Bewerbungsmappen, noch aufwändigeren Fotos und noch mehr Bewerbungskursen. “In beiden Fällen sind die Ursache-Wirkungs-Ketten zirkulär inszeniert und damit gegen empirische Kritik immun.

>> zum Text in Telepolis “Die Magie der Bewerbung”

(PS: Es gibt keine “primitiven” und “entwickelten” Gesellschaften, das ist eine sehr unglueckliche ethnozentrische Formulierung)

Ethnologe Markus Biedermann war kuerzlich beim Arbeitsamt und kommentiert den Artikel auf seinem Blog:

Insbesondere hängen geblieben sind aber die Stichworte zu der Frage, was denn nun konkret da [in die Bewerbung] rein gehöre und zu schreiben wäre: “beschönigen, ausbauen, kleine Lügen” und alles weitere in dieser Richtung sei ok. Nur bitte nicht soviel davon, dass man sich aus der selbstkonstruierten Verstrickung im Bewerbungsgespräch nicht auch wieder herauswinden könnte.

SIEHE AUCH:

Neue Bewerbungstraditionen: Sind Initiativbewerbungen out?

Digitale Bewerbungen und das Wettrüsten zwischen Bewerber und Personalchef

Als arbeitslose Ethnologin beim Bewerbungsseminar

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Laut Malinowski werden immer jene Bereiche wissenschaftlich behandelt,…

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