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Alltagsforschung: “Hoppla, da steckt ja viel viel mehr dahinter”

“Was ist das für ein Fach, das sich mit dem Alltäglichen befasst, das beobachtet, wann die Leute aufstehen und was sie als erstes tun?” fragt der Deutschlandfunk in einem Artikel ueber das Fach Ethnologie / Volkskunde, berichtet ueber diverse Projekte und interviewt u.a. Ruth-E. Mohrmann, Professorin für Volkskunde in Muenster.

Sie ist stolz, dass ihr Fach tatsächlich Nachwuchs aus vielen Nachbar-Disziplinen anzieht:

Bei uns wechseln relativ viele Studierende von der Kunstgeschichte, Soziologie und Geschichte, weil die sagen: “Bei Ihnen ist das viel spannender, bei Ihnen kommt man viel dichter an den Menschen heran, und dort werden uns Fragen beantwortet, die wir uns in den anderen Disziplinen auch stellen, die aber nicht beantwortet werden.”

Die Professorin erklaert:

Wir wollen mehr über die Menschen erfahren und insofern ist eben die Kleidung, in denen Menschen auftreten, das Interieur, mit dem sie sich in ihren Wohnungen umgeben, ist die Art, wie sie Geräte benutzen, mit welchen Manieren sie miteinander umgehen, etwas, was sehr viel über die Menschen aussagt und was gegebenenfalls nicht nur über die Gesellschaft uns Aufschlüsse gibt, sondern auch über den jeweiligen Zeitgeist

>> weiter beim Deutschlandfunk

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Feldforschung am Tresen: Magisterarbeit über Münchens Bierstüberl

Nach einem Jahre Feldforschung in Münchner Bierstüberln war Johannes Lauer pleite. Daher hat es ihn besonders gefreut, dass er neulich den Hochschulförderpreis der Stadt München gewonnen hat. Jetzt.de – das Magazin der Sueddeutschen, hat den frischgebackenen Ethnologen interviewt ueber seine Magisterarbeit „Stüberl in München. Heimat – Entspannungsoase – Katzentisch? Teilnehmende Beobachtung im Münchner „Stüberl“.

Angefangen hat all das mit einem Feldforschungsseminar, lesen wir:

Da sollten die Studenten in München Orte suchen und auch aufsuchen, die ihnen fremd waren – „the alien next door“. Für manche Studenten war das der örtliche Tennisclub oder die Schwulen-Szene. Für Johannes und ein paar Kommilitonen waren es die Stüberl Münchens. Gemeinsam untersuchten sie zunächst ihre eigenen Vorurteile, Vorbehalte und Ängste, dann überwanden sie die und begaben sich an diese „fremden Orte“. Nach dem Seminar löste sich die Gruppe auf, doch Johannes Lauer blieb bei den Stüberln hängen.

Bei seiner Recherche hat Johannes Lauer Unmengen dieser Stüberl aufgesucht und sehr viel Bier getrunken und – diese Erfahrung haben sicher viele Feldforscher gemacht – seine anfängliche Angst hat er sich abgewöhnt. Die Angst und viele der Vorurteile, die er vorher hatte, stellt er fest, waren zum größten Teil unbegründet:

Stüberl sind von außen nicht einsehbar. Durch die Abschottung des Draußen entsteht im Inneren der Kneipe ein Rückzugsgebiet für die, die mit der Welt draußen, und sei es nur für ein paar Stunden, nichts zu tun haben wollen.

Stüberl sind, hat man sich erst einmal reingetraut, nicht halb so schlimm wie ihr Ruf. Es gibt Bier, eine robuste Schnaps-Auswahl und längst vergessen geglaubte Mixgetränke wie Rüscherl oder Whiskey-Cola. Man geht ausgesprochen familiär miteinander um, und wenn ein Gast eine halbe Stunde dort verbracht hat, kennt er vermutlich alle anderen Anwesenden mit Namen. Denn im Stüberl wird, im Gegensatz zu den sonst üblichen Kneipen-Regeln, der Kontakt gesucht.

Doch diese Stüberl, hat Johannes Lauer festgestellt, sind eine bedrohte Art:

Wenn das Stüberl-Sterben noch nicht begonnen hat, so kündigt es sich zumindest an. Das haben ihm auch viele Gäste und Wirte bestätigt. Es gibt keinen Nachwuchs. Es gibt immer weniger Arbeiter, aus ehemaligen Arbeiter-Vierteln werden teure Wohnlagen und die Mieten gehen entsprechend hoch. Die Stüberl leben fast ausschließlich von der Stammkundschaft, die nachziehenden Bewohner dagegen wandern von einer Kneipe, die momentan in ist, zur nächsten. Die Nähe, die in einem Stüberl entsteht, ist ebenfalls nicht jedermanns Geschmack. Man redet miteinander, jeder weiß vom Leben des anderen und passt auch aufeinander auf. Da lässt sich schwer an der eigenen Legendenbildung basteln oder eine coole Fassade aufbauen.

>> weiter beim Magazin Jetzt.de

>> isarplatz.de: Stadt vergibt LMU-Preis für Arbeit über “Stüberln in München”

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Ethnologin: Was Kampfhunde mit Klassenkampf zu tun haben

In der Schweiz wird ein landesweites Verbot von Pitbulls diskutiert. Swissinfo hat deshalb zwei Ethnologen zum Verhaeltnis zwischen Mensch und Hund befragt. Jacqueline Milliet sagt u.a. dass das Halten von Kampfhunden “eine Fortführung des Klassenkampfs mit anderen Mitteln” sei: “Es handelt es sich um ein äusserliches Zeichen von Gewalt-Status, ähnlich wie die Vierrad-angetriebenen Gelände-Wagen.

Sie hat selber nicht Hundehalter studiert, nimmt jedoch an, dass das Halten “solcher äusserlicher Kraftsymbole” eine Reaktion auf das Verhalten der privilegierten Klassen sei, die sich zum Beispiel 4X4-Statusfahrzeuge zulegten. Letztes Jahr seien Pitbulls zum Accessoire der Vorstadtjugend in den vernachlässigten Banlieues avanciert. >> zum Artikel bei Swissinfo

In der Schweiz wird ein landesweites Verbot von Pitbulls diskutiert. Swissinfo hat deshalb zwei Ethnologen zum Verhaeltnis zwischen Mensch und Hund befragt. Jacqueline Milliet sagt u.a. dass das Halten von Kampfhunden "eine Fortführung des Klassenkampfs mit anderen Mitteln" sei: "Es…

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“Afrikaner hatten hohes Ansehen an europäischen Fürstenhöfen”

Im Leipziger Völkerkundemuseum ist derzeit die Ausstellung “Äthiopien und Deutschland” zu sehen. Ziel ist unter anderem “ein positives Äthiopien-Image aufzubauen und nicht das defizitäre Afrika zu zeigen”, sagt Ethnologin Kerstin Volker-Saad im Neuen Deutschland.

Zum Verhaeltnis von Äthiopien und Deutschland in der Vergangenheit sagt die Ethnologin:

In der Ausstellung wird deutlich, dass Äthiopier an europäische Höfe geholt wurden, weil sie Gelehrte waren und besondere Fähigkeiten hatten. Der äthiopische Gelehrte Abba Gregorius, der mit Hiob Ludolf die deutsche Äthiopistik begründete, war 1652 zu Gast bei Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Später hat sich August der Starke für Afrika begeistert. Bei Festen stilisierte er sich selbst als Mohrenkönig. Er trug dazu eine zweite Haut aus dunklem Leder, über der barocke Kostüme angezogen wurden. Afrika war damals weitgehend unbekannt und stand für das Großartige.

>> zum Interview im Neuen Deutschland (link aktualisiert)

Im Leipziger Völkerkundemuseum ist derzeit die Ausstellung "Äthiopien und Deutschland" zu sehen. Ziel ist unter anderem "ein positives Äthiopien-Image aufzubauen und nicht das defizitäre Afrika zu zeigen", sagt Ethnologin Kerstin Volker-Saad im Neuen Deutschland.

Zum Verhaeltnis von Äthiopien und Deutschland…

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Das Alevitentum als Forschungsobjekt – Interview mit Ethnologen Martin Sökefeld

Die Aleviten bilden in der Türkei nach den sunnitischen Muslimen mit mindestens 15 bis 20 % der Bevölkerung die zweitgrößte Religionsgruppe. Sie hatten im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer wieder Verfolgungen zu erdulden. Auch in Deutschland wohnen Aleviten.

1993 ist der Hamburger Ethnologe Martin Sökefeld zufaellig neben dem Alevitischen Kulturzentrum eingezogen. Seitdem interessiert er sich fuer das Alevitentum, erzaehlt er in einem Interview in der Istanbul Post:

Im Mai 1995 gab es dann das Massaker in Gazi, und daraufhin habe ich mich ausführlicher mit verschiedenen Mitgliedern des Zentrums unterhalten, um mehr über Aleviten zu erfahren. Ich war ziemlich beeindruckt davon, dass sich junge Aleviten sehr engagiert für das Alevitentum einsetzten und an allem Alevitischen sehr interessiert waren. Das war für die alevitischen Jugendlichen damals ja auch noch ziemlich neu, da die Aleviten erst wenige Jahre zuvor an die Öffentlichkeit getreten waren. Für mich als Ethnologen war das eine sehr interessante neue Identitätsbewegung, und langsam entstand die Idee, mich damit wissenschaftlich zu beschäftigen.

>> zum Interview in der Istanbul Post

>> Martin Sökefeld: Das Sivas-Massaker: Erinnerungskultur der Aleviten in Deutschland

>> Martin Sökefeld and Susanne Schwalgin: Institutions and their Agents in the Diaspora: A Comparison of Armenians in Athens and Alevis in Germany

Die Aleviten bilden in der Türkei nach den sunnitischen Muslimen mit mindestens 15 bis 20 % der Bevölkerung die zweitgrößte Religionsgruppe. Sie hatten im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer wieder Verfolgungen zu erdulden. Auch in Deutschland wohnen Aleviten.

1993 ist…

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