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Ethnologen studierten Konsequenzen von Zwangsräumungen

(LINKS AKTUALISIERT 16.1.2022) Von einem guten Beispiel ethnologischer Forschung in Deutschland berichtet Die Welt. Ethnologen der Universität Hamburg gingen unter der Leitung von Waltraud Kokot acht Monate lang der Frage nach, welche Schicksale sich hinter den Räumungs-Statistiken verbergen. Hauptergebnis: Menschen mit Mietschulden bekommen oft nicht die Hilfe, die sie brauchen, und verlieren in der Folge ihre Wohnung.

Wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, so die Forscher, ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. “Die Probleme der Menschen fangen viel früher an – auch wenn es den Betroffenen oft nicht bewusst ist”, so Kokot. Fast alle Betroffenen waren arbeitslos und litten unter psychischen Problemen. Viele hatten schon länger Sucht- und Schuldenprobleme.

>> weiter in der Welt

“Eine Zwangsräumung mitzuerleben war das Bedrückendste, was ich bei meiner Forschung bislang erlebt habe”, sagt Ethnologe Martin Gruber zum Magazin Hinz&Kunzt, in dem mehr ueber die Studie nachzulesen ist. >> weiter bei Hinz&Kunzt

UPDATE: Aufgrund der Studie fordert die SPD besseren Schutz vor Obdachlosigkeit, siehe mehr in der taz

(LINKS AKTUALISIERT 16.1.2022) Von einem guten Beispiel ethnologischer Forschung in Deutschland berichtet Die Welt. Ethnologen der Universität Hamburg gingen unter der Leitung von Waltraud Kokot acht Monate lang der Frage nach, welche Schicksale sich hinter den Räumungs-Statistiken verbergen. Hauptergebnis:…

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In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in der Ethnologie

(via riemer-o-rama) Zu einer antikolonialen Kundgebung und Ausstellung vor dem Ethnologischen Museum in Berlin am kommenden Sonntag rufen der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER e.V.) und die Antirassistsichen Initiative e.V. auf. Denn Ethnologie sei immer noch von kolonialen weissen Sichtweisen gepraegt, schreiben die Veranstalter:

“Ethnologisches Ausstellen findet aus einer europäischen Perspektive heraus statt und hat daher mehr mit europäischen Vorstellungen zu tun als mit den dargestellten Gesellschaften selbst. Durch die Ausstellungsstücke und die Art ihrer Präsentation werden koloniale und rassistische Bilderwelten der weißen Besucher_innen aktiviert und erneut bestätigt.

Zwar haetten die Ethnologen versucht, in ihrer neuen permanenten Afrika-Ausstellung versucht, mit Vorurteilen aufzuraeumen. Unter anderem wurde der Begriff der „primitiven Kunst“ verworfen:

Doch leider ist es nicht damit getan, diese rassistischen Vorstellungen als „überholt“ darzustellen. Vielmehr geht es darum, anzuerkennen, dass diese immer noch die Gedankenwelt der meisten weißen Deutschen prägen. Nach wie vor fehlen Hinweise auf die koloniale Herkunft der Gegenstände. In der neuen Ausstellung werden koloniale Machtverhältnisse sogar noch verschleiert, indem häufig Formulierungen wie „Handelsbeziehungen“ verwendet werden. Auch der europäische Blickwinkel bleibt bestehen, ohne in der Ausstellung als solcher benannt zu werden.

Die Veranstalter fordern zum einen die Rueckgabe geraubter Ausstellungsstuecke, zum andern die Umgestaltung des Ethnologischen Museums in ein Museum, das sich mit der kolonialen Geschichte der Sammlungen und der Tradition ethnologischen Ausstellens befasst.

>> mehr Information zur Kundgebung

>> Interview in der Jungen Welt

Gibt es eine Kontinuitaet zwischen diesen Ausstellungen und heutigen Ethno-Shows?

MEHR ZUM THEMA:

Kolonialismus ist ueberall – erste deutschsprachige Einführung in postkoloniale Theorie

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

Christoph Seidler: »Opfer ihrer Erregungen«: Die deutsche Ethnologie und der Kolonialismus

An exhibition and a movie: The French, colonialism and the construction of “the other”

Hat sich in der deutschen Ethnologie seit 100 Jahren nichts veraendert?

The spectacle and entertainment value of living Indians in the museum

“Unbedarftheit gegenueber kolonialer Vergangenheit”: taz ueber African Village im Augsburger Zoo

Revolutinierte Afrika-Forschung: FAZ portraetiert den Ethnologen Georges Balandier

‘Weiße’ Geschichte – deutsche Version: Kolonialgeschichte im öffentlichen Straßenbild allgegenwärtig

‘Weiße’ Geschichte: Es tut sich was in Australien

(via riemer-o-rama) Zu einer antikolonialen Kundgebung und Ausstellung vor dem Ethnologischen Museum in Berlin am kommenden Sonntag rufen der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER e.V.) und die Antirassistsichen Initiative e.V. auf. Denn Ethnologie sei immer noch von kolonialen weissen Sichtweisen gepraegt,…

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“Deutsche Migranten schlecht erforscht”

Seit 120 Jahren sollen nicht mehr soviele Deutsche ins Ausland migriert, ist z.Zt ueberall zu lesen (ich gehoere auch dieser Gruppe). Fuer uns speziell interessant: Im Gegensatz zu tuerkischen Migranten sind deutsche Migranten sind so gut wie gar nicht erforscht:

Auf die Frage der tagesschau “Wie gut erforscht ist die Motivation der Auswanderer?” antwortet Migrationsforscher Klaus J. Bade von der Uni Osnabrück:

Miserabel. Abgesehen von den aus Visa-Statistiken ablesbaren Absichten, zu bestimmten Zwecken auf Zeit in bestimmte Länder zu gehen, sind wir da erst ganz am Anfang. Auswanderung war eben lange kein aktuelles wissenschaftliches Thema mehr. Es wird Zeit, daß sich das ändert.

Die Zahlen (145 000 Auswanderer im vergangenen Jahr) sind offenbar mit Vorsicht zu geniessen. Diese Zahl gebe nicht an, wie lange die Menschen fortblieben, schreibt die faz. Auch eine befristete Tätigkeit für eine ausländische Firma wuerde als „Fortzug“ erfasst werden. Ausserdem scheinen gewisse Milieus die Zahlen fuer ihre eigenen Steckenpferde zu nutzen (weniger Sozialstaat, mehr Neoliberalismus).

Und da Panikstimmung zu herrschen scheint: Solange der Wegzug freiwillig erfolgt, tun jedem ein paar Jahre im Ausland gut – sollte eigentlich obligatorisch sein fuer alle :)

Recherchetip: Man koennte bei den zahlreichen Auswandererforen im Netz mal anfangen, z.B. im Norwegen Freunde Forum

Zwei Kommentare zur Auswanderwelle:

Clemens Wergin: Tschüss Deutschland
Auswanderung: Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften vertreiben viele Leistungsträger (tagesspiegel, 25.10.06)

Uwe Kalbe: Migrations-Paradox
Deutschland ist nicht nur ein Einwanderungsland. Deutschland ist auch ein Auswanderungsland (Neues Deutschland, 24.10.06)

Seit 120 Jahren sollen nicht mehr soviele Deutsche ins Ausland migriert, ist z.Zt ueberall zu lesen (ich gehoere auch dieser Gruppe). Fuer uns speziell interessant: Im Gegensatz zu tuerkischen Migranten sind deutsche Migranten sind so gut wie gar nicht erforscht:

Auf…

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“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

Solche Ausstellungen muss es öfter geben. Die taz schreibt über die Fotoausstellung des Ethnologen und Fotografen Markus Bullik im Altonaer Museum (Hamburg):

Sie bedecken ihr Haupt mit Stroh und hängen sich große Glocken um die Taille. Markus Bulliks Bilder wirken, als seien sie in entlegenen Regionen der Erde aufgenommen worden. Porträtiert hat der Ethnologe und Fotograf seine “Brauchgestalten” aber in süddeutschen Dörfern.

Die norddeutsche Journalistin ist erstaunt über die “archaischen Ausdrücke”, die man im Süden verwendet:

Von manchen Worten wusste man gar nicht, dass die deutsche Sprache sie hat. “Buttenmandl” zum Beispiel, “Hisgier” und “Pfingsthäs”. Begriffe, die exotisch und archaisch wirken und mit denen der norddeutsch-protestantische Städter wenig anfangen kann. In südlich-katholischen Gefilden dagegen werden sie verständlich – vorausgesetzt, man studiert die Dialekte in den dortigen Dörfern. Genau das hat der Ethnologe und Fotograf Markus Bullik getan; die Resultate sind amüsant bis erschreckend. Als stammten sie aus entlegenen Siedlungen Afrikas, wirken die “Brauchtumsgestalten”, die Bullik abgelichtet hat – in Oberbayern, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Es scheint eine gute Ausstellung zu sein. Die Norddeutsche reflektiert über ihre eigene Sicht der Dinge:

Während man noch überlegt, warum sich ein junger Mann in ein Kostüm aus geflochtenem Roggenstroh zwängt (..) beginnt [man] sich zu fragen, ob sie nicht triftige Gründe dafür haben dürften, in klobigen Stroh- und Kuhglocken-Kostümen herumzulaufen. Ob es nicht Sinn hat, zu Beginn der Kirmes einen Ochsenschädel aus- und später wieder einzugraben.

Kein Zweifel: Die von Bullik dokumentierten Akteure sind durchweg erfüllt vom Sinn dessen, was sie tun; mit selbstbewusstem Stolz blicken sie in die Kamera. Und sollte man, ganz norddeutsche StädterIn, zu Beginn des Ausstellungsrundgangs noch leichte Überheblichkeit gespürt haben – sie gibt sich ganz schnell.

Auch diese Gedanken kommen bekannt vor, erinnern an andere Diskussionen:

Während man sich dabei ertappt, solch romantisierenden Gedanken nachzuhängen, wird man einigermaßen jäh in die Realität zurückgeholt: “Da unter dem Schutz der Masken manche Rechnung zum Ausgang des Jahres beglichen wurde”, ist da zu lesen, “kontrolliert die Polizei heutzutage das Treiben der Wilden Klausen.” Aus ist’s mit der Idylle: Auch diese folkloristischen Harmlosigkeiten lassen sich missbrauchen; patriarchalisch scheinen einem jetzt die sämtlich männlichen Gestalten, die da Winter austreiben und um gute Ernte bitten, sprich: im Advent, zu Ostern und Pfingsten Konjunktur haben. Die unter Kreischen um die Häuser ziehen und deren Bewohner zur Herausgabe von Geld, Speck und Eiern nötigen.

>> zum Text in der taz von Petra Schellen

Dieser Text ist damit die perfekte Ergänzung zum früheren Eintrag Auf zum Zoo der archaischen Riten in Papua New Guinea!

Markus Bullik kennen wir von seiner Tsunami-Hilfsaktion.

Solche Ausstellungen muss es öfter geben. Die taz schreibt über die Fotoausstellung des Ethnologen und Fotografen Markus Bullik im Altonaer Museum (Hamburg):

Sie bedecken ihr Haupt mit Stroh und hängen sich große Glocken um die Taille. Markus Bulliks Bilder wirken, als…

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Musikethnologie des Alphorns – neue Multimedia-Webseite

Swissinfo hat kuerzlich eine spannende Webseite ins Netz gestellt: www.swissalpinemusic.ch – Man erfaehrt dort nicht nur alles Moegliche ueber das Alphorn, ueber Jodeln und andere Alpentraditionen: Man kann sich nicht nur Schweizer Alpenmusik anhoeren, sondern sogar selbst Alphorn-Lieder komponieren, das Lied speichern und dann versenden.

André Scheurer, Musikredaktor bei Radio Swiss Classic, hat die Töne einzeln auf dem Alphorn für den “Composer” eingespielt. “Das Alphorn starb beinahe aus, weil es seine Bedeutung als Kommunikations-Werkzeug der Hirten um 1800 verlor”, sagt Musikethnologin Brigitte Bachmann-Geiser, die die Texte geschrieben hat. In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Tradition des Alphornspielens wiederbelebt. Das Alphorn eroberte seinen Platz in der Klassik, im Pop und auch im Jazz.

>> zum Text in Swissinfo

>> zur Webseite www.swissalpinemusic.ch

Swissinfo hat kuerzlich eine spannende Webseite ins Netz gestellt: www.swissalpinemusic.ch - Man erfaehrt dort nicht nur alles Moegliche ueber das Alphorn, ueber Jodeln und andere Alpentraditionen: Man kann sich nicht nur Schweizer Alpenmusik anhoeren, sondern sogar selbst Alphorn-Lieder komponieren, das…

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