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Doktorarbeit über Jugendliche “die niemand braucht”

Wie halten junge Leute ohne Zukunftsperspektiven ihr Selbstbild aufrecht? Der Standard schreibt kurz über die Dissertation der Kulturanthropologin Diana Reiners “Learning for Precarity”.

Die Arbeit handelt über benachteiligte Jugendliche mit Migrationshintergrund in Graz. Sie geht u.a. der Frage nach, wie diese jungen Leute mit den Anforderungen der neoliberalen Arbeitswelt umgehen, in der sie doppelt diskriminiert wegen – zum einen wegen ihren Klassenhintergrundes und zum anderen weil sie Migranten sind. “Wenn junge Menschen in einer Warteschleife ohne Perspektive auf langfristige Erwerbsbiografien gehalten werden, kann das zur Desintegration der Gesellschaft führen”, sagt die Anthropologin.

>> mehr im Standard

Die Doktorarbeit scheint nicht im Netz verfügbar zu sein. Ich hab auch sonst leider nichts näheres zu ihrer Forschung gefunden.

Sozialanthropologin Cicilie Fagerlid hat in ihrem Feldarbeitsblog viel über “Prekarität” in Paris geschrieben, u.a. Security à la français: précarité and insécurité

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Ethnologin hinterfragt Tag der Organspende

Heute wurde in Deutschland erstmals der Welttag der Organspende veranstaltet. Seitdem sich Ethnologin Vera Kalitzkus mit dem Thema beschaeftigt hat, ist sie sich nicht mehr so sicher, ob sie solche Aktionen uneingeschrænkt befuerworten kann, schreibt das Veda Magazin.

Denn die notwendige Auseinandersetzung mit ethisch komplexen Fragen im Zusammenhang mit Organtransplantation findet dabei selten statt. In ihrem soeben erschienenen Buch “Dein Tod, mein Leben” zeigt sie, dass es gegenüber der medizinischen Rationalität emotionale Vorbehalte gibt:

“Die Transplantationsmedizin trennt strikt und eindeutig den Körper von der Seele. Das entspricht aber nicht den Gefühlen der Menschen, die ich für meine Studie befragt habe. Die meisten Menschen empfinden da eine Durchdringung, einen Zusammenhang.”

Die naturwissenschaftlich-rationale Sichtweise sehe kein Problem darin, ein Herz in einen anderen Körper zu verpflanzen, für den Empfänger könne das aber ganz anders aussehen.

“Einige Organempfänger verspüren eine Verantwortung für den Spender, der quasi in ihnen weiter lebt. Andere, wenn auch wenige, berichten gar davon, sich durch das Transplantat in ihrem Wesen verändert zu fühlen. Dass man sein Leben dem Tod eines anderen Menschen zu verdanken hat, ist auch nicht einfach zu verkraften.”

Wenn jemand sein Spenderorgan ablehnen würde, bliebe ihm in vielen Fällen nur der Tod. So gibt es bei Organempfängern auch das Phänomen des versteckten Suizids, sagt die Ethnologin in einem Interview mit der Sueddeutschen.

Vera Kalitzkus hat ein Buch geschrieben, das unter die Hau geht, meint das Deutschlandradio:

Detailliert beschreibt die Ethnologin, was bei einer Organspende passiert: Wann und wie der Hirntod diagnostiziert wird, welche Organe und Gewebe entnommen werden können, was mit den toten Körpern geschieht. Ausführlich wird geschildert, was auf der Intensivstation passiert, sobald ein Patient zum Spender wird. Da wird gepflegt gewaschen und gewendet, damit der Körper fit ist für die Operation, für die Entnahme der Organe, die danach durch Füllmaterial ersetzt werden.
 Das zu lesen lässt keinen unberührt.

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Denn die notwendige…

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Ethnologin: Keine Angst vor Konvertiten!

Derzeit wimmelt es von Medienberichten über extremistische Konvertiten. In einem Interview mit der taz warnt Ethnologin Esra Özyürek davor Konvertiten pauschal zu verurteilen. Zum Islam konvertierte Deutsche leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration, meint sie:

Sie spielen auffällig oft eine bedeutende Rolle in ihren Moscheegemeinden, ganz besonders die Frauen. Viele sind sehr aktiv im interreligiösen Dialog, organisieren deutsche Sprachkurse für Migranten oder sogar Seminare mit der Polizei, bei denen die Menschen über ihre Rechte aufgeklärt werden. Damit machen sie den migrantischen Muslimen Ressourcen zugänglich, die der Mehrheitsgesellschaft schon verfügbar sind.

Zwischen 20 000 und 100 000 Konvertiten gibt es in Deutschland. “Ich denke nicht, dass es gerechtfertigt ist, wegen so wenigen Fällen all diese Menschen pauschal zu verdächtigen”, sagt Esra Özyürek, Ethnologin an der University of California in San Diego, die derzeit an einem Projekt über Konvertiten in Deutschland arbeitet.

Sie hat u.a. Diskurse zu Konvertiten in Deutschland untersucht. Der Übergang zum Islam würde meist als etwas Aufgezwungenes dargestellt:

Vor dem 11. September war der typische Diskurs: “Unsere Frauen konvertieren, weil irgendein Mann aus dem Nahen Osten sie dazu verleitet”. Jetzt geht es um “unsere Jugendlichen”. Es wird immer direkt oder indirekt ausgedrückt, dass sie konvertieren, weil Terroristengruppen sie ausnutzen wollen. Die Konversion wird in beiden Diskursen nicht als eigene Entscheidung dargestellt, sondern als das Ergebnis eines Einflusses von “Außen”. Die religiöse Suche der Menschen steht nie im Vordergrund.

Warum? fragt die taz. Konvertiten würden als illoyal gegenüber Deutschland und dem Christentum angesehen, erklärt die Forscherin:

Weil sowieso gedacht wird, dass man als Deutscher eigentlich christlich sein sollte. Oder eben post-christlich, in dem Sinne, dass man nur noch an Weihnachten in die Kirche geht. Es wird so gesehen, dass nur so eine Person wirklich loyal zu Deutschland sein kann. Ein Konvertit wird aber nicht als loyal betrachtet, sondern als jemand, der sich von “europäischen” Werten verabschiedet hat, und deshalb gilt eine misstrauische Haltung ihm gegenüber als in Ordnung.

>> weiter in der taz

Dieses Interview unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Forscher-Interviews, sie u.a. Interview mit Stefan Reichmuth vom Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften an der Uni Bochum: Warum entscheiden sich Deutsche für den Islam? Konvertiten oft fanatisch? und Interview mit dem Soziologen Peter Waldmann: Warum Menschen zu Terroristen werden: Die Attraktivität einer Ideologie

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Sie spielen auffällig oft eine bedeutende…

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Ethnologie und die Sehnsucht nach dem Tod

Vor drei Jahren hat sich sein bester Freund das Leben genommen. Den Ethnologen Falk Blask liess das Thema Suizid seitdem nicht mehr los. Schliesslich bot er ein Uni-Seminar zur Sehnsucht nach dem Tod an. Die Ausstellung “Sterben wollen. Denkraum Suizid” in Berlin ist Ergebnis dieses Seminares, so die Mitteldeutsche Zeitung.

Zum heutigen Welt-Suizid-Präventionstag symbolisieren alte Haustüren mitten in Berlin den freiwilligen Ausstieg aus dem Leben. Mehr als 9000 Menschen bringen sich in Deutschland jedes Jahr um. Weltweit sind es eine Million.

Einen normalen Umgang mit dem Thema Suizid gibt es nicht, prangern die Ausstellungsmacher an. Es ist immer noch ein Tabu-Thema. Sie hatten in all den Jahren ihrer Männerfreundschaft über vieles gesprochen, aber nie über den Tod, erzählt Ethnologe Falk Blask.

Doch der Bedarf darüber zu reden scheint gross zu sein. Blask schrieb das Suizid-Seminar für 15 Teilnehmer aus. Doch als er zur ersten Stunde kam, sassen da 90 Leute. Und niemand war bereit, wieder zu gehen.

Vielleicht liegt es daran, dass viele jemanden kennen, der sich das Leben genommen hat oder es versucht hat. Ja, nun weiss Blask, dass viele seiner Studenten ähnliche Erfahrungen haben wie er: Freunde, Eltern oder Geschwister nahmen sich das Leben.

>> weiter in der Mitteldeutschen Zeitung

Vermeidung braucht Öffentlichkeit heisst passenderweise der Text auf pressetext.at . Selbstmordprävention solle in Nachrichtensendungen oder auf Titelblättern denselben Stellenwert bekommen wie dies der HIV/Aids-Problematik bereits gelungen ist, so Georg Fiedler von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprophylaxe. “Mehr Aufmerksamkeit und eine Enttabuisierung des Themas wären wünschenswert.”

Menschen nehmen sich das Leben aus verschiedenen Gründen. Persönliche Krisen werden verschlimmert durch gesellschaftliche Entwicklungen. Mehr Selbstmorde durch Krise erwartet, meldet der Stern Vor allen Dingen ältere Menschen denken an Suizid, erfahren wir bei domradio.de Und die taz schreibt über Selbstmord als Machtinstrument: Milliardär Adolf Merckle liess sich vom Zug ueberollen nachdem sein Unternehmen Konkurs ging. In dieser Ohnmacht wollte er noch einmal Macht beweisen – über das eigene Leben und den eigenen Tod. Zum Recht, sich das Leben zu nehmen, hat Michal Kolesar einen interessanten Text geschrieben: “Wert des Lebens“.

Selbstmord ist ein komplexes Thema, das fachlich von Psychologen und Medizinern dominiert wird. Inspiriert vom Selbstmord einer guten Freundin (einer Ethnologin uebrigens) habe ich letzte Nacht den Text “The Anthropology of Suicide” geschrieben. In den Wochen und Monaten nach ihrem Tod hab ich mir oft die Frage gestellt, ob ihr Leben haette gerettet werden koennen, wenn mehr ueber solche Themen geredet wuerde und wir damit mehr ueber “psychische Probleme” Bescheid wuessten – ein Bereich wo auch unser Fach wichtige Arbeit zu leisten hat.

Vor drei Jahren hat sich sein bester Freund das Leben genommen. Den Ethnologen Falk Blask liess das Thema Suizid seitdem nicht mehr los. Schliesslich bot er ein Uni-Seminar zur Sehnsucht nach dem Tod an. Die Ausstellung "Sterben wollen. Denkraum Suizid"…

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Video: Musikethnologie auf der Strasse

(via sound7.de) Anja Kolbinger, Jorge Porras und Janika Herz vom Institut für Ethnologie in Mainz haben einen tollen Film über Musik auf der Strasse gedreht. In “Living Road” begleiten sie den Musiker Samuel Harfst mit seiner Band beim Spielen in der Fussgängerzone und haben auch die Reaktionen des ständig wechselnden Publikums eingefangen.

Was bedeutet Musik für die Zuhörenden? Bilde sagen mehr als Worte. Als das ausgeglichendste Publikum bezeichnen die Musiker ihre Zuhörer in der Fussgängerzone. Einen Spiegel der Gesellschaft bekomme man hier geboten, sagen sie. Musiker als Feldforscher?

DOKU Samuel Harfst - Straßenmusik

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Via YouTube: Anthropology students’ work draws more than a million viewers

(via sound7.de) Anja Kolbinger, Jorge Porras und Janika Herz vom Institut für Ethnologie in Mainz haben einen tollen Film über Musik auf der Strasse gedreht. In "Living Road" begleiten sie den Musiker Samuel Harfst mit seiner Band beim Spielen in…

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