search expand

Wünscht sich ethnologisch gebildete Mathe-Lehrer

In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse wünscht sich Anette Rein, Direktorin des Frankfurter Museums der Weltkulturen, “dass die Ethnologie als Wissenslieferant für alle Bereiche angenommen würde: als Allgemeinbildung in positivem Sinn”.

Auch als Schulfach, ähnlich wie Drama und Theater in Hessen? fragt das Blatt. Die Ethnologin antwortet:

Nein. Mir schwebt eher vor, dass ein ethnologisch gebildeter Mathe-Lehrer seinen Schülern erklären kann, dass die „Null“ keine bloße Abstraktion ist, sondern ge- oder erfunden werden musste, als bestimmte Menschen die Notwendigkeit entwickelten, damit zu arbeiten. Oder das Fach Werken, das es kaum noch gibt, so dass manche Kinder in unseren Kursen nicht mal ein Muster mit der Schere ausschneiden können. Dabei ist die Verbindung Hand–Auge so wichtig für die vernetzten Verschaltungen im Gehirn!

>> zum Interview

In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse wünscht sich Anette Rein, Direktorin des Frankfurter Museums der Weltkulturen, "dass die Ethnologie als Wissenslieferant für alle Bereiche angenommen würde: als Allgemeinbildung in positivem Sinn".

Auch als Schulfach, ähnlich wie Drama und Theater…

Read more

Der zweifelhafte Einfluss der Ethnologie

Die Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) hat selten Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen. Wenn es dann doch geschah, dann war die Wirkung eher von zweifelhafter Art, schreibt der Wiener Ethnologe Andre Gingrich in der Presse.

Ein dunkler Fleck in der Fachgeschichte ist der Rassenwahn, in dem biologische Konstrukte zum Maß aller Dinge eingesetzt wurden, schreibt er. Peinlich ist auch, dass man im deutschen Sprachraum in der Ethnologie lange Zeit von “Naturvölkern” gesprochen habe. Bis zuletzt herrschte oft eine romantische Auffassung vor, nach der indigene Gesellschaften mit ihrer natürlichen Umwelt in völliger Harmonie verbunden seien.

Die Ethnologie, so Gingrich, tue gut daran, deutlich umzudenken, wo dies nicht schon begonnen hat.

>> zum Text in der Presse (Link aktualisiert)

Von Andre Gingrich siehe auch Nationale Ethnologie und exotische Anthropologie (ORF), mehrere Texte siehe Wikipedia.

SIEHE AUCH:

In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in der Ethnologie

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

“Leben wie in der Steinzeit” – So verbreiten Ethnologen Vorurteile

Die Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) hat selten Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen. Wenn es dann doch geschah, dann war die Wirkung eher von zweifelhafter Art, schreibt der Wiener Ethnologe Andre Gingrich in der Presse.

Ein dunkler…

Read more

Tierethnologen erforschen die Psyche von Elefanten

Tierethnologen? Irene Jung im Hamburger Abendblatt schreibt von Psychologen und Ethnologen an der Oregon State University, die das schwierige Verhaeltnis zwischen Elefanten und Menschen studieren. Die Elefanten werden immer mehr von den Menschen bedraengt und reagieren darauf mit Aggression. “Das ganze Verhältnis zwischen Elefanten und Menschen hat sich dramatisch verändert”, sagt die Psychologin Gay Bradshaw.

Es gibt bereits ein Wort fuer dieses Phaenomen: Human-Elephant-Conflicts (H.E.C) und viele Webseiten zum Thema.

Wir lesen:

“Jahrzehntelang haben Elefanten Dezimierung durch Jagd und Wilderei erlebt, sind aus Revieren vertrieben worden. Das hat das feine Netz familiärer und sozialer Beziehungen unterbrochen, in dem junge Elefanten aufwachsen und mit dem Elefantenherden regiert werden. Was wir heute erleben, ist nicht weniger als der Kollaps der Elefantenkultur”, schreibt der Autor und Verhaltensforscher Charles Siebert.

Die aus Uganda stammende Tier-Ethnologin und Wildlife-Beraterin Eva Abe zieht eine klare Parallele zwischen besonders auffälligen jungen Elefantenbullen und menschlichen Kindersoldaten in afrikanischen Bürgerkriegsgebieten. “Wir haben mehr als 200 Flüchtlingscamps in Nord-Uganda. Es gibt dort kaum Erwachsene. Es sind Camps voller Kinder, ohne Eltern und Großeltern, ohne Schulen, ohne Infrastruktur. In diesen Camps werden Kindersoldaten rekrutiert. Sie haben nichts anderes.”

>> weiter im Hamburger Abendblatt

MEHR DAZU:

The elephants are going mad (Toronto Star / New York Times, 19.11.06 – aktualisiert mit Kopie)

Meitamei Ole Dapash: Coexisting in Kenya The Human-Elephant Conflict (Animal Welfare Institute Quarterly 2002)

Papers von der Human-Elephant Conflict Working Group

Human-Elephant-Conflicts in Asia (Wildlife Conservation Society)a

Mitigating Human-Elephant Conflict in the Mara Ecosystem, Kenya (Projekt des Department of Anthropology, University of Kent)

Tierethnologen? Irene Jung im Hamburger Abendblatt schreibt von Psychologen und Ethnologen an der Oregon State University, die das schwierige Verhaeltnis zwischen Elefanten und Menschen studieren. Die Elefanten werden immer mehr von den Menschen bedraengt und reagieren darauf mit Aggression. "Das…

Read more

“Ethnologie macht Hilfe möglich”

Warum benutzen die Dorfbewohner keine Moskitonetze? Am Preis kanns nicht liegen. Dieser effektive Schutz gegen Malaria ist in Nigeria nicht teuer. Warum sie nicht verwendet werden – das herauszufinden, ist ein Job für Ethnologin Doris Burtscher, die fuer Aerzte ohne Grenzen arbeitet schreibt Vorarlberg online.

Sie fand heraus, dass die Dorfbewohner Malaria nicht den Moskitos zuschreiben, sondern u.a. dem heftigen Wind, der waehrend der Regenzeit uebers Land zieht.

Die Ethnologen moechte den Einheimischen nicht vorschreiben was sie zu tun haben. Dagegen moechte sie gerne einheimische Traditionen fuer ihre Zwecke benutzen:

In Niger lag der Schlüssel zur Lösung des Problems in Männerhand. „Ein Mann lebt mit bis zu vier Frauen zusammen.“ Als Zeichen von Wohlstand erhalten die Frauen Emailtöpfe geschenkt. „Richtige Statussymbole“, sagt Burtscher. Nun muss es noch gelingen, Moskitonetzen denselben Status zu verschaffen.

>> weiter bei Vorarlberg Online

Das erinnert an einen Text der Ethnologin Ingvild Solvang, die fuer Jesuit Refugee Service in Indonesien arbeitete. In Fetsawa Umamane – a wedding ceremony in support of durable solutions in West Timor. beschreibt sie wie Elemente einer Hochzeitszeremonie Konflikte zwischen Einheimischen und Fluechtlingen in West-Timor loesen konnten.

SIEHE AUCH:

Interview mit Verena Keck: “Ethnologen notwendig in der AIDS-Bekaempfung”

Warum benutzen die Dorfbewohner keine Moskitonetze? Am Preis kanns nicht liegen. Dieser effektive Schutz gegen Malaria ist in Nigeria nicht teuer. Warum sie nicht verwendet werden - das herauszufinden, ist ein Job für Ethnologin Doris Burtscher, die fuer Aerzte ohne…

Read more

Was ist Ethnologie? Eine schöne Definition

(Links aktualisiert 10.9.2019) Hat jemand jemals besser erklaert was nun Ethnologie ist und was Ethnologinnen so tun? In der aktuellen Ausgabe von Ethnologik erlaeutert Alexander Knorr:

Ethnologie ist eine Kulturwissenschaft. Genauer, die Wissenschaft vom kulturell Unverstandenen.

Kultur sitzt zunächst im Geist des Menschen: Werte, Normen, Vorstellungen, Ideen, Weltsicht und Weltverständnis. Wenn solche geistigen Dinge von einer Gruppe von Menschen geteilt werden, sprechen wir von Kultur.

Aber Kultur bleibt nicht in den Köpfen und Herzen der Menschen. Sie dringt nach außen, informiert wie wir leben, was für eine Welt wir uns schaffen, wird sichtbar, fühlbar und erfahrbar. Was für Häuser und Maschinen wir wie bauen, wie wir zusammenleben, wie wir arbeiten und Freizeit verbringen, an was wir glauben, welche Geschichten wir uns erzählen, was wir moralisch für richtig und falsch empfinden, usw. All das ist Ausdruck und Teil von Kultur. Unsere gesamte Lebensweise ist Ausdruck von Kultur.

Warum verteidigen Ethnologen Minderheiten, erzählen begeistert von Gesellschaften im afrikanischen Busch? Warum bezeichnen Ethnologen Bewohner im Regenwald nicht als rückständig? Knorr macht einen kurzen fachgeschichtlichen Rueckblick:

[M]an sah, dass die Abwesenheit von Nationalstaatlichkeit, so wie wir sie uns in Europa vorstellten, nicht die Abwesenheit von politischer Organisation bedeutet. Man sah auch, daß Nicht-Christ-Sein nicht die Abwesenheit von Religion bedeutet. Man sah, dass auch ohne die Erfindung des Geldes Handel, Märkte und Ökonomie existieren können. Und man sah, dass das Fehlen von Schrift nicht bedeutet, daß es keine Philosophie und Wissenschaft geben kann.

All das hat man zunächst nicht gesehen, weil man nicht verstand, weil man gar nicht wusste, wo man hinsehen soll. Weil es in anderen Kulturen Dinge gibt, die man sich zunächst gar nicht vorstellen kann, weil sie in der eigenen, in unserer Kultur nie erfunden wurden. Doch dann begann man zu sehen, bemühte sich zu verstehen, entdeckte den Reichtum, die Vielfältigkeit und den Tiefgang anderer Kulturen. Daraus folgte der große Schritt, zu akzeptieren, dass andere Kulturen gleichberechtigte alternative Lebensentwürfe bedeuten.

(…)

Der nächste Schritt war die Erkenntnis, dass das Verstehen der Anderen, die neuen Sichtweisen die man dadurch erlangt, einem helfen können, die Dinge im eigenen Vorgarten und in unmittelbarer Nachbarschaft besser zu verstehen.

Was interessiert Ethnologen? Was sind ihre Forschungsfelder? Knorr schreibt:

Heute beschäftigt sich Ethnologie mit allen zunächst unverstandenen Formen menschlicher Lebensführung, Lebensbewältigung und Lebensgestaltung. Überall auf der Welt. Aktuelle Forschungsprojekte des Münchner Instituts für Ethnologie befassen sich beispielsweise mit Identität in Süd-Indien, mit Anbau und indianischem Weltbild in Kolumbien, mit Islam und Islamismus in Marokko, mit Christentum, Reform und indigener Gesellschaft in Brasilien, mit der kulturellen Aneignung von Informations- und Kommunikationstechnologien und mit Sprache und Globalisierungsprozessen in westafrikanischen Städten.

Wir interessieren uns aber auch für Punks in München, für die Graffitisprüher am Laimer Verladebahnhof, und für den Trachtenverein in Simbach am Inn. Alles Kulturen, denen man zunächst etwas verständnislos gegenübersteht.

Weshalb Ethnologie? Hier nur ein kurzes Zitat – ueber den Sinn von Grundforschung:

Wissenschaft ist dazu da, die Grenzen der Erkenntnis, des menschlichen Wissens über die Welt und die Menschheit selbst, weiterzuschieben. Niemand kann über die Grenzen der Erkenntnis hinaussehen, außer der Wissenschaft selbst, indem sie eben diese Grenzen verschiebt. Aber wir wissen vorher nicht, was wir dort finden werden. Wir können es nicht absehen, nur in Erfahrung bringen. Und weil wir nicht einmal wissen, was wir dort finden werden, wissen wir auch nicht, was wir vielleicht damit anfangen können.

Deshalb muss Wissenschaft zunächst frei in jede Richtung gehen dürfen und können. Und nicht nur in die Richtungen von denen wir heute, jetzt und hier vermuten, dass sie etwas praktisch verwertbares bringen. (…) Doch die vielleicht einzigartige Stärke des Menschen liegt darin, Neues in die Welt zu bringen, und mit Gefundenem Unerhörtes anzustellen.

>> zum Text in der Ethnologik “Orchideen” von Alexander Knorr (pdf, Seiten 4 und 5) LINK ALTUALISIERT 21.10.2022 – Ethnologik.de gibt es leider seit langem nicht mehr, ich habe eine Kopie hochgeladen

UPDATE:

Siehe auch zur Umbenennung des Fachs: Das Fach heißt Ethnologie, oder? Warum jetzt Kulturanthropologie? Oder Sozialanthropologie?

(Links aktualisiert 10.9.2019) Hat jemand jemals besser erklaert was nun Ethnologie ist und was Ethnologinnen so tun? In der aktuellen Ausgabe von Ethnologik erlaeutert Alexander Knorr:

Ethnologie ist eine Kulturwissenschaft. Genauer, die Wissenschaft vom kulturell Unverstandenen.

Kultur sitzt zunächst im Geist…

Read more