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– Ernährungsprogramme ignorieren die Unterschicht

Mit Programmen zur Bekämpfung von Übergewicht können viele Menschen nichts anfangen. Sie sprechen nämlich nur das Bildungsbürgertum an, meint der Sozialanthropologe Jörg Niewöhner, meldet die taz.

Der Ethnologe ist Mitarbeiter des Forschungsprogrammes Präventives Selbst an der Berliner Humboldt Universität.

Zur taz sagt er:

In unserem Forschungsprogramm des “Präventiven Selbst” stellen wir fest, dass das Leitbild, das hinter vielen Präventionsprogrammen steht, eins ist von einer Person, die eine bestimmte Fähigkeit hat, sich selbst zu beobachten, die sich disziplinieren kann, die finanzielle und intellektuelle Ressourcen hat.

Das ist ein bildungsbürgerliches Konzept, ein Mittelschichtsphänomen. Diese Ressourcen, dieses Bild trifft aber für viele Menschen außerhalb dieses Mittelschichtsegments gar nicht zu.

Man macht sich keine Vorstellung, dass viele Leute in einem anderen Milieu, einem anderen Setting leben. Da sieht der Alltag so anders aus, dass Gesundheit gar nicht die Rolle spielen kann. Es gibt einen Mismatch zwischen dem Wunsch, diese Leute zu disziplinieren und dem mangelnden Wissen darüber, was da zählt.

>> weiter in der taz

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Ethnologin: Was Kampfhunde mit Klassenkampf zu tun haben

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Mit Programmen zur Bekämpfung von Übergewicht können viele Menschen nichts anfangen. Sie sprechen nämlich nur das Bildungsbürgertum an, meint der Sozialanthropologe Jörg Niewöhner, meldet die taz.

Der Ethnologe ist Mitarbeiter des Forschungsprogrammes Präventives Selbst an der Berliner Humboldt Universität.

Zur taz sagt…

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Kritisiert ethnologische “Stammesforschung”

umschlag

Ethnologe Markus Schleiter scheint eine interessante Dissertation geschrieben haben, die sich kritisch damit auseinandersetzt wie Ethnologen ihnen fremde Gesellschaften beschreiben.

In “Die Birhor- Ethnographie und die Folgen. Ein indischer ,Stamm’ im Spiegel kolonialer und postkolonialer Beschreibungen” geht es besonders um den Begriff “Stamm”, erfahren wir in der Buchbesprechung von Melitta Waligora auf suedasien.info.

Der Begriff “Stamm” (oder “tribe”auf Englisch) ist umstritten, weil er oft negative Assotiationen weckt wie “Rückständigkeit”. Die Begriffe “Stamm” und “Kaste” wurden in Indien im 18. und 19. Jahrhundert oft synonym verwendet.

Die ethnographische Konstruktion der „Stämme“ mit den jeweiligen Zuschreibungen wie primitiv, isoliert, rückständig, gefährdet erfolgte erst ab der Mitte des 19. Jh., gleichlaufend mit dem Begriff der „Kaste“.

Mit beiden Begriffen sollte fortan jeweils etwas anderes beschrieben werden, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gab. So konnte es passieren, dass ein und dieselbe Gemeinschaft in einem Gebiet als primitiver Stamm, in einem anderen als niedrige Kaste und wieder woanders als herrschende Schicht klassifiziert wurde.

Diese koloniale Einteilung, so der Ethnologe, wurde sehr bald von den nationalen Akteuren übernommen. Bis heute findet sie sich in der Entwicklungshilfeideologie “als Paternalismus gegenüber den subalternen, so ganz anders gearteten und hilfebedürftigen Stämmen wieder”.

Melitta Waligora schreibt:

So kann der Autor in seinem Resümee nahezu zynisch formulieren, dass die Birhor und deren postulierte Gefährdung eine notwendige Existenzberechtigung für eine Armada von Entwicklungsadministratoren wie Forschern bieten, deren Interesse an einer realen Verbesserung auch der ökonomischen Situation der Birhor demzufolge nur gering ist.

>> weiter bei suedasien.info

Von Markus Schleiter gibt es kaum etwas im Netz. Auf journal-ethnologie.de hat er zumindest den Text “Zum Tanze”. Eine ethnographische Erzählung über den indischen „Stamm“ der Birhor veröffentlicht

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Ethnologen kritisieren Berichterstattung über “isolierte Urwaldvölker”

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umschlag

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In "Die Birhor- Ethnographie und die Folgen. Ein indischer ,Stamm’ im Spiegel kolonialer und postkolonialer Beschreibungen" geht es besonders um…

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Ethnologen kritisieren Berichterstattung über “isolierte Urwaldvölker”

Pfeile gegen die Zivilisation und Hoffnung für die “Steinzeit”-Indios, meldeten die Zeitungen mit ungeschminkten Rasismus nachdem ein “Indianerstamm entdeckt” wurde.

Die Berichterstattung in der WELT hebt sich hier positiv ab. Ulrich Baron reflektiert über den Traum vom edlen Wilden. “Die Verklärung des Naturzustandes zählt zu den hartnäckigsten Illusionen der Menschheit”, schreibt er.

Ein paar Tage später interviewt Sören Kittel die Ethnologen Wolfgang Kapfhammer aus München und Susanne Schröter aus Passau. Sie teilen nicht die Besorgnis von Organisationen wie Survival International, dass die Kultur der Indianergruppe “bald ausgelöscht sein” könnte.

Kapfhammer hat ein Jahr bei den Sateré-Mawé im Amazonas-Gebiet gelebt, die zwei Tage Bootsfahrt von der nächsten Stadt leben. “Trotzdem sind sie missioniert worden und tragen westliche Kleidung”, sagt er:

“Die Frage, ob sie Kontakt bekommen, stellt sich gar nicht. Es geht vielmehr darum, die Waldbewohner vor der Gewaltkultur an den entlegenen Rändern der brasilianischen Gesellschaft zu schützen.”

“Aussterben ist ein westlicher Topos”, sagt Susanne Schröter. Er gehöre ins 19. Jahrhundert und habe damals legitimiert, dass westliche Wissenschaftler Gegenstände exotischer Kulturen dokumentieren konnten.

Kapfhammer stimmt zu:

“Man hat den Eindruck, seit die ersten Indianer entdeckt wurden, sterben sie aus – das ist absurd.”

Heute leben rund 800 000 Amazonas-Indianer in Brasilien, die ein hohes Bevölkerungswachstum aufweisen. Zudem seien sie politisch gut organisiert: Die Sateré-Mawé, bei denen er geforscht hat, stellen in der außerhalb ihres Reservats gelegenen Provinzhauptstadt sogar den Bürgermeister.

Susanne Schröter sagt:

“Die Regierung könnte sie zu einem lebendigen Museum erklären, oder sie baut ihnen Schulen und Krankenhäuser. Eine Käseglocke für die nächsten 20 Jahre kann Funai dem Stamm auch nicht mehr überstülpen.”

>> weiter in der WELT

Auch international haben sich mehrere Ethnologen kritisch geäussert, siehe meine Zusammenfassung The Double Standards of the “Uncontacted Tribes” Circus

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Analysieren die »Wiederkehr der Klassengesellschaft«

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Vier Prozent der westdeutschen und 25 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung zaehlen sich zum »abgehängten Prekariat«. Fast doppelt so viele sehen sich als »Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung« und »gesellschaftlich ins Abseits geschoben«.

Von diesen Menschen hanfelt der neue Sammelband “Unterschicht – Kulturwissenschaftliche Erkundungen der »Armen« in Geschichte und Gegenwart”, lesen wir in der Jungen Welt.

Mitherausgeber ist Rolf Lindner, Professor für Europäische Ethnologie an der Berliner Humboldt-Universität.

Es scheint aus, dass es den Autoren daran liegt, den Klassenbegriff zu rehabilitieren. Denn Politiker (“auch Ethnologen” die soziale Probleme oft kulturalisieren, koennen wir ergaenzen) vermeiden dieses Wort. Die Junge Welt zitiert dem Ethnologieprofessor, der schreibt:

Konsequenterweise sieht das aktuelle sozialpolitische Programm auch ausschließlich die Bekämpfung der Muster der Lebensführung (Alkohol, Nikotin, Fast Food, Unterschichtfernsehen usw.) vor, nicht aber die Veränderung der strukturellen Rahmenbedingungen.

>> weiter in der Jungen Welt

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Ethnologie-Einführungen und die Sonderstellung der deutschen Ethnologie

Keith Hart and Thomas Hylland Eriksen: This is 21st century anthropology

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Vier Prozent der westdeutschen und 25 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung zaehlen sich zum »abgehängten Prekariat«. Fast doppelt so viele sehen sich als »Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung« und »gesellschaftlich ins Abseits geschoben«.

Von diesen Menschen hanfelt der neue Sammelband…

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Zweisprachigkeit wird unterdrückt

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Ursprünglich wurde im äussersten Südwesten der Steiermark sowohl slowenisch wie deutsch gesprochent. Seit 150 Jahren allerdings wird die slowenische Sprache zunehmend verdrängt. Dies zeigt der Grazer Ethnologe Klaus-Jürgen Hermanik in seiner jüngsten Publikation auf, meldet der ORF.

“Man versteckte die slowenische Sprache in der Steiermark so gut, wie es nur geht”, schreibt er in seiner Monographie “Eine versteckte Minderheit. Mikrostudie über die Zweisprachigkeit in der steirischen Kleinregion Soboth”. Mittels Archivstudien und anonymisierter Interviews erforschte der Ethnologe diesen Prozess.

Die slowenischsprachige Minderheit wurden von der Mehrheitsgesellschaft massiv bedrängt. Zweisprachiger Schulunterricht war kein Thema. Und ein Gefühl des Wir-steirischen-Slowenen ist nicht aufgekommen”.

>> weiter beim ORF

>> Besprechung des Buches auf H-Soz-u-Kult

>> Klaus-Jürgen Hermanik: Die versteckte slowenischsprachige Minderheit in der Steiermark (Artikel in “Trans – Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften”)

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Dänen, Sorben, Rastafaris: Deutsche Minderheitenpolitik

Bilingualism and multiculturalism: New issue of Durham Anthropology Journal

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"Man versteckte die…

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