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Neues Museum fuer DDR-Alltagskultur

Ostdeutscher Alltag “zum Anfassen” – dies soll ein neues Museum in Berlin den Besuchern bieten. Museumsinitiator und Ethnologe Peter Kenzelmann wollte bei einem Berlin-Besuch seiner Freundin die DDR erklären. Vergeblich suchten sie nach einem Museum, dass sich mit dem täglichen Leben der DDR-Bürger beschäftigte. Doch nun gibt es es – das DDR-Museum:

Viele Ausstellungstücke – wie etwa Schulranzen, Orden oder Tagebücher – liegen in Schubladen in den Raumteilern untergebracht. Besucher können in einem Trabant Probe sitzen. In einer Ecke ist ein typisches ostdeutsches Wohnzimmer aufgebaut. Propaganda-Parolen wie “Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen” hängen an der Wand.

Es gab kritische Stimmen. “Ich bin sehr skeptisch, ob es möglich ist, ein diktatorisches Regime über die Darstellung des Alltages zu vermitteln”, sagt der Leiter der Gedenkstätte Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe.

>> weiter bei der Deutschen Welle

“Die DDR als Puppenstube”, titelt die Märkische Allgemeine:

Lässt sich einem Ausstellungsmacher trauen, der treuherzig beteuert, “keine musealisierte Ostalgie-Show” zu wollen und im selben Atemzug “eine sehr interessante Stasi-Ecke” empfiehlt? Und “Soundduschen”, unter denen von einem Kabarettisten in sächsischer Mundart verlesene Erinnerungsprotokolle zu hören sind? Eine Geruchsmaschine gibt es übrigens auch: mit Duftstoffen wie “Grillabend” oder “Desinfektionsmittel”.

Die Zeitung empfielt andere Museen:

In Berlin kann man sich in der ehemaligen Stasi-Zentrale an der Normannenstraße, in der Mauergedenkstätte Bernauer Straße oder im nahegelegenen Deutschen Historischen Museum über DDR-Geschichte informieren. Wer freilich einen Hauch von “Good bye Lenin!” sucht, musste bislang nach Eisenhüttenstadt fahren: Im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, seit 1999 in einer ehemaligen Kinderkrippe der sozialistischen Musterstadt untergebracht, werden vorbildliche Ausstellungen zur ostdeutschen Alltagsgeschichte geboten – stets verbunden mit dem Anspruch, im kleinen Glück die große Bevormundung aufscheinen zu lassen.

>> weiter in der Märkischen Allgemeinen

>> Webseite des DDR-Museums

Ostdeutscher Alltag "zum Anfassen" - dies soll ein neues Museum in Berlin den Besuchern bieten. Museumsinitiator und Ethnologe Peter Kenzelmann wollte bei einem Berlin-Besuch seiner Freundin die DDR erklären. Vergeblich suchten sie nach einem Museum, dass sich mit dem täglichen…

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Ethnologin: Gewerbescheine und Niedrigstlohnjobs statt Sozialhilfe fuer Auslaender

Serbischen Fluechtlingen geht es in Italien besser als in Schweden obwohl sie in Italien fast keine finanzielle Unterstuetzung erhalten und fuer einen Hungerlohn arbeiten muessen, schreibt die Ethnologieprofessorin und ehemalige Berliner Auslaenderbeauftragte Barabara John in einem Gastkommentar in der Financial Times Deutschland. Italien als Modell fuer Deutschland? Sie schreibt:

Was fehlt, ist ein legaler Arbeitsmarkt mit Niedrigstlöhnen, wo Zuwanderer auch mit geringen Deutschkenntnissen und Qualifikationen – seit 2005 gibt es die Verpflichtung, 600 Stunden Deutsch zu lernen – die ersten Jahre verbringen könnten, bis sich die Berufschancen verbessern.

(…)

Ist es wirklich nicht zumutbar, die künftigen Einwanderer ganz großzügig mit Arbeits- und Gewerbeerlaubnis auszustatten und die Arbeitsfähigen unter ihnen auf den Arbeitsmarkt zu verweisen? Das würde freilich nur gelingen, wenn die Tür zur vollen Versorgung erst einmal geschlossen bliebe. Dieser harte Einstieg könnte abgefedert werden, indem Arbeitnehmern und Arbeitgebern für die ersten drei Jahre die Sozialabgaben von öffentlichen Kassen erstattet würden. Dabei könnten alle gewinnen: die Migranten und die Gesellschaft.

>> weiter in der Financial Times

Dies ist natuerlich ein sehr kontroverser Vorschlag und ihre Ansichten bzgl Arbeit und Integration wirken idealisiert. Jungle World hat in einem Portraet die “zwei Seiten” der Auslaenderbeauftragten beschrieben: Einerseits setzt sie sich fuer die Rechte von Migranten ein und scheut es nicht, sich mit der Polizei anzulegen. Auf der anderen Seite war sie verantwortlich fuer Gesetze, die die Rechte von Fluechtlingen aushoehlte.

>> zum Text Lasst uns singen und nützlich sein. Barbara John feiert ihr 20jähriges Dienstjubiläum als Ausländerbeauftragte in Berlin

Auf Qantara.de gibt es einen guten Text von ihr zum Kopftuchverbot Eine fahrlässige Debatte. Die Vertreibung kopftuchtragender Musliminnen aus der Berufswelt ist längst in vollem Gange. Lesenswert auch ihr Text Managing Diversity in Städten und Stadtteilen – eine Zukunftsaufgabe

Serbischen Fluechtlingen geht es in Italien besser als in Schweden obwohl sie in Italien fast keine finanzielle Unterstuetzung erhalten und fuer einen Hungerlohn arbeiten muessen, schreibt die Ethnologieprofessorin und ehemalige Berliner Auslaenderbeauftragte Barabara John in einem…

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Ethnologe: “Deutscher WM-Patriotismus positiv”

In ein paar Stunden werden wieder die deutschen Fahnen geschwenkt – auch in Oslo (siehe Bild vom Spiel gegen Argentinien). Anders Deutsch-Bloggerin Urmila Goel ist vom Fahnenschwenken nicht angetan. Obwohl ich dem WM-Enthusiasmus nicht so kritisch gegenueberstehe, werde ich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Einwanderern in Norwegen wieder sitzenbleiben, wenn die Deutschland-Hymne ertoent und nicht mitsingen (aber dennoch die deutsche Mannschaft anfeuern).

Urmila Goel schreibt, die Medien “überschlagen sich geradezu, ob der friedlichen WM und dem positiven Fahnenschwenken”. Kuerzlich war auch hier auf antropologi.info zu lesen World Cup Enthusiasm:”Need for a collective ritual, not nationalism”.

Der Deutschlandfunk hat nun den Berliner Ethnologen Wolfgang Kaschuba zum deutschen WM-Patriotismus befragt. Kaschuba meint, die meisten Menschen freuten sich über die deutsche Mannschaft, sie seien aber nicht nationalistisch eingestellt – und Neonazis haben da keine Chance:

Also die deutsche Fahne wurde in Kreuzberg von türkischen Lieferfahrzeugen zunächst mal hoffähig gemacht, und dann trauten sich die Deutschen natürlich auch allmählich.

(…)

Es sind keineswegs nur sozusagen nationalistische oder nationale Bedürfnisse, da mischt sich vieles. Wenn Sie genau hinschauen, wie gefeiert wird, da ist natürlich ein Stück Party mit drin, Eventkultur, es gibt sehr viele Großereignisse, die von den Menschen aufgesucht werden, und in dieser Zeit des Individualismus gibt es eben auch ganz offenbar diese andere Seite, diesen Wunsch nach Gemeinschaftserlebnissen, die nicht zu tief sein sollen, nicht zu lange dauern sollen, aber die man sucht.

(…)

Es gibt gerade auch in dieser Fankultur und in diesen Formen von Begeisterung eben ein deutliches Abgehen sozusagen von diesen harten und gröhlenden Formen nur hin eben auch zu spielerischen und zum Teil auch ironischen. Wer die deutsche Fahne trägt, hat nicht immer sozusagen dieses Stammtischdenken dahinter, sondern macht es zum Teil auch ganz spielerisch, und manche der Fahnen sind da reine Fantasieprodukte.

(…)

Ein ganz interessanter Befund, den ja auch schon einige Medien schon angestellt haben, die Neonazis bekommen in dieser patriotischen Welle kaum einen Fuß auf den Boden. Warum? Weil es offenbar eben nicht ihr Nationalismus ist, also einer, der aggressiv sich gegen andere wendet.

>> weiter beim Deutschlandfunk

Den Vogel schiesst die fahnenverhuellte Claudia Schiffer ab: “Das Topmodel zeigt, wie sexy Germany ist. Um Investitionslust zu wecken”, meldet die Sueddeutsche.

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Anders deutsch: Fahnen schwenken (mit vielen guten Links!)

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Ethnologie und Fussball: “Der Fußball hat ein Problem mit der Homosexualität”

Kurz vor dem Beginn der Fussball-WM haeufen sich die Berichte ueber gesellschaftliche Aspekte dieser Sportart. In der Wiener Zeitung schreibt Peter Landerl ueber das Tabu Homesexualitaet im Fussball.

Während es in der Kunst kaum Probleme bereitet, sich als Homosexueller zu outen, es selbst in der Politik möglich ist, homosexuell zu sein, ist – obwohl statistisch unmöglich – in ganz Europa kein homosexueller Fußballprofi zu finden. Es gibt sie, aber keiner von ihnen wagt es, sich zu outen. Der Fußball hat ein Problem mit der Homosexualität.

Er zitiert Tatjana Eggeling vom Institut für Kulturanthropologie und europäische Ethnologie der Universität Göttingen. Sie bezeichnet Fussball als “einer der konservativsten Bereiche unserer Gesellschaft”.

Wir erfahren auch von Initiationsriten, die dafuer sorgen sollen, dass Fußball nur von “echten, harten Kerlen” gespielt werden kann.

>> weiter in der Wienerzeitung

>> Habilitiert über “Homosexualität im Sport”

Volkskundlerin Johanna Rolshoven meint:

Je schwieriger das Geschlechterverhältnis wird und je mehr Männer unter Druck geraten, desto mehr halten sie sich vielleicht an traditionelle Männerbastionen wie den Fussball.

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Während es in der Kunst kaum Probleme bereitet, sich als Homosexueller zu…

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“Anders Deutsch” und “Die virtuelle zweite Generation”

andersdeutsch “Anders Deutsch” heisst ein interessanter neuerer Blog. Urmila Goel heisst die Autorin, sie hat u.a. Suedasienkunde studiert und ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Ethnologen Werner Schiffauer an der Europa-Universitaet in Frankfurt an der Oder. Sie ist eine sehr eifrige Bloggerin und schreibt so gut wie taeglich zum Thema Deutsche und Einwanderer, Migration(spolitikk) und “andere Arten Deutsch zu sein”.

>> zum Blog Anders Deutsch

Auf ihrer Homepage bietet sie Informationen über Menschen aus Südasien in Deutschland, darunter auch ihre Forschungsarbeit Die virtuelle zweite Generation. Zur Aushandlung ethnischer Identität im Internet am Beispiel der InderInnen der zweiten Generation in Deutschland. Genug Lesestoff zum Thema bietet auch die Seite Veroeffentlichungen.

andersdeutsch

"Anders Deutsch" heisst ein interessanter neuerer Blog. Urmila Goel heisst die Autorin, sie hat u.a. Suedasienkunde studiert und ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Ethnologen Werner Schiffauer an der Europa-Universitaet in Frankfurt an der Oder. Sie ist…

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