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Vergessene Vielfalt: Ethnologin studiert 70jährige Bäuerinnen in Bayern

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Wenn Besuch kommt, füllen sie den Bettüberzug mit frischem Heu. Auf jeden Laib Brot, das sie mit blanken Armen kneten, zeichnen sie vor dem Backen ein kleines Kreuz mit dem Finger, damit die Leute gesegnet sind, die das Brot kaufen.

“Wunderbare Zeitreise in vergessenes Landleben”, titelt die Nürnberger Zeitung ihre Besprechung des Buches Schwalbennester: Zwei ledige Bäuerinnen erzählen der Ethnologin Christine Zuppinger.

Zuppinger hat mehr als zwei Jahre lang die beiden über 70-jährigen Schwestern Maria und Zenzi besucht; die Frauen bewirtschaften einen Hof im bayerischen Wald. Noch bis ins hohe Alter hinein versorgen sie ihre Tiere, gehen ins Holz und backen wöchentlich im großen gemauerten Backofen Brot. Sie leben selbständig und eigenwillig. Ehemänner haben in diese Welt nie einen Zugang gefunden. Sie haben nie geheiratet.

Dennoch verweigern sie sich der Moderne nicht. Sie fahren Autos und eine von ihnen besuchte einen Kurs für Bauernmalerei. Vom Verdienst kauften sie eine neue Maschine für den Hof.

“Im ständigen Wechsel der Perspektiven führt Christine Zuppinger den Leser ganz nah an diese beiden Unikate einer längst vergessenen Zeit und schafft es mit einer so unmittelbar schlichten Sprache, dass man beinahe das Gefühl hat, selbst auf dieser Holzbank mit einem Huhn auf dem Schoß zu sitzen”, schreibt Irini Paul in der Nürnberger Zeitung.

Sabine Peters vom Deutschlandradio ist mindestes genauso begeistert vom Buch.

Es ist Zuppingers Verdienst, einen Tonfall für ihr Buch gefunden zu haben, der auch scheinbar Exotisches nicht von oben herab begafft; einen Tonfall, der nicht voyeuristisch wirkt.
(…)
Zahlreiche Schwarzweiß-Fotografien geben dem Buch zusätzlich eine optische Dimension. So sieht man die Schwestern auf vielen Bildern, wie sie in Kittelschürzen, dicken Strümpfen und Kopftüchern ihren Arbeiten nachgehen. Man liest, dass ihre langen Haare ihr größter Schmuck sind, um den sie sich jeden Abend sorgsam kümmern – auch wenn die Haare eigentlich immer unterm Tuch verborgen sind.

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Wenn Besuch kommt, füllen sie den Bettüberzug mit frischem Heu. Auf jeden Laib Brot, das sie mit blanken Armen kneten, zeichnen sie vor dem Backen ein kleines Kreuz mit dem Finger, damit die Leute gesegnet sind, die das Brot kaufen.

"Wunderbare…

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Schwarze Zähne und gelbe Haare: Jubiläums-Ethmundo über Schönheit

Das Ethnologie-Magazin Ethmundo feiert Jubiläum: Der 10. Themenschwerpunkt dreht sich um die Frage “Was ist Schönheit?”

Viele interessante Texte erwarten uns da, u.a. Schwarze Zähne und gelbe Haare – Schönheitsideale in Japan von Rüdiger Burg. Er beschreibt mehrere Jugendkulturen, die dominierende Schönheitsideale in Japan herausfordern. Dort gilt u.a. bleiche weisse Haut als schön (waren deswegen die japanischen Touristen, die ich in der syrischen Wüste sah, so verhüllt und trugen Sonnenschirme?).

Die Ganguro z.B. tun beispielsweise alles erdenkliche, um einen möglichst dunklen Teint zu haben, schreibt er:

Die auch Orange Girls genannten Teenagerinnen schlucken Beta-Carotin-Tabletten und benutzen Selbstbräuner. Ihr Ziel ist zwar nicht, wie eine Südfrucht auszusehen, eine orangene Haut ist aber oft das Ergebnis ihrer kosmetischen Selbstbehandlung.(…) Die für Japaner typischen dunklen Haare bleichen sie bis diese blond sind. Die extremsten Ganguro färben ihren Schopf leuchtend gelb. Sie nennen sich Yamamba, was auf Deutsch Berghexe bedeutet.

Als eines von wenigen Ländern in der Welt bietet Brasilien staatlich finanzierte Schönheitsoperationen an. Caro Kim hat einen sehr spannenden Artikel über den Zusammenhang von Schönheitsoperationen, Rassismus und Armut geschrieben.

(Operierte) Schönheit als Weg aus der Armut, schreibt sie, ist in Literatur und Zeichnungen, moderne Märchen und Telenovelas ein immer wiederkehrende Motiv. “In den Favelas von Brasilien, in denen der Zugang zu Bildung limitiert ist, wird der schöne Körper zur primären Ressource, zur Basis von Identität und zu einer populären Form der Hoffnung”.

Schönheit bezieht sich hier hautsächlich auf die Hautfarbe. Denn je dunkler die Haut, desto marginalisierter der soziale Status. Eine häufige Operation nennt sich “Korrektur der negroiden Nase“.

Das nationale Ideal von Schönheit besteht aus einer Mischung (mestiçagem) aus Schwarz und Weiss:

Mischung ist schön, da sie das auffällig Afrikanische verschwinden lässt und dabei ein anderes ethnisch klassifiziertes Ideal, morenidade, zur ästhetischen Norm erhebt. Und innerhalb der Mischung ist es eine bestimmte Mischung – die ausgeglichen afrikanisch-europäische, nicht die indigen-europäische – die als schön konstruiert wird.

Ethmundo ist vermutlich derzeit das aktivste studentendominierte Ethnomagazin im Netz – vor allem nachdem es stiller geworden ist um die Ethnologik. “Was als kleine studentische Idee begonnen hat, ist nun zu einem Projekt geworden, das sich ständig weiterentwickelt und auf das wir stolz sind”, schreibt Caro Kim in der Einleitung:

Die zeitweilige Sorge, dass mit Beendigung des Studiums der Kernredaktion auch Ethmundo ein Ende finden würde, ist kleiner geworden. Denn für einen solchen Untergang ist Ethmundo in seiner zehnten Ausgabe schon zu groß und zu bekannt. Wir entwickeln uns also mehr und mehr zu einer offenen Redaktion, die nicht mehr fest an einen Ort gebunden ist, und an der sich Gastautoren aus vielen verschiedenen Städten beteiligen.

Das Ethnologie-Magazin Ethmundo feiert Jubiläum: Der 10. Themenschwerpunkt dreht sich um die Frage "Was ist Schönheit?"

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Military Anthropology, HIV and the Engaged University: SfAA Podcasts online

SFAA FLYER

Their first set of conference podcasts in 2007 was a huge success. Now, Jen Cardew and her team published a large number of new recordings from the 2009 conference of the Society of Applied Anthropology.

It seems to have a been an interesting conference. There are podcasts about the following topics:

The Engaged University: What Does it Mean for Applied Anthropology?

Different Fields, Common Challenge: Lessons For and From Military Anthropology

Study of HIV and STIs in the Western Hemisphere, Part I

Studies Of HIV and STIs In The Western Hemisphere, Part II

Professional and Academic Collaboration: Strengthening the Preparation of New Professional Anthropologists

SFAA FLYER

Their first set of conference podcasts in 2007 was a huge success. Now, Jen Cardew and her team published a large number of new recordings from the 2009 conference of the Society of Applied Anthropology.

It seems to have a been…

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The new blog by the American Anthropological Association

The American Anthropological Association (AAA) has launched a new blog at http://blog.aaanet.org/ It combines their previous Anthropology News, Public Affairs and Human Rights blogs. All archived content and comments were migrated to the new location. The blog looks much better now and it is easier to stay updated.

The AAA writes:

We have created this blog as a service to our members and the general public. It is a forum to discuss topics of debate in anthropology and a space for public commentary on association policies, publications and advocacy issues. We will post select items that we think are of interest to our members and that readers have voiced an interest in. We invite all anthropologists to use this domain to stimulate intellectual discussion, and would be delighted to host guest bloggers who are active in any of anthropology’s four fields.

>> visit the AAA blog

The American Anthropological Association (AAA) has launched a new blog at http://blog.aaanet.org/ It combines their previous Anthropology News, Public Affairs and Human Rights blogs. All archived content and comments were migrated to the new location. The blog looks much better…

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Research and ethics: France on Facebook

All of a sudden, people I knew from different circles in France started appearing on Facebook, about two years after the craze hit Norway. It reminded me of a question brought up in a seminar preparing graduate students for fieldwork I lead a while ago: Should one include one’s informants on one’s regular Facebook account? A girl wondered whether to keep two accounts; one for the fieldworker and one for her private self. If not, all attempts at anonymising would of course be futile.
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There are several reasons why two accounts wouldn’t work. It would just be easier for the locals to puzzle out who is who on the more limited “research account”. An equally important objection is that immersed in the field, the researcher needs friends and for me and many others, it’s nothing more natural than to find them among one’s “informants”.

In Paris this is not a problem for me, as I have no intention of anonymising the slam poets. In my fieldwork in London, however, the situation is different, as the thesis was full of sensitive issues and all but a few people had to be unrecognisable. So even though I’ve found many of my former “informants” on Facebook and I would love to use that tool to get in touch with them again, I hesitate to include them in my network for everybody to see.

All of a sudden, people I knew from different circles in France started appearing on Facebook, about two years after the craze hit Norway. It reminded me of a question brought up in a seminar preparing graduate students for fieldwork…

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