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“Afrikaner hatten hohes Ansehen an europäischen Fürstenhöfen”

Im Leipziger Völkerkundemuseum ist derzeit die Ausstellung “Äthiopien und Deutschland” zu sehen. Ziel ist unter anderem “ein positives Äthiopien-Image aufzubauen und nicht das defizitäre Afrika zu zeigen”, sagt Ethnologin Kerstin Volker-Saad im Neuen Deutschland.

Zum Verhaeltnis von Äthiopien und Deutschland in der Vergangenheit sagt die Ethnologin:

In der Ausstellung wird deutlich, dass Äthiopier an europäische Höfe geholt wurden, weil sie Gelehrte waren und besondere Fähigkeiten hatten. Der äthiopische Gelehrte Abba Gregorius, der mit Hiob Ludolf die deutsche Äthiopistik begründete, war 1652 zu Gast bei Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Später hat sich August der Starke für Afrika begeistert. Bei Festen stilisierte er sich selbst als Mohrenkönig. Er trug dazu eine zweite Haut aus dunklem Leder, über der barocke Kostüme angezogen wurden. Afrika war damals weitgehend unbekannt und stand für das Großartige.

>> zum Interview im Neuen Deutschland (link aktualisiert)

Im Leipziger Völkerkundemuseum ist derzeit die Ausstellung "Äthiopien und Deutschland" zu sehen. Ziel ist unter anderem "ein positives Äthiopien-Image aufzubauen und nicht das defizitäre Afrika zu zeigen", sagt Ethnologin Kerstin Volker-Saad im Neuen Deutschland.

Zum Verhaeltnis von Äthiopien und Deutschland…

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Romantisierungen am “Internationalen Tag der indigenen Völker”

(via ethno::log) Zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9.August schlaegt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Alarm: “Ureinwohner weltweit zunehmend an den Rand der Existenz gedrängt” – von Bergbauunternehmen, Ölkonzernen oder Holzfirmen. Gleichzeitig haben die Repräsentanten der indigenen Völker auf internationalem Parkett “erste Erfolge” beim Kampf um ihre Rechte erringen können.

Wie oft in Berichten ueber “indigene Voelker”, ist eine Prise Romantik dabei. Ihre Bilanz zur Situation der Indigenen Völker der Welt leitet die Organisation mit diesen Worten ein:

Indigene Völker sind die Hüter der kulturellen Vielfalt der Erde. Ihr Reichtum sind ihre vielen Sprachen und Kulturen, die Weisheit ihrer Religionen und ihres Umgangs mit der Natur.

Interessanter ist daher der Bericht im Tagesspiegel Sie waren immer schon da. Waehrend der Zustandsbericht der GfbV einer Beschreibung aussterbender Tierarten gleicht, hebt Tagesspiegel-Autorin Sandra Weiss die massiven Aenderungen der letzten Jahre hervor und kritisiert die “romantischen Vorstellungen des Westens”, nach denen indigene Voelker “friedfertig, schutz- und hilflos sind und [dass] ihre Existenz nur mit Hilfe westlicher Menschenrechtsorganisationen erhalten werden kann”:

Als 1992 auf dem Subkontinent die 500-Jahrfeier der „Entdeckung Amerikas“ durch Kolumbus gefeiert wurde, war den Ureinwohnern in gewohnter Manier nur eine Statistenrolle zugedacht worden. (…) 14 Jahre später hat sich das Bild gewandelt. Die Ureinwohner sind allenthalben auf dem Vormarsch und fordern lautstark ihre Rechte ein. Sei es in Ecuador, wo sie im Januar 2000 den Rücktritt eines Präsidenten erzwangen, eine eigene Partei namens Pachakutik gründeten, eine Zeit lang sogar zwei Minister stellten und dieses Jahr mit einem eigenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl antreten. (…)

Oder natürlich der bolivianische Staatschef Evo Morales. Der von Aymara und Quechua-Indianern abstammende ehemalige Kokabauer marschierte innerhalb weniger Jahre durch alle Instanzen, stürzte zwei Regierungen, war der Abgeordnete mit den meisten Stimmen und errang vergangenen Dezember die absolute Mehrheit bei der Präsidentschaftswahl.

>> zum Artikel im Tagesspiegel

SIEHE AUCH:

An historic day: Saturday, 1 July 2006 was an historic day for all indigenous peoples, for it meant that the Norwegian state no longer owned Finnmark. (Saami Radio, 12.7.06)

Interview with Sámi musician Mari Boine: Dreams about a world without borders

What is controversial about “Evo”? He’s indigenous, a socialist, and emerged as a political leader in coca-growing unions (Savage Minds, 19.12.05)

“Leben wie in der Steinzeit” – So verbreiten Ethnologen Vorurteile ueber indigene Voelker

Die SZ und die Ureinwohner: Gestrandet im vorsintflutlichen Evolutionismus

How internet changes the life among the First Nations in Canada

Indigenous not always “victims of economic globalisation” – Alex Golubs dissertation on mining and indigenous people

Indigenous Russians Unite Against Oil and Gas Development

The Construction of Indigenous Culture by Anthropologists

Native Rights Issues: Anthropologists under attack

Ethnic hybridity within identity politics: Thesis on Being A Nobel Savage in Brazil

(via ethno::log) Zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9.August schlaegt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Alarm: "Ureinwohner weltweit zunehmend an den Rand der Existenz gedrängt" - von Bergbauunternehmen, Ölkonzernen oder Holzfirmen. Gleichzeitig haben die Repräsentanten der…

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Ethnologin: Gewerbescheine und Niedrigstlohnjobs statt Sozialhilfe fuer Auslaender

Serbischen Fluechtlingen geht es in Italien besser als in Schweden obwohl sie in Italien fast keine finanzielle Unterstuetzung erhalten und fuer einen Hungerlohn arbeiten muessen, schreibt die Ethnologieprofessorin und ehemalige Berliner Auslaenderbeauftragte Barabara John in einem Gastkommentar in der Financial Times Deutschland. Italien als Modell fuer Deutschland? Sie schreibt:

Was fehlt, ist ein legaler Arbeitsmarkt mit Niedrigstlöhnen, wo Zuwanderer auch mit geringen Deutschkenntnissen und Qualifikationen – seit 2005 gibt es die Verpflichtung, 600 Stunden Deutsch zu lernen – die ersten Jahre verbringen könnten, bis sich die Berufschancen verbessern.

(…)

Ist es wirklich nicht zumutbar, die künftigen Einwanderer ganz großzügig mit Arbeits- und Gewerbeerlaubnis auszustatten und die Arbeitsfähigen unter ihnen auf den Arbeitsmarkt zu verweisen? Das würde freilich nur gelingen, wenn die Tür zur vollen Versorgung erst einmal geschlossen bliebe. Dieser harte Einstieg könnte abgefedert werden, indem Arbeitnehmern und Arbeitgebern für die ersten drei Jahre die Sozialabgaben von öffentlichen Kassen erstattet würden. Dabei könnten alle gewinnen: die Migranten und die Gesellschaft.

>> weiter in der Financial Times

Dies ist natuerlich ein sehr kontroverser Vorschlag und ihre Ansichten bzgl Arbeit und Integration wirken idealisiert. Jungle World hat in einem Portraet die “zwei Seiten” der Auslaenderbeauftragten beschrieben: Einerseits setzt sie sich fuer die Rechte von Migranten ein und scheut es nicht, sich mit der Polizei anzulegen. Auf der anderen Seite war sie verantwortlich fuer Gesetze, die die Rechte von Fluechtlingen aushoehlte.

>> zum Text Lasst uns singen und nützlich sein. Barbara John feiert ihr 20jähriges Dienstjubiläum als Ausländerbeauftragte in Berlin

Auf Qantara.de gibt es einen guten Text von ihr zum Kopftuchverbot Eine fahrlässige Debatte. Die Vertreibung kopftuchtragender Musliminnen aus der Berufswelt ist längst in vollem Gange. Lesenswert auch ihr Text Managing Diversity in Städten und Stadtteilen – eine Zukunftsaufgabe

Serbischen Fluechtlingen geht es in Italien besser als in Schweden obwohl sie in Italien fast keine finanzielle Unterstuetzung erhalten und fuer einen Hungerlohn arbeiten muessen, schreibt die Ethnologieprofessorin und ehemalige Berliner Auslaenderbeauftragte Barabara John in einem…

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Kindesmissbrauch bei den Aborigines: Kultur als Vorwand

(via anders deutsch) Viele Ethnologen benutzen das Wort Kultur so wenig wie moeglich oder gar nicht mehr. Oft verschleiert dieser Begriff mehr als dass er erklaert. Oft wird der Begriff naemlich missbraucht. Ein aktuelles Beispiel war in der gestrigen taz zu lesen ueber Kindesmissbrauch bei den Aborigines: Sowohl die Bleichgesichter wie auch die Taeter unter den Aborigines selbst benutzen Kultur als Vorwand – die Weissen um die Aboriginees zu attackieren, die Taeter um ihr kriminelles Verhalten zu legitimieren:

Viele Verbrechen blieben nicht nur ungeahndet, sondern würden von den Tätern und Entscheidungsträgern in den Aboriginal-Gemeinden unter Hinweis auf “Traditionen der Männer” entschuldigt.

“In den “Talkback”-Sendungen der kommerziellen Radiostationen liefen die Telefone heiß. Moderatoren und Hörer attackierten die rund 300.000 australischen Ureinwohner mit offen rassistischen Bemerkungen.
(…)
Der nationale Gesundheitsminister Tony Abbott schlug vor, nicht funktionierende Aboriginal-Gemeinden in Zukunft “paternalistisch” zu verwalten. Einzelheiten nannte er nicht, aber die Idee tönt sehr nach weißen Administratoren für schwarze Siedlungen. Die mehrheitlich regierungsfreundliche Presse jubelte.

Kultur ist ein wichtiges politisches Werkzeug geworden – gerade auch fuer Urbevoelkerungen im Kampf um ihre Rechte. Nicht zuletzt deshalb faellt es den Tätern (oft Männer mit großer Autorität) leicht, das Kultur-Argument einbringen. Sie werden von anderen Aborigines angeklagt, ihre Macht zu missbrauchen: “Sex mit Kindern war nie akzeptabel. Unter traditionellem Recht wäre eine solche Tat sofort mit dem Tod bestraft worden.”

Wie in vielen anderen Faellen, ist “Kultur” keine Erklaerung:

Fachleute sind der Meinung, der Grund liege vor allem beim Alkoholmissbrauch und der sozialen Verwahrlosung ganzer Gemeinden. Nicht selten sind in einer Familie Angehörige von drei Generationen konstant unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Wie Urmila “anders deutsch” Goel schreibt:

Das hört sich nicht nach ‘Kultur’ an, das hört sich eher nach den Folgen von Rassismus, Diskriminierung und Marginalisierung an. Aber wie in ‘Deutschland’ ist es auch in ‘Australien’ einfacher, die ‘Kultur’ der ‘Anderen’ als Sündenbock zu stilisieren als an die wirklichen Ursachen des Problems zu gehen.

>> zum Bericht in der taz

Kuerzlich hat Ethnologe John Morton zu der Problematik Stellung bezogen:

Ever since Europeans first came to Australia, public views of Aborigines have veered between two extremes. Aborigines have been promoted either as disgusting savages or as admired paragons, uncivilised riff-raff or as noble bearers of their culture – bad or good, but never ordinary.
(…)
There are many people both inside and outside Aboriginal communities who recognise that there are big problems in Aboriginal affairs. It’d be good if they could all be allowed to get on with the job of finding appropriate solutions to those problems without “culture” getting in the way.

SIEHE AUCH:

Aboriginees in Australia: Why talking about culture?

The Culture Struggle: How cultures are instruments of social power

Ehrenmorde: Ist Kultur ein mildernder Umstand?

Die ethnologische Kritik am Kultur-Konzept

(via anders deutsch) Viele Ethnologen benutzen das Wort Kultur so wenig wie moeglich oder gar nicht mehr. Oft verschleiert dieser Begriff mehr als dass er erklaert. Oft wird der Begriff naemlich missbraucht. Ein aktuelles Beispiel war in der gestrigen taz…

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Zidane’s Kopfstoss: Helfen ethnologische Erklärungen weiter?

Warum hat Zidane Materazzi im Finale der Fussball-WM mit einem Kopfstoss zu Boden gebracht? Warum hat er ihn nicht geboxt, getreten oder geschlagen? Ethnologe Thomas Hauschild macht sich ein paar Gedanken ueber – in seiner Ansicht – “eine der emblematischsten und faszinierendsten Szenen der jüngsten Kulturgeschichte”. Fast alle Konfliktlinien, die die Gegenwart prägen, so der Ethnologe euphorisch, lassen sich dort studieren.

Solche Worte lassen erstmal aufhorchen: Sind nun wieder Ethnologen dabei, zu kulturalisieren, Handlungen ueberzuinterpretieren? Doch die Ausgangsfrage ist durchaus legitim, und wir alle – oder viele unter uns – werden uns wohl ueber Zidanes Kopfstoss gewundert haben. Fuer Mittelmeerethnologen, so Hauschild, ist dieser Kopfstoss gar nicht ueberraschend. Im “mediterranen Ehrbegriff” spielen naemlich Kopfstoesse (und Hornsymbolik) eine zentrale Rolle. Doch den Kopfstoss allein mit dem Konzept der Ehre zu erklaeren greift zu kurz. Genauso wichtig, so Hauschild weiter, ist es, den Klassenbegriff mit in die Analyse einzubringen.

Der Ethnologe schreibt:

Die zum Ziegengehörn gereckten Finger signalisieren, daß das Gegenüber sich benimmt wie ein Ziegenbock – die mächtigeren Böcke lassen nach der Begattung auch jüngere Männchen an ihre Weibchen heran. Ein Klatscher der linken Hand gegen den rechten Oberarm, manchmal verbunden mit nach hinten gebogenen Fingern aber signalisiert den Widder. Sein Kopfstoß ist bei Hirten zu Recht gefürchtet und trifft jeden, den er zu nah bei seinen Weibchen sieht.
(…)
Zidane verpaßte also dem Italiener einen Widderstoß: Zidanes Kopfstoß wandelt die klassischen Themen der Ehrsymbolik virtuos in ein internationales Fußballdrama um.

(..)

Er hat vielleicht gehandelt wie ein algerischer Hirte, aber er hing dabei nicht am langen Faden der Tradition, sondern er hat als moderner selbstbewußter Aufsteiger gehandelt, der am Endpunkt seiner Karriere Zeichen setzt. Die Zeichen gelten nicht islamischen Moralaposteln, sondern in paradoxer Weise auch einem Teil jener Kinder, derentwegen er sich nun wieder so schämen muß.

Es sind die Kinder aus den Banlieues. Es sind also nicht die auf ihre Ehre bedachten Kinder der algerischen Hirten, um die es geht. (…) La Castellane, der von Migranten und ihren Nachfahren bevölkerte Vorort von Marseille, aus dem Zidane stammt, ist der primäre räumliche Bezugspunkt seines Aktes im Olympiastadion, nicht Algerien allein oder der Mittelmeerraum an sich.

[Zidane hat] allen Franzosen und der Welt gezeigt, daß man sich als “beur” nicht alles gefallen lassen muß, daß man sich wehren kann.

>> weiter in der Faz

SIEHE AUCH:

Hauschild: “Wir müssen begreifen, was es heißt, als Muslim im Westen zu leben”

Warum hat Zidane Materazzi im Finale der Fussball-WM mit einem Kopfstoss zu Boden gebracht? Warum hat er ihn nicht geboxt, getreten oder geschlagen? Ethnologe Thomas Hauschild macht sich ein paar Gedanken ueber - in seiner Ansicht - "eine…

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