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Schaut, so exotisch sind die!

Wow! Montagsinterview mit einem Ethnologen in der taz. “Das Paradies der Südsee war immer ein Mythos”. Vielversprechende Ueberschrift. Beginnt gut. Markus Schindlbeck hinterfragt Klischees. Kritisiert mangelnde Investitionen ins Ethnologische Museum in Dahlem, wo er arbeitet.

Doch dann handelt der Rest eigentlig um das Gewöhnliche: Schaut, so fremd und exotisch sind die anderen. “Die Leute sind ganz anders als wir”, sagt er. Bis vor kurzem haben sie in den Bergen Papua Neu Guineas noch so gelebt wie in der Zeit vor den Europäern. Doch nun hat die Zivilisation Einzug gehalten. Eurozentrismus will der Ethnologe herausfordern. Macht er dies in diesem Interview?

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Wow! Montagsinterview mit einem Ethnologen in der taz. "Das Paradies der Südsee war immer ein Mythos". Vielversprechende Ueberschrift. Beginnt gut. Markus Schindlbeck hinterfragt Klischees. Kritisiert mangelnde Investitionen ins Ethnologische Museum in Dahlem, wo er arbeitet.

Doch dann handelt der Rest…

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(aktualisiert) Ethnologen: WM-Berichte verbreiten Vorurteile über Afrika

Man soll nicht sagen, Ethnologen würden sich nicht in aktuelle Debatten einbringen. Barbara Meier und Arne Steinforth von der Uni Münster nutzten die Fussball-WM, um einen Dauerbrenner im Fach öffentlich zu diskutieren: die exotisierende Darstellung Afrikas in den Medien.

“Noch ehe der Startschuss zur Fußball-Weltmeisterschaft (WM) in Südafrika gefallen ist, häufen sich die Schauermärchen über archaische „okkulte Praktiken“ im afrikanischen Fußball in den deutschen Medien”, schreiben sie. In vielen Berichten “fertigen die Medien einen ganzen Kontinent als irrational, archaisch und abstoßend ab und bestätigen längst überholte Vorurteile”. Die Medien hätten eine grosse Chance vertan, das Interesse an Gesellschaften Afrikas mit differenzierten Berichten zu wecken:

Schon die Wortwahl mancher Berichte zum Thema „Magie im Fußball“ diskriminiert einen ganzen Kontinent. Afrika mit seinen 53 Staaten, Tausenden von unterschiedlichen Gesellschaften und ebenso vielen Sprachen wird darin zur Heimat von nicht näher be- stimmten „Stämmen“, die ihr Schicksal blind in die Hände von „Hexenmeistern“ und „Scharlatanen“ legen. Viele Berichterstatter haben offenbar einen eingeschränkten Einblick in die Gesellschaften, über die sie schreiben – bedienen aber zuverlässig die Vorurteile ihrer Leser. Dadurch verkaufen sie ein exotisches Afrikabild, das dem der „Wilden“ und „Kannibalen“ aus Kolonialtagen in nichts nachsteht.

“Spirituelles Doping” vor dem Fussballmatch gibt es natürlich in Afrika. Aber nicht nur dort. Fußball ist überall auf der Welt von einer Vielzahl von Ritualen umgeben, auch in Deutschland:

Auch in Deutschland knüpfen Spieler, Trainer oder sogar Fans und Vereine Beziehungen zur Welt des Religiösen, wenn sie um sportlichen Erfolg ringen: Spieler berühren beim Einlaufen ins Stadion aus offenbar unerfindlichen Gründen die Seitenauslinie, ihre Brust oder ihre Stirn; Trainer tragen wochenlang rätselhafte Glückskrawatten; Fans empfinden es als Unheil verheißendes Sakrileg, ihre Fan-Trikots während der Saison zu waschen. Fußballvereine machen religiöse Führer zu Vereinsmitgliedern, richten eigene Friedhöfe für Fans ein, oder sie bauen christliche Kapellen in das spirituelle Zentrum ihrer Stadien – genau unter dem Anstoßpunkt.

>> zum Beitrag von Barbara Meier und Arne Steinforth. Mehrere Medien berichteten darüber, u.a. Focus, Stern und die Sueddeutsche (siehe vollstaendiger Medienspiegel).

Doch sind die Ethnologen so viel besser als die Medien? Afrikanet.info hat in den vergangenen Tagen viel über das Afrikabild in den Medien geschrieben. Im Beitrag Selbstbilder vs Fremdbilder stellt Simon Inou das “Afrika der Ethnologen” (“Hier lernen wir wie primitiv AfrikanerInnen sind. Wie folkloristisch unsere Kultur und Kunst sind”) den Bildern mehrerer afrikanischer Zeitschriften (“signalisieren Aufbruch, zeigen ein neues und anderes Afrika“) gegenüber. Afrikanet.info gibt auch Tips: Wie Medienmacher korrekt über Afrika berichten können

Ein Klassiker zum Thema ist der Text How to Write about Africa von Binyavanga Wainaina (siehe deutsche Uebersetzung). Auf ethno::log wurde der Text einmal in einem Klischee-Check benutzt.

AKTUALISIERUNG 14.6.10 Leider fehlen konkrete Quellenangaben im Text der Ethnologen. Doch heute bittet die Märkische Allgemeine mit folgender Schlagzeile um unsere Aufmerksamkeit VÖLKERKUNDE: Ballmagie mit Talisman Ethnologen der FU Berlin über Zauberei und die Bedeutung des Fußballs für Afrika. Platz fuer Kritik ist, da, doch der Fokus ist und bleibt die Magie. Andere Beispiele: Hexenmeister in Afrika – Fußball von allen guten Geistern verlassen (Spiegel 8.6.2010). Fußball in Afrika
Rezension von Oliver G. Becker: “Voodoo im Strafraum” und Bartholomäus Grill: “Laduuuuuma!”
(Deutschlandradio 1.5.10), Voodoo in Afrikas Fußball „Mit Leichenwasser den Gegner schwächen“ (Focus 9.6.10)

Bei dialogtexte.de gibt es Informationen zu “Fußball als transkulturelles Phänomen und “Public Viewing als religiöses Fest”

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Man soll nicht sagen, Ethnologen würden sich nicht in aktuelle Debatten einbringen. Barbara Meier und Arne Steinforth von der Uni Münster nutzten die Fussball-WM, um einen Dauerbrenner im Fach öffentlich zu diskutieren: die exotisierende Darstellung Afrikas in den Medien. …

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Leipziger Ethnologiestudierende starten “Ethnoradio”

Seit letztem Jahr protestieren sie für bessere Studienbedingungen. Nun ist die Idee entstanden, produktiv mit der Situation umzugehen und den Protesten einen ethnologischen Blick zu verleihen – mittels eines Ethnoradios, meldet die flaschenpost, der ethnologische Blog der Uni Leipzig.

Auf http://weltempfaenger.wordpress.com/ lassen sich die Beitrage anhören zu Themen wie Griots – Dichter und Sänger Westafrikas oder Waskati – Selbstmordattentäter in Afghanistan.

Es gibt auch einen interessanten selbstkritischen Beitrag Warum Ethnologie im Radio. “Wir” ziehen in die Welt und schreiben ueber “die anderen”: Besteht da nicht die Gefahr des Ethnozentrismus?

Eine Berufskrankheit von Ethnologinnen ist das Exotisieren anderer Menschen, ausserdem das Ueberbetonen von “Kultur” und “Religion”, wie auch im Beitrag über Selbstmordbomber in Afghanistan deutlich wird. In den Erklärungen, die uns da geboten werden, ist kaum etwas vom Krieg in Afghanistan und der Rolle der USA zu hören, dafür viel über Ehre und Religion, traditionelle Konfliktlösung etc. Diese kulturalistischen Perspektiven hat Ethnologe Talal Asad in seinem Buch On suicide bombing kritisiert. Als Hörer frage ich mich ausserdem: Was sind die Quellen des Beitrages?

Andere (deutschsprachige) Radio-Projekte / Podcasts: ethnowelle und talking anthropology

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Seit letztem Jahr protestieren sie für bessere Studienbedingungen. Nun ist die Idee entstanden, produktiv mit der Situation umzugehen und den Protesten einen ethnologischen Blick zu verleihen - mittels eines Ethnoradios, meldet die flaschenpost, der ethnologische Blog der Uni Leipzig.

Auf…

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Weder Zeit noch Geld für Medienarbeit

Mehr Ethnologie in den Medien durch Pressekonferenzen, Newsletter oder ein eigenes Pressereferat? Ja sicher, doch für Öffentlichkeitsarbeit hat niemand Zeit: „Wer soll das machen? Wir kriechen ja ohnehin schon am Boden“, sagte Werner Zips, Professor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (KSA) in Wien bei den alljährlichen Tage der KSA, meldet der Blog Teilnehmende Medienbeobachtung.

Finanzielle Mittel, so Zips weiter, seien durch die „Krise des Wissenschaftsbetriebs“ nirgendswo herzubekommen. Ausserdem werde Medienarbeit nicht belohnt. In der Beurteilung der Arbeit von WissenschafterInnen spiele es keine Rolle, ob Wissenschaft an die Öffentlichkeit kommuniziert wird: Symbolisches Kapital erwerbe man nur über die Publikation in Fachjournalen. Das Institut selbst könne diesen Zeitaufwand nicht leisten. Die Initiative von Wissenschaftlern, Absolventinnen und Studierenden sei gefragt.

Valentine Auer, KSA-Studierende und Redakteurin der Zeitschrift Paradigmata (früher Die Maske) wiedersprach: „Die Studierenden können nicht alles machen!“ Auch sie würden bereits „am Boden kriechen“.

Dabei sind die Studierenden bereits sehr aktiv. Auf der Diskussion wurden auch diverse Medieninitiativen der Wiener vorgestellt: Der Blog Teilnehmende Medienbeobachtung, die neue Zeitschrift Paradigmata (hervorgegangen aus der Maske) sowie den Podcast Talking Anthropology.

>> mehr bei Teilnehmende Medienbeobachtung

>> Podcast zu den KSA-Tagen (leider ein unbearbeiteter Live-Bericht)

Uebrigens: Da es nun die Maske nicht mehr gibt, kann man nun fruehere Ausgaben gratis als pdf herunterladen. Vielleicht wird die neue Zeitschrift – Paradigmata – ja als Open Access Zeitschrift erscheinen und damit bessere Oeffentlichkeitsarbeit leisten als eine Papierzeitschrift?

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Populärethnologie von Christoph Antweiler: Heimat Mensch. Was uns alle verbindet

Looking back at 10 years Public Anthropology online

Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Nancy Scheper-Hughes: Public anthropology through collaboration with journalists

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“Discuss politics!” – How anthropologists in Indonesia engage with the public

More and more anthropologists, but they’re absent from public debates – “Engaging Anthropology” (1)

Blogging and Public Anthropology: When free speech costs a career

Envisioning a More Public Anthropology: An Interview with Fredrik Barth

Bildungsstreik: Seminar für Ethnologie in Halle besetzt

Rettungsaktion gestartet: Kulturanthropologie / Volkskunde an der Uni Bonn wird geschlossen?

Weiterhin Hungerlöhne an den Unis: Ethnologe fühlt sich ausgebeutet

Exzellenzinitiative bedroht Geisteswissenschaften

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Ethnologie und Militär: Der Protest hat genutzt

In der Kontroverse um ein Hauptseminar einer Bundeswehrethnologin über Angewandte Ethnologie und Militärin Tübingen hat man sich auf einen Kompromiss geeignet. Der pensionierte Tübinger Ethnologe und Pazifist Volker Harms wird “als Korrektiv” am Seminar mitwirken, meldet das Schwäbische Tagblatt.

“Ich bin immer dabei und bringe weitere alternative, konträre Literatur ein. Und bemühe mich, dass sie von den Seminarteilnehmern auch zur Kenntnis genommen wird. In den Diskussionen werde ich mich dann auch einbringen”, sagt der Ethnologe.

Das Blatt unterhält sich ausführlich mit Harms über ethische Fragen in der Ethnologie. Der Ethnologe kritisiert u.a. die schwammige Ethik-Erklärung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (siehe früherer Beitrag dazu, besonders im Kommentarfeld).

Selber kann er es nicht billigen, dass ein Ethnologe für die Bundeswehr arbeitet – “zumindest nicht mit solchen Aufgaben wie der, fremde Gesellschaften zu erforschen und dann dieses Wissen dem Militär zur Verfügung zu stellen, das per Definitionem dieses Wissen gegen diese Gesellschaft nutzen will”.

Er hätte Bundeswehr-Ethnologin Monika Lanik keinen Lehrauftrag über Angewandte Ethnologie und Militär erteilt – obwohl sie sich als langjaehrige Kollegen sehr gut kennen. “Ich hätte ihr gesagt, dass es hier Grenzen gibt. Ich hätte nicht das Thema ausgeschlagen, sondern sie nur für einen Vortrag im Rahmen eines weiter gefassten Ethik-Seminar eingeladen.“

>> weiter im Schwäbischen Tagblatt

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Bundeswehr-Werbung im Ethnologie-Seminar?

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"Ich bin…

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