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Neue Webseite zur Ethnologie im Nationalsozialismus

Wie uns Franka Winter im Forum mitteilt, haben die Ethnologen in Hamburg eine neue Webseite zur Ethnologie im Nationalsozialismus erstellt.

Auf der Startseite schreibt Cristian Alvarado:

Einsichten in die damalige Wissenschafts- und Gesellschaftspraxis können unseren Blick für heutige Verhältnisse, Möglichkeiten und Zwänge wissenschaftlicher Arbeit schulen. Angeleitet sind wir dabei von der Haltung, dass uns unsere Vergangenheit verpflichtet, an die Opfer zu erinnern – was eben auch bedeutet: jene Praktiken zu untersuchen, die Menschen im “Dritten Reich” zu Opfern sozialer Ausgrenzung machten, bis hin zu ihrer Ermordung.

Wir wollen dazu beitragen, den moralischen Imperativ Wehret den Anfängen wissenschaftlich und zivilgesellschaftlich zu unterstützen. Daher beschränkt sich das aufzubauende Forum thematisch nicht auf die Ethnologie als wissenschaftliche Disziplin oder auf die Zeit von 1933 bis 1945 allein. Beides trüge dazu bei, historische Kontinuitäten vor und nach dem “Dritten Reich” als auch disziplinäre Verflechtungen und Überschneidungen zu übersehen.

(…)

Wir wollen zur Erforschung des Themas beitragen und sind überzeugt davon, dass das Internet für die erste Orientierung und zur eigenständigen Einarbeitung in dieses Forschungsfeld dienen kann, gerade indem es auf vorliegende Arbeiten zum Thema “Ethnologie im Nationalsozialismus” und auf relevante Werke möglichst umfassend hinweist.

(…)

Wir wollen mit dem Internetforum einer auf den Elfenbeinturm begrenzten Reichweite wissenschaftlicher Erkenntnisse entgegenarbeiten, um die demokratische Gesellschaft gegen Ungleichheit und Ausgrenzung zu stärken und an die Opfer nationalsozialistischer Gesellschaft mahnend zu erinnern, damit deren Erfahrungen des Grauens nicht vergessen werden.

Da noch viele Aspekte der Ethnologie im Nationalsozialismus kaum bis gar nicht untersucht sind, werden Wissenschaftler und Studierende aufgefordert, sich am Forum Ethnologie im Nationalsozialismus zu beteiligen

>> zur Webseite “Forum Ethnologie im Nationalsozialismus”

Eine aehnliche Webseite haben die Wiener Ethnologen erstellt, siehe Themenschwerpunkt Völkerkunde und Nationalsozialismus

SIEHE AUCH:

Nackte Nagas, Nationalsozialismus und Ethnologie

Wie uns Franka Winter im Forum mitteilt, haben die Ethnologen in Hamburg eine neue Webseite zur Ethnologie im Nationalsozialismus erstellt.

Auf der Startseite schreibt Cristian Alvarado:

Einsichten in die damalige Wissenschafts- und Gesellschaftspraxis können unseren Blick für heutige Verhältnisse, Möglichkeiten und…

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Headbangen und Kühemelken – Kulturclash in Norddeutschland

Full Metal Village (Wacken)

Was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinanderprallen? Dieser Frage geht Sung-Hyung Cho im Film Full Metal Village nach. Sie studierte dabei nicht wie altmodische Forscher “Tuerken” und “Deutsche”, sondern Headbanger und Bauern: Was passiert wenn Horden von Metalfans ins das norddeutsche Nest Wacken einfallen? Wir lesen in der Filmbeschreibung:

Der kulturelle Unterschied zwischen den Bewohnern von Wacken und den aus der ganzen Welt angereisten Heavy Metal Fans kann bei oberflächlicher Betrachtung nicht größer sein. Hier Spitzenblusen, goldene Kruzifixe und dunkle Einreiher, da schwarze Lederhosen, Nietenhalsbänder, tätowierte Teufel und schulterlange Haare.

Einmal im Jahr, am ersten Wochenende im August, ist es in dem kleinen schleswig-holsteinischen Dorf Wacken vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit, die sonst das Leben in der 2000-Seelen-Gemeinde prägt, denn dann findet für drei Tage das Wacken Open Air Festival statt. Angefangen hat das alles vor 17 Jahren in einer Kuhle mit ein paar hundert “Headbangern”. In den darauffolgenden Jahren kamen ein paar Tausend. Jetzt ist das Wacken Open Air mit 40.000 Metallern aus aller Welt so etwas wie ein Wallfahrtsort geworden.

Doch die 40-jährige koreanische Filmemacherin, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt und hier studiert hat, hat sicher noch mehr “Kulturen” entdeckt, den die Eingeboren in Wacken sind alles andere als homogen. Hier hat es viel kulturell Komplexitaet. “Der Regisseurin Sung-Hyung Cho muss während der Recherche zum Film wohl klar geworden sein, dass eigentlich nichts schillernder, geheimnisvoller und exotischer ist als das vermeintlich schlichte Landleben”, schreibt der Spiegel.

Die Filmemacherin erzaehlt:

Oma Irmchen zum Beispiel mag das Festival nicht. Nicht, weil sie die Leute nicht ausstehen kann oder so, sondern weil sie religiös ist. Sehr, sehr religiös und streng gläubig. Das hat mit ihrer Biographie zu tun. Sie ist eine Flüchtlingstochter aus Ostpreußen. Sie hat einen langen und schwierigen Weg von Ostpreußen nach Schleswig-Holstein durchgemacht und hat unterwegs Tote gesehen und Tod erlebt. Sie ist überzeugt davon, dass der liebe Gott ihre Familie geschützt hat und deswegen ist sie sehr gläubig und deswegen ist sie gegen das Wacken Open Air. Das ist etwas Essentielles und etwas ganz Rührendes.

Auch wenn Bauer Trede die Geschäfte macht, ist das sehr essentiell. Als Bauer ist es nicht einfach zu überleben. Ohne Subventionen kommen die nicht klar. Daher guckt er immer nach anderen Möglichkeiten, seinen Hof weiterzuführen. So kam es auch zustande, dass er der Chef der Ordner wurde, die Felder verpachtet und so weiter. (…)

Das ist so ein kleines Dorf, da gibt es so wenige Alternativen für junge Leute und das Leben ist wirklich so schlicht und einfach. Da sucht sie nach Alternativen für ein anderes Leben, und das Festival mit Fremden aus aller Welt ist wie ein Rettungsanker. Das ist die weite Welt für sie und das ist wieder essentiell.

Interessant:

Die langhaarigen, schwarzbetuchten und eisenbehangenen Metal-Fans indes schweißen die Landbewohner eher zusammen, denn Widersprüche und Ungereimtheiten im dörflichen Miteinander werden durch sie zum Verstummen gebracht. Deshalb ist es nur konsequent, dass Sung-Hyung Cho in ihre Produktion, die als erste Dokumentation mit dem renommierten Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde, die Wackener die meiste Zeit unter sich zeigt, also vor dem großen Open-Air-Ansturm. Der Alltag fördert einfach mehr Wahrheiten zutage als der Ausnahmezustand einmal im Jahr.

>> zum SPIEGEL-Artikel: Teufelsanbeter im Paradies

>> Interview mit der Filmemacherin und Info zum Film auf wacken.com

SIEHE AUCH:

“Grüezi”: Die Exotik des Schweizer Alltags

“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

Alltagsforschung: “Hoppla, da steckt ja viel viel mehr dahinter”

https://www.youtube.com/watch?v=uZjNhF-HPsE

Was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinanderprallen? Dieser Frage geht Sung-Hyung Cho im Film Full Metal Village nach. Sie studierte dabei nicht wie altmodische Forscher "Tuerken" und "Deutsche", sondern Headbanger und Bauern: Was passiert wenn Horden von Metalfans ins das norddeutsche…

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Wie Samenspenden das Selbstbild von Männern verändern

Bis zu 100 000 Kinder sind Schätzungen zu Folge in Deutschland seit den 80er Jahren durch Spendersamen gezeugt worden. Ein Studienprojekt am Berliner Institut für Europäische Ethnologie wird untersuchen wie Samenspenden das Selbstbild von Männern verändern, Fragen nachgehen ob durch anonymen Fremdsamen gezeugte Personen das Recht haben, die Identität ihres genetischen Erzeugers kennen zu lernen. Und: Sind Ei- und Samenzellen gleich zu behandeln? Wie sollten sie gesellschaftlich bewertet werden: Als Ware, als natürliche Ressource – oder als ein Beziehungen stiftendes Geschenk?

>> weiter im Tagesspiegel(Link aktualisiert)

Bis zu 100 000 Kinder sind Schätzungen zu Folge in Deutschland seit den 80er Jahren durch Spendersamen gezeugt worden. Ein Studienprojekt am Berliner Institut für Europäische Ethnologie wird untersuchen wie Samenspenden das Selbstbild von Männern verändern, Fragen nachgehen ob durch…

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Ethnologen schulen Polizisten

Einwanderer – besonders Afrikaner – haben nicht unbedingt nur gute Erfahrungen mit der Polizei. “Stadtpolizei macht sich fit im Umgang mit Ausländern”, meldet das St.Galler Tagblatt. Fuer die Weiterbildung verantwortlich ist u.a. die Basler Ethnologin Lilo Roost Vischer, lesen wir:

Seit Lilo Roost Vischer vor einigen Jahren die Kantonspolizisten am Rheinknie für den Umgang mit afrikanischer Klientel sensibilisiert hat, klingelt bei ihr immer wieder das Telefon. Polizeikorps aus der ganzen Schweiz holen sich Wissen und Gelassenheit im Kontakt mit Ausländern bei ihr.

Entscheidend für den Umgang mit Ausländern ist: «Die Augen schärfen für das konkrete Gegenüber – aber Vorsicht mit Verallgemeinerungen», sagt sie.

>> weiter im St. Galler Tagblatt (Link aktualisiert)

SIEHE AUCH:

Immer mehr Ethnologinnen bei der Bundeswehr

Interview mit Verena Keck: “Ethnologen notwendig in der AIDS-Bekaempfung”

Ethnologen helfen westlichen IT-Firmen, den Zukunftsmarkt Asien zu verstehen

Einwanderer - besonders Afrikaner - haben nicht unbedingt nur gute Erfahrungen mit der Polizei. "Stadtpolizei macht sich fit im Umgang mit Ausländern", meldet das St.Galler Tagblatt. Fuer die Weiterbildung verantwortlich ist u.a. die Basler Ethnologin Lilo Roost Vischer, lesen wir:

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Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie?

Es ist erfreulich, dass Ethnologiestudierende in neuen Online-Initiativen unser Fach bekannter machen wollen. Doch welches Bild von Ethnologie und Gesellschaft vermitteln sie?

Bei der Lektuere von Ethnologik und Ethmundo kommen gelegentlich Fragen auf wie: Warum sind die “kulturell Fremden” immer nur Auslaender oder Schamanen in Sibirien und nicht auch weisse Konzernchefs oder protestantische Pfarrer? Wieso soll die Ethnologie nur die “westliche” Perspektive erweitern? Wie up-to-date ist ihr Ethnologie-Verstaendnis?

Warum z.B. werden Studien ueber Phaenomene in der Mehrheitsgesellschaft (oft ethnozentrisch als “eigene Gesellschaft” bezeichnet) immer noch als etwas Neues (und evtl Problematisches) dargestellt? Wieso kann man anno 2007 noch schreiben “Ethnien und deren Kultur sind bekanntermaßen der Forschungsschwerpunkt von Ethnologie-Studierenden”? Und wieso wird auf der neuen Webseite der AG Musikethnologie an der Uni Muenchen, folgende (ueberholte) Definition von Musikethnologie benutzt?

“Die Musikethnologie / Ethnomusicology beschäftigt sich mit Musik in fremden Kulturen. Die Musikethnologie wird definiert als “jene Wissenschaft, die die musikkulturalen Werte ethnischer Gruppen außerhalb oder in Bezug zur Kunstmusik untersucht…”

(siehe Diskussion auf ethno::log dazu).

Mechthild von Vacano hat einen schoenen Text geschrieben, in dem sie einen Ethnozentrismus in der Ethnologie aufzeigt, der leider zu wenig debattiert wird. Ihr Text “Ethnologie aus kritisch-weißer Perspektive” basiert auf einem Vortrag, den sie auf dem Ethnologischen Symposium der Studierenden 2006 “Wir und die anderen” gehalten hat.

Sie schreibt:

Die Ethnologie begreift sich nicht nur als Wissenschaft von dem „Anderen“, sondern traditionell damit gleichgesetzt als die Wissenschaft von außer-europäischen Gesellschaften oder in moderner Variation von (außer-europäischen) MigrantInnen oder Diaspora-Gruppen. Hier stellt sich die Frage: Was für ein Ethnologe oder was für eine Ethnologin wird mit dieser Selbstdefinition konstruiert? – ein(e) weiße(r).
(…)
Vor diesem Hintergrund möchte ich das Motto und Logo dieses Ethno-Symposiums problematisieren: Wer ist beim Motto „Wir und die anderen“ gemeint?

Eine solche Ethnologie leistet ihrem Fach (und der Gesellschaft) einen Baerendienst. Das Bild das wir von “den anderen” liefern ist einseitig und alles andere emisch “from the native’s point of view”.

Um diesen Mangel zu beseitigen muessen wir daher stets Weißsein als spezifische Daseinsform und soziale Praxis problematisieren (und untersuchen), schreibt sie.

Doch was ist (kritisches) Weißsein? Sollten wir nicht aufhoeren, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu definieren?

Mechthild von Vacano erklaert:

Die Nicht-Existenz von menschlichen biologischen „Rassen“ bedeutet keinesfalls, dass die biologistisch konstruierte Idee der „Rasse“ nicht bis heute gesellschaftliche Verhältnisse prägt: Auch wenn es keine „Rassen“ gibt, Rassimus gibt es sehr wohl. Vor diesem Hintergrund markiert weiß diejenige Machtposition, die von Rassimus (strukturell) profitiert.
(…)
Es geht um weiß als eine soziale Konstruktion, die sich auf rassierte Körperkonstruktionen, aber auch andere Merkmalkonstruktionen wie z.B. Name oder Akzent bezieht.

Es geht darum, Weissheit als Norm, als das “Normale” zu problematisieren. Warum sind “Schwarze” automatisch “die anderen”?

Eine weiße Position zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie „normalerweise“ keine explizit weiße Position, sondern unmarkiert ist. Schwarze Positionen hingegen werden ständig als das rassierte Andere thematisiert. So sind z.B. Opfer rassistischer Gewalt immer als Schwarz markiert, die TäterInnen jedoch nie als weiß.

Nicht nur gesellschaftlich ist weiß eine unmarkierte Position, vielmehr halten Weiße ihr Weißsein selbst für unsichtbar. Während Weiße mit aller Selbstverständlichkeit und wissenschaftlichen Legitimation „das Andere“ beobachten, reagieren sie mit empörter Verwunderung, wenn Schwarze Beobachtungen über Weiße anstellen, „da nur ein Subjekt beobachten kann“. Weiße Menschen beanspruchen diese Subjektposition als Teil ihres Selbstvertändnisses, während sie Schwarzen Personen die Objektposition der Beobachteten zuweisen. Schwarze Menschen als Subjekte passen nicht in ein solches weißes Weltbild und rufen bei Weißen Irritation und Abwehr hervor.

Mit der Nicht-Markierung funktioniert Weißsein im hegemonialen Diskurs als unbenannte Norm. Dabei wird Weißsein als Menschsein gesetzt. Die spezifisch weiße Position produziert sich als universelle Daseinsform, während das „Andere“ immer wieder das Partikulare darstellt. Weiße Menschen sind Menschen, während Schwarze Menschen Schwarze Menschen sind.

Sie bezieht sich hier auf ein Feld an Auseinandersetzungen, die akademisch unter dem Titel Kritische Weißseinsforschung bzw. Critical Whiteness geführt werden. “Dabei ist hervorzuheben, dass die kritische Auseinandersetzung mit der Kategorie weiß auf der Grundlage Schwarzer Kritik beruht”, so die Ethnologin.

Ihr Text ist zu finden im Reader Reader – Ethno-Symposium 2006 auf Seite 80. Eine kuerzere Version hat sie bereits Ende November auf Ethmundo veroeffentlicht.

Urmila Goel hat viel zu diesem Thema auf ihrem Blog anders deutsch geschrieben. U.a. meint sie , dass die biologistische Kategorisierung von Menschen in ‘Rassen’ sich in anderen Begriffen wiederfindet, z.B. wie ‘Kultur’ oder ‘Ethnie’. “Es bedarf also weiterer Anstrengungen, Rassismus zu bekämpfen”, schreibt sie. Zu diesem Thema ist auf anders deutsch auch das Paper ‘Andere Deutsche’ – Strategien des Umgangs mit Rassismuserfahrungen” von Mareile Paske zu finden (siehe auch Urmila Goels Publikationen).

Sehr informativ ist der Wikipedia-Eintrag ueber Weiss-Sein.

Weniger Ethnozentrismus und eine globalere Ethnologie ist ein wichtiges Ziel des World Anthropologies Network.

FRUEHER DAZU AUF ANTROPOLOGI.INFO:

Thesis: “Unlearning White Superiority. Consciousness-raising on an online Rastafari Reasoning Forum”

Fieldwork in Papua New Guinea: Who are the exotic others?

Was ist Ethnologie? Eine schöne Definition

Der zweifelhafte Einfluss der Ethnologie

In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in der Ethnologie

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

“Leben wie in der Steinzeit” – So verbreiten Ethnologen Vorurteile

For an Anthropology of Cosmopolitanism

Es ist erfreulich, dass Ethnologiestudierende in neuen Online-Initiativen unser Fach bekannter machen wollen. Doch welches Bild von Ethnologie und Gesellschaft vermitteln sie?

Bei der Lektuere von Ethnologik und Ethmundo kommen gelegentlich Fragen auf wie: Warum sind die "kulturell Fremden" immer…

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