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“In den Bergen der Kopfjäger”

Kein Kommentar, der Text spricht fuer sich. Zitat aus der faz:

In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begegnete der österreichische Ethnologe Christoph von Fürer-Haimendorf im weltabgeschiedenen Nordosten Indiens dem Bergvolk der Apa Tani und verewigte es in seinem Buch “Glückliche Barbaren”. Angeregt von dessen Lektüre, reisten Peter van Ham und seine Frau 1996 als erste Europäer seit Fürer-Haimendorf auf den Spuren der Apa Tani (…)

Und wie heisst das Buechle? “In den Bergen der Kopfjäger. Indiens wilder Nordosten” Kam heraus 2006 und nicht 1906!

SIEHE AUCH:

Nackte Nagas, Nationalsozialismus und Ethnologie – ueber Christoph Fürer-Haimendorf

Kein Kommentar, der Text spricht fuer sich. Zitat aus der faz:

In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begegnete der österreichische Ethnologe Christoph von Fürer-Haimendorf im weltabgeschiedenen Nordosten Indiens dem Bergvolk der Apa Tani und verewigte es in seinem Buch "Glückliche…

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Auf zum Zoo der archaischen Riten in Papua New Guinea!

Was lesen wir im Hamburger Abendblatt: Der Journalist ist offenbar begeistert von seiner Wahl des Reiseziels:

Pro Jahr kommen nur etwa 20 000 Reisende nach Papua-Neuguinea. Dabei kann man hier nicht nur fantastische Landschaften kennenlernen und in einer atemberaubenden Unterwasserwelt schnorcheln und tauchen, sondern hat auch die Chance, den Geistern ganz nahe zu kommen. Wohl nirgendwo sonst auf der Welt können Touristen archaische Riten so hautnah miterleben und fotografieren wie am Ufer der Blanche-Bucht. Mit ihren Kameras kommen sie so dicht an die tanzenden Masken heran wie nur wenige der Einheimischen.

Erinnert irgendwie an ein frueheres Blogposting ueber diese Art von Voyeurismus: Afrikanische und andre Dörfer – “Sie sprießen wie die Schwammerl aus dem Boden”

Vielleicht sollte der Journalist sich naeher mit obskuren norddeutschen Braeuchen beschaeftigen? Ich kann sueddeutsche (oder schweizerische) Fasnachtsrituale empfehlen. Vielleicht wird ihm dann auch bewusst, dass Rituale Inszenierungen sind und nicht representativ fuer das Alltagsleben sind.

>> zum Text Die Geister tanzen zum Takt der Trommel im Hamburger Abendblatt

UPDATE (15.9.06): Dazu passt eine Geschichte im Rheinischen Merkur: Im Land der maskierten Götter. Zu Besuch bei den nordamerikanischen Hopi-Indianern auf dem Colorado-Plateau. Die Hopi haben aus der Neugierde der Touristen gelernt:

Nach den Ethnologen kamen damals Esoteriker, Hippies und Eine-Welt-Verfechter. Alle wollten diese beneidenswerten Harmoniemenschen sehen, die so bedürfnislos von Mutter Natur lebten. Sie guckten durch Wohnzimmerfenster, fragten Älteste nach dem Datum des Weltuntergangs und machten Fotos von allem, was sich bewegte. Schließlich hatten die Hopis genug. Sie verhängten ein totales Fotografierverbot und tanzen seitdem nur noch für Einheimische. Seitdem dürfen weder Menschen noch Tänze, noch Häuser, noch Dörfer fotografiert, gefilmt oder aufgenommen werden. Selbst Landschaftsaufnahmen sind verboten.

SIEHE AUCH:

Die uebliche Exotisierung: SPIEGEL ueber Garma-Festival der Aboriginees

Our obsession with the notion of the primitive society

Ancient People: We are All Modern Now

Was lesen wir im Hamburger Abendblatt: Der Journalist ist offenbar begeistert von seiner Wahl des Reiseziels:

Pro Jahr kommen nur etwa 20 000 Reisende nach Papua-Neuguinea. Dabei kann man hier nicht nur fantastische Landschaften kennenlernen und in einer atemberaubenden Unterwasserwelt…

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Afrikanische und andre Dörfer – “Sie sprießen wie die Schwammerl aus dem Boden”

Auf no-racism.net sind zwei Artikel zu einem hier vieldebattierten Thema erschienen: In ‘Fremde Dörfer’ – die Präsentation von ‘Lebensgewohnheiten’ ist in lesen wir von der Popularitaet von afrikanischen, indianischen und anderen “exotischen” Doerfern (“Negerdoerfern”!) auf kommerziellen Veranstaltungen:

Doch nicht nur der “Schwarze Kontinent” dient immer wieder für die Präsentation exotischer Vorstellungen und Wünsche, auch die Amerikanischen Kontinente, ebenfalls Schauplatz der europäischen Kolonisierung, werden immer wieder als Aufputz genommen. So zählt in der jährlich stattfindende “Langen Einkaufsnacht” in Korneuburg, die vor allem zur Belebung der Wirtschaft dient, seit dem Jahr 2003 ein sogenanntes “Indianerdorf” zu den absoluten “Highlights”.

(…)

Während das Interesse für “fremde Kulturen” wieder mehr und mehr für kommerzielle Zwecke entdeckt wird, nehmen auch rassistische Vorstellungen und Mythen zu. (…)

>> zum Artikel auf no-racism.net

In Kolonial-rassistische Stereotype und ‘Afrikanische Dörfer’ lesen wir dass die Firma MaxVita GmbH (die das African village im Augsburger Zoo veranstaltet hat), wieder Rassismus vorgeworfen wird, diesmal wegen ihres “Afrika Festivals” in Wien und München. Leider handelt der Artikel nur ueber die Veranstaltung im Augsburger Zoo. Aber auf der Webseite der Afrika-Tage 2006 kann sich jeder selber ein Bild vom Afrika-Bild machen, das dort vermittelt wird.

SIEHE AUCH:

Bewusster oder unbewusster Rassismus? Proteste gegen “African Village” im Zoo

African Village eröffnet, Aussteller zeigen kein Verständnis für Kritik

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

German families are sent into the African bush to live with “African tribes”.

The spectacle and entertainment value of living Indians in the museum

Our obsession with the notion of the primitive society

Ancient People: We are All Modern Now

Auf no-racism.net sind zwei Artikel zu einem hier vieldebattierten Thema erschienen: In 'Fremde Dörfer' - die Präsentation von 'Lebensgewohnheiten' ist in lesen wir von der Popularitaet von afrikanischen, indianischen und anderen "exotischen" Doerfern ("Negerdoerfern"!) auf kommerziellen Veranstaltungen:

Doch nicht nur der…

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Romantisierungen am “Internationalen Tag der indigenen Völker”

(via ethno::log) Zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9.August schlaegt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Alarm: “Ureinwohner weltweit zunehmend an den Rand der Existenz gedrängt” – von Bergbauunternehmen, Ölkonzernen oder Holzfirmen. Gleichzeitig haben die Repräsentanten der indigenen Völker auf internationalem Parkett “erste Erfolge” beim Kampf um ihre Rechte erringen können.

Wie oft in Berichten ueber “indigene Voelker”, ist eine Prise Romantik dabei. Ihre Bilanz zur Situation der Indigenen Völker der Welt leitet die Organisation mit diesen Worten ein:

Indigene Völker sind die Hüter der kulturellen Vielfalt der Erde. Ihr Reichtum sind ihre vielen Sprachen und Kulturen, die Weisheit ihrer Religionen und ihres Umgangs mit der Natur.

Interessanter ist daher der Bericht im Tagesspiegel Sie waren immer schon da. Waehrend der Zustandsbericht der GfbV einer Beschreibung aussterbender Tierarten gleicht, hebt Tagesspiegel-Autorin Sandra Weiss die massiven Aenderungen der letzten Jahre hervor und kritisiert die “romantischen Vorstellungen des Westens”, nach denen indigene Voelker “friedfertig, schutz- und hilflos sind und [dass] ihre Existenz nur mit Hilfe westlicher Menschenrechtsorganisationen erhalten werden kann”:

Als 1992 auf dem Subkontinent die 500-Jahrfeier der „Entdeckung Amerikas“ durch Kolumbus gefeiert wurde, war den Ureinwohnern in gewohnter Manier nur eine Statistenrolle zugedacht worden. (…) 14 Jahre später hat sich das Bild gewandelt. Die Ureinwohner sind allenthalben auf dem Vormarsch und fordern lautstark ihre Rechte ein. Sei es in Ecuador, wo sie im Januar 2000 den Rücktritt eines Präsidenten erzwangen, eine eigene Partei namens Pachakutik gründeten, eine Zeit lang sogar zwei Minister stellten und dieses Jahr mit einem eigenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl antreten. (…)

Oder natürlich der bolivianische Staatschef Evo Morales. Der von Aymara und Quechua-Indianern abstammende ehemalige Kokabauer marschierte innerhalb weniger Jahre durch alle Instanzen, stürzte zwei Regierungen, war der Abgeordnete mit den meisten Stimmen und errang vergangenen Dezember die absolute Mehrheit bei der Präsidentschaftswahl.

>> zum Artikel im Tagesspiegel

SIEHE AUCH:

An historic day: Saturday, 1 July 2006 was an historic day for all indigenous peoples, for it meant that the Norwegian state no longer owned Finnmark. (Saami Radio, 12.7.06)

Interview with Sámi musician Mari Boine: Dreams about a world without borders

What is controversial about “Evo”? He’s indigenous, a socialist, and emerged as a political leader in coca-growing unions (Savage Minds, 19.12.05)

“Leben wie in der Steinzeit” – So verbreiten Ethnologen Vorurteile ueber indigene Voelker

Die SZ und die Ureinwohner: Gestrandet im vorsintflutlichen Evolutionismus

How internet changes the life among the First Nations in Canada

Indigenous not always “victims of economic globalisation” – Alex Golubs dissertation on mining and indigenous people

Indigenous Russians Unite Against Oil and Gas Development

The Construction of Indigenous Culture by Anthropologists

Native Rights Issues: Anthropologists under attack

Ethnic hybridity within identity politics: Thesis on Being A Nobel Savage in Brazil

(via ethno::log) Zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9.August schlaegt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Alarm: "Ureinwohner weltweit zunehmend an den Rand der Existenz gedrängt" - von Bergbauunternehmen, Ölkonzernen oder Holzfirmen. Gleichzeitig haben die Repräsentanten der…

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Kindesmissbrauch bei den Aborigines: Kultur als Vorwand

(via anders deutsch) Viele Ethnologen benutzen das Wort Kultur so wenig wie moeglich oder gar nicht mehr. Oft verschleiert dieser Begriff mehr als dass er erklaert. Oft wird der Begriff naemlich missbraucht. Ein aktuelles Beispiel war in der gestrigen taz zu lesen ueber Kindesmissbrauch bei den Aborigines: Sowohl die Bleichgesichter wie auch die Taeter unter den Aborigines selbst benutzen Kultur als Vorwand – die Weissen um die Aboriginees zu attackieren, die Taeter um ihr kriminelles Verhalten zu legitimieren:

Viele Verbrechen blieben nicht nur ungeahndet, sondern würden von den Tätern und Entscheidungsträgern in den Aboriginal-Gemeinden unter Hinweis auf “Traditionen der Männer” entschuldigt.

“In den “Talkback”-Sendungen der kommerziellen Radiostationen liefen die Telefone heiß. Moderatoren und Hörer attackierten die rund 300.000 australischen Ureinwohner mit offen rassistischen Bemerkungen.
(…)
Der nationale Gesundheitsminister Tony Abbott schlug vor, nicht funktionierende Aboriginal-Gemeinden in Zukunft “paternalistisch” zu verwalten. Einzelheiten nannte er nicht, aber die Idee tönt sehr nach weißen Administratoren für schwarze Siedlungen. Die mehrheitlich regierungsfreundliche Presse jubelte.

Kultur ist ein wichtiges politisches Werkzeug geworden – gerade auch fuer Urbevoelkerungen im Kampf um ihre Rechte. Nicht zuletzt deshalb faellt es den Tätern (oft Männer mit großer Autorität) leicht, das Kultur-Argument einbringen. Sie werden von anderen Aborigines angeklagt, ihre Macht zu missbrauchen: “Sex mit Kindern war nie akzeptabel. Unter traditionellem Recht wäre eine solche Tat sofort mit dem Tod bestraft worden.”

Wie in vielen anderen Faellen, ist “Kultur” keine Erklaerung:

Fachleute sind der Meinung, der Grund liege vor allem beim Alkoholmissbrauch und der sozialen Verwahrlosung ganzer Gemeinden. Nicht selten sind in einer Familie Angehörige von drei Generationen konstant unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Wie Urmila “anders deutsch” Goel schreibt:

Das hört sich nicht nach ‘Kultur’ an, das hört sich eher nach den Folgen von Rassismus, Diskriminierung und Marginalisierung an. Aber wie in ‘Deutschland’ ist es auch in ‘Australien’ einfacher, die ‘Kultur’ der ‘Anderen’ als Sündenbock zu stilisieren als an die wirklichen Ursachen des Problems zu gehen.

>> zum Bericht in der taz

Kuerzlich hat Ethnologe John Morton zu der Problematik Stellung bezogen:

Ever since Europeans first came to Australia, public views of Aborigines have veered between two extremes. Aborigines have been promoted either as disgusting savages or as admired paragons, uncivilised riff-raff or as noble bearers of their culture – bad or good, but never ordinary.
(…)
There are many people both inside and outside Aboriginal communities who recognise that there are big problems in Aboriginal affairs. It’d be good if they could all be allowed to get on with the job of finding appropriate solutions to those problems without “culture” getting in the way.

SIEHE AUCH:

Aboriginees in Australia: Why talking about culture?

The Culture Struggle: How cultures are instruments of social power

Ehrenmorde: Ist Kultur ein mildernder Umstand?

Die ethnologische Kritik am Kultur-Konzept

(via anders deutsch) Viele Ethnologen benutzen das Wort Kultur so wenig wie moeglich oder gar nicht mehr. Oft verschleiert dieser Begriff mehr als dass er erklaert. Oft wird der Begriff naemlich missbraucht. Ein aktuelles Beispiel war in der gestrigen taz…

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