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Journal Ethnologie 3/2007 über weibliche Genitalbeschneidung in Afrika

Weltweit sind 150 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Journal Ethnologie widmet sich diesem Thema mit mehreren Texten in der neuesten Ausgabe. Obwohl dieses Ritual “lebenslanges Leiden für die Betroffenen mit sich bringt”, besteht es weiter. Warum? Weil es sich um einen Brauch handelt, dessen Missachtung mit sozialer Ächtung bestraft wird, schreibt Petra Schnüll. Weitere Begründungen beruhen auf Mythen und Überlieferungen, medizinischer Unkenntnis und missinterpretierten Islam:

Dabei hat sich gezeigt, dass gesetzliche Verbote zwar durchaus Signalwirkung besitzen, doch ohne flankierende Maßnahmen weitgehend wirkungslos bleiben. Um ein allgemeines Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen und ein Umdenken zu erreichen, kann also nur eines greifen: eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Tabuthema und sensible Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Als fundamentales Element im soziokulturellen Kontext kann das Problem nicht isoliert betrachtet werden; letztlich muss diese Arbeit mit dem Empowerment von Frauen einhergehen.

>> zu Petra Schnülls Text “Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika. Kulturelle Hintergründe einer folgenschweren Tradition”

Weitere Texte in Journal Ethnologie 3/2007 zu diesem Thema:

„Ein Ritual, das lebenslanges Leiden für die Betroffenen mit sich bringt“ – Ein Interview mit Mamouna Quedraogo von Regine Bouédibéla-Barro

Franziska Gruber: Genitalverstümmelung in Deutschland. Menschenrechte versus Tradition

Marion A. Hulverscheidt und Claudia Piccolantonio: Gesundheitliche Folgen weiblicher Genitalverstümmelung

Marion A. Hulverscheidt: Weibliche Genitalverstümmelung und die “Hottentottenschürze” Ein medizinhistorischer Diskurs des 19. Jahrhunderts

Weltweit sind 150 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Journal Ethnologie widmet sich diesem Thema mit mehreren Texten in der neuesten Ausgabe. Obwohl dieses Ritual "lebenslanges Leiden für die Betroffenen mit sich bringt", besteht es weiter. Warum?…

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Lernen von den Yanomami-Müttern?

In manchen Laendern wurde gestern der Muttertag gefeiert und deshalb interviewte der FOCUS die Ethnologin Gabriele Herzog-Schröder zur Situation der Mütter bei den Yanomami in Venezuela.

“Frauen, die zugunsten ihrer Karriere auf Kinder verzichten, können hier zu hohem Ansehen und viel Geld kommen”, sagt sie. Die Entscheidung zwischen „Rabenmutter“ oder „Heimchen am Herd“, lesen wir, stelle sich für sie nicht. Sie koennen ihre Kinder bei fast allen Tätigkeiten um sich haben. Und wenn nicht, greife das soziale Netz (Familienzusammenhalt, Nachbarschaftshilfe, Frauensolidarität). Kinder übernehmen früh Verantwortung und seien, so die Ethnologin, stolz darauf, mithelfen zu können.

Wie immer wenn ueber Indianer geschrieben wird, werden Stereotype verbreitet. Die Journalistin schreibt “Naturgesellschaften sind einfach strukturiert”. (Es gibt keine Naturgesellschaften und auch von aussen “einfach” wirkende Gesellschaften koennen hoch komplex organisiert sein).

Auch die Ethnologin kommt mit einer problematischen Aussage:

„Wir lernen von den Yanomami-Müttern nicht, wie wir es besser machen können. Jede Kultur hat ihre eigene Strategie.”

Man kann vielleicht nicht alle Organisationsformen vom Regenwald in eine Millionenstadt 1:1 uebertragen, jede Uebertragungsmoeglichkeit grundsaetzlich auszuschliessen mit dem Hinweis, es handele sich um eine “andere Kultur”, grenzt schon an (kulturellen) Rassismus – vorausgesetzt das Zitat ist korrekt.

>> zur Geschichte im FOCUS

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In manchen Laendern wurde gestern der Muttertag gefeiert und deshalb interviewte der FOCUS die Ethnologin Gabriele Herzog-Schröder zur Situation der Mütter bei den Yanomami in Venezuela.

"Frauen, die zugunsten ihrer Karriere auf Kinder verzichten, können hier zu hohem Ansehen und…

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“Kunstraub aus Nigeria im Wiener Völkerkundemuseum zu besichtigen”

Gestern wurde mit “Benin – Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria” die erste Ausstellung des Wiener Museums für Völkerkunde seit seiner Renovierung eröffnet. Ein Großteil dieser Objekte wurde im Jahre 1897 aus Nigeria von den Briten nach einer Strafexpedition geraubt, schreibt AfrikaNet in einem Text mit der Ueberschrift Kunstraub aus Nigeria im Wiener Völkerkundemuseum zu besichtigen. In einem anderen Text schreibt Kwame Opoku Africans illegally in Europe must leave. African art objects illegally in Europe must stay:

Africans and all those who believe in cultural cooperation based on mutual respect and understanding of different identities and views, must register their presence and interest in these manifestations; we must support the campaign for the return of all cultural objects stolen or illegally obtained from our continent which are in public or private possession in the U.S.A. or in Europe.

In einem Gespraech mit der Presse will Christian Feest, Direktor des Völkerkundemuseums, nicht Stellung nehmen zur Forderung nach Rückgabe von Objekten. Er sagt lediglich:

Wir schaffen durch diese Ausstellung eine Vertrauensbasis, auf der wir besprechen können, was in Zukunft sein wird. Meine private Meinung ist, dass legistische Maßnahmen nicht viel bringen, auch nicht die Resolutionen der Unesco. Das müssen die ehemaligen Kolonialherren und die ehemaligen Kolonien untereinander regeln.“

In ganz Europa versucht man derzeit, die außereuropäischen Sammlungen vom Kolonialgeruch zu befreien, schreibt die Presse in einem zweiten Artikel.

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So lebt der Kolonialismus in der Ethnologie weiter

Die Ethnologie hat keine ruhmreiche Geschichte. In der neuen Ausgabe von Jungle World gibt uns Thomas Brückmann einen Ueberblick ueber das Fortwirken des Kolonialismus in unserem Fach und in ethnologischen Museen. Er bespricht auch Gegenmassnahmen, u.a. kritische Weißseinsforschung:

Wichtig für die Kontextualisierung des Ethnologischen Museums im Kolonialismus ist auch die Betrachtung des Fachs Anthropologie bzw. »Völkerkunde«, wie es im deutschsprachigen Gebiet hieß. Die europäische Expansion und die kolonialen Erobe­rungen ließen dieses Fach überhaupt erst entstehen.

Zum einen gab es eine exotisierende Neugier auf »andere« Gesellschaften. Zum zweiten entstand ein politisches Interesse an Wissen über die eroberten Gesellschaften. Oft versprachen sich die Kolonialbehörden davon eine Verbesserung ihrer Regierungstätigkeiten. So wurden viele Ethnologen von den Kolonialregierungen finanziert und wohnten nicht selten in den örtlichen Gebäuden der Kolonialverwaltung.

(…)

Neben der offensichtlichen Zusammenarbeit mit Kolonialbehörden war die Ethnologie vor allem an der Produktion gesellschaftlich wirksamen Wissens beteiligt. Teil­ten die Kolonialmächte die eroberten Gebiete ungeachtet der vorher existierenden gesellschaftlichen Strukturen in Staaten nach europäischen Vorbild, so vollzog sich ein ähnlicher Prozess innerhalb der Ethnologie anhand von Begriffen wie »Ethnie«, »Stamm« oder »Volk«.

Ethnologische Wissensproduktion war nicht nur ein Problem des »falschen« stereo­typen Wissens über das »Andere«, sondern die Konstruktion des »Anderen« überhaupt.

Kritik, die die koloniale Gegenwart in den Institutionen thematisiert, so Thomas Brückmann, trifft meist auf heftige Abwehr.

>> Einleitung: Staubfänger aus Afrika. Wie der Europäer das exotische »Andere« entdeckte und es bis heute in ethnologischen Museen ausstellt

>> Haupttext: Exotisches Material. Über den Kolonialismus in der Ethnologie und ethnologischen Ausstellungen

Links aktualisiert 13.6.2018

Eine positive Entwicklung: Es ist nicht mehr so selbtverstaendlich das Weisse ueber Nicht-Weisse schreiben.

Kolonialismus, Ethnozentrismus und Rasismus in der Ethnologie haben wir hier regelmaessig diskutiert. Juengste Beispiele waren die neue Webseite der AG Musikethnologie an der Uni Muenchen und die Magazine Ethnologik und Ethmundo, siehe Beitrag Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie?

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Die Ethnologie hat keine ruhmreiche Geschichte. In der neuen Ausgabe von Jungle World gibt uns Thomas Brückmann einen Ueberblick ueber das Fortwirken des Kolonialismus in unserem Fach und in ethnologischen Museen. Er bespricht auch Gegenmassnahmen, u.a. kritische Weißseinsforschung:

Wichtig für die…

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Leben in der Wüste – Ausstellung über 12 Jahre Afrika-Forschung

“Im Schatten der Akazie” heisst eine Ausstellung des transdiziplinären Forschungsprogrammes “Kultur- und Landschaftswandel im ariden Afrika” der Universität Köln. Dokumentiert werden der Lebensraum Wueste, Klimawandel, Kampf um Naturressourcen, Globalisierung und ihr Einfluss auf lokale Wirtschaftssysteme, meldet die Neue Rheinische Zeitung.

Michael Bollig, Direktor des Instituts für Völkerkunde in Köln und Sprecher des Programmes, kritisiert die Berichterstattung ueber die Folgen des Klimawandels. Bekannterweise werden jede Laender, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, besonders in Afrika, am härtesten betroffen sein.
Es fehle dort jeder Hinweis darauf, dass die Menschen höchst innovativ mit diesen immensen Herausforderungen umgehen.

>> zum Bericht in der Neuen Rheinischen Zeitung

>> zur recht informativen Webseite des Forschungsprogrammes

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Global Migrants For Climate Action – Migrants organize to fight climate change

Wissensintensiver Alltag in der Wüste

How to survive in a desert? On Aboriginals’ knowledge of the groundwater system

"Im Schatten der Akazie" heisst eine Ausstellung des transdiziplinären Forschungsprogrammes "Kultur- und Landschaftswandel im ariden Afrika" der Universität Köln. Dokumentiert werden der Lebensraum Wueste, Klimawandel, Kampf um Naturressourcen, Globalisierung und ihr Einfluss auf lokale Wirtschaftssysteme, meldet die Neue Rheinische…

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