search expand

Live-blogging auf Volkskunde-Kongress

(Via Kulturwissenschaftliche Technikforschung) Die Volkskundler machen es (mal wieder) den Ethnologen vor: Wie bereits gemeldet, sind sie im Vorfeld ihres Jahreskongresses in Mainz schon eifrig am Bloggen und Podcasten. Soeben wurde bekannt, dass sie auch live vom Kongress bloggen werden:

Die Volkskundler aus Hamburg haben es vorgeschlagen und wir werden es auch tun: Live Bloggen. Das heißt, dass wir während des Kongresses von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr in Doppelschichten im Computer-Pool ganz in der Nähe der Kongress-Hörsäle sitzen und aktuell Neuigkeiten eintippen, Erfahrungen, Fragen und Antworten weitergeben und Bildergalerien vom Kongress auf den neuesten Stand bringen. Vielleicht bloggen wir ja auch live aus einer der Veranstaltungen. Und wir freuen uns sehr, wenn Gäste und Referenten mitbloggen wollen!

SIEHE AUCH:

Der Volkskunde-Kongress bloggt

Conference Podcasting: Anthropologists thrilled to have their speeches recorded

Musikethnologie des Alphorns – neue Multimedia-Webseite

“Mediterranean Voices” – Ethnologen mit neuer Multimedia-Datenbank im Netz

VOKUS – Volkskunde-Zeitschrift stellt alle Artikel gratis ins Netz

Kulturwissenschaftliche Weblog- und Technikforschung: Tagungspapiere sind online!

“Die Ethnologie sollte die Chance des Graswurzel-Publizierens ergreifen”

(Via Kulturwissenschaftliche Technikforschung) Die Volkskundler machen es (mal wieder) den Ethnologen vor: Wie bereits gemeldet, sind sie im Vorfeld ihres Jahreskongresses in Mainz schon eifrig am Bloggen und Podcasten. Soeben wurde bekannt, dass sie auch live vom Kongress bloggen…

Read more

Bald kann man Ethnologie auch in Luzern studieren

Mehr Ethnologie in der Schweiz: Ab 1. Februar 2008 kann man unser Fach auch in Luzern studieren, geht aus der Pressemeldung der Uni Luzern hervor. Mit dem Aufbau des neuen Studiengangs Kultur- und Sozialanthropologie/Ethnologie sind soeben die Professoren Bettina Beer (Uni Heidelberg) und Jürg Helbling (Uni Zürich) beauftragt worden.

Bettina Beer wurde 1966 in Frankfurt a. M. geboren. Sie promovierte 1995 mit einer Dissertation zum Thema «Deutsch-philippinische Ehen. Interethnische Heiraten und Migration von Frauen». Die Habilitationsschrift hiess «Körperkonzepte, interethnische Beziehungen und Rassismustheorien». Bettina Beer immer war immer wieder für Feldforschungen auf den Philippinen und in Papua-Neuguinea. Letzte Publikation: «Frauen in der deutschsprachigen Ethnologie. Ein Handbuch.» (2007)

Jürg Helbling wurde 1954 in Uznach geboren. 1984 promovierte er mit einer Dissertation zum Thema «Theorie der Wildbeutergesellschaft». 1990 habilitierte er nach einer zweijährigen Feldforschung auf den Philippinen mit «Macht, Verwandtschaft und Produktion: Die Alangan-Mangyan im Nordosten Mindoros». Feldforschungsprojekte führten ihn nach West-Papua und Papua-Neuguinea.

SIEHE AUCH:

Petition gegen Streichungen: Münchner Ethnologiestudierende erzielen erste Erfolge

Deshalb brauchen wir die Geisteswissenschaften

Mehr Ethnologie in der Schweiz: Ab 1. Februar 2008 kann man unser Fach auch in Luzern studieren, geht aus der Pressemeldung der Uni Luzern hervor. Mit dem Aufbau des neuen Studiengangs Kultur- und Sozialanthropologie/Ethnologie sind soeben die Professoren Bettina Beer…

Read more

Ethnologische Tourismusforschung: Das “andere andere” stört

Der Tagesspiegel bespricht Arbeiten mehrerer Ethnologen zum Thema Tourismus. “Eine Erkenntnis der aktuellen Mobilitäts- und Reiseforschung: Das „andere andere“ stört”, schreibt das Blatt: Selbst Menschen, die in Deutschland entschieden gegen jede rassistische Äußerung auftreten würden, reagieren negativ auf “Auslænder” in ihrem Ferienland, sagt die Frankfurter Kulturanthropologin Ramona Lenz, die sich auf Migranten auf Kreta spezialisiert hat. Wir lesen:

Menschen aus anderen Ländern, für die die Arbeit auf der Insel lebensnotwendig ist, stören den von den Reisenden gewünschten Eindruck des Ursprünglichen. In noch stärkerem Maße gelte dies für Schwarzafrikaner, die meist nur hinter den Kulissen der Tourismusindustrie zum Einsatz kommen.

Reiseführer preisen lieber das „Prachtexemplar des nicht domestizierten Kreters“ an, und Rucksacktouristen treten in eine teilweise erbitterte Konkurrenz darum, wer den Einheimischen am nächsten komme. Menschen, die in Deutschland entschieden gegen jede rassistische Äußerung auftreten würden, finden plötzlich nichts dabei, über „kriminelle Albaner“ und „bettelnde Zigeunerkinder“ zu schimpfen – im Gegenteil: Solche Äußerungen gehörten zum „Lokalkolorit“, dem man sich als perfekter Individualtourist oder Aussteiger anpasse, sagt Lenz.

Auf Ramona Lenz’ Webseite kann man eine Menge Working Papers zum Thema lesen!

Klaus Schriewer forscht ueber deutsche Migranten in Spanien:

Sogenannte Residenten, überwiegend Briten und Deutsche jenseits der 60, leben in Spanien häufig in abgeschlossenen Siedlungen ohne mehr als den notwendigen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Schriewer, der an der Universität Murcia (Südost-Spanien) lehrt, untersucht im Rahmen des Projekts „Interkulturelle Kommunikation und europäisches Bewusstsein“, wie sich das Zusammenleben der Rentner untereinander und mit den Spaniern gestaltet.
(…)
Fast alle Befragten äußern sich positiv zu den Lebensbedingungen in der neuen Heimat. Man habe hier ein neues soziales Netz aufbauen, neue Freunde gewinnen können. Der Traum vom Alter im Süden endet für die meisten dann, wenn sie zum Pflegefall werden. Die ersten deutschen Pflegeheime an der Costa del Sol sind allerdings schon geplant. Der „Pauschaltourist auf Lebenszeit“ wird immer mehr zur Realität.

>> weiter im Tagesspiegel

Deutsche und Briten in Spanien sind auch Thema der Magisterarbeit der norwegischen Ethnologin Cecilie Skjerdal Pan pa’ hoy – hambre pa’ mañana. On processes of change in an agricultural village on Costa del Sol, die ich letztes Jahr gelesen hab. Sie schreibt, dass Spanier begonnen haben Deutsch zu lernen:

It is common knowledge in Torrox that tourists and foreign residents do not speak much Spanish, and in order to cater for the large group of German inhabitants, many Torroxeños learn some German, either in school, where the subject has been taught for the last twenty years as a second language, or by taking a course, or simply by learning the most useful phrases from colleagues at work.
(…)
When entering German owned businesses on the coast I was consistently welcomed in German, and upon asking whether they could please speak Spanish, the answer was usually that they do not know the language. Quite a few Spanish find it annoying and arrogant that foreigners refuse to speak Spanish – “They could at least show the courtesy of trying!”
(…)
Through my meetings with foreigners living in Torrox, their choice of exclusion was confirmed several times. As a local anthropologist puts it: these are not third world immigrants who stick together in a host society that considers them low class, these are voluntary immigrants who set themselves apart as culturally superior to their hosts – they exclude themselves through their ethnocentric prejudice (Medina Baena 2002:52, my translation).

>> zum Download der Arbeit

SIEHE AUCH:

Antweiler: Fuer mehr Tourismusethnologie! – Neue Ausgabe journal-ethnologie

Anthropology and tourism: Conference papers are online

“Deutsche Migranten schlecht erforscht”

Der Tagesspiegel bespricht Arbeiten mehrerer Ethnologen zum Thema Tourismus. "Eine Erkenntnis der aktuellen Mobilitäts- und Reiseforschung: Das „andere andere“ stört", schreibt das Blatt: Selbst Menschen, die in Deutschland entschieden gegen jede rassistische Äußerung auftreten würden, reagieren negativ auf "Auslænder" in…

Read more

In Darkest Leipzig – Ethnologiestudent erfolgreich mit Buch über Leipziger Clans und Stämme

in darkest leipzig - cover

Ethnologiestudent Michael Schweßinger (29) macht etwas, was allzu wenige Ethnologe tun – er forscht und schreibt über das Alltagsleben in seiner eigenen Stadt – und er hat Erfolg. Sein Buch In darkest Leipzig: Über die seltsamen Sitten und Gebräuche der Lindenauer ist ein Hit geworden, erfahren wir in einem Interview in der Leipziger Internet Zeitung.

“Manchmal setze ich mich einfach in die Absturzkneipen, höre den Menschen zu und schreibe über sie oder über das, was sie mir erzählen. Und die haben verdammt viel zu erzählen”, sagt er:

Ich begann vor eineinhalb Jahren mit meiner ethnologischen Feldforschung. Dabei stieß ich auf die verschiedenen faszinierenden Lindenauer Volksgruppen, die weite Teile des Leipziger Westens besiedeln. In der Wissenschaft herrscht mittlerweile Einigkeit darüber, dass es bei den Lindenauern einen grundsätzlichen Unterschied zwischen sesshaften und nomadisch agierenden Clans gibt. So gesehen müssen wir differenzieren, wenn wir uns mit den Lindenauern beschäftigen.

Allgemein lässt sich jedoch sagen: Die Lindenauer siedeln seit nahezu 1000 Jahren an den fruchtbaren Elsterauen. Sie waren in früheren Zeiten für ihre Handwerkskunst und ihren kulturellen Reichtum bekannt. Heute teilen die Lindenauer das traurige Schicksal vieler indigener Völker, die vom Kapitalismus überrollt wurden. Hartz IV, zunehmender Alkoholismus, Perspektivlosigkeit

Wie wir sehen benutzt der Autor klassische ethnologische Begriffe – eine gute Idee! Generell, sagt er, hätte er fast nur positives Feedback auf Lesungen bekommen, doch einmal wurden “heftige Debatten” über ethnologische Terminologie” geführt und viele fühlten sich “mächtig auf dem Schlips getreten, wenn sie mit “den Primitiven” in einem Atemzug genannt werden”.

Auf die Frage nach besonders emotionalen Erlebnissen während der Feldforschung antwortet er u.a.:

Eines dieser Dramen spielte sich im Supermarkt ab. Ein Vater der mit seiner Tochter händchenhaltend durch den Supermarkt geht, um sich eine Flasche Schnaps zu kaufen. Die Tochter sieht die Eistruhe und will ein Eis. Du siehst, dass er sie liebt und das er ihr gerne das Eis kaufen würde, aber dass sein Geld nicht für Alkohol und Eis reicht.

Diesen Moment zu beobachten, wie er den inneren Kampf zwischen Alk und Tochter austrägt und man weiß, dass der Alk gewinnen wird, da könnte man heulen. Dann die Menschen, die alleine in irgendwelchen Hauseingängen sitzen und mit leeren Augen vor sich hinstarren und trinken. Ich weiß nicht, da gehen so viele Dinge falsch.

Das Interview ist sehr inspierierend und Michael Schweßinger öffnet uns die Augen für den spannenden Alltag gleich um die Ecke – gerade auch aus Studentenperspektive. Er hat mehrere weitere Projekte am laufen, erzählt er:

Ich arbeite gerade an meinem neuen Buch “Von Seemännern und anderen Gestrandeten”, welches Anfang Dezember erscheinen wird. Es geht darin wieder um den Leipziger Westen, allerdings beschäftigen ich mich dabei mehr mit den Menschen der Straßen und Kneipen und weniger mit den sesshaften Lindenauern. Irgendwie ist das Buch sehr viel nachdenklicher geworden als “In darkest Leipzig”, aber vermutlich muss das so sein, wenn man sich die Realität vor Ort bewusst macht.

Dann gibt es natürlich noch jede Menge anderer Stories an denen ich gerade schreibe. In einigen berichte ich über meine skurrilen Erlebnisse als Tagelöhner. Als Student bekommt man ja die freakigsten Jobs angeboten. Reinigung im Atomkraftwerk, Baumfäller auf Friedhöfen, Sklavenarbeit auf Baustellen, Inventuren in staubigen Ramschläden. Das wird dann wieder sehr humorvoll.

>> weiter zum Interview in der Leipziger Internet Zeitung

SIEHE AUCH:

Alltagsforschung: “Hoppla, da steckt ja viel viel mehr dahinter”

Feldforschung am Tresen: Magisterarbeit über Münchens Bierstüberl

Ethnologen studierten Konsequenzen von Zwangsräumungen

“Grüezi”: Die Exotik des Schweizer Alltags

Deutschlandforschung: “Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen”

Dissertation: Wie entwickelt sich eine Stammeskultur in der Stadt?

Was einem blüht, wenn man 30 und noch ledig ist – Magisterarbeit in Kulturanthropologie ueber seltsame Rituale in Norddeutschland

Headbangen und Kühemelken – Kulturclash in Norddeutschland

“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

in darkest leipzig - cover

Ethnologiestudent Michael Schweßinger (29) macht etwas, was allzu wenige Ethnologe tun - er forscht und schreibt über das Alltagsleben in seiner eigenen Stadt - und er hat Erfolg. Sein Buch In darkest Leipzig: Über die seltsamen Sitten und Gebräuche der…

Read more

Das Wissen der Bauern: Ethnologen und Bodenforscher im selben Team

Bauern koennen das lokale Wetter durchaus besser vorhersagen als Meteorologen in der fernen Hauptstadt. Und ihr Wissen ueber die Beschaffenheit des Bodens ist “nach wie vor unersetzlich”. Das Wissen von Landwirten ist Gegenstand einer interdisziplinaeren Arbeitsgruppe an der Wiener Universität für Bodenkultur, meldet der Standard.

Die Arbeitsgruppe “Wissenssysteme und Innovationen” fügt wissenschaftlich zusammen, was Fachbereichsgrenzen trennen: So gehören diesem Team neben anderen Forschern verschiedenster Disziplinen auch Hemma Burger-Scheidlin und Anja Christanell vom Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Universität Wien an, lesen wir:

Um herauszufinden, was Bauern über ihr Klima und ihren Boden wissen, verbrachten die beiden Forscherinnen jeweils 15 Monate im Großen Walsertal in Vorarlberg bzw. in der Weststeiermark, wo sie neben zahlreichen strukturierten Interviews auch viele informelle Gespräche mit Landwirten führten.

Wie sich dabei herausstellte, spielt das lokale Wetterwissen in Zeiten von Satellitenbildern nicht mehr die Rolle, die es früher hatte. Es wird allerdings – vor allem von den älteren Leuten – sehr wohl noch verwendet, um die Wettervorhersagen auf die eigenen kleinräumigen Verhältnisse abzustimmen: So brach ein 70-jähriger Bauer nach dem Interview mit Burger-Scheidlin trotz schwarzer Wolken ostentativ zu einem Spaziergang mit seinem Enkel auf – und tatsächlich blieb der angesagte Regen aus.

>> weiter im Standard

Gleichzeitig informierte Texas University in einer Pressemeldung Protecting Ecology Means Understanding People Too:

Talking to a biologist about one’s feelings could produce the same reaction as, say, telling a sociologist about molecules. Yet if the problems confronting conservation of the world’s biodiversity are to be tackled and fixed, then science and people must mix.

So say Dr. Lee Fitzgerald, a conservation biologist who has traveled through Latin America for 20 years studying reptiles, and Dr. Amanda Stronza, a cultural anthropologist who has for 15 years studied ecotourism and indigenous peoples in the Amazon.

Fitzgerald and Stronza now will lead 20 other professors at Texas A&M University on a $3 million National Science Foundation grant aimed at cutting down barriers between biological and social science in order to help conserve the world’s rich biodiversity.

“When we were developing this project, we realized that there are many biological scientists working in conservation who lack training and skills in how to deal with all the social science issues,” Fitzgerald said.

The same was true in Stronza’s field.

“I can tell you what people are saying and doing in their environment – ‘I hunt this often, or I fish this often, or we protected this forest,'” she said. “But I am not trained to go out in the world and see what effect those actions are having on the wildlife or the forest.”

>> zur Pressemeldung

SIEHE AUCH:

Ethnoklimatologie – ein neues Forschungsfeld

Mit indigenem Wissen ein Seebeben-Frühwarnsystem entwickeln?

Wissensintensiver Alltag in der Wüste

“Typisch Bauer!?” – Ethnologie-Studenten gehen der Idylle auf den Grund

Now online: Third issue of “Ecological and Environmental Anthropology”

“Aboriginal knowledge is science”

Bauern koennen das lokale Wetter durchaus besser vorhersagen als Meteorologen in der fernen Hauptstadt. Und ihr Wissen ueber die Beschaffenheit des Bodens ist "nach wie vor unersetzlich". Das Wissen von Landwirten ist Gegenstand einer interdisziplinaeren Arbeitsgruppe an der Wiener…

Read more