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“Politik und Verwaltung haben Angst vor Ethnologen”

Ethnologen hinterfragen Konventionen. Unser Blick ist oft machtkritisch, subversiv. Dies schrecke Politik und Verwaltung oft davon ab, mit Ethnologen zusammenzuarbeiten, behauptet Jacques Hainard, Leiter des Ethnographischen Museums in Genf auf Swissinfo. Denn, so Hainard weiter, die heutige Gesellschaft “habe Mühe, sich in Frage zu stellen”.

Jacques Hainard, lesen wir, ist bekannt fuer seine provozierenden Ausstellungen. Er entschlüsselt da “die Riten und Fetische unserer postindustriellen Epoche ,die einst nur den als “primitiv” geltenden Gesellschaften zugeordnet wurden”.

Ueber die Ethnologie sagt er:

Was mich in diesem Beruf am meisten fasziniert, ist die Freiheit, den Leuten sagen zu können, dass wir die Wahrheit keineswegs gepachtet haben. Diese gezielte kleine Irritation fordert jeden auf, anders zu denken und mehr Grosszügigkeit und Toleranz gegenüber den Andern unter Beweis zu stellen.

>> zum Interview auf Swissinfo

Auf der anderen Seite haben Ethnologen schon immer mit den Maechtigen zusammengearbeitet, z.B. mit den Kolonialmaechten . Immer mehr Ethnologinnen arbeiten bei der Bundeswehr und wir warnen vor der zunehmenden Militarisierung der Ethnologie

Ethnologen hinterfragen Konventionen. Unser Blick ist oft machtkritisch, subversiv. Dies schrecke Politik und Verwaltung oft davon ab, mit Ethnologen zusammenzuarbeiten, behauptet Jacques Hainard, Leiter des Ethnographischen Museums in Genf auf Swissinfo. Denn, so Hainard weiter, die heutige Gesellschaft "habe Mühe,…

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Journal Ethnologie über Second Life und andere “digitale Welten”

“Aus sozialanthropologischer Perspektive ist das besondere an second life und anderen virtuellen Welten, dass sie uns gleichsam die geheimen Wünsche, die schönsten Erinnerungen der Menschheit an Landschaften, Räume und Situationen zeigen oder sagen wir eher, wie kleine Bühnenstücke mit ganz eigener Kulisse präsentieren”, schreibt Urte Undine Frömming. “Ebenso werden die dunklen oder verdrängten gesellschaftlichen Aspekte sichtbar.”

Das Schwerpunktthema der neuesten Ausgabe von Journal Ethnologie heisst “Digitale Welten”

Zu den Texten:

Urte Undine Frömming: A personal rainstorm in my Inventory
Über kulturelle Ursachen, Wirkungen und die sinnliche Wahrnehmung von second life und anderen virtuellen Welten – eine sozialanthropologische Analyse. Urte Undine Frömming hat mit ihrem Avatar eine teilnehmende Beobachtung in second life durchgeführt.

Mark Butler: Cyborg-Ethnographie. Zur Kultur des Computerspielens
“Was erleben die User von Computerspielen?” hat sich Mark Butler gefragt und Interviews mit Spielern geführt über deren Erleben in der realen und virtuellen Welt.

Patrick Neveling: Zur Stiftung sozialen Sinns (Online) und der Lackierung eines Doppeldeckerbusses (Offline)
Patrick Neveling zeigt uns, welche ganz praktische Rolle das Internet in der realen Welt beim Lackieren eines Vereinsbusses gespielt hat.

Werner Trieselmann: Die Überwindung des digitalen Grabens. Ein medienethnologischer Ansatz für marginalisierte Kids in Rio de Janeiro
Werner Trieselmann skizziert ein ethnologisches Forschungsprojekt in der realen Welt, bei dem es um die bewußte Einsetzung und Wirkung digitaler Möglichkeiten geht. Es geht um die Inszenierung von Fremdheit vor einer Filmkamera.

Thomas Becker: Matrix versus The Ghost in the Shell
Die neuen Mythen der virtuellen Welt sind nicht mehr allein diskursiv analysierbar. Ueber den virtuellen Bilderstrom als Mythos des Massenmarktes.

Doris Hallama: Sichere Alpen. Von Landschaftsbildern und verunsicherten Räumen
Doris Hallama weist er auf gesellschaftliche Veränderungen in unserem Verhältnis zur Natur hin, die ursächlich mit Erkenntnisprozessen zu tun haben, die durch die Existenz “Digitaler Welten” angestoßenen wurden.

SIEHE AUCH:

Cyberanthropology: “Second Life is their only chance to participate in religious rituals”

Studiert indianische Mythen im Netz

Forschungsprojekt untersucht Rituale in Internet

Why were they doing this work just to give it away for free? Thesis on Ubuntu Linux hackers

“YouTube clips = everyday ethnography”

Now online: EASA-conference papers on media anthropology

Mehr Cyberanthropology bei Xirdalium

"Aus sozialanthropologischer Perspektive ist das besondere an second life und anderen virtuellen Welten, dass sie uns gleichsam die geheimen Wünsche, die schönsten Erinnerungen der Menschheit an Landschaften, Räume und Situationen zeigen oder sagen wir eher, wie kleine Bühnenstücke mit ganz…

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Neue Ausgabe von Ethmundo: Das Fest – ein ganz normaler Ausnahmezustand

Was waere ein Leben ohne Feste? Ob nun Feste in erster Linie zur Orientierung im Jahresablauf dienen wie die Einleitung zur neuen Ausgabe von Ethmundo suggeriert oder weil wir Feste brauchen weil der Mensch ein soziales Wesen ist – darueber kann man filosofieren bei der Lektuere der Schwerpunktthema der neuen Ausgabe von Ethmundo.

Ein Interview zum Schuetzenfest in Everswinkel ist genauso dabei wie Texte ueber St.Patricks Day in Irland, das balinesische Neujahresfest, ueber den ganz besonderen 15. Geburtstag in Mexiko und ueber die Feier des dritten Milleniums in Aethiopien (dort hat das 21. Jahrhundert erst vorgestern begonnen)

SIEHE AUCH:

Multimedia-Webseite: Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

Was waere ein Leben ohne Feste? Ob nun Feste in erster Linie zur Orientierung im Jahresablauf dienen wie die Einleitung zur neuen Ausgabe von Ethmundo suggeriert oder weil wir Feste brauchen weil der Mensch ein soziales Wesen ist - darueber…

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“Draußen nur Kännchen” – Ethnologe Asfa-Wossen Asserate redet ueber Deutschland

“Sagen Sie bitte einen hässlichen Satz, den es nur im Deutschen gibt”, sagt der ZEIT-Journalist. “Draußen nur Kännchen”, antwortet Ethnologe Asfa-Wossen Asserate: “Niemandem sonst leuchtet die Logik ein, warum man eine Tasse Kaffee nicht auch draußen trinken sollte.” Warum gibt es gerade in Deutschland »draußen nur Kännchen«? “Weil die Deutschen in vielerlei Hinsicht genormt sind; das hat mit der preußischen Vergangenheit zu tun”, meint der Ethnologe.

In dem Stil geht es munter weiter. Asfa-Wossen Asserate ist 1968 von Aethiopien nach Deutschland gekommen. Ueber Afrika aeussert er sich allerdings sehr abschaetzig mit der Standard-Phrase “Ich bin gegen Political Correctness”. Er hat offenbar nicht mitbekommen, dass es eben political correct ist, sich abschaetzig ueber Afrikaner zu aeussern (und Muslime etc). Man denke u.a. daran was Sarkozy neulich sagte: “The tragedy of Africa is that the African has never really entered into history … They have never really launched themselves into the future.”

>> zum Interview mit Asfa-Wossen Asserate in der ZEIT

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In Darkest Leipzig – Ethnologiestudent erfolgreich mit Buch über Leipziger Clans und Stämme

Deutschlandforschung: “Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen”

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

"Sagen Sie bitte einen hässlichen Satz, den es nur im Deutschen gibt", sagt der ZEIT-Journalist. "Draußen nur Kännchen", antwortet Ethnologe Asfa-Wossen Asserate: "Niemandem sonst leuchtet die Logik ein, warum man eine Tasse Kaffee nicht auch draußen trinken sollte." Warum…

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Alkoholismus und Selbstmorde bei den Inuit: “Kolonisierung hat Schuld”

Die WoZ interviewt Ethnologen Yvon Csonka, der ueber Zwangsumsiedlungen von Inuit in Kanada und Grönland forscht:

Angefangen hat das zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. In Kanada zum Beispiel war bis 1945 gar nicht klar, ob Inuit überhaupt kanadische Staatsbürger sind. Erst als wegen des Kriegs im Norden Militärstationen gebaut wurden, realisierte man, dass es dort eine Bevölkerung gibt. Zur selben Zeit baute die Regierung ihr Wohlfahrtssystem aus. (…) Damit (die Kinder) zur Schule gehen konnten, sollten sie auch in der Nähe einer Schule leben. Also überzeugte man die Familien, dorthin zu ziehen, wo Schulen entstanden – namentlich in Orte, wo es bereits eine Polizeistation oder eine religiöse Mission gab. Einer der ersten Schritte war also, die Nomaden zu sesshaften Bürgern zu machen.

Eine andere Zwangsumsiedlung: In 1953 errichtete die US-Armee in der Nähe von Thule, im Nordwesten Grønlands einen Armeestützpunkt:

Ja, die dänische Regierung erteilte den Amerikanern grünes Licht für den Bau – ohne die Menschen, die dort lebten, nach ihrer Meinung zu fragen. Die mussten von einem Tag auf den andern umziehen. Man hatte ihnen Grosses versprochen: wunderbare neue Dörfer mit schönen Häusern und finanzielle Kompensation. Dort angekommen aber sahen sie, dass das leere Versprechen waren. Erst viel später wurde das Versäumte nachgeholt.

Derzeit forciert die Regierung auf Grönland den Umzug von in kleinen Siedlungen lebenden Menschen in grössere Dörfer und Städte. Ein riesiges Aluminiumwerk ist geplant. Dafür müssten dann Tausende von Arbeitern in Fabriknähe verlegt werden.

Bringen diese Verän­derungen auch etwas Positives mit sich? Für wen hat sich die Situation verbessert, für wen nicht? Dies versucht der Ethnologe herauszufinden.

Doch Grønland hat mit vielen Problemen zu kaempfen: Alkoholismus, Kindsmissbrauch und die vielen Selbstmorde. Der Ethnologe sagt:

Diese Probleme gibt es erst seit fünfzig Jahren. Sie entstanden zur gleichen Zeit, in der die sogenannte Modernisierung stattfand und in der die Bevölkerung in die Zentren geholt wurde. Es ist also klar, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Problemen und dem den Inuit auferlegten Zwang, ihr Leben zu ändern.

Im Westen glaubte man fest an die Modernisierung und dass sie für alle gut sei. Man fand, das Nomadentum sei keine praktische Lebensform, jeder solle von den Errungenschaften und Bequemlichkeiten der Moderne profitieren können. Und dann glaubte man, diese Leute seien zu blöd, um das zu verstehen und für sich selbst zu entscheiden. Deshalb hat man für sie entschieden, ohne sie zu fragen. So lief das damals nicht nur in der Arktis, sondern in den meisten kolonialisierten Ländern ab.

Der Klimawandel wird den Inuit erneut rasche Veränderungen aufzwingen.

Können sie sich den Veränderun­gen anpassen? Menschen sind anpassungsfaehig. Auch die Inuit könnten sich anpassen, wenn die Veränderungen nicht so schnell passieren würden, so der Ethnologe.

>> zum Interview in der WoZ

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“Der Ethnologie der Arktis kommt eine Vorreiterrolle zu”

Rethinking Nordic Colonialism – Website Sheds Light Over Forgotten Past

Inuit language thrives in Greenland

International Polar Year opened – Anthropologists involved

How internet changes the life among the First Nations in Canada

The Journals of Knud Rasmussen: The impact of Christianity among the Inuit

Arctic Warming and Traditional Knowledge of Climate Change

Die WoZ interviewt Ethnologen Yvon Csonka, der ueber Zwangsumsiedlungen von Inuit in Kanada und Grönland forscht:

Angefangen hat das zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. In Kanada zum Beispiel war bis 1945 gar nicht klar, ob Inuit überhaupt kanadische Staatsbürger sind. Erst…

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