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“Männlichkeit im Fussball ist eine echte Forschungslücke”

“Ich glaube nicht, dass Fußball ohne Männlichkeitskult und den Ausschluss von Weiblichkeit möglich ist”, sagt Ethnologin Almut Sülzle in einem Interview mit den Standard.

Drei Jahre lang ist Almut Sülzle in Fussballstadien auf Feldforschung gegangen. Sie steht kurz vor Abschluss ihrer Dissertation an der Universität Marburg zum Thema „Fussball und Männlichkeit“. “Männlichkeit im Fussball ist eine echte Forschungslücke”, meint sie – trotz einer seit Jahren boomenden sozialwissenschaftlichen Forschung zum Thema Fussball. “Die Forscher sind eben selbst Männer und Fussballfans.”

Feltarbeit im Stadion ist faszinierend, sagt sie – nicht zuletzt auch weil sich im Stadion alle Schichten, vom Manager bis zum Arbeitslosen, finden. Die gesellschaftlichen Schranken werden dort teilweise aufgehoben. Und es gibt jede Menge weibliche Fussballfans. Die Ethnologin ist zum Fan von Fussballfankulturen geworden:

Weibliche Fußballfans genießen es, nicht auf die Rolle der Frau festgeschrieben zu sein. Sie können vieles ausprobieren, was für Männer reserviert ist. Im Stadion darf eine Frau auch einmal wüst schreien und fluchen. Alles, was rosa und zickig ist, hat im Stadion nichts verloren. Was mich fasziniert, ist der Zusammenhalt unter den Frauen und der ironische Umgang mit Sexismus. Frauenfanklubs nennen sich „Titten auswärts“ oder „Hooligänse“.

>> zum Interview im Standard

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"Ich glaube nicht, dass Fußball ohne Männlichkeitskult und den Ausschluss von Weiblichkeit möglich ist", sagt Ethnologin Almut Sülzle in einem Interview mit den Standard.

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Ethnologin Shalini Randeria zum Kastensystem und Hindunationalismus

Welche Rolle spielt das Kastensystem in Indien? Erleben anti-muslimische hindunationalistische Strömungen einen Aufwind? Ethnologin Shalini Randeria steht in einem Interview mit dem Magazin Chilli.cc (Teil eines Schwerpunktes Hindunationalismus) Rede und Antwort.

Den Sieg der Hindunationalisten in Gujarat sei besorgniserregend:

Denn Narendra Modi, der als Ministerpräsident bestätigt wurde, war derjenige, dessen Regierung 2002 für die Pogrome gegen die Muslime verantwortlich war. Anstatt die Politik der Gewalt gegen religiöse Minderheiten zu bestrafen, wurde diese Regierung zum zweiten mal wieder gewählt.

Der Wahlsieg kann jedoch mehr mit Wirtschaftspolitik als Religion zu tun haben:

Dieser Wahlsieg aber soll als Reaktion der Wähler auf die erfolgreiche neoliberale Wirtschaftspolitik der Landesregierung gewertet werden. Gujarat hat ein sehr hohes Wirtschaftswachstum, die Privatwirtschaft floriert, ausländische Investitionen fließen ins Bundesland und schaffen Arbeitsplätze. Mittelschichten profitieren von diesen Entwicklungen. Eine neoliberale Wirtschaftspolitik ist also sehr gut mit der hindunationalen Politik vereinbar.

Die Rolle des Kastensystems ist komplex. Auf der einen Seite ist die Bevorzugung oder Diskriminierung aufgrund der Kasten-Zugehörigkeit strafbar. Andererseits spielt Kastenzugehoerigkeit bei Heiraten und im Wahlkampf eine Rolle, erzaehlt sie.

>> zum Interview auch Chilli.cc

Shalini Randeria, die derzeit am Ethnologischen Seminar der Uni Zürich lehrt und forscht, wurde vor knapp drei Jahren in der ZEIT interviewt – und zwar zur Frage, ob eine Frau als deutsche Kanzlerin einen Fortschritt bedeutet:

Als Inderin wundere ich mich über die Aufregung, die eine weibliche Kanzlerschaft in Deutschland verursacht. In Südasien werden seit 35 Jahren Frauen in fast jedem Land in politische Spitzenämter gewählt. Daran, dass Frauen das dürfen und können, gab es nie Zweifel. Nur haben diese Regierungschefinnen weder eine andere Frauenpolitik gemacht noch der strukturellen Benachteiligung von Frauen entgegengewirkt. Insofern ist die Wahl einer Frau nur von symbolischer Bedeutung.

>> Asien ist längst weiter: Interview mit Shalini Randeria in der ZEIT

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Wieso immer noch Kasten in Indien?

Chronicles Women’s Social Movements in India

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Den Sieg der Hindunationalisten in Gujarat sei besorgniserregend:

Denn…

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Eine legendärer Ethnologe verabschiedet sich

Der Schweizer Ethnologe Michael Oppitz verabschiedet sich aus dem Lehrbetrieb. “Michael Oppitz ist eine legendäre Figur”, schreibt sein frueherer Student David Signer in der Weltwoche.

Oppitz, “einer der wenigen Geisteswissenschaftler in der Schweiz mit internationaler Strahlkraft”, lebte als Forscher in Kathmandu, Paris, London, New York, Los Angeles, Berkeley, Berlin, bis er 1991 in Zürich Professor und Direktor des Völkerkundemuseums wurde.

Seine Laufbahn ist sehr interessant. Dem akademischen Betrieb ist er so lange als möglich ferngeblieben. “Den freien Intellektuellen findet man heute ausserhalb der Universität”, meint er.

1984 kehrte er nach vielen Jahren im nepalesischen Hochland als 42jaehriger nach Europa zurück. Bei den nördlichen Magar in Nepal hatte er eine Gesellschaft gefunden, das seiner anarchistischen Neigung entsprach. Zurueck in Europa “tingelte er als Freelancer um die Welt, ein Stipendium da, eine Gastprofessur dort.”

«Meine Mutter fürchtete, ich würde verarmen, Freunde rieten mir dringend, unter die Haube zu kommen.» Er selber machte sich keine Sorgen. Obwohl ein Spezialist für Lokalkulturen, kommt er selber ohne viel Verwurzelung aus. Heimat? «Es ist mir egal, welchen Pass ich habe. Hauptsache, ich komme damit durch.»

Eine Professur in Mainz schlug er im letzten Moment aus – «so wie man seine Teilnahme an einer Party absagt» –, was ihm einige Feinde mehr bescherte. Schliesslich landete er in Zürich, wo er bei der Antrittsvorlesung einen Heilgesang vortrug und dabei auf das Kathederpult schlug, als wär’s eine Schamanentrommel.

>> mehr in der Weltwoche (Link aktualisiert)

Nun ist im Völkerkundemuseum Zürich seine Abschiedsausstellung zu sehen: Fotos aus seinem reichen Fundus über die Magar-Schamanen sowie eine umfassende Sammlung von Schamanentrommeln, siehe früherer Bericht Ethnologe Michael Oppitz: “Auf die Uni zu gehen ist Zeitverschwendung”.

Auf podcast.de kann man sich ein DRS Radio-Interview mit Oppitz anhören

Der Schweizer Ethnologe Michael Oppitz verabschiedet sich aus dem Lehrbetrieb. "Michael Oppitz ist eine legendäre Figur", schreibt sein frueherer Student David Signer in der Weltwoche.

Oppitz, "einer der wenigen Geisteswissenschaftler in der Schweiz mit internationaler Strahlkraft", lebte als Forscher in…

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Auf der Suche nach ethnologischen Onlinepublikationen

Es gibt zwar immer noch Forscher, die nur auf Papier publizieren. Doch immer mehr Magisterarbeiten, Dissertationen und Papers sind im Netz zugänglich. Es gibt zwar Kataloge und Suchmaschinen, doch eine gewöhnliche Google-Suche ersetzen sie nicht.

Eine praktische Lösung bietet die Humboldt-Universität Berlin, die Zugriff auf katalogisierten Abhandlungen deutschlandweit und weltweit bietet, indem sie mehrere Suchmaschinen auf der Webseite integriert.

Evifa, die ethnologische Fachbibliotek, ist eine der ersten Initiativen, ethnologisches Wissen zu katalogisieren. Eine Suchmaschine in Entwicklung ist Science-Commons (auf Deutsch und Englisch).

Doch wie ein kurzer Test ergab, sind bei weitem nicht alle Publikationen erfasst – u.a. jene die im Manao, einem neuen Ethnologie-Open Access Archiv oder Anthrobase, genausowenig diverse norwegische Archive.

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Zugang zur Forschungsliteratur im Netz: Widerspruechliche Entwicklungen

Already lots of publications in the open access anthropology repository Mana’o

Danah Boyd on Open Access: “Boycott locked-down journals”

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2006 – The Year of Open Access Anthropology?

Es gibt zwar immer noch Forscher, die nur auf Papier publizieren. Doch immer mehr Magisterarbeiten, Dissertationen und Papers sind im Netz zugänglich. Es gibt zwar Kataloge und Suchmaschinen, doch eine gewöhnliche Google-Suche ersetzen sie nicht.

Eine praktische Lösung bietet die Humboldt-Universität…

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"Wie findet man Naturvölker?"

planetwissen screenshot

Es hat sich nicht viel verändert. Manchmal war es nicht so klar, ob der Zeitungsartikel aus dem Jahr 1902 oder 2002 stammte. Der Kolonalismus lebt weiter in Berichten über sogenannte nicht-westliche Länder. Das sagten die Ethnologin Anne Hege Simonsen und die Medienwissenschaftlerin Elisabeth Eide vor ein paar Tagen, als sie ihr neuestes Buch vorstellten, in dem sie die Berichterstattung norwegischer Zeitungen über “nicht westliche Länder” untersuchen.

Daran musste ich gerade denken, als ich auf die Seiten von Planet Wissen (TV-Sendung) zum Thema “Naturvölker” (Begriff!) stiess. Das Interview mit Roland Garve, der sich “einen Traum erfüllt” hat und “Naturvölker” besucht, beobachtet und ihrem Alltag in Filmen dokumentiert, hätte auch vor 100 Jahren geführt werden können.

Und die Einführungsseite über “Naturvölker” könnte auch aus alten Zeiten stammen. Ich kann mir denken, die Maori sind nicht gerade geschmeichelt darüber, dass ihnen unterstellt wird, dass sie “nur wenig von unserer industrialisierten Welt, von Autos, Flugzeugen, Städten, von großen Ereignissen oder von Erfindungen wissen.”

(Links aktualisiert 1.1.19)

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“Kolonialistische Propaganda”: Ethnologen protestieren gegen Mel Gibsons „Apocalypto“

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Die SZ und die Ureinwohner: Gestrandet im vorsintflutlichen Evolutionismus

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Die uebliche Exotisierung: SPIEGEL ueber Garma-Festival der Aboriginees

Our obsession with the notion of the primitive society

Primitive Racism: Reuters about “the world’s most primitive tribes”

“Good story about cannibals. Pity it’s not even close to the truth”

Ancient People: We are All Modern Now

planetwissen screenshot

Es hat sich nicht viel verändert. Manchmal war es nicht so klar, ob der Zeitungsartikel aus dem Jahr 1902 oder 2002 stammte. Der Kolonalismus lebt weiter in Berichten über sogenannte nicht-westliche Länder. Das sagten die Ethnologin Anne Hege Simonsen und…

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