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Ethnologik 1/2006 nun endlich im Netz

“Going Public” heisst die Fruehjahrs-Ausgabe von Ethnologik, das Blatt der Muenchner Ethnologie-Studierenden. Obwohl ein Ziel der Blattmacher ist, Ethnologie einem weiteren Kreis von Leuten bekannt zu machen, haben sie ihre Publikation lange vor der Oeffentlichkeit versteckt. Sie war bislang nur als Papierversion erhaeltlich (und laut Homepage nur in der Fachschaft zu erwerben). Nun kann man sich das Kunstwerk als pdf-Dokument herunterladen. >> Download von Ethnologik 1/2006

Ich hatte bereits ueber diese Ausgabe ein paar Worte geschrieben im Beitrag Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Die neueste Ausgabe kam bereits vor drei Monaten heraus und heisst Powerflower. Sie hat bereits fuer Diskussionen gesorgt, siehe ethno::log: “Powerflower” – die neue Ethnologik ist da!

Auch diese Ausgabe gibts bislang nur auf Papier, ein weiteres Anzeichen dafuer wie schwer sich Ethnologen immer noch mit dem Internet tun?

Lichtblicke dagegen Ethmundo.de – neues ethnologisches Online-Magazin und VOKUS – Volkskunde-Zeitschrift stellt alle Artikel gratis ins Netz

SIEHE AUCH:

P. Kerim Friedman: Open Source Anthropology
Do we want our intellectual contributions to be hidden in dusty archives, or available to anyone who can Google?

The Anthropologists – Last primitive tribe on earth?
Take a look at indigineuos people’s use of online communication as a mean of resistance and raising awareness.

Open Access Konferenz in Wien: Wissenschaftler für freien Zugang zu Wissen

"Going Public" heisst die Fruehjahrs-Ausgabe von Ethnologik, das Blatt der Muenchner Ethnologie-Studierenden. Obwohl ein Ziel der Blattmacher ist, Ethnologie einem weiteren Kreis von Leuten bekannt zu machen, haben sie ihre Publikation lange vor der Oeffentlichkeit versteckt. Sie war bislang nur…

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Wieso immer noch Kasten in Indien?

Indien ist das Schwerpunktthema der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Journal Ethnologie. Einer der Artikel handelt um das Kastensystem. Obwohl offiziell bereits vor knapp 70 Jahren abgeschafft, existiert es weiterhin, schreibt Ulrich Oberdiek. U.a werden Ehegesuche in indischen Tageszeitungen weiterhin nach Kasten geordnet: Brahmanen, Marwari (Händlerkasten), Punjabi (Sikhs, Kshatriyas) etc. Es gibt sogar die Charakterisierung “Kaste kein Hindernis!”.

Warum ueberlebt dieses anti-demokratische System? Ein wichtiger Grund ist dem Ethnologen zufolge die arrangierte Ehe:

Ehen werden von den Eltern oder Großeltern arrangiert, die dafür sorgen, dass die Ehepartner aus der eigenen Unterkaste kommen. Es lässt sich allerdings im „modernen“ Leben nicht immer vermeiden, dass zwei junge Leute verschiedener Kasten sich kennen lernen (etwa im College) und beschließen zu heiraten, aber das ist sehr selten. Vereinzelt kommt es auch vor, dass Eltern in solchen „Entgleisungsfällen“ einwilligen. Flucht und manchmal sogar Selbstmord zeigen jedoch die dramatische Wirklichkeit dieser Regeln auch heute.

>> zum Text in Journal Ethnologie

Frank Heidemann zeigt in seinem Beitrag u.a. einen Zusammenhang von Kolonialismus und dem Entstehen des Kastensystems auf:

Nicholas Dirks hat mit seinem Werk „Castes of Mind“ (2001) die langfristigen Folgen der kolonialen Durchdringung Indiens, vor allem die Kolonisation des Geistes, aufgezeigt. Nach Dirks waren Kasten vor der Ankunft der Briten keine festen Einheiten und bildeten nur eine unter vielen Möglichkeiten der Identifikation.

Durch die Praxis der Volkszählungen (bei denen sich jede Person zu einer Kategorie bekennen musste), durch die Festlegung einer Kastenhierarchie in Listen und Handbüchern, und durch die Zuschreibung kollektiver Identitäten wurden die Kasten zur wichtigsten sozialen Kategorie und jeweils mit spezifischen Qualitäten assoziiert.

>> zum Text Indien – mit Tradition und Moderne von Frank Heidemann

Weitere Texte in Journal Ethnologie:

Ulrich Demmer: An Sanesvaras Schrein. Lokale Modernität und Politik in den nördlichen Nilgiris (Südindien)

Markus Schleiter: “Zum Tanze”. Eine ethnographische Erzählung über den indischen „Stamm“ der Birhor

Bettina Weiz: Die Trommler der neuen Zeit. Besuche bei Experten der Informations-Technologie

Indien ist das Schwerpunktthema der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Journal Ethnologie. Einer der Artikel handelt um das Kastensystem. Obwohl offiziell bereits vor knapp 70 Jahren abgeschafft, existiert es weiterhin, schreibt Ulrich Oberdiek. U.a werden Ehegesuche in indischen Tageszeitungen weiterhin nach…

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Feldforschung am Tresen: Magisterarbeit über Münchens Bierstüberl

Nach einem Jahre Feldforschung in Münchner Bierstüberln war Johannes Lauer pleite. Daher hat es ihn besonders gefreut, dass er neulich den Hochschulförderpreis der Stadt München gewonnen hat. Jetzt.de – das Magazin der Sueddeutschen, hat den frischgebackenen Ethnologen interviewt ueber seine Magisterarbeit „Stüberl in München. Heimat – Entspannungsoase – Katzentisch? Teilnehmende Beobachtung im Münchner „Stüberl“.

Angefangen hat all das mit einem Feldforschungsseminar, lesen wir:

Da sollten die Studenten in München Orte suchen und auch aufsuchen, die ihnen fremd waren – „the alien next door“. Für manche Studenten war das der örtliche Tennisclub oder die Schwulen-Szene. Für Johannes und ein paar Kommilitonen waren es die Stüberl Münchens. Gemeinsam untersuchten sie zunächst ihre eigenen Vorurteile, Vorbehalte und Ängste, dann überwanden sie die und begaben sich an diese „fremden Orte“. Nach dem Seminar löste sich die Gruppe auf, doch Johannes Lauer blieb bei den Stüberln hängen.

Bei seiner Recherche hat Johannes Lauer Unmengen dieser Stüberl aufgesucht und sehr viel Bier getrunken und – diese Erfahrung haben sicher viele Feldforscher gemacht – seine anfängliche Angst hat er sich abgewöhnt. Die Angst und viele der Vorurteile, die er vorher hatte, stellt er fest, waren zum größten Teil unbegründet:

Stüberl sind von außen nicht einsehbar. Durch die Abschottung des Draußen entsteht im Inneren der Kneipe ein Rückzugsgebiet für die, die mit der Welt draußen, und sei es nur für ein paar Stunden, nichts zu tun haben wollen.

Stüberl sind, hat man sich erst einmal reingetraut, nicht halb so schlimm wie ihr Ruf. Es gibt Bier, eine robuste Schnaps-Auswahl und längst vergessen geglaubte Mixgetränke wie Rüscherl oder Whiskey-Cola. Man geht ausgesprochen familiär miteinander um, und wenn ein Gast eine halbe Stunde dort verbracht hat, kennt er vermutlich alle anderen Anwesenden mit Namen. Denn im Stüberl wird, im Gegensatz zu den sonst üblichen Kneipen-Regeln, der Kontakt gesucht.

Doch diese Stüberl, hat Johannes Lauer festgestellt, sind eine bedrohte Art:

Wenn das Stüberl-Sterben noch nicht begonnen hat, so kündigt es sich zumindest an. Das haben ihm auch viele Gäste und Wirte bestätigt. Es gibt keinen Nachwuchs. Es gibt immer weniger Arbeiter, aus ehemaligen Arbeiter-Vierteln werden teure Wohnlagen und die Mieten gehen entsprechend hoch. Die Stüberl leben fast ausschließlich von der Stammkundschaft, die nachziehenden Bewohner dagegen wandern von einer Kneipe, die momentan in ist, zur nächsten. Die Nähe, die in einem Stüberl entsteht, ist ebenfalls nicht jedermanns Geschmack. Man redet miteinander, jeder weiß vom Leben des anderen und passt auch aufeinander auf. Da lässt sich schwer an der eigenen Legendenbildung basteln oder eine coole Fassade aufbauen.

>> weiter beim Magazin Jetzt.de

>> isarplatz.de: Stadt vergibt LMU-Preis für Arbeit über “Stüberln in München”

SIEHE AUCH:

Anthropologist gets paid for hanging out in bars

The Anthropologist as Barman

Drinking Cultures – Anthropology of Food

Nach einem Jahre Feldforschung in Münchner Bierstüberln war Johannes Lauer pleite. Daher hat es ihn besonders gefreut, dass er neulich den Hochschulförderpreis der Stadt München gewonnen hat. Jetzt.de - das Magazin der Sueddeutschen, hat den frischgebackenen Ethnologen interviewt ueber seine…

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Bekleidung und Selbstinszenierung – neue Ausgabe von journal-ethnologie

“Kleidung an sich „macht“ nicht den Menschen, aber sie vermittelt in einzigartiger Weise das, was ihr Träger oder ihre Trägerin von sich nach außen geben will”, schreibt Annegret Hesterberg de Hernández in einem Text ueber Mode in Mexico in der neuesten Ausgabe der Online-Zeitschrift Journal Ethnologie, die vom Museum der Weltkulturen in Frankfurt herausgegeben wird. Zum Schwerpunktthema Kleidung und Mode international lesen wir im Editorial:

Außerhalb der westlichen Welt scheint es dagegen in unseren Augen keine „Mode“ zu geben. Die Kleidung in Indien, Afrika oder den arabischen Ländern würden wir „Tracht“ nennen und meinen damit eine traditionelle Kleidung, die keinerlei Veränderungen unterworfen ist. Auch scheint es uns, als würde nur die westliche Mode für Individualität, Freiheit und Status stehen, während die „Tracht“ Uniformität, Zwang und Unterordnung ausdrückt. Wenn wir aber über den Tellerrand der westlichen Mode hinausblicken, wird uns bewusst, dass „Mode“ und „Tracht“ keinen Gegensatz bilden, dass auch Tracht Individualität, Freiheit und Status zum Ausdruck bringt.

>> zum Journal-Ethnologie 4/2006

Links aktualisiert 22.10.2022

"Kleidung an sich „macht“ nicht den Menschen, aber sie vermittelt in einzigartiger Weise das, was ihr Träger oder ihre Trägerin von sich nach außen geben will", schreibt Annegret Hesterberg de Hernández in einem Text ueber Mode in Mexico in der…

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Ethmundo.de – neues ethnologisches Online-Magazin

Mehrere engagierte Ethnologie-Studierende von AG Onlinejournalismus der Fachschaft Ethnologie an der Uni Münster haben Ethmundo ins Leben gerufen – ein “offenes Online-Magazin für Kultur und Gesellschaft”. In der öffentlichen Diskussion, meint Redaktionsmitglied Caro Kim, muessen ethnologische Erklärungsansätze häufiger Beachtung finden. Daher sollte eine breitere Öffentlichkeit für ethnologische Sichtweisen auf aktuelle Themen erreicht werden. Simone Schubert ergaenzt: “In der Ethnologie gibt es so viele aufregende Geschichten und Inhalte; wir müssen bloß spannend und ohne Angst vor einer gewissen, nötigen Banalisierung darüber schreiben!”

Fuer die erste Nummer hat die Redaktion das Schwerpunkt Thema Kannibalismus gewaehlt. Ausserdem gibt es eine Buchrezension, ein Artikel zur Wahrnehmung von rechts und links und ein Interview zum Thema Ethnologie in der Erwachsenenbildung.

>> weiter zu Ethmundo.de

Mehrere engagierte Ethnologie-Studierende von AG Onlinejournalismus der Fachschaft Ethnologie an der Uni Münster haben Ethmundo ins Leben gerufen - ein "offenes Online-Magazin für Kultur und Gesellschaft". In der öffentlichen Diskussion, meint Redaktionsmitglied Caro Kim, muessen ethnologische Erklärungsansätze häufiger Beachtung finden.…

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