search expand

Tourismus-Tagung: Ethnologen hinterliessen schlechten Eindruck?

Es passiert nicht oft, dass Journalisten Fachtagungen besuchen oder ueberhauit darueber berichten. Keine gute Werbung fuer unser Fach scheint die Konferenz “Dinge auf Reisen” der “Kommission für Tourismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde” in München gemacht zu haben – lesen wir im Artikel von Florian Welle in der Sueddeutschen.

Die Referenten scheinen keine spannende Analysen geliefert zu haben:

Fundierte volkskundliche Forschung zeichnet sich jedoch durch ein hohes theoretisches wie methodologisches Reflexionsniveau aus. Ihre Arbeit beginnt erst nach der minutiösen Beobachtung unseres räumlich, zeitlich und sozial komplexen Alltags.

Wenig allerdings war davon in München zu erahnen. Die Kritiker des Faches und aller “Material Cultural Studies” hätten ihre Vorurteile bestätigt gefunden. Denn die Mehrzahl der Vorträge blieb auf der beschreibenden Ebene ihres Materials.

(…)

Die wohlwollend vorgetragenen methodologischen Einwände von den Größen des Fachs – dem Schweden Orvar Löfgren, dem Emeritus Helge Gerndt, der Münchner Professorin Irene Götz – wurden von vielen Rednern nonchalant abgetan. Auf diese Weise stärkt man weder den innerfachlichen Dialog noch die Wahrnehmung des Faches von außen.

>> zum Artikel in der Sueddeutschen

Es passiert nicht oft, dass Journalisten Fachtagungen besuchen oder ueberhauit darueber berichten. Keine gute Werbung fuer unser Fach scheint die Konferenz "Dinge auf Reisen" der "Kommission für Tourismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde" in München gemacht zu haben -…

Read more

Die virtuelle Fachbibliothek Südasien (Savifa)

logo

In der Ethnologie haben wir Evifa, fuer Suedasien speziell gibt es Savifa – eine virtuelle Fachbibliothek, ein Wegweiser durch die fachlich relevanten Ressurcen im Internet. Savifa ist interdisziplinaer und wird von der Uni Heidelberg betrieben(Südasien-Institut – UB Heidelberg).

Wie suedasien.info meldet, ist soeben das erste Themenportal fertig geworden und im Netz. Es heisst Varanasi Displayed und präsentiert (An-)sichten der Stadt Varansi am Ganges, die auch Benares oder Kashi genannt wird. Das Themenportal beinhaltet eine virtuelle Fotogalerie mit Bildern des Fotografen Thomas Effinger, zwei historische Reisebeschreibungen und eine Bibliographie , die aus dem Varanasi Research Project am Südasien-Institut der Universität Heidelberg hervorgegangen ist.

logo

In der Ethnologie haben wir Evifa, fuer Suedasien speziell gibt es Savifa - eine virtuelle Fachbibliothek, ein Wegweiser durch die fachlich relevanten Ressurcen im Internet. Savifa ist interdisziplinaer und wird von der Uni Heidelberg betrieben(Südasien-Institut - UB Heidelberg). …

Read more

Ethnologie-Einführungen und die Sonderstellung der deutschen Ethnologie

cargo-cover

(Entwurf) Regelmässig scanne ich für diese Webseite Ethnologie-Nachrichten auf deutsch, englisch, dänisch, schwedisch und norwegisch. Was fällt bei der Lektüre der deutschsprachigen Quellen auf?

Deutsche Ethnologen und Ethnologinnen studieren mehr als Kollegen in vielen anderen Ländern weiterhin “ein Volk”, “eine Ethnie”, “eine fremde Kultur”. Diese von vielen als überholt angesehene Perspektive findet sich auch in Studentpublikationen wieder, wie ich dies bereits im Beitrag Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie? kritisiert hatte.

Vielleicht ist das nicht so verwunderlich. Denn wie Norman Schräpel in einem interessanten Artikel in der jüngsten Ausgabe von Cargo – Zeitschrift für Ethnologie aufzeigt, werden diese Perspektiven auch in aktuellen deutschen Einführungsbüchern gelehrt. Dies offenbar Mainstream-Ethnologie.

fischer-cover

Das Standardwerk Ethnologie – Grundbegriffe, Arbeitsbereiche, Forschungsansätze von Hans Fischer und Bettina Beer ist komplett überarbeitet worden (deswegen nicht mehr in gelb?). Neue und aktuelle Themen sollen aufgegriffen werden sein.

Dennoch proklamiert Hans Fischer in seinem Beitrag „Ethnologie als wissenschaftliche Disziplin“ “Völker” als Gegenstandsbereich des Faches:

„Aus der Fachbezeichnung Völkerkunde oder Ethnologie lässt sich auch ihr Gegenstand ableiten: Völker oder Griechisch ethne.“ (Fischer 2003:20)

Norman Schräpel fasst zusammen:

Wenn wir uns erlauben den Beitrag von Hans Fischer auf eine Antwort zu reduzieren, kommen wir auf Folgende: Die Ethnologie ist die Auseinandersetzung mit fremden Völkern und deren Kulturen in den verschiedensten thematischen Bereichen.

kohl-cover

Nun war dieses Buch bereits in den 90er-Jahren nicht gerade auf der Höhe der Zeit (in meiner Ausgabe wurde selten auf Quellen verwiesen, die weniger als 25 Jahre alt waren). Wie steht es mit der beliebten Alternative, jenem Buch von Karl-Heinz Kohl?

Kohl definiert unser Fach schon im Titel Ethnologie – die Wissenschaft vom kulturell Fremden und macht klar, dass auch er diesem Paradigma zugehört. Allerdings scheinen wir dort auch – wie Schräpel anmerkt “auf wenigen Seiten” zu erfahren, “dass sich in den vergangenen Jahren der Gegenstandsbereich der Ethnologie beträchtlich erweitert hat und dass nun auch “das kulturell Fremde zu Hause” studiert wird.

Schräpel konkludiert, dass beide Einführungen “und man könnte noch weitere Beispiele finden” – sich als unzureichend und unbefriedigend erwiesen haben. Die Einführungen beschreiben zumeist eine längst vergangene Zeit und wagen sich nur in wenigen Annäherungen an neue Bereiche, so der Rezensent.

Ausserdem scheint meines Eindrucks nach die Postmoderne mit ihrer Fachkritik (nicht zuletzt der Begriffe “Kultur”, “Volk”, “Ethnie” und des Essentialismus) noch nicht in Deutschland angekommen zu sein (im Gegensatz zur Schweiz übrigens).

Die deutsche Ethnologie ist bereits von Kollegen im Ausland als “nicht international orientiert” beschrieben worden. Ein Ethnologe, der lange Jahre lang im europäischen Dachverband EASA aktiv war, sagt mir einmal, dass er erst in jüngster Zeit mehrere Ethnologen aus Deutschland auf den Kongressen angetroffen habe. Früher hätten sich die Deutschen kaum blicken lassen. Ein Zusammenhang?

smallplaces-cover

Für eine zeitgemässere Antwort “Was ist Ethnologie? siehe Alexander Knorr’s Definition und Thomas Hylland Eriksens und Keith Harts Vorschläge zur 21st century anthropology.

Wer auf der Suche nach einem guten Einführungsbuch ist, kann ich Small places, large issues von Thomas Hylland Eriksen empfehlen. Dieses Buch ist nicht nur aktuell und modern, sondern auch mit Humor in leicht verständlicher Sprache geschrieben (Vorbehalt: Ich hab das norwegische Original gelesen, englische Texte sind in der Regel anspruchsvoller).

SIEHE AUCH:

Was ist Ethnologie? Eine schöne Definition

Keith Hart and Thomas Hylland Eriksen: This is 21st century anthropology

Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie?

So lebt der Kolonialismus in der Ethnologie weiter

Rassistische Ethnologie: ”Völkerkunde” abschaffen!

Hat sich in der deutschen Ethnologie seit 100 Jahren nichts veraendert?

Neuer dtv-Atlas Ethnologie verhöhnt die Leserschaft?

“Take care of the different national traditions of anthropology”

cargo-cover

(Entwurf) Regelmässig scanne ich für diese Webseite Ethnologie-Nachrichten auf deutsch, englisch, dänisch, schwedisch und norwegisch. Was fällt bei der Lektüre der deutschsprachigen Quellen auf?

Deutsche Ethnologen und Ethnologinnen studieren mehr als Kollegen in vielen anderen Ländern weiterhin "ein Volk", …

Read more

Auf der Suche nach ethnologischen Onlinepublikationen

Es gibt zwar immer noch Forscher, die nur auf Papier publizieren. Doch immer mehr Magisterarbeiten, Dissertationen und Papers sind im Netz zugänglich. Es gibt zwar Kataloge und Suchmaschinen, doch eine gewöhnliche Google-Suche ersetzen sie nicht.

Eine praktische Lösung bietet die Humboldt-Universität Berlin, die Zugriff auf katalogisierten Abhandlungen deutschlandweit und weltweit bietet, indem sie mehrere Suchmaschinen auf der Webseite integriert.

Evifa, die ethnologische Fachbibliotek, ist eine der ersten Initiativen, ethnologisches Wissen zu katalogisieren. Eine Suchmaschine in Entwicklung ist Science-Commons (auf Deutsch und Englisch).

Doch wie ein kurzer Test ergab, sind bei weitem nicht alle Publikationen erfasst – u.a. jene die im Manao, einem neuen Ethnologie-Open Access Archiv oder Anthrobase, genausowenig diverse norwegische Archive.

SIEHE AUCH:

Zugang zur Forschungsliteratur im Netz: Widerspruechliche Entwicklungen

Already lots of publications in the open access anthropology repository Mana’o

Danah Boyd on Open Access: “Boycott locked-down journals”

Anthropology News February about Open Access Anthropology

2006 – The Year of Open Access Anthropology?

Es gibt zwar immer noch Forscher, die nur auf Papier publizieren. Doch immer mehr Magisterarbeiten, Dissertationen und Papers sind im Netz zugänglich. Es gibt zwar Kataloge und Suchmaschinen, doch eine gewöhnliche Google-Suche ersetzen sie nicht.

Eine praktische Lösung bietet die Humboldt-Universität…

Read more

“Ethnologie ist eine besondere Art die Welt zu sehen”

Es ist ein Vorteil trinkfest zu sein, wenn man ueber Schamanismus forscht: “Es gibt nicht wenig Rituale, da muss man selbstgebrannten Alkohol trinken, um überhaupt dabei sein zu können, auch als Forscher. Vor allem, wenn ein Schamane in Trance geht.” Das sagt Guido Sprenger, der neue Ethnologieprofessor an der Uni Münster. Er hat u.a. zwei Jahre in Lagos Laos geforscht, erfahren wir im Stadtmagazin Echo Münster, das eine Pressemitteilung der Uni unverändert veröffentlicht hat. Die Ethnologie ist für ihn “eine besondere Art, die Welt zu sehen”.

>> weiter im Echo Münster

Sprenger wurde auch interviewt in der neuen Ausgabe von ethmundo zu Mythen als Schlüssel zur Gesellschaft

SIEHE AUCH:

Was ist Ethnologie? Eine schöne Definition

Feldforschung bei den Tuareg: Makkaroni mit Tomatensauce – monatelang!

“Der geteilte Schmerz ist der Kern jener teilnehmenden Beobachtung”

Es ist ein Vorteil trinkfest zu sein, wenn man ueber Schamanismus forscht: "Es gibt nicht wenig Rituale, da muss man selbstgebrannten Alkohol trinken, um überhaupt dabei sein zu können, auch als Forscher. Vor allem, wenn ein Schamane in Trance geht."…

Read more