search expand

Bundeswehr-Werbung im Ethnologie-Seminar?

(AKTUALISIERUNG 16.4.10 / 29.4.10: Friedensbewegung protestiert gegen “Ethnologie und Militär” Seminar und Ethnologie und Militär: Der Protest hat genutzt) Am 23.April gehts los. Dann wird Bundeswehr-Ethnologin Monika Lanik die Studierenden mit dem Hauptseminar “Angewandte Ethnologie und Militär” im Ethnologie-Institut der Uni Tübingen herausfordern.

Das Institut ist sich der Brisanz des Themas bewusst. Werbung für die Kriege der Bundeswehr im Ethnologie-Seminar? Die Marxistische Aktion Tübingen hat in einem offenen Brief an das Rektorat der Uni die Veranstaltung bereits kritisiert und in Zusammenhang einer generellen Militarisierung gestellt:

Frau Dr. Monika Lanik (…) bietet übrigens im kommenden Semester ein Hauptseminar zum Thema an. Ein Schelm, wer hier Böses denkt. Sie wird doch nicht etwa, wie ihr am rechten Rand agierender Kollege Thomas Bargatzky an der Uni Bayreuth, bei dem sie bereits mehrmals Gastvorträge hielt, Studierende dazu anhalten wollen sich bei der Bundeswehr zu engagieren? Bei dem regelmäßigen Autor der rechtsextremen Zeitschrift „Junge Freiheit“ Thomas Bargatzky kann der/die Interessierte direkt auf seiner Institutshomepage Formulare für Praktika bei der Bundeswehr downloaden.

So wenig subtil wird Monika Lanik wohl nicht agieren. Dass Laniks Afghanistan-„Forschungen“ nichts desto trotz im Dienste des militärischen Engagements der Bundeswehr stehen, davon kann sich jedeR leicht in dem Buch „Afghanistan- Land ohne Zukunft?“ (download unter: www.streitkraeftebasis.de) überzeugen.

Im Vorlesungsverzeichnis (pdf) wird daher auffallend deutlich Laniks beruflicher Hintergrund thematisiert:

Frau Dr. Lanik arbeitet als Ethnologin im Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Dies hat die Themenwahl der Lehrveranstaltung bestimmt, keinesfalls aber die Inhalte, die persönlich Dr. Lanik zuzuschreiben sind und keinesfalls im Namen der Bundeswehr stehen.

Ziel ist es, gemeinsam mit Studierenden der Ethnologie die Argumentationsstränge zu sortieren, den Stand der Informationen zu bewerten und aus wissenschaftlicher Sicht eine Bewertung der Ethik-Diskussion vorzunehmen.

Inhaltlich wird es darum gehen, auf der Grundlage der neueren Geschichte von Ethnologie und Militär im deutschsprachigen Raum ein informiertes Bild über die Methoden- und Ethikdiskussion des aktuellen Einsatzes von Ethnologen im Militär zu erarbeiten. Die Ethnologie steht hier exponiert in einem Anwendungsfeld, das de facto längst von der Psychologie, der Kommunikationswissenschaft, der Geographie, der Islamwissenschaft und anderen Disziplinen besetzt ist. Am Ende des Seminares soll die Frage beantwortet werden, ob überhaupt ein speziell ethnologischer Beitrag gefragt ist in der militärischen Anwendung und in welchem Passungsverhältnis dieser zum ethischen Forschungskanon der Ethnologie stehen kann.

Sehr interessant ist die Seite http://www.streitkraeftebasis.de/ worauf im Offenen Brief hingewiesen wird. Da gibt es u.a. Infos über die modische sogenannte “Interkulturelle Einsatzberatung” Das Buch, in dem Lanik einen Text beigesteuert hat, heisst übrigens nicht Afghanistan – Land ohne Zukunft, sondern Afghanistan – Land ohne Hoffnung? und ist in der Tat als pdf erhältlich. Einen weiteren Artikel von ihr ist in einem weiteren Buch über Afghanistan – für Soldaten geschrieben – zu lesen.

Monika Lanik hat bei der Diskussionsveranstaltung Ethnologen in Krisen- und Kriegsgebieten: Ethische Aspekte eines neuen Berufsfeldes auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde im Herbst letzten Jahres teilgenommen. Im Referat (pdf) ist zu lesen dass es laut Monika Lanik keine Möglichkeiten gebe, als Ethnologin innerhalb der Bundeswehr eigene Feldforschung zu betreiben. Die Strukturen seien zu starr. Sie verteidigte jedoch ihren Job: Wenn sich Ethnologen nicht selbst dieser Fragen annehmen, bestünde die Gefahr, dass das Wissen um kulturelle Gegebenheiten von Fachfremden ohne entsprechende Expertise abgedeckt werde, so Lanik.

Man kann jedoch nur Laniks Logik folgen, wenn man die Bundeswehr und ihre Kriege unterstützt. Unabhängig davon bleiben ethische und fachliche Fragen. Es wäre spannend, wenn Teilnehmende des Seminares von den Diskussionen berichten könnten.

AKTUALISIERUNG (16.4.10: Friedensbewegung protestiert gegen “Ethnologie und Militär” Seminar

SIEHE AUCH

Protests against British research council: “Recruits anthropologists for spying on muslims”

Militarisation of Research: Meet the Centre for Studies in Islamism and Radicalisation

Telepolis über Ethnologen im Irak-Krieg: “Sollten lieber das Militär studieren”

Immer mehr Ethnologinnen bei der Bundeswehr

Mit in Kongo dabei: Noch eine Bundeswehr-Ethnologin

Cooperation between the Pentagon and anthropologists a fiasco?

Anthropology and CIA: “We need more awareness of the political nature and uses of our work”

War in Iraq: Why are anthropologists so silent?

In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in der Ethnologie

Thomas Bargatzky – ein rechtsradikaler Ethnologe?

Selected quotes from “On Suicide Bombing” by Talal Asad

(AKTUALISIERUNG 16.4.10 / 29.4.10: Friedensbewegung protestiert gegen "Ethnologie und Militär" Seminar und Ethnologie und Militär: Der Protest hat genutzt) Am 23.April gehts los. Dann wird Bundeswehr-Ethnologin Monika Lanik die Studierenden mit dem Hauptseminar "Angewandte Ethnologie und Militär" im Ethnologie-Institut…

Read more

Deshalb bleiben indonesische Ethnologinnen zu Hause

Hierzulande ziehen viele Ethnologen in die Ferne, um zu forschen. So ist das nicht in Indonesien. Die meisten Ethnologen forschen in ihrem eigenen Land – unter anderem um das von “westlichen” Ethnologen verbreitete Bild Indonesiens zu korrigieren, erklärt Nina Gaiser in ihrem Paper “Indonesische Ethnolog/innen in Jogjakarta – Studium, Beruf und Wissenstransfer“.

Sie zitiert einen Ethnologiedozenten an der Uni Gadjah Mada in Jogjakarta:

“The problem is, that research results published in a journal are always from the centre of the discourse. So it’s always the people from Germany, from the US, from the Netherlands or Australia who publish. But what they publish on Islam, that’s always kind of a misrepresentation, misinterpretation of culture and religion. […] We have our own genius to talk about Islam. But the knowledge about Islam is constructed by the first nations, Europe and the US. It’s not from Indonesia for instance. So that’s actually my concern.”

Ausschlaggebend ist laut Gaiser nicht wo man forscht, sondern was man erforscht und wie “nützlich” die Forschung für die Gesellschaft ist:

Ein Großteil der Befragten, viele von ihnen in NGOs tätig, sprach sich sogar aktiv für ethnologische Forschung aus, bei welcher der Forscher oder die Forscherin direkt für eine bestimmte Gruppierung oder Sub-Kultur Partei ergreift. Sie empfinden rein akademische Forschung als langweilig oder sinnlos, da die produzierten Forschungsergebnisse keinen Nutzen hätten. „I was so sick of that“, beschreibt eine Informantin, „and decided to stop doing research with those perspectives […] like academic research. Now I work with the people. […] It’s more, ya, action research: I learn from the people, we set up projects together. So it’s like advocacy work to empower kampung people“.
(…)
Moralische Bedenken treten nur dann auf, wenn ein Verdacht des Missbrauchs ethnologischer Forschungsergebnisse, durch Unternehmen oder Regierungen, besteht. Im Allgemeinen scheint jedoch die Tendenz zu bestehen, angewandte und theoretische Ethnologie verbinden zu wollen, mit dem Ziel etwas in der Gesellschaft zu verändern.

Nina Gaiser’s Arbeit ist das Ergebnis eines interessanten Zusammenarbeitsprojekts des Instituts für Völkerkunde der Uni Freiburg (Breisgau) und der Fakultas Ilmu Budaya der Universitas Gadjah Mada in Jogjakarta:

Es handelt sich dabei um ein interkulturelles Tandemprojekt, in welchem deutsche und indonesische Studierende gemeinsam forschen. Die Lehrforschung findet jährlich abwechselnd in Indonesien und Deutschland statt. Es wird in Zweierteams geforscht, bestehend aus jeweils einem deutschen und einem indonesischen Studierenden. Es geht darum als gleichberechtigte Forschungspartner übereinander aber zugleich miteinander zu forschen.

>> Download des Papers “Indonesische Ethnolog/innen in Jogjakarta – Studium, Beruf und Wissenstransfer”

Einen æhnlichen Fokus auf den praktischen Nutzen von Forschung finden wir in mehreren afrikanischen Ländern, siehe The resurgence of African anthropology

SIEHE AUCH:

Deutschlandforschung: Wofür sich “ausländische” Ethnologen interessieren

“Discuss politics!” – How anthropologists in Indonesia engage with the public

Brazilian anthropologist João Biehl: “Anthropology needs to engage in an activist way”

Reggae, Punk and Death Metal: An Ethnography from the unknown Bali

Keith Hart and Thomas Hylland Eriksen: This is 21st century anthropology

Hierzulande ziehen viele Ethnologen in die Ferne, um zu forschen. So ist das nicht in Indonesien. Die meisten Ethnologen forschen in ihrem eigenen Land - unter anderem um das von "westlichen" Ethnologen verbreitete Bild Indonesiens zu korrigieren, erklärt Nina Gaiser…

Read more

Ethnologe fordert Tarifverträge für Lehrbeauftragte

Hungerlöhne an den Unis: Ethnologe fühlt sich ausgebeutet, meldeten die Medien vor drei Jahren. Viel hat sich offenbar seitdem nicht geändert. Um Lohndumping an Hochschulen abzuschaffen, sollte ein Wissenschaftstarifvertrag geschlossen werden, fordert nun Ethnologe Magnus Treiber, der einen Streik von freien Mitarbeitern an der Uni München mitorganisierte, in einem Interview mit dem Deutschlandradio.

Es sei wichtig, über die Situation der Lehrbeauftragten zu reden, betont Treiber:

Der Lehrauftrag ist ein Strohhalm, der es einem erlaubt, die Anbindung an eine Universität zu zeigen, der einem Zugang zu anderen Wissenschaftlern erlaubt. Währenddessen bewirbt man sich, publiziert man, schreibt Forschungsanträge und so fort, und das wird nie als eine Zeit wahrgenommen, in der man stecken bleiben darf und stehen bleiben sollte. Nichtsdestotrotz geht ja nicht jede Bewerbung auf, und man ist oft länger in dieser Schleife, als man das vorher plant.

Und deshalb ist es einfach auch wichtig, diese Phase zu thematisieren und den Menschen auch klarzumachen, es geht anderen ähnlich wie euch, und das ist eine Phase, in der wir trotzdem gute Arbeit leisten und gute Arbeitsbedingungen und ein gutes Entgelt einfordern dürfen.

>> zum Interview im Deutschlandradio

SIEHE AUCH:

Weiterhin Hungerlöhne an den Unis: Ethnologe fühlt sich ausgebeutet

SZ ueber Ethnologen-Protest: “Nachwuchswissenschaftler arbeiten zum Nulltarif”

Bildungsstreik: Seminar für Ethnologie in Halle besetzt

Petition gegen Streichungen: Münchner Ethnologiestudierende erzielen erste Erfolge

Exzellenzinitiative bedroht Geisteswissenschaften

Hungerlöhne an den Unis: Ethnologe fühlt sich ausgebeutet, meldeten die Medien vor drei Jahren. Viel hat sich offenbar seitdem nicht geändert. Um Lohndumping an Hochschulen abzuschaffen, sollte ein Wissenschaftstarifvertrag geschlossen werden, fordert nun Ethnologe Magnus Treiber, der einen Streik…

Read more

Heidelberg: Kampf gegen Schliessung der Ethnologie-Bibliothek verloren

“Ethnologen kämpfen um ihre Bibliothek“, meldete die Rhein Neckar Zeitung im August. Nun meldet dieselbe Zeitung, dass die Ethnologen den Kampf verloren haben.

Mehr als 400 Unterschriften sammelte die Fachschaft für den Erhalt der Bibliothek. Doch das half nicht. Am 18. August erhielten die Studenten eine E-Mail, dass die Bücher ab sofort nicht mehr ausgeliehen werden könnten, da die Bibliothek im September schließe. Der “Mittelpunkt des Instituts”, der “zentrale Treffpunkt” existiert auf einmal nicht mehr.

Die Schließung der Institutsbibliothek sei jedoch kein Signal für das Ende der Ethnologie in Heidelberg, beteuert der Rektor. Das Gegenteil sei der Fall, das Fach werde künftig deutlich gestärkt. Im Rahmen des geisteswissenschaftlichen Exzellenzclusters “Asia and Europe” habe die Ethnologie sogar einen weiteren Lehrstuhl erhalten.

Der Bestand der Institutsbibliothek wird in die Unibibliothek uebergefuehrt. Damit sei bereits begonnen worden, so Fachreferentin Sabine Häußermann.

>> zum Bericht in der Rhein Neckar Zeitung

SIEHE AUCH:

Petition lanciert – Ethnologie in Heidelberg vor dem Aus?

“Ethnologen kämpfen um ihre Bibliothek“, meldete die Rhein Neckar Zeitung im August. Nun meldet dieselbe Zeitung, dass die Ethnologen den Kampf verloren haben.

Mehr als 400 Unterschriften sammelte die Fachschaft für den Erhalt der Bibliothek. Doch das half nicht. Am…

Read more

Petition lanciert – Ethnologie in Heidelberg vor dem Aus?

Ethnologen kämpfen um ihre Bibliothek“, meldet die Rhein Neckar Zeitung. Denn die Fachbibliothek am Institut für Ethnologie in Heidelberg soll geschlossen werden. Die Bücher sollen Teil des Bestandes der Universitaetsbibliothek (UB ) werden.

Das Institut für Ethnologie, so der Eindruck vieler Studierender der Zeitung zufolge, fällt allmählich auseinander. Denn nicht nur soll ihre Bibliothek verschwinden. Die räumliche Zukunft des Instituts ist auch ungeklärt. Das Institut soll der Expansion der UB weichen.

Die Fachschaft Ethnologie Heidelberg ist nun dabei, mittels Online-Petition Unterschriften für den Erhalt der Bibliothek zu sammeln: “Die Bibliothek ist der Mittelpunkt unseres Instituts”, sagt Stefanie Aznan zur Rhein-Neckar Zeitung. “Studenten und Dozenten treffen sich hier, ältere Studenten können den Erstsemestern helfen.” Die fachspezifische Betreuung ginge in der UB verloren. Ebenso sei die thematische und regionale Aufstellung der Bücher wichtig.

Eine eigene Bibliothek sei auch wichtig, da beliebte Bücher in der UB wegen häufiger Vormerkungen schon mal drei Monate blockiert sind. “Wie soll denn ein Bachelorstudent, der alles in sechs Semester durchziehen muss, da rechtzeitig seine Hausarbeiten schreiben können?”, fragt Fachschaftsvertreterin Michaela Meurer.
>> weiter in der Rhein Neckar Zeitung

351 Unterschriften sind bereits zusammengekommen und viele haben noch Kommentare dazugeschrieben.

Chris Freihaut schreibt:

ich studiere ethnologie in köln und arbeite als shk in der bibliothek. die vorstellung, dass unsere institutsbibliothek das gleiche schicksal ereilen könnte, ist… ich mag gar nicht dran denken. unser institut ist durch die bib zentraler anlaufpunkt für die studierenden, was ich aus anderen fächern so nicht kenne und an der kölner ethnologie sehr schätze! ich drücke euch die daumen, dass ihr eure bib behalten dürft!

Barbara Hertel kommentiert:

Als ehemalige Studentin der Ethnologie und als Fachangestellte für Medien-und Informationsdienste kann ich das Anliegen der Studierenden nur unterstützen. Eine Institutsbibliothek ist die geistige Heimat für Studierende eines Faches. Die thematische Aufstellung ermöglicht es auch einnal rechts oder links des eigenen Arbeitsthemas zu schauen und sich inspirieren zu lassen. Darüber hinaus trifft man Kommilitonen zur Diskussion und erfährt häufig generell, was am Institut so läuft. Eine Eingliederung in die UB würde zu einer Anonymisierung führen, in der die sogenannten Orchideenfächer nur noch eine Randexistenz führen dürften, mit Etatkürzungen und -verschiebungen ist in diesen Fällen in der Regel zu rechnen. Alles in allem eine nicht erstrebenwerte und zukunftsorientierte Entwicklung, da im Zuge der enger zusammenrückenden Welt, die Ethnologie und diejenigen die sie betreiben immer wichtiger werden.

>> zur Petition

SIEHE AUCH

Bildungsstreik: Seminar für Ethnologie in Halle besetzt

Rettungsaktion gestartet: Kulturanthropologie / Volkskunde an der Uni Bonn wird geschlossen?

Gute Aussichen für die Ethnologie und andere “Orchideen-Fächer”

Exzellenzinitiative bedroht Geisteswissenschaften

Petition gegen Streichungen: Münchner Ethnologiestudierende erzielen erste Erfolge

Kein Ethnologiestudium mehr an der Uni Göttingen

Kein Platz mehr für Ethnologie: Uni Innsbruck stutzt “Orchideenfächer”

Protestblog und Bilder: Kollaps des Instituts für Sozialanthropologie in Wien

Ethnologie in Hamburg: Wird gestrichen weil unrentabel?

"Ethnologen kämpfen um ihre Bibliothek", meldet die Rhein Neckar Zeitung. Denn die Fachbibliothek am Institut für Ethnologie in Heidelberg soll geschlossen werden. Die Bücher sollen Teil des Bestandes der Universitaetsbibliothek (UB ) werden.

Das Institut für Ethnologie, so der…

Read more