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Neue Studie: Islamisches Gemeindeleben in Berlin

Muslimische Gemeinden öffnen sich mehr. Sie haben einen viel besseren Kontakt zu Verwaltung, Polizeidienststellen und Schulen als noch vor ein paar Jahren. Das ist eines der wichtigen Ergebnisse der neuen Studie “Islamisches Gemeindeleben in Berlin”, einer Pressemeldung zufolge.

Die Studie wurde geleitet von der Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus und der Stadtanthropologin Alexa Färber. An der Auswertung der Untersuchung und der Publikation waren insgesamt 11 Islamwissenschaftlerinnen, Europäischen Ethnologinnen, Stadt- und Migrationssoziologen und Religionswissenschaftlerinnen beteiligt.

>> Download der Studie (pdf, 2,3MB )

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Die…

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Schiffauer: “Öffnung gegenüber dem Islam nicht der Terrorismusbekämpfung unterordnen”

Die Öffnung gegenüber dem Islam darf nicht der Terrorismusbekämpfung und Sicherheitspolitik untergeordnet werden, meinen Ethnologe Werner Schiffauer und Soziologe Michael Bommes, Herausgeber des neuen Migrationsberichts. Sie kritisieren, dass die Politik wird immer mehr von Bedrohungsszenarien dominiert wuerde, schreibt der SPIEGEL. Der Migrationsbericht 2006 ist noch nicht online. Ein interessanter Kommentar zu Islam in Deutschland liefert Omar Abo-Namous im Beitrag Sind Muslime integrationsresistent?

Vermutlich weil diese irrationalen Bedrohungsszenarien auch in den Medien beliebt sind, meint fast die Haelfte der deutschen Bevoelkerung, es gebe zu viele Auslaender in Deutschland. Besonders schlimm ist die Fremdenfeindlichkeit in Doerfern Ostdeutschlands laut der neuen Studie “Deutsche Zustände” des Bielefelder Sozialwissenschaftlers Wilhelm Heitmeyer, schreibt die taz. Einen laengeren Bericht dazu gibts in der ZEIT. “Heitmeyer verteufelt Andersdenkene”, kritisiert ein Kommentator auf dem Soziologie-Blog Soziologie und ihre mediale Aufmerksamkeit.

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Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

Kultur ist einer der schwierigesten Begriffe in der Ethnologie. Nachdem die allermeisten Ethnologen ihn immer weniger benutzen, ist er besonders bei Nationalisten und lautstarken Islamkritikern beliebt. Karin Nungeßer hat im Freitag einen schoenen Text zum Nutzen des Begriffs “Kultur” in der Debatte um Zuwanderung in Deutschland geschrieben – inspiriert von einem offenbar umstrittenen Film (Knallhart):

Die Botschaft, nicht nur im Film, lautet: Wenn wir Zusammenstöße vermeiden wollen, müssen wir wachsam sein – und ihnen im Zweifelsfall besser aus dem Weg gehen. Die Unterscheidung zwischen “uns” und “den anderen” wird dabei ebenso vorausgesetzt wie legitimiert – mit dem fatalen Effekt, dass jede Differenz, die “Ausländer” betrifft, als potenziell bedrohliche wahrgenommen wird.

Hier ist “Kultur” der zentrale Begriff, um zwischen “uns” und “den anderen” zu unterscheiden.

Keine einfache Sache offenbar, denn das Statistische Bundesamt hat mittlerweile nicht weniger als zehn verschiedene Kategorien von “Menschen mit Migrationshintergrund”, z.B.

– “Ausländer”,
– “Spätaussiedler”
– “Eingebürgerte”
– “Deutsche mit einseitigem Migrationshintergrund”
– “Deutsche nach ius-solis-Regelung”
– hier geborene Kinder, die sich spätestens mit 23 Jahren zwischen ihrer deutschen und ihrer nicht deutschen Staatsangehörigkeit entscheiden müssen.

Diese “anderen Deutschen” (zu denen ich laut dieser Definition also auch zugehoere) machen über 15 Millionen Menschen und damit knapp ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Deutschlands aus.

Die Freitag Autorin zitiert Ethnologen Martin Sökefeld, der feststellt, dass der Gebrauch von “Kultur” als geteilter Bestand von Gruppen sich in der Ethnologie weitgehend erledigt hat:

Zu groß ist das Bewusstsein, dass Kultur von Menschen in ihrer sozialen Praxis geschaffen wird, dass sie daher Konflikten unterliegt und sich permanent verändert. Deshalb haben die Angehörigen einer Gruppe kaum durchgängig ein und dieselbe Kultur – auch wenn genau das behauptet wird. So wenig die autochthone Bevölkerung also samt und sonders auf die Werte von Christentum und Aufklärung verpflichtet werden kann, so wenig unterliegen Migranten und Migrantinnen einer eigenen “Kultur”, die ihr Denken und Handeln bestimmt.

Sie schreibt auch von einer Studie unter muslimischen Kopftuchtraegerinnen, die – nicht ueberraschend – folgendes ergab:

So gaben zwar 95 Prozent als wichtiges Lebensziel an, ihren Glauben leben zu wollen. Die meisten von ihnen – fast 80 Prozent und damit ungefähr genauso viele unter den kopftuchlosen deutschen Frauen – sehen es jedoch als ebenso wichtig an, “möglichst frei und unabhängig zu sein”.

Ihre Schlussfolgerung:

Wenn offenbar selbst streng religiöse Muslimas in Deutschland mit einem Mix aus traditionellen und modernen “westlichen” Werten leben, ist die Idee einer kulturellen Differenz zwischen “uns” und “denen” dann nicht ehrlicherweise als das zu verabschieden, was sie ist: eine Ideologie, die uns schadet? Weil sie Integration erschwert und den sozialen Frieden in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland gefährdet?

Tatsächlich geht es nämlich um viel. Das Reden über “Kultur” ändert ja nichts am sozialen und politischen Machtgefälle zwischen Mehrheitsgesellschaft und Einwanderern, das in der Tat gravierend ist und dringend angegangen werden muss. So brauchen wir, um nur die beiden wichtigsten Punkte zu nennen, endlich ein Schulsystem, das Kinder von Geringqualifizierten nicht länger eklatant benachteiligt, und politische Mitbestimmungsrechte für alle, die hier dauerhaft leben.

>> zum Text im Freitag

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“Grüezi”: Die Exotik des Schweizer Alltags

“Die eidgenössische Ureinwohnerin mit Tribal Tattoo, Nasenring und Zungenpiercing sieht doch mindestens so exzentrisch aus wie die Araberin mit Kopftuch neben ihr auf der Schulbank, oder nicht?”, schreibt Ethnologe David Signer in einem neuen Buch, das den Blick für “das Skurrile und Exotische unseres Alltags” schärfen soll. «Grüezi. Seltsames aus dem Heidiland» heisst das Werk mit Bildern des Fotografen Andri Pol.

>> mehr im St.Galler Tagblatt

NEU (31.1.07):
Bericht in Swissinfo ueber das Buch

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"Die eidgenössische Ureinwohnerin mit Tribal Tattoo, Nasenring und Zungenpiercing sieht doch mindestens so exzentrisch aus wie die Araberin mit Kopftuch neben ihr auf der Schulbank, oder nicht?", schreibt Ethnologe David Signer in einem neuen Buch, das den Blick für…

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Forschungsvermittlung einmal anders: Forschungsergebnisse auf Ethno-Kalender

Statt ein Buch zu schreiben oder Zeitschriftartikel oder gewoehnliche Seminararbeiten haben Studierende am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Wien einen Wandkalender erstellt meldet DieUniversitaet-online, die Zeitung der Universität Wien. “Der Kalender ‘Herz 2007’ ist ein Versuch, neue Formate zur Vermittlung wissenschaftlicher Forschung zu erproben, erklärt die Herausgeberin Elisabeth Timm.

Denn die Ergebnisse kulturwissenschaftlicher Forschung sollen auch außerhalb der Universität nutzbar gemacht werden”, sagt sie:

“Das Studienprojekt nutzt das Format eines Wandkalenders auch deshalb, weil wir es für notwendig halten, dass die Europäische Ethnologie als empirische Kulturwissenschaft solche populären Medien nicht nur untersucht, sondern sie auch für die Popularisierung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse einsetzt.”

Der Kalender dokumentiert auf zwölf Monatsblättern Forschungen zur Geschichte und Gegenwart des Herzens als Organ und als Symbol:

“Im Mittelpunkt der Forschungen stand das Herz als Symbol im Alltag. Jedes Blatt wurde von einem Studierenden betreut, die Themen reichen von “Valentinstag und Muttertag: Das Herz als Angebot” (Mai-Blatt), “Die Nation als Herz, Herz für die Nation” (Oktober-Blatt) oder “Herz als Mahlzeit: zwischen Tabu und regionaler Spezialität” (Dezember-Blatt). Zeitgenössische Zitate, Fotos und Grafiken zur jeweiligen Monatsthematik vermitteln anschaulich die Welt des Herzens.”

>> mehr in der Zeitung “Die Universitaet”

Ueber eine andere innovative Art der Wissensvermittlung war hier kuerzlich zu lesen, siehe Musikethnologie des Alphorns – neue Multimedia-Webseite

Statt ein Buch zu schreiben oder Zeitschriftartikel oder gewoehnliche Seminararbeiten haben Studierende am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Wien einen Wandkalender erstellt meldet DieUniversitaet-online, die Zeitung der Universität Wien. "Der Kalender 'Herz 2007' ist ein Versuch, neue Formate…

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