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Für mehr Technikforschung: Magisterarbeit über Ethnologie des Mobiltelefons online

(via ethno::log) Fabian Klenk hat seine Magisterarbeit an der Uni München über die Ethnologie des Mobiltelefons geschrieben. Dieses Ding hat das Leben vieler Menschen dieser Welt verändert – aber wie? Und wie unterscheidet sich die Nutzung des Mobiltelefons in verschiedenen Ecken der Erde?

Der Ethnologe schreibt:

Dieser Arbeit liegt die Neugier zugrunde (…) wie die Ethnologie als Kulturwissenschaft mit modernen Technologien im lokalen Kontext umgeht, welche Konzepte sie bietet um die unterschiedliche Nutzung ein und desselben physischen Geräts zu verstehen und welche Konzepte und Theorien aus Nachbarwissenschaften – wie den Science and Technology Studies (STS) oder der Soziologie – herangezogen werden können, um ein aussagekräftiges Bild über eine bestimmte Technologie zu erhalten.

Anhand von lokalen Beispielen aus Westafrika und Jamaika zeigt Klenk “die Dynamik und Anpassungsfähigkeit von Kulturen” auf. In Westafrika wird das Mobiltelefon dazu genutzt, schon vorher existente enge Beziehungen zu intensivieren, während es im jamaikanischen Kontext genutzt wird, extensive Beziehungen zu pflegen und auszubauen, um auf diese zu einem späteren Zeitpunkt aus verschiedenen Gründen zurück greifen zu können.

Obwohl immer mehr Ethnologen sich für neue Technologien interessieren, ist der Forschungsbedarf weiterhin gross:

Jedoch muss die Forschungsneugier in diesen Bereichen durchaus nochgestärkt und gefördert werden, da die Wechselwirkung neuer Technologien mit den kulturellen Gegebenheiten bei weitem noch nicht erschöpfend untersucht wurde und stets einem Wandel unterliegt, aufgrund dessen sich immer neue Bereiche als Untersuchungsgegenstand eröffnen werden. Die Folgen des Zusammenwirkens von Technologien und Kultur auf den Alltag vieler Menschen sind nicht abzusehen, und werden doch unser Zusammenleben und unsere Kommunikation miteinander weiter prägen.

>> Download der Arbeit auf Fabian Klenks Webseite

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“Transkulturelles Lernen”

Kluge Worte von Ethnologin Christiane Klingspor vom Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen in der taz. Sie meint (wie viele andere Ethnologen auch), dass wir Kultur neu definieren müssen:

Die Art, wie wir Kultur definieren, prägt unser Verständnis von Gesellschaft. Meist wird unter Kultur etwas Geschlossenes verstanden, das mal durch Ethnie, mal durch Volk, mal durch Geschichte zusammengehalten ist.

Ein transkulturelles Verständnis indes geht davon aus, dass es nie eine abgeschlossene Kultur gab. Leute sind immer gewandert und haben etwas von einer Gesellschaft in eine andere getragen. Wenn man mit dieser Brille guckt, kann man besser miteinander auskommen.

(…)

(W)enn jemand sagt: “Wir sind die deutsche Leitkultur”, dann verkrampft das doch das Miteinander. Wenn man dagegen versteht, dass die Kultur des Okzidents nicht denkbar wäre, wenn der Orient nicht ordentlich zugeliefert hätte, dann kann man etwas entspannter damit umgehen. Dass die transkulturelle Wahrnehmung aber nicht einfach ist, das sieht man schon, wenn Leute aus Berlin auf einen Feuerwehrball in einem sauerländischen Dorf einfallen.

>> weiter in der taz Berlin

Die taz-Reportage über das Lernhaus ist jedoch weniger “transkulturell” – vielleicht liegt es ja an der Journalistin?

SIEHE AUCH:

Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Schule, Integration und Kosmopolitismus

Kluge Worte von Ethnologin Christiane Klingspor vom Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen in der taz. Sie meint (wie viele andere Ethnologen auch), dass wir Kultur neu definieren müssen:

Die Art, wie wir Kultur definieren, prägt unser Verständnis von Gesellschaft.…

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Mainzer Ethnologen protestieren gegen Gen-Rassismus

Es geschieht nicht oft, aber immer wieder aeussern sich Ethnologen zu aktuellen Themen. Manchmal wendet sich sogar ein ganzes Institut mit einer Stellungsnahme an die Oeffentlichkeit. So geschehen nach einem umstrittenen Interview im Deutschland-Radio mit Bildungs- und Intelligenzforscher Heiner Rindermann ueber angebliche Unterschiede in der Intelligenz verschiedener “Voelker”.

In der Stellungnahme schreibt das Institut für Ethnologie und Afrikastudien an der Uni Mainz:

Rindermann vertritt darin (im Interview) die These, es gebe genetische Unterschiede zwischen Menschenrassen hinsichtlich ihrer Intelligenz. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz weisen Rindermanns Aussagen als rassistisch zurück und sind empört, dass solchen Theorien Raum in einem öffentlich-rechtlichen Sender gegeben wird.

Für Verwunderung bei den Mainzer Wissenschaftlern sorgte zudem, wie unkritisch die Journalistin Katrin Heise Rindermanns Gebrauch von Termini wie „Rasse“ und „rassisch“ begleitete. Sie nahm die postulierte Korrelation von genetisch determinierbaren Menschenrassen mit messbarer Intelligenz nicht nur schweigend hin, sondern wurde teils sogar zur Stichwortgeberin für dessen Argumentation.

>> zur Stellungnahme des Instituts

Liest man das Interview (und Rindermanns Stellungnahme zu den Vorwürfen), kann man sich fragen ob die Ethnologen nicht zu weit gehen in ihren Anklagen, da Rindermann doch versucht zu differenzieren und sich längst nicht so bombastisch äussert:

Ob sie genetisch unterschiedlich verteilt ist, wissen wir nicht so genau, also, was wir genau wissen, dass die Intelligenz sich über verschiedene Länder hinweg stark unterscheidet in ihrem Mittelwert, und wir wissen auch sehr genau, dass auf individueller Ebene hierbei neben Umweltfaktoren auch genetische Faktoren relevant sind.

Fragwürdig und potenziell rassistisch – und auf jeden Fall ethnozentrisch – sind solche Tests allerdings so oder so. Zum einen weil ständig vom “Volk” als einer quasi biologischen Analyseeinheit ausgegangen wird und die Intelligenz definiert wurde nach den Standards der westlichen Mittelklasse.

Am besten gefällt mir dieser Teil des Interviews:

Heise: Kehren wir noch mal zu den Tests zurück. Würde uns beispielsweise … … Ein Test, der von einem Buschmann zusammengestellt worden ist, der käme doch sicherlich zu einem ganz anderen Ergebnis als ein Test, der von Ihnen zusammengestellt worden ist?

Rindermann: Ja, da haben Sie völlig Recht, es gibt sehr interessante Studien zum Beispiel zum Wegefinden, und da kann man feststellen, dass Naturvölker hier weit besser sind als Europäer. Ich selber war zum Beispiel auch mehrmals im Amazonasgebiet gewesen und ich war dort sehr erstaunt, wie toll zum Beispiel Yanomami-Indianer einen Weg finden können im Regenwald, wo wir keine Berge haben, keine erkennbaren Flüsse und so weiter, und trotzdem auf einer Wanderung von mehreren Stunden wieder genau an den Ausgangspunkt zurückkommen. Das können wir nicht, weil wir es nicht geübt haben.

Heise: Nehmen wir denn aber in unseren Tests auf genau solche Dinge auch Rücksicht?

Rindermann: Eigentlich nicht, es kommt darauf an, wie wir Intelligenz definieren. Wenn wir Intelligenz definieren würden als das Wegefinden in unbekanntem oder nahezu unbekanntem Gelände, dann wären uns Naturvölker höchstwahrscheinlich überlegen.

>> weiter im Interview

>> Stellungnahme der Mainzer Ethnologen inkl Dokumentation und Links

>> Heiner Rindermanns Publikationen (Im Gegensatz zu den meisten Ethnologen kann man so gut wie alle Papers gratis herunterladen)

Es geschieht nicht oft, aber immer wieder aeussern sich Ethnologen zu aktuellen Themen. Manchmal wendet sich sogar ein ganzes Institut mit einer Stellungsnahme an die Oeffentlichkeit. So geschehen nach einem umstrittenen Interview im Deutschland-Radio mit Bildungs- und Intelligenzforscher Heiner Rindermann…

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Keine Evolution vom Einfachen zum Komplexen

Sind Gesellschaften, die keine komplexe Zahlsysteme besitzen “weniger entwickelt”? Nein. Wo kein Bedarf für das Zählen und große Zahlen besteht, werden auch keine komplexe Zahlsysteme entwickelt. Menschliche Kognitionen – und Zahlsysteme sind ein wichtiger Bestandteil davon – entwickeln sich vielmehr in Reaktion auf kulturelle Anforderungen. Das schreiben der Psychologe Sieghard Beller und die Ethnologin Andrea Bender im Blatt Science infolge einer Medieninformation der Uni Freiburg (Brsg).

Mit ihrer Analyse von Sprachen im pazifischem Raum konnten die beiden Forscher nicht nur gängige Annahmen zur Evolution von Zahlsystemen widerlegen, sondern auch zeigen, dass Zahlsysteme, die bisher als primitiv galten, in Wirklichkeit sehr effizient und vorteilhaft waren.

>> weiter in der Pressemitteilung

Aus der Zusammenfassung des Science-Artikels:

To sum up, the linguistic analysis reveals that the specific counting systems in Mangareva did not precede an abstract system but were rather derived from it, despite their nonabstract nature. And the cognitive analysis suggests that this was done deliberately and for rational purposes. This justifies the conclusion that a feature of apparently little efficiency, once taken as indicator for an earlier evolutionary step in numerical cognition, can be used to overcome another such feature.

Not all cultures value numbers in the same way, even if they are concerned with mathematical topics. In some cultures in Papua New Guinea, for instance, large power numerals were given up together with decimal systems and replaced by quinary or body-counting sequences. In other cultures, the reverse of this took place: Not satisfied with the restrictions posed by their inherited numeration system, many Polynesian cultures not only extended its limits of counting but also designed efficient strategies to cope with the cognitive difficulties of mental arithmetic. Both lines of development started from the same regularly decimal and abstract numeration system inherited from Proto-Oceanic and therefore speak against a linear evolution of numerical cognition. Numeration systems do not always evolve from simple to more complex and from specific to abstract systems.

There may be no other domain in the field of cognitive sciences where it is so obvious that language (i.e., the verbal numeration system) affects cognition (i.e., mental arithmetic). One of the two core systems of number hinges on language. If one’s language does not contain numerals beyond 1 and 2, calculating larger amounts is difficult, if not impossible. However, people are also very creative in adapting their cognitive and linguistic tools to cultural needs, and cases like those presented here add to our knowledge of how they achieve this.

SIEHE AUCH:

1, 2, viele: Die Pirahã in Brasilien kennen keine größeren Zahlwörter

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Journal Ethnologie 1/2008 über Weltkulturerbe-Idee

"Einer der positiven Aspekte der Globalisierung ist das Konzept vom Weltkulturerbe und die damit verbundenen Aktivitäten", schreibt Ethnologin Ulrike Krasberg in der neuesten Ausgabe von Journal Ethnologie mit dem Schwerpunktthema Weltkulturerbe.

Uebersicht der Artikel:

Ulrike Krasberg: Einige Anmerkungen zum Welterbe

Peter Strasser:…

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