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Ethnologe: “Ethnien und Religion sind keine Kriegsursachen”

“Kulturelle Verschiedenheit korreliert nicht mit der Konflikthäufigkeit”, erklärt Günther Schlee, Direktor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle an der Saale, in einem langen Interview mit der Sueddeutschen.

Wir finden wir häufig Konflikte gerade zwischen kulturell besonders ähnlichen Gruppen, sagt er. Als grobe Faustregel koenne man sagen: Zwischen Menschen mit völlig unterschiedlichen Kulturen ist die Konfliktwahrscheinlichkeit geringer.

Konflikte hätten häufig eine ethnische oder religiöse Ausdrucksform. Aber die eigentlichen Konflikt- oder Kriegsursachen haben damit sehr wenig zu tun. Die eigentlichen Konfliktursachen seien oft der Zugang zu materiellen Ressourcen sein, Macht etc. Als sich einander ausschließende Einheiten wurden die ethnischen Gruppen aber erst im Konflikt erschaffen. Die ethnische Zugehörigkeit war nur ein wichtiges Mobilisierungselement für bestimmte Akteursgruppen, die den Konflikt wollten.

>> zum Inteview in der Sueddeutschen

Auf der Webseite des Department Integration and Conflict des Max Planck Instituts gibt es auch zwei Radioprogramme zum Herunterladen, u.a. “Soziale Konstruktion von Feindschaft” (mp3)

SIEHE AUCH:

Einwanderung, Stadtentwicklung und die Produktion von “Kulturkonflikten”

Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Cameroon: “Ethnic conflicts are social conflicts”

Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

Conflict Resolution and Anthropology: Why more scholarship on violence than on peace?

"Kulturelle Verschiedenheit korreliert nicht mit der Konflikthäufigkeit", erklärt Günther Schlee, Direktor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle an der Saale, in einem langen Interview mit der Sueddeutschen.

Wir finden wir häufig Konflikte gerade zwischen kulturell besonders ähnlichen Gruppen, sagt…

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Telepolis über Ethnologen im Irak-Krieg: “Sollten lieber das Militär studieren”

Eines der heissesten Themen in der Ethnologie ist die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten und dem Militaer im Terrorkrieg der Bush-Administration. Kuerzlich wurde das Network of Concerned Anthropologists gegruendet, wenige Tage spaeter landete das Thema auf der Titelseite der New York Times.

Nun hat sich Telepolis dem Thema angenommen. “Amerikas Militärführung entdeckt die Ethnologie – möglicherweise von der falschen Seite her”, schreibt Peter Mühlbauer:

Während über die Zusammenarbeit von Militär und Ethnologie bereits zahlreiche Fachaufsätze veröffentlicht wurden, klafft bezüglich der soldatischen Subkulturen im amerikanischen Militär eine auffällige Lücke – was möglicherweise auch mit der Genehmigungsfreudigkeit der Militärbehörden für die Durchführung solcher Studien zu tun hat.

Dabei könnte es für ein US-Militär, dessen in West Point ausgebildete “Elite” ihre ethnologischen Kurse als “nuts in huts” bezeichnet, mindestens ebenso notwendig sein, über Studien zu kulturellen Besonderheiten und Mechanismen innerhalb des US-Militärs zu verfügen, als nur über die von Militäraktionen betroffenen Gruppen. In der Ethnologie existiert solch ein “studying-up” genanntes Untersuchen von Eliten bereits seit längerer Zeit – mit durchaus interessanten Ergebnissen, etwa über das Giri-Konzept bei japanischen Geschäftsleuten.

(…)

Dass Abu Ghraib ein Skandal wurde, deutet (ebenso wie die Tatsache, dass keine Massenvernichtungswaffen “gefunden” wurden) zum einen darauf hin, das die USA noch kein totalitäres System sind. Es deutet aber auch darauf hin, dass es beim amerikanischen Militär Subkulturen gibt, deren Werte diametral entgegengesetzt zu denen sind, welche die amerikanische Nation als Wunschbild von sich selbst hegt.

>> weiter bei Telepolis

Diese Meinung vertritt auch Hugh Gusterson in seinem Paper Anthropology and Militarism im Annual Review of Anthropology 2007 (mehr dazu im Laufe der Woche)

Mehr Beitraege auf antropologi.info zum Thema Ethnologie und Militaer (eine Auswahl):

The dangerous militarisation of anthropology

Anthropologists at war: “No wonder that anthropology is banished from universities in the ‘decolonized’ world”

Anthropology and CIA: “We need more awareness of the political nature and uses of our work”

Oppose participation in counter-insurgency! Network of Concerned Anthropologists launched

Zwei Tage im Leben der Bundeswehr Ethnologin Barbara Mück

“War on terror”: CIA sponsers anthropologists to gather sensitive information

Protests against British research council: “Recruits anthropologists for spying on muslims”

Bush, “war of terror” and the erosion of free academic speech: Challenges for anthropology

Embedded anthropology? Anthropologist studies Canadian soldiers in the field

Secret rituals: Folklorist studied the military as an occupational folk group

Eines der heissesten Themen in der Ethnologie ist die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten und dem Militaer im Terrorkrieg der Bush-Administration. Kuerzlich wurde das Network of Concerned Anthropologists gegruendet, wenige Tage spaeter landete das Thema auf der Titelseite der New York Times.…

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Ethnologin: “Schlagstöcke gegen Mönche ist für Burmesen zutiefst schockierend”

Wenn das burmesischen Militär auf Mönche einknueppelt, ist das eine in Burma extreme Vorgehensweise. Denn dass einem Mönch mit einem Stock über den Kopf geschlagen wird, sei eine Unvorstellbarkeit für Buddhisten, sagt die Berliner Ethnologin Miriam Kapp , lesen wir auf OÖNachrichten.

Mönche würden niemals infrage gestellt und schon ein Bild, das eine Schürfwunde auf dem Kopf eines Robenträgers zeige, löse Entsetzen in der Bevölkerung aus. “Es ist eine sehr symbiotische Beziehung zwischen den Familien und den Mönchen. Idealerweise sollte auch die Beziehung zum Staatsoberhaupt eine solche sein, aber sie wurde durch das Verhalten der Militärs zerstört”, sagte Kapp. Die Junta hätte alles versucht, die traditionell autonomen Klöster unter ihre Kontrolle zu bringen.

>> zum Bericht in den OÖNachrichten

Die Mönche halten demonstrativ Reisschüsseln halten – mit der Öffnung zu Boden gekehrt. Das ist in dem buddhistischen Land ein starkes Symbol: Die Mönche zeigen so, dass ihnen das (Seelen)Heil der Generäle nicht mehr wichtig ist. “Die Mönche aber zeigen, dass sie von der Regierung nichts mehr annehmen wollen. Und das gilt als eine harte Strafe.”, sagte die Ethnologin zwei Tage zuvor zur “Presse”. In der buddhistischen Tradition ist es nämlich alltäglich, Spenden, etwa Essen, in Schalen von Mönchen zu geben, wodurch sich der Spender Vorteile für sein Karma erhofft.

>> zum Bericht in der Presse

>> Burma-Spezial im Standard

Derzeit ist eine internationale Kampagne gestartet worden. Alle werden aufgefordert, sich am morgigen Freitag in Rot zu kleiden, siehe dazu mein Beitrag (auch mit mehr Info zu Burma) Wear red shirts on friday – Anthropologists on the protests in Burma?

Wenn das burmesischen Militär auf Mönche einknueppelt, ist das eine in Burma extreme Vorgehensweise. Denn dass einem Mönch mit einem Stock über den Kopf geschlagen wird, sei eine Unvorstellbarkeit für Buddhisten, sagt die Berliner Ethnologin Miriam Kapp , lesen wir…

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Orywal zu Moschee-Neubau: “Verantwortliche, nehmt Bedenken ernster”

Obwohl in Deutschland Religionsfreiheit herrscht, loest ein Moschee-Neubau hitzige Diskussionen aus. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger ueber die geplante neue Moschee in Köln, fordert Ethnologe Erwin Orywal die Verantwortlichen auf, die Einwaende der Koelner Bevoelkerung ernster zu nehmen. Den Betroffenen würden fertige Baupläne serviert, auf die sie keinen Einfluss nehmen könnten, kritisiert er.

Er sagt, die Debatte drehe sich um viele praktische Probleme, die nicht nur mit Religion zu tun haben:

Die Gründe für eine Ablehnung sind übrigens über die Jahre immer die gleichen geblieben: der Ruf des Muezzins, Parkplatzprobleme, Verkehrsbehinderungen durch die vielen Besucher des Freitagsgebets.

Allerdings verbegen sich hinter der Sorge um genügend Parkplätze auch Ängste vor dem Islam, die von den “fast täglichen Nachrichten und Bilder von Gewalttaten radikaler Muslime” geschuert werden, raeumt er ein.

>> zum Interview im Kölner Stadtanzeiger

In der faz hat sich Ethnologe (und Soziologe) Wolf-Dietrich Bukow geaeussert. Der Streit über die Moschee hat ihn überrascht. „Woher kommt die Angst?“ Man kenne sich doch eigentlich, sagt er. Mittlerweile hat er zwei Erklärungen gefunden, lesen wir:

Die eine beruht auf dem, was er die „politische Großwetterlage“ nennt. Sie schüre eine Angst vor der Religion, die wenig mit dem Islam zu tun habe, der bei der Ditib praktiziert werde. „Das ist ein Zeichen von Globalisierung. Wir machen uns heute zu Hause Sorgen, wenn am anderen Ende der Welt etwas Schreckliches passiert.“

Bukows zweite Erklärung beruht auf einer falschen Zuwanderungspolitik in der Vergangenheit: „Man hat unterschichtet. Hätte man nicht nur Arbeiter, sondern auch Akademiker aus der Türkei einwandern lassen, hätten wir das Problem heute nicht.“ Immer wenn sich Migration mit einer bestimmten Gesellschaftsschicht verbinde, werde es schwierig, denn dann greife die alte Schichtenlogik: „Den Migranten wird nur die Rolle der kleinen Leute zuerkannt, der Aufstieg wird ihnen verwehrt.“ Der Bau eines Gotteshauses, der für das (Klein-)Bürgertum stehe, passe deshalb nicht ins Bild.

>> weiter in der faz: “Moscheebau: Die Angst vor dem Nachbarn”

Eine umfassende Sammlung von Kommentaren zum Moscheebau gibt es beim Too Much Cookies Network von Omar Abo-Namous.

SIEHE AUCH:

Ethnologe schreibt Migrationsgeschichte – Interview mit Erwin Orywal

Schiffauer zu Integration: “Die Deutschen haben Schuld”

Neue Studie: Islamisches Gemeindeleben in Berlin

Hauschild: “Wir müssen begreifen, was es heißt, als Muslim im Westen zu leben”

Schiffauer: “Öffnung gegenüber dem Islam nicht der Terrorismusbekämpfung unterordnen”

Obwohl in Deutschland Religionsfreiheit herrscht, loest ein Moschee-Neubau hitzige Diskussionen aus. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger ueber die geplante neue Moschee in Köln, fordert Ethnologe Erwin Orywal die Verantwortlichen auf, die Einwaende der Koelner Bevoelkerung ernster zu nehmen.…

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Ethnologin: Was Kampfhunde mit Klassenkampf zu tun haben

In der Schweiz wird ein landesweites Verbot von Pitbulls diskutiert. Swissinfo hat deshalb zwei Ethnologen zum Verhaeltnis zwischen Mensch und Hund befragt. Jacqueline Milliet sagt u.a. dass das Halten von Kampfhunden “eine Fortführung des Klassenkampfs mit anderen Mitteln” sei: “Es handelt es sich um ein äusserliches Zeichen von Gewalt-Status, ähnlich wie die Vierrad-angetriebenen Gelände-Wagen.

Sie hat selber nicht Hundehalter studiert, nimmt jedoch an, dass das Halten “solcher äusserlicher Kraftsymbole” eine Reaktion auf das Verhalten der privilegierten Klassen sei, die sich zum Beispiel 4X4-Statusfahrzeuge zulegten. Letztes Jahr seien Pitbulls zum Accessoire der Vorstadtjugend in den vernachlässigten Banlieues avanciert. >> zum Artikel bei Swissinfo

In der Schweiz wird ein landesweites Verbot von Pitbulls diskutiert. Swissinfo hat deshalb zwei Ethnologen zum Verhaeltnis zwischen Mensch und Hund befragt. Jacqueline Milliet sagt u.a. dass das Halten von Kampfhunden "eine Fortführung des Klassenkampfs mit anderen Mitteln" sei: "Es…

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