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Telepolis über Ethnologen im Irak-Krieg: “Sollten lieber das Militär studieren”

Eines der heissesten Themen in der Ethnologie ist die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten und dem Militaer im Terrorkrieg der Bush-Administration. Kuerzlich wurde das Network of Concerned Anthropologists gegruendet, wenige Tage spaeter landete das Thema auf der Titelseite der New York Times.

Nun hat sich Telepolis dem Thema angenommen. “Amerikas Militärführung entdeckt die Ethnologie – möglicherweise von der falschen Seite her”, schreibt Peter Mühlbauer:

Während über die Zusammenarbeit von Militär und Ethnologie bereits zahlreiche Fachaufsätze veröffentlicht wurden, klafft bezüglich der soldatischen Subkulturen im amerikanischen Militär eine auffällige Lücke – was möglicherweise auch mit der Genehmigungsfreudigkeit der Militärbehörden für die Durchführung solcher Studien zu tun hat.

Dabei könnte es für ein US-Militär, dessen in West Point ausgebildete “Elite” ihre ethnologischen Kurse als “nuts in huts” bezeichnet, mindestens ebenso notwendig sein, über Studien zu kulturellen Besonderheiten und Mechanismen innerhalb des US-Militärs zu verfügen, als nur über die von Militäraktionen betroffenen Gruppen. In der Ethnologie existiert solch ein “studying-up” genanntes Untersuchen von Eliten bereits seit längerer Zeit – mit durchaus interessanten Ergebnissen, etwa über das Giri-Konzept bei japanischen Geschäftsleuten.

(…)

Dass Abu Ghraib ein Skandal wurde, deutet (ebenso wie die Tatsache, dass keine Massenvernichtungswaffen “gefunden” wurden) zum einen darauf hin, das die USA noch kein totalitäres System sind. Es deutet aber auch darauf hin, dass es beim amerikanischen Militär Subkulturen gibt, deren Werte diametral entgegengesetzt zu denen sind, welche die amerikanische Nation als Wunschbild von sich selbst hegt.

>> weiter bei Telepolis

Diese Meinung vertritt auch Hugh Gusterson in seinem Paper Anthropology and Militarism im Annual Review of Anthropology 2007 (mehr dazu im Laufe der Woche)

Mehr Beitraege auf antropologi.info zum Thema Ethnologie und Militaer (eine Auswahl):

The dangerous militarisation of anthropology

Anthropologists at war: “No wonder that anthropology is banished from universities in the ‘decolonized’ world”

Anthropology and CIA: “We need more awareness of the political nature and uses of our work”

Oppose participation in counter-insurgency! Network of Concerned Anthropologists launched

Zwei Tage im Leben der Bundeswehr Ethnologin Barbara Mück

“War on terror”: CIA sponsers anthropologists to gather sensitive information

Protests against British research council: “Recruits anthropologists for spying on muslims”

Bush, “war of terror” and the erosion of free academic speech: Challenges for anthropology

Embedded anthropology? Anthropologist studies Canadian soldiers in the field

Secret rituals: Folklorist studied the military as an occupational folk group

Eines der heissesten Themen in der Ethnologie ist die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten und dem Militaer im Terrorkrieg der Bush-Administration. Kuerzlich wurde das Network of Concerned Anthropologists gegruendet, wenige Tage spaeter landete das Thema auf der Titelseite der New York Times.…

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Neues Buch: Wer sind die “Jugos” in der Schweiz?

book cover

Ein Vorteil von Migration und Globalisierung ist dass mehr und mehr Forscher “mit Migrationshintergrund” Klischees über “die andere” herausfordern. Ein Beispiel ist der NZZ zufolge Ethnologe Dejan Mikic. Er ist Mitherausgeber von “Jugoslawien–Schweiz einfach”, ein Buch, das ein mehr nuanciertes Bild von Einwanderen aus (Ex-)Jugoslawen in der Schweiz zeigen möchte. Mikic ist selber als 6-Jähriger mit seinen Eltern in die Schweiz gekommen und hat besonders seit Ende der 1980er-Jahre Diskriminierung erfahren.

>> Besprechung des Buches in der NZZ

>> Interview im St.Galler Tagblatt

SIEHE AUCH:

Integration als Herzensangelegenheit: Radioprojekt überwindet im Balkan Grenzen

Ethnologe schreibt Migrationsgeschichte – Interview mit Erwin Orywal

Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

book cover

Ein Vorteil von Migration und Globalisierung ist dass mehr und mehr Forscher "mit Migrationshintergrund" Klischees über "die andere" herausfordern. Ein Beispiel ist der NZZ zufolge Ethnologe Dejan Mikic. Er ist Mitherausgeber von "Jugoslawien–Schweiz einfach", ein Buch, das ein mehr…

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Ausstellung räumt auf mit Vorstellungen über die Südsee

Die faz wuenscht sich der neuen Ausstellung des Ethnologischen Museums in Berlin “Neuirland – Kunst der Südsee”. Die Ausstellung scheint mit Vorurteilen aufzuraeumen:

Die Südsee war eines der frühen Forschungsobjekte der Ethnologie – aber das, was viele in ihr sahen, waren eher europäische Wunschprojektionen. Vor allem hat die Vorstellung, auf diesen Inseln „ursprüngliche“, kulturell abgeschlossene, stagnierende Völker zu finden, die keinerlei Außeneinflüssen ausgesetzt waren, wenig mit der Realität zu tun.

(…)

Leider gibt es Tage, da trifft man in den Räumen der Dahlemer Ausstellungen mehr Wärter als Besucher, und man wünschte sich, ein wenig vom propagandistischen und finanziellen Aufwand, mit dem die Staatlichen Museen zu Berlin eingekaufte Blockbuster-Ausstellungen wie die „Schönsten Franzosen kommen aus New York“ oder das „MoMA in Berlin“ an den kulturinteressierten Mann bringen, käme der Werbung für die weltweit einmaligen außereuropäischen Sammlungen zugute, die in Dahlem lagern: Denn was dort zu sehen ist, erzählt mehr über die Begegnung der Kulturen und die Entstehung und „Migration von Formen“ als viele ambitionierte Ausstellungsprojekte, für die anderswo mit deutlich größerem Krach getrommelt wird.

>> zum Artikel in der faz

SIEHE AUCH:

„Welt der Schatten – Kunst der Südsee“ – Der Tagesspiegel zum “Dilemma ethnologischer Museen”

Indigenous Art? Non-Western Art? Primitive Art? The Paris Museum Controversy

In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in Ethnologie-Museen

Die faz wuenscht sich der neuen Ausstellung des Ethnologischen Museums in Berlin "Neuirland - Kunst der Südsee". Die Ausstellung scheint mit Vorurteilen aufzuraeumen:

Die Südsee war eines der frühen Forschungsobjekte der Ethnologie - aber das, was viele in ihr…

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Journal Ethnologie über Second Life und andere “digitale Welten”

“Aus sozialanthropologischer Perspektive ist das besondere an second life und anderen virtuellen Welten, dass sie uns gleichsam die geheimen Wünsche, die schönsten Erinnerungen der Menschheit an Landschaften, Räume und Situationen zeigen oder sagen wir eher, wie kleine Bühnenstücke mit ganz eigener Kulisse präsentieren”, schreibt Urte Undine Frömming. “Ebenso werden die dunklen oder verdrängten gesellschaftlichen Aspekte sichtbar.”

Das Schwerpunktthema der neuesten Ausgabe von Journal Ethnologie heisst “Digitale Welten”

Zu den Texten:

Urte Undine Frömming: A personal rainstorm in my Inventory
Über kulturelle Ursachen, Wirkungen und die sinnliche Wahrnehmung von second life und anderen virtuellen Welten – eine sozialanthropologische Analyse. Urte Undine Frömming hat mit ihrem Avatar eine teilnehmende Beobachtung in second life durchgeführt.

Mark Butler: Cyborg-Ethnographie. Zur Kultur des Computerspielens
“Was erleben die User von Computerspielen?” hat sich Mark Butler gefragt und Interviews mit Spielern geführt über deren Erleben in der realen und virtuellen Welt.

Patrick Neveling: Zur Stiftung sozialen Sinns (Online) und der Lackierung eines Doppeldeckerbusses (Offline)
Patrick Neveling zeigt uns, welche ganz praktische Rolle das Internet in der realen Welt beim Lackieren eines Vereinsbusses gespielt hat.

Werner Trieselmann: Die Überwindung des digitalen Grabens. Ein medienethnologischer Ansatz für marginalisierte Kids in Rio de Janeiro
Werner Trieselmann skizziert ein ethnologisches Forschungsprojekt in der realen Welt, bei dem es um die bewußte Einsetzung und Wirkung digitaler Möglichkeiten geht. Es geht um die Inszenierung von Fremdheit vor einer Filmkamera.

Thomas Becker: Matrix versus The Ghost in the Shell
Die neuen Mythen der virtuellen Welt sind nicht mehr allein diskursiv analysierbar. Ueber den virtuellen Bilderstrom als Mythos des Massenmarktes.

Doris Hallama: Sichere Alpen. Von Landschaftsbildern und verunsicherten Räumen
Doris Hallama weist er auf gesellschaftliche Veränderungen in unserem Verhältnis zur Natur hin, die ursächlich mit Erkenntnisprozessen zu tun haben, die durch die Existenz “Digitaler Welten” angestoßenen wurden.

SIEHE AUCH:

Cyberanthropology: “Second Life is their only chance to participate in religious rituals”

Studiert indianische Mythen im Netz

Forschungsprojekt untersucht Rituale in Internet

Why were they doing this work just to give it away for free? Thesis on Ubuntu Linux hackers

“YouTube clips = everyday ethnography”

Now online: EASA-conference papers on media anthropology

Mehr Cyberanthropology bei Xirdalium

"Aus sozialanthropologischer Perspektive ist das besondere an second life und anderen virtuellen Welten, dass sie uns gleichsam die geheimen Wünsche, die schönsten Erinnerungen der Menschheit an Landschaften, Räume und Situationen zeigen oder sagen wir eher, wie kleine Bühnenstücke mit ganz…

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Neue Ausgabe von Ethmundo: Das Fest – ein ganz normaler Ausnahmezustand

Was waere ein Leben ohne Feste? Ob nun Feste in erster Linie zur Orientierung im Jahresablauf dienen wie die Einleitung zur neuen Ausgabe von Ethmundo suggeriert oder weil wir Feste brauchen weil der Mensch ein soziales Wesen ist – darueber kann man filosofieren bei der Lektuere der Schwerpunktthema der neuen Ausgabe von Ethmundo.

Ein Interview zum Schuetzenfest in Everswinkel ist genauso dabei wie Texte ueber St.Patricks Day in Irland, das balinesische Neujahresfest, ueber den ganz besonderen 15. Geburtstag in Mexiko und ueber die Feier des dritten Milleniums in Aethiopien (dort hat das 21. Jahrhundert erst vorgestern begonnen)

SIEHE AUCH:

Multimedia-Webseite: Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

Was waere ein Leben ohne Feste? Ob nun Feste in erster Linie zur Orientierung im Jahresablauf dienen wie die Einleitung zur neuen Ausgabe von Ethmundo suggeriert oder weil wir Feste brauchen weil der Mensch ein soziales Wesen ist - darueber…

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