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Bekleidung und Selbstinszenierung – neue Ausgabe von journal-ethnologie

“Kleidung an sich „macht“ nicht den Menschen, aber sie vermittelt in einzigartiger Weise das, was ihr Träger oder ihre Trägerin von sich nach außen geben will”, schreibt Annegret Hesterberg de Hernández in einem Text ueber Mode in Mexico in der neuesten Ausgabe der Online-Zeitschrift Journal Ethnologie, die vom Museum der Weltkulturen in Frankfurt herausgegeben wird. Zum Schwerpunktthema Kleidung und Mode international lesen wir im Editorial:

Außerhalb der westlichen Welt scheint es dagegen in unseren Augen keine „Mode“ zu geben. Die Kleidung in Indien, Afrika oder den arabischen Ländern würden wir „Tracht“ nennen und meinen damit eine traditionelle Kleidung, die keinerlei Veränderungen unterworfen ist. Auch scheint es uns, als würde nur die westliche Mode für Individualität, Freiheit und Status stehen, während die „Tracht“ Uniformität, Zwang und Unterordnung ausdrückt. Wenn wir aber über den Tellerrand der westlichen Mode hinausblicken, wird uns bewusst, dass „Mode“ und „Tracht“ keinen Gegensatz bilden, dass auch Tracht Individualität, Freiheit und Status zum Ausdruck bringt.

>> zum Journal-Ethnologie 4/2006

Links aktualisiert 22.10.2022

"Kleidung an sich „macht“ nicht den Menschen, aber sie vermittelt in einzigartiger Weise das, was ihr Träger oder ihre Trägerin von sich nach außen geben will", schreibt Annegret Hesterberg de Hernández in einem Text ueber Mode in Mexico in der…

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“Tag des Kusses”: Maori bevorzugen Nasenreiben

Der Mitteldeutschen Zeitung zufolge ist heute, am 6. Juli der internationale Tag des Kusses. Im Internet, das ergab zumindest eine kurze Suche, gibt es keine offiziellen Infos zu diesem Tag – er ist vermutlich das Produkt von Massenmails, Kettenbriefen, eine dieser Wandergeschichten?

Jedenfalls befragt die Mitteldeutsche Zeitung eine Ethnologin zu verschiedenen Arten, Zuneigung auszudruecken. Sabine Klocke-Daffa, Ethnologin an der Universität Münster und Verfasseren des Buches Sex and the Body, erzaehlt, dass sich die Paerchen bei den Trobriandern in Papua-Neuguinea gegenseitig die Augenbrauen abknabbern. Das Zerkratzen des Rueckens stehe auch hoch im Kurs. Die Maori auf Neuseeland reiben sich die Nasen gegeneinander.

Vielleicht verbreiten sich diese Braeuche genauso wie der Kuss auf die Wange, der aus Suedeuropa stammt? “In Deutschland beginnen die Leute, diese Verhaltensweise zu übernehmen, weil sie das auf Reisen oder im Fernsehen kennen gelernt haben”, erklärt die Ethnologin.

>> weiter in der Mitteldeutschen Zeitung

“Today is International Kissing Day!” (bamber.blogspot.com)

Mehr Info zur Kulturgeschichte des Kusses in der Seattle Times: Kissing: nature’s cure-all, for most

Kuss – Zitate von Wikiquote

Der Mitteldeutschen Zeitung zufolge ist heute, am 6. Juli der internationale Tag des Kusses. Im Internet, das ergab zumindest eine kurze Suche, gibt es keine offiziellen Infos zu diesem Tag - er ist vermutlich das Produkt von Massenmails, Kettenbriefen, eine…

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Ethnologe: “Deutscher WM-Patriotismus positiv”

In ein paar Stunden werden wieder die deutschen Fahnen geschwenkt – auch in Oslo (siehe Bild vom Spiel gegen Argentinien). Anders Deutsch-Bloggerin Urmila Goel ist vom Fahnenschwenken nicht angetan. Obwohl ich dem WM-Enthusiasmus nicht so kritisch gegenueberstehe, werde ich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Einwanderern in Norwegen wieder sitzenbleiben, wenn die Deutschland-Hymne ertoent und nicht mitsingen (aber dennoch die deutsche Mannschaft anfeuern).

Urmila Goel schreibt, die Medien “überschlagen sich geradezu, ob der friedlichen WM und dem positiven Fahnenschwenken”. Kuerzlich war auch hier auf antropologi.info zu lesen World Cup Enthusiasm:”Need for a collective ritual, not nationalism”.

Der Deutschlandfunk hat nun den Berliner Ethnologen Wolfgang Kaschuba zum deutschen WM-Patriotismus befragt. Kaschuba meint, die meisten Menschen freuten sich über die deutsche Mannschaft, sie seien aber nicht nationalistisch eingestellt – und Neonazis haben da keine Chance:

Also die deutsche Fahne wurde in Kreuzberg von türkischen Lieferfahrzeugen zunächst mal hoffähig gemacht, und dann trauten sich die Deutschen natürlich auch allmählich.

(…)

Es sind keineswegs nur sozusagen nationalistische oder nationale Bedürfnisse, da mischt sich vieles. Wenn Sie genau hinschauen, wie gefeiert wird, da ist natürlich ein Stück Party mit drin, Eventkultur, es gibt sehr viele Großereignisse, die von den Menschen aufgesucht werden, und in dieser Zeit des Individualismus gibt es eben auch ganz offenbar diese andere Seite, diesen Wunsch nach Gemeinschaftserlebnissen, die nicht zu tief sein sollen, nicht zu lange dauern sollen, aber die man sucht.

(…)

Es gibt gerade auch in dieser Fankultur und in diesen Formen von Begeisterung eben ein deutliches Abgehen sozusagen von diesen harten und gröhlenden Formen nur hin eben auch zu spielerischen und zum Teil auch ironischen. Wer die deutsche Fahne trägt, hat nicht immer sozusagen dieses Stammtischdenken dahinter, sondern macht es zum Teil auch ganz spielerisch, und manche der Fahnen sind da reine Fantasieprodukte.

(…)

Ein ganz interessanter Befund, den ja auch schon einige Medien schon angestellt haben, die Neonazis bekommen in dieser patriotischen Welle kaum einen Fuß auf den Boden. Warum? Weil es offenbar eben nicht ihr Nationalismus ist, also einer, der aggressiv sich gegen andere wendet.

>> weiter beim Deutschlandfunk

Den Vogel schiesst die fahnenverhuellte Claudia Schiffer ab: “Das Topmodel zeigt, wie sexy Germany ist. Um Investitionslust zu wecken”, meldet die Sueddeutsche.

SIEHE AUCH:

Anders deutsch: Fahnen schwenken (mit vielen guten Links!)

anders deutsch: Aggressiver Nationalismus bei der WM

Anders Deutsch: Trauer und Jubel: Ich verstehe nach wie vor nicht, warum alle diesen sogenannten ‘positiven Patriotismus’ so positiv finden

World Cup: Cultural representations and why patriotism is not healthy

World Cup Enthusiasm: “Need for a collective ritual, not nationalism”

Is the Football World Cup a peacemaker?

Frauen und Fussball: Warum sich die Geschlechterklischees trotzdem halten

Fussball: Keineswegs nebensächlich für Ethnologen

“Faszination Fußball” im Hamburger Völkerkundemuseum -ueber diese Ausstellung berichtet sogar die Zeitung The National (Papua New Guinea)

Ethnologe Kurt Wachter: Von “Othello” bis Milla – Fußball in Afrika

Marc Auge: Ein Ethnologe bei der Fußball-WM

Aus der Halbdistanz – Fussballbiografien und Fussballkulturen heute (Studienprojekt des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität Berlin)

Blickpunkt Fussball-WM: eine Form von Religion?

In ein paar Stunden werden wieder die deutschen Fahnen geschwenkt - auch in Oslo (siehe Bild vom Spiel gegen Argentinien). Anders Deutsch-Bloggerin Urmila Goel ist vom Fahnenschwenken nicht angetan. Obwohl ich dem WM-Enthusiasmus nicht so kritisch gegenueberstehe, werde ich…

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“Anders Deutsch” und “Die virtuelle zweite Generation”

andersdeutsch “Anders Deutsch” heisst ein interessanter neuerer Blog. Urmila Goel heisst die Autorin, sie hat u.a. Suedasienkunde studiert und ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Ethnologen Werner Schiffauer an der Europa-Universitaet in Frankfurt an der Oder. Sie ist eine sehr eifrige Bloggerin und schreibt so gut wie taeglich zum Thema Deutsche und Einwanderer, Migration(spolitikk) und “andere Arten Deutsch zu sein”.

>> zum Blog Anders Deutsch

Auf ihrer Homepage bietet sie Informationen über Menschen aus Südasien in Deutschland, darunter auch ihre Forschungsarbeit Die virtuelle zweite Generation. Zur Aushandlung ethnischer Identität im Internet am Beispiel der InderInnen der zweiten Generation in Deutschland. Genug Lesestoff zum Thema bietet auch die Seite Veroeffentlichungen.

andersdeutsch

"Anders Deutsch" heisst ein interessanter neuerer Blog. Urmila Goel heisst die Autorin, sie hat u.a. Suedasienkunde studiert und ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Ethnologen Werner Schiffauer an der Europa-Universitaet in Frankfurt an der Oder. Sie ist…

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Ausländerhetze im SPIEGEL: "Hätte niemals in Frankreich publiziert werden können"

Kuerzlich war in der englischen Ausgabe des SPIEGELs ein seltsamer Artikel zu lesen, der zeigte, wie Auffassungen ueber die deutsche nationale Identitaet auf obskuren Rassenideologien beruhen. Viel Aufhebens wird gemacht ueber die sinkende Geburtenrate der Deutschen, Angst geschuert darueber dass Deutsche angeblich bald in der Minderheit sein koennen:

Germans are not only dying out, but they’re slowly being replaced by non-Germans.

Fuer Artikelverfasserin Rose-Anne Clermont ist Deutschsein offenbar eine Frage des Blutes. Auslænder koennen daher nie Deutsche werden.

Der Artikel zeigt auch auf dass solch ein Verstaendnis in anderen Lændern auf Unverstaendnis stosst.

Die norwegische Ethnologin Cicilie Fagerlid, derzeit auf Feltarbeit
in Paris, schreibt:

One can say many things on the republican notion of French identity, but at least it’s not overtly racialised. Thus, I doubt that a text like the one in Der Spiegel could have been written in a major French newspaper.

>> weiter zu ihrem Kommentar: French versus Germanic national identity

Der amerikanische Genderwissenschaftler Bryan McCay ist ebenso erstaunt

Coming from the point of view of an American, the idea of a national character seems foreign (har har) to me. While there may be certain “American” values and ideals, I’ve always thought of “national character” as being a fluid and evolutionary process. One can’t expect modern Germans to be the same Germans they were four hundred years ago. Nationality is hardly an essential characteristic of human nature, it’s the result of more or less arbitrary borders that we’ve crafted for ourselves.

>> weiter zu seinem Kommentar “What’s all this fuss about national identity?”

>> Die “normalere” Nation in Frankreich – Unterschiede Deutschland und Frankreich

SIEHE AUCH:

Buchbesprechung: Sylvia Keim (2003). “So richtig deutsch wird man nie sein …”

Notizen zum Nationalismus in Deutschland

Racism: The Five Major Challenges for Anthropology

For an anthropology of cosmopolitanism

Kuerzlich war in der englischen Ausgabe des SPIEGELs ein seltsamer Artikel zu lesen, der zeigte, wie Auffassungen ueber die deutsche nationale Identitaet auf obskuren Rassenideologien beruhen. Viel Aufhebens wird gemacht ueber die sinkende Geburtenrate der Deutschen, Angst geschuert darueber dass…

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