search expand

Keine Evolution vom Einfachen zum Komplexen

Sind Gesellschaften, die keine komplexe Zahlsysteme besitzen “weniger entwickelt”? Nein. Wo kein Bedarf für das Zählen und große Zahlen besteht, werden auch keine komplexe Zahlsysteme entwickelt. Menschliche Kognitionen – und Zahlsysteme sind ein wichtiger Bestandteil davon – entwickeln sich vielmehr in Reaktion auf kulturelle Anforderungen. Das schreiben der Psychologe Sieghard Beller und die Ethnologin Andrea Bender im Blatt Science infolge einer Medieninformation der Uni Freiburg (Brsg).

Mit ihrer Analyse von Sprachen im pazifischem Raum konnten die beiden Forscher nicht nur gängige Annahmen zur Evolution von Zahlsystemen widerlegen, sondern auch zeigen, dass Zahlsysteme, die bisher als primitiv galten, in Wirklichkeit sehr effizient und vorteilhaft waren.

>> weiter in der Pressemitteilung

Aus der Zusammenfassung des Science-Artikels:

To sum up, the linguistic analysis reveals that the specific counting systems in Mangareva did not precede an abstract system but were rather derived from it, despite their nonabstract nature. And the cognitive analysis suggests that this was done deliberately and for rational purposes. This justifies the conclusion that a feature of apparently little efficiency, once taken as indicator for an earlier evolutionary step in numerical cognition, can be used to overcome another such feature.

Not all cultures value numbers in the same way, even if they are concerned with mathematical topics. In some cultures in Papua New Guinea, for instance, large power numerals were given up together with decimal systems and replaced by quinary or body-counting sequences. In other cultures, the reverse of this took place: Not satisfied with the restrictions posed by their inherited numeration system, many Polynesian cultures not only extended its limits of counting but also designed efficient strategies to cope with the cognitive difficulties of mental arithmetic. Both lines of development started from the same regularly decimal and abstract numeration system inherited from Proto-Oceanic and therefore speak against a linear evolution of numerical cognition. Numeration systems do not always evolve from simple to more complex and from specific to abstract systems.

There may be no other domain in the field of cognitive sciences where it is so obvious that language (i.e., the verbal numeration system) affects cognition (i.e., mental arithmetic). One of the two core systems of number hinges on language. If one’s language does not contain numerals beyond 1 and 2, calculating larger amounts is difficult, if not impossible. However, people are also very creative in adapting their cognitive and linguistic tools to cultural needs, and cases like those presented here add to our knowledge of how they achieve this.

SIEHE AUCH:

1, 2, viele: Die Pirahã in Brasilien kennen keine größeren Zahlwörter

Sind Gesellschaften, die keine komplexe Zahlsysteme besitzen "weniger entwickelt"? Nein. Wo kein Bedarf für das Zählen und große Zahlen besteht, werden auch keine komplexe Zahlsysteme entwickelt. Menschliche Kognitionen – und Zahlsysteme sind ein wichtiger Bestandteil davon – entwickeln sich vielmehr…

Read more

Journal Ethnologie 1/2008 über Weltkulturerbe-Idee

"Einer der positiven Aspekte der Globalisierung ist das Konzept vom Weltkulturerbe und die damit verbundenen Aktivitäten", schreibt Ethnologin Ulrike Krasberg in der neuesten Ausgabe von Journal Ethnologie mit dem Schwerpunktthema Weltkulturerbe.

Uebersicht der Artikel:

Ulrike Krasberg: Einige Anmerkungen zum Welterbe

Peter Strasser:…

Read more

“Ethnologie ist eine besondere Art die Welt zu sehen”

Es ist ein Vorteil trinkfest zu sein, wenn man ueber Schamanismus forscht: “Es gibt nicht wenig Rituale, da muss man selbstgebrannten Alkohol trinken, um überhaupt dabei sein zu können, auch als Forscher. Vor allem, wenn ein Schamane in Trance geht.” Das sagt Guido Sprenger, der neue Ethnologieprofessor an der Uni Münster. Er hat u.a. zwei Jahre in Lagos Laos geforscht, erfahren wir im Stadtmagazin Echo Münster, das eine Pressemitteilung der Uni unverändert veröffentlicht hat. Die Ethnologie ist für ihn “eine besondere Art, die Welt zu sehen”.

>> weiter im Echo Münster

Sprenger wurde auch interviewt in der neuen Ausgabe von ethmundo zu Mythen als Schlüssel zur Gesellschaft

SIEHE AUCH:

Was ist Ethnologie? Eine schöne Definition

Feldforschung bei den Tuareg: Makkaroni mit Tomatensauce – monatelang!

“Der geteilte Schmerz ist der Kern jener teilnehmenden Beobachtung”

Es ist ein Vorteil trinkfest zu sein, wenn man ueber Schamanismus forscht: "Es gibt nicht wenig Rituale, da muss man selbstgebrannten Alkohol trinken, um überhaupt dabei sein zu können, auch als Forscher. Vor allem, wenn ein Schamane in Trance geht."…

Read more

Die missverstandende kulturelle Globalisierung

Spannendes Interview in der Frankfurter Rundschau mit den Ethnologinnen Joana Breidenbach und Ina Zukrigl-Schief, das mit zahlreichen Vorurteilen ueber Globalisierung aufraeumt: Stimmt es wirklich, dass Globalisierung zu Vereinheitlichung fuehrt und dass nur McDonalds davon profitiert?

Viele sogenannte “Globalisierungsverlierer”, erzaehlen sie, haben durch den Aufbruch traditioneller Strukturen, eine größere Vielfalt an Lebensmöglichkeiten und bessere Chancen. Aber auch “traditionelle Kultur” kann von den neuen Moeglichkeiten profitieren. U.a. Aborigines in Australien nutzen das Internet, um ihr altes Wissen und ihre Gebräuche zu archivieren.

>> zum Interview in der Frankfurter Rundschau

Von den beiden Ethnologen gibt es auch Vernetzte Welten – Identitäten im Internet und Im Prisma des Lokalen. Die Dynamik der kulturellen Globalisierung. Breidenbach ist zudem regelmaessige Bloggerin bei Culture Matters.

Auch Ethnologe und Blogger Alex Golub ist in seiner Dissertation ueber Goldbergwerke auf Papua New Guinea zu einem aehnlichen Ergebnis gekommen: Urbevoelkerungen sind nicht automatisch Verlierer der Globalisierung, siehe Available for download: Alex Golubs dissertation on mining and indigenous people

Ein weiteres Beispiel: Pascale Hofmeier zeigt in ihrer Arbeit ueber Schweizer HipHop, wie Globalisierung zu einer Stärkung von lokalen Identitäten führen kann, siehe Neue Arbeit im Volltext: Mundartrap zwischen Lokalpatriotismus und Globalisierung.

All dies fasst Thomas Hylland Eriksen auch in seinem neuen Buch Globalization: The key concepts zusammen (auch behandelt in frueheren Texten)

SIEHE AUCH:

Globalisierung: Wie kommt die chinesische Sandale nach Burkina Faso?

Modern technology revives traditional languages

How to save Tibetan folk songs? Put them online!

Spannendes Interview in der Frankfurter Rundschau mit den Ethnologinnen Joana Breidenbach und Ina Zukrigl-Schief, das mit zahlreichen Vorurteilen ueber Globalisierung aufraeumt: Stimmt es wirklich, dass Globalisierung zu Vereinheitlichung fuehrt und dass nur McDonalds davon profitiert?

Viele sogenannte "Globalisierungsverlierer", erzaehlen sie,…

Read more