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DDR-Ritual wird immer beliebter

“Was zu DDR-Zeiten Jugendweihe hieß und aus Jugendlichen der DDR „sozialistische Persönlichkeiten“ machen sollte, hat in den vergangenen Jahren einen enormen Zulauf bekommen”, meldet die Berliner Zeitung

Die Organisatoren von Jugendfeiern sehen sich allerdings nicht mehr in der Tradition des Sozialismus. Sie beziehen sich auf eine über 150 Jahre alte Tradition der Jugendweihe und nennen das Fest heute Jugendfeier, lesen wir.

Das Blatt zitiert Ute Mohrmann, emeritierte Professorin für Ethnologie und Volkskunde der Berliner Humboldt-Universität, die sich mit dem Brauch der Jugendweihe nach der Wende beschäftigt hat. „Es gibt den Wunsch nach einem ritualisierten Abschied von der Kindheit“, sagt sie. Jugendfeiern seien heutzutage vor allem Geschenk- und Familienfeste.

>> weiter in der Berliner Zeitung

Auch vor 11 Jahren, in Focus Nr. 14 (1997) konnten wir ueber die Popularitaet der Jugendweihe lesen. Und auf YouTube gibt es jede Menge Jugendweihe-Videos

Solche Uebergangsriten sind ueberall auf der Welt verbreitet

"Was zu DDR-Zeiten Jugendweihe hieß und aus Jugendlichen der DDR „sozialistische Persönlichkeiten“ machen sollte, hat in den vergangenen Jahren einen enormen Zulauf bekommen", meldet die Berliner Zeitung

Die Organisatoren von Jugendfeiern sehen sich allerdings nicht mehr in der Tradition des Sozialismus.…

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Bilderbuch-Ethnologe ueber gebratene Papageien, Zauber und Sex im Dschungel

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Drei Jahre hat er bei den Lacandón-Indianern im suedmexikanischen Dschungel gelebt und gilt nun als Expert in Sachen Ethnomedizin und Schamanismus. Das Hamburger Morgenblatt hat anlaesslich seines soeben erschienenes Buch “Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen” mit dem Ethnologen Christian Rätsch gesprochen.

Christian Rätsch scheint den typischen Ethnologen im Auge von Nicht-Ethnologen zu verkoerpern: “Gebratene Papageien, Zauber und Sex in der Holzhütte” titelt das Abendblatt. Er ist fasziniert vom “Anderen”, “Exotischem” und kritisch gegenueber “der Zivilisation”. Wie viele besonders deutsche Ethnologen scheint er von einem Hang zum Exotisieren zu leiden. Indianer scheint er einem Amazon-Kritiker zufolge gar als “edle Wilde” zu betrachten.

Solche Tendenzen kommen auch im Interview mit dem Abendblatt zu Tage. Er erzaehlt dass das Indianer-Dorf mittlerweile “durch eine Schotterpiste an die Zivilisation angebunden” sei und “einige Bewohner den Verlockungen der nahe gelegenen Städte erliegen” wuerden und “der Dorfgemeinschaft den Rücken kehren”.

>> zum Interview im Hamburger Morgenblatt

Christian Rätsch hat auch eine eigene Webseite http://www.christian-raetsch.de/ mit vielen Artikeln zur Ethnobotanik sowie mehrere Reiseberichte.

Es gibt auch ein humoristisches Interview mit ihm im ArturMag

AKTUALISIERUNG: Ein sehr schönes Interview hat Freya Morigerowsky mit Christian Rätsch auf ethmundo.de geführt (Link aktualisiert 21.9.15)

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Journal Ethnologie 2/2007 ueber Medizinethnologie

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Neue Ethmundo über Verhexte, Besessene und einen deutschen Schamanen

"Beseelt und besessen – Konzeptionen von Geist und Psyche" heisst das Thema der sechsten Ausgabe des Magazines Ethmundo. Vier spannende neue Texte gibt es, besonders interessant finde ich die Reportage über den deutschen Schamanen:

>> Caro Kim: Reiki für…

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"Kuriose Osterbräuche in Bayern"

Beim «Gockelholen» geht es um die Damengunst – «Ostereierwerfen» soll vor Blitzschlag schützen. Neben Karfreitagsprozession, Speisenweihe und Osterspaziergang existieren in Bayern zahlreiche “kuriose Osterbräuche”, erinnert ein Argenturbericht. Viele Bräuche haben keinen religiösen Hintergrund.

In Ostheim an der Röhn kommt Ostern nicht der Osterhase, sondern der Storch. Über 3000 Osterstörche verlassen deswegen jedes Jahr eine kleine Backstube im Ort. «Es gibt eine Vielzahl von Eierbringern, um pädagogische Ziele wie Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit durchzusetzen», erklärt Ethnologin Heidrun Alzheimer.

>> weiter zum ddp-Bericht “Kuriose Osterbräuche in Bayern” (Mittelbayrische, Link aktualisiert)

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“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

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Neue Ausgabe von Ethmundo: Das Fest – ein ganz normaler Ausnahmezustand

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In Ostheim an der Röhn kommt Ostern nicht…

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Karl-Heinz Kohl: “Inzest bedeutet nicht überall auf der Welt das gleiche”

Ein 30-jähriger Sachse muss ins Gefängnis weil er vier Kinder mit seiner Schwester hat. Der Kölner Stadtanzeiger hat sich mit dem Ethnologen Karl-Heinz Kohl zu diesem universalen Tabu unterhalten.

Der Ethnologe sagt, dass Inzest zwar ein universelles Tabu ist, jedoch unterschiedlich definiert wird:

Was als Inzest aufgefasst wird, ist von Kultur zu Kultur verschieden. Es gibt etwa Gesellschaften, in denen es vorgeschrieben ist, dass ein Mann die Tochter seines Mutterbruders heiraten muss, während die Heirat mit der Tochter der Vaterschwester zugleich streng verboten ist. Eine genetische Begründung lässt sich für diese Vorschrift nicht geben. Denn hinsichtlich des gemeinsamen Genpools unterscheiden sich die beiden Kusinentypen ja nicht. Es handelt sich hierbei um komplizierte Regeln, und es hat lange gedauert, bis die Ethnologie sie erfasst hat.

Kohl hält Claude Levi-Strauss’ Theorie über das Inzest-Tabu am überzeugendsten:

Er fasst das Inzestverbot nicht auf als ein Verbot, sondern als ein Gebot zur Exogamie: also zur Heirat nach außen. Nach Lévi-Strauss stellt die Heirat die Urform des Tauschs dar. Geschlossene soziale Gruppen sind auf feste Beziehungen zu anderen geschlossenen Gruppen angewiesen. Solche Allianzen herzustellen sei in der frühen Menschheitsgeschichte durch den wechselseitigen Austausch von Frauen geschehen, der erst durch das Inzestverbot ermöglicht wurde.

>> weiter im Kölner Stadt-Anzeiger

Ein 30-jähriger Sachse muss ins Gefängnis weil er vier Kinder mit seiner Schwester hat. Der Kölner Stadtanzeiger hat sich mit dem Ethnologen Karl-Heinz Kohl zu diesem universalen Tabu unterhalten.

Der Ethnologe sagt, dass Inzest zwar ein universelles Tabu ist, jedoch unterschiedlich…

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