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Islamophobie in Österreich – “ein längst überfälliges Werk”

Trotz zunehmender Islamophobie scheint das Thema immer noch nicht richtig aufgearbeitet zu sein. Nun haben sich Kultur- und Sozialanthropologen, Theologen, Kommunikations-, Politik-, Rechtswissenschaft und Islamwissenschaftler zusammengetan und einen Sammelband zur Islamophobie in Österreich herausgegeben. “Ein längst überfälliges Werk”, schreibt das Onlinemagazin Kismet.

Laut Kismet-Autor Ferdinand Lughofer zeigt das Buch vor allem, dass das Phänomen der Islamophobie nicht nur aus der rechten Feder kommt:

Wenn also darüber diskutiert werden soll, wie verhindert werden soll, dass die neuen JungwählerInnen zur FPÖ überlaufen, dann ist sich nicht nur die Frage zu stellen, was die islamophoben Werbesprüche wie “Daham statt Islam” und “Abendland in Christenhand” dazu beitragen, sondern auch, inwieweit nicht Medien und Schulbücher zur Islamophobie einen Beitrag leisten.

>> weiter in Kismet

Die Zeitschrift Die Furche interviewt Politikwissenschaftler Farid Hafez, der das Buch zusammen mit John Bunzl herausgegeben hat. Hafez lokalisiert ein Hauptproblem im Nationsverständnis in Österreich, Deutschland und der Schweiz, das sich stark von Großbritannien oder den USA unterscheidet. Es sei ausgrenzend:

Die Österreicher sind in der Mehrheit der Fälle weiß, hellhäutig, katholisch oder zumindest christlich. Die Selbstverständlichkeit, einen Muslim als Österreicher zu sehen, ist in der Gesellschaft nicht wirklich vorhanden. Der Muslim ist der Ausländer. Auch wenn es um Konvertierte geht oder um Muslime der zweiten und dritten Generation. Man sieht das im Bild der Öffentlichkeit. Es ist immer noch undenkbar in Österreich eine Nachrichtensprecherin zu haben, die Kopftuch trägt, oder einen Nachrichtensprecher, der Mustafa heißt.

In Großbritannien zum Beispiel wird man schon bei der Ankunft in Heathrow von einem Sikh, einer jungen Frau mit Kopftuch oder einem pakistanischen jungen Mann mit drei Meter langem Bart begrüßt und kontrolliert. Um diese Sichtbarkeit, die diese jungen Menschen dort in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Dienst haben, ist bei uns einfach nicht vorhanden.

>> weiter in der Furche

Das Buch hat – und das unterstreicht ja genau einer der Hauptaussagen der Herausgeber – bisher zu keiner grossen Medienresonanz geführt. Eine Runde Googlen gab jedenfalls keinen einzigen Treffer bei Tageszeitungen.

Das erinnert an den Fall Marwa el-Sherbini. Die Hijab-tragende Apothekerin ist am 1. Juli 2009 Opfer von Islamophobie geworden. In einem Gerichtssal in Dresden war sie mit mindestens 18 Messerstichen ermordert worden. Mehr noch als die Tat war das Schweigen der Medien ein Ausdruck von Haltungen, die mehr studiert werden müssen. Dazu hat Silvia Horsch auf nafisa.de eine interessante Medienanalyse geschrieben, siehe Der Mord an Marwa el-Sherbini – Verschleierungen und Versäumnisse. Einen ausgezichneten Nachrichenüberlick gibt es auch auf musafira.de, u.a. Nachrichtenupdate zum Mord an Marwa el-Sherbiny Nr.4 sowie auf Omar Abo-Namous’ Too Much Cookies Network, u.a. Mord an Marwa El-Sherbini: Migranten sind schuld?. Die Zeit schreibt mittlerweile, dass der Mord die Stadt Dresden zu verändern beginnt, siehe Die Stille nach dem Schuss. Und der Tagesspiegel berichtet Dresden plant Ehrung für tote Marwa.

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Neue Ethnologie-Blogübersicht (Blogroll) online

Nach etwa zwei Monaten Unterbrechung ist die Uebersicht über deutschsprachige Ethnologie-Blogs und anderen relevanten Blogs und Webseiten nun wieder online. Nach einem Server-Upgrade funktionierte das Script nicht mehr. Die neue Version hat mehr Features: Neue Beiträge werden mit “Neu” in rot gekennzeichnet. Bewegt man die Maus über die Ueberschrift, kann man einen Auszug des Blogbeitrags lesen.

Ich hoffe ich habe keine Blogs vergessen, ansonsten hier einfach einen Kommentar hinterlassen.

Hier ist die neue Uebersicht http://www.antropologi.info/blog/index-de.php

Und hier ist die Uebersicht über die englischsprachigen Blogs http://www.antropologi.info/blog/

Nach etwa zwei Monaten Unterbrechung ist die Uebersicht über deutschsprachige Ethnologie-Blogs und anderen relevanten Blogs und Webseiten nun wieder online. Nach einem Server-Upgrade funktionierte das Script nicht mehr. Die neue Version hat mehr Features: Neue Beiträge werden mit "Neu" in…

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Petition lanciert – Ethnologie in Heidelberg vor dem Aus?

Ethnologen kämpfen um ihre Bibliothek“, meldet die Rhein Neckar Zeitung. Denn die Fachbibliothek am Institut für Ethnologie in Heidelberg soll geschlossen werden. Die Bücher sollen Teil des Bestandes der Universitaetsbibliothek (UB ) werden.

Das Institut für Ethnologie, so der Eindruck vieler Studierender der Zeitung zufolge, fällt allmählich auseinander. Denn nicht nur soll ihre Bibliothek verschwinden. Die räumliche Zukunft des Instituts ist auch ungeklärt. Das Institut soll der Expansion der UB weichen.

Die Fachschaft Ethnologie Heidelberg ist nun dabei, mittels Online-Petition Unterschriften für den Erhalt der Bibliothek zu sammeln: “Die Bibliothek ist der Mittelpunkt unseres Instituts”, sagt Stefanie Aznan zur Rhein-Neckar Zeitung. “Studenten und Dozenten treffen sich hier, ältere Studenten können den Erstsemestern helfen.” Die fachspezifische Betreuung ginge in der UB verloren. Ebenso sei die thematische und regionale Aufstellung der Bücher wichtig.

Eine eigene Bibliothek sei auch wichtig, da beliebte Bücher in der UB wegen häufiger Vormerkungen schon mal drei Monate blockiert sind. “Wie soll denn ein Bachelorstudent, der alles in sechs Semester durchziehen muss, da rechtzeitig seine Hausarbeiten schreiben können?”, fragt Fachschaftsvertreterin Michaela Meurer.
>> weiter in der Rhein Neckar Zeitung

351 Unterschriften sind bereits zusammengekommen und viele haben noch Kommentare dazugeschrieben.

Chris Freihaut schreibt:

ich studiere ethnologie in köln und arbeite als shk in der bibliothek. die vorstellung, dass unsere institutsbibliothek das gleiche schicksal ereilen könnte, ist… ich mag gar nicht dran denken. unser institut ist durch die bib zentraler anlaufpunkt für die studierenden, was ich aus anderen fächern so nicht kenne und an der kölner ethnologie sehr schätze! ich drücke euch die daumen, dass ihr eure bib behalten dürft!

Barbara Hertel kommentiert:

Als ehemalige Studentin der Ethnologie und als Fachangestellte für Medien-und Informationsdienste kann ich das Anliegen der Studierenden nur unterstützen. Eine Institutsbibliothek ist die geistige Heimat für Studierende eines Faches. Die thematische Aufstellung ermöglicht es auch einnal rechts oder links des eigenen Arbeitsthemas zu schauen und sich inspirieren zu lassen. Darüber hinaus trifft man Kommilitonen zur Diskussion und erfährt häufig generell, was am Institut so läuft. Eine Eingliederung in die UB würde zu einer Anonymisierung führen, in der die sogenannten Orchideenfächer nur noch eine Randexistenz führen dürften, mit Etatkürzungen und -verschiebungen ist in diesen Fällen in der Regel zu rechnen. Alles in allem eine nicht erstrebenwerte und zukunftsorientierte Entwicklung, da im Zuge der enger zusammenrückenden Welt, die Ethnologie und diejenigen die sie betreiben immer wichtiger werden.

>> zur Petition

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Konflikt in Nigeria “keine rein islamische Krise”

Hunderte von Toten forderten Gefechte im Norden Nigerias. In einem leider etwas kurz geratenen Interview mit dem Standard sagt der nigerianische Kulturanthropologe Aderemi Ajala, dass es bei dem Konflikt mehr um Geld als Religion handelt:

Auf die Frage des Standards ob es nicht um eine weitere Islamisierung gine, Boko Haram kämpfe ja gegen westliche Bildung, sagt er:

Bitte, die westliche Bildung wurde ja schon vor langer Zeit eingeführt! Warum ist das plötzlich ein Thema? Überhaupt sind die Islamisten selbst sehr westlich, fahren Autos und haben westliche Waffen. Im Norden Nigerias sind zudem die Gouverneure selbst Muslime. Die Scharia gibt es dort schon seit den 1980ern. Die haben ja bereits, was sie wollen. Ich denke also nicht, dass dieser Konflikt jetzt eine rein “islamische” Krise ist. Die verwenden die Religion, um ihren Protest auszudrücken. Das, was die Teilstaaten haben, ist Bargeld. Und die Islamisten wollen quasi an die Regierung, indem sie auf sie Druck ausüben.

>> zum Interview im Standard

Der Standard hat diverse Links zum Thema, ansonsten siehe auch Hintergrundartikel bei der BBC. Bei Savage Minds gibt es auch einen Text zu Anthropology in Nigeria

Hunderte von Toten forderten Gefechte im Norden Nigerias. In einem leider etwas kurz geratenen Interview mit dem Standard sagt der nigerianische Kulturanthropologe Aderemi Ajala, dass es bei dem Konflikt mehr um Geld als Religion handelt:

Auf die Frage des Standards ob…

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Homosexualität: “Fussball so konservativ wie die Feuerwehr”

Schwulsein und Fussballspielen gelten weiterhin als miteinander unvereinbar, sagt Europäische Ethnologin Tatjana Eggeling in einem Interview in der Jungen Welt. Fussball sei so konservativ wie die Feuerwehr.

Eggeling forscht seit mehreren Jahren über Homosexualität im Sport. Seit kurzem berät sie auch schwule Profifußballer.

Sie sagt u.a.

Selbstverständlich gibt es schwule Profifußballer. Doch sie haben über Jahre erfahren, daß Schwulsein und Fußballspielen gemeinhin als unvereinbar miteinander gelten. Diese Ansicht teilen viele Spieler, Funktionäre, Trainer und Fans im Fußball. Einige Spieler finden die Vorstellung, es gäbe in ihrem Team Schwule, vollkommen absurd. Das wissen und spüren auch die Betroffenen, selbst wenn gar nicht darüber gesprochen wird. Sie halten also ihre Homosexualität sorgsam verborgen.

Homophobie gibt es in allen Bereichen des Fußballs, nicht nur unter den Fans, sondern auch unter Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten, Vereinsfunktionären und Schiedsrichtern. Sie alle sind mit denselben im Fußball herrschenden Werten und Vorstellungen groß geworden und bisher wenig dazu herausgefordert worden, diese zu hinterfragen.

Angeführt von seinem Präsidenten Theo Zwanziger finde jedoch im DFB seit einiger Zeit ein Umdenken statt und die Offenheit gegenüber Minderheiten sei gestiegen:

Man hat dort erkannt, daß schwule Spieler wegen ihrer sexuellen Orientierung genauso wenig diskriminiert werden dürfen wie nichtweiße Spieler wegen ihrer Hautfarbe. Der DFB will gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Integrationskraft des Fußballs bekräftigen.

>> zum interview in der Jungen Welt

Eggeling hat habilitiert über “Homosexualität im Sport”

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Eggeling forscht seit mehreren Jahren über Homosexualität im Sport. Seit kurzem berät sie…

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