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Forscher filmen Forscher: Ein bisschen Ethnologie im Science-TV

Gute Idee: Im Science-TV der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellen Forscher in dreiminütigen Videos ihre eigene Arbeit vor. Und zwar schon seit drei Jahren.

Nun hat soeben eine dritte Staffel mit Beiträgen begonnen. Die Ethnologie ist auch vertreten. In einem neuen Video werden die Aktivitäten des Sonderforschungsbereichs „Ritualdynamik“ der Universität Heidelberg vorgestellt. Forscher aus verschiedene Disziplnen studieren Rituale aus verschiedenen Ecken der Welt, um sie danach zu vergleichen: "Die Krönung eines Königs im Mittelalter, ein virtueller Gottesdienst im Second Life, der Valentinstag in Neu Delhi – was haben diese Anlässe gemeinsam?"

DFG Science TV: Die Welt der Rituale - Trailer

Thema des neuesten Videos sind Übergangsrituale in Nepal.

Die Welt der Rituale - 01: Übergangsrituale in Nepal

Wie gelungen ist diese Präsentation? Ich bin mir nicht sicher. Die Sprecherin redet, die Betroffenen kommen nicht zu Worte, sie erscheinen nur als Forschungsobjekte. "Hier handelt es sicht um eine Hochzeit wie wir sie kennen", dieser Kommentar ist auch nicht der allerglücklichste. Denn wenn sie danach das Ritual beschreibt als "vergleichbar mit Weissen Sonntag oder Konfirmation", scheint sie hauptsächlich (weisse?) Christen anzusprechen.

Mehrere Videos werden wohl folgen, ausserdem gibt es eine Bildergallerie, Forscherportraits etc

Der Forschungsbereich hat eine informative Webseite (mit Hintergrund zum Video) und auch eine Open Access Zeitschrift Forum Ritualdynamik

Ich habe im letzten Jahr kurz über den Forschungsbereich geschrieben, siehe Ritualboom in Deutschland

Auch interessant bei Science-TV: Ältere Beiträge zu Die Millionenstadt und Bedrohter Bergwald mit einer schönen Schilderung des Forschers auf dem Weg vom Flugplatz zur Forschungsstation weit entfernt im Regenwald

SIEHE AUCH:

Initiationsriten: Merkwürdige Weisse

“Ritualboom in Deutschland”

Forschungsprojekt untersucht Rituale in Internet

Earth Hour – The first globalized ritual?

DDR-Ritual wird immer beliebter

World Cup Enthusiasm: “Need for a collective ritual, not nationalism”

Fetsawa Umamane – a wedding ceremony in support of durable solutions in West Timor

Die Realität erweitern: Ethnografischer Film über Liverollenspiel

Video: Musikethnologie auf der Strasse

Verständliche Wissenschaft: Der Siegeszug der Science Slams

The Anthropological Comic Book – an alternative way of reaching the audience

Gute Idee: Im Science-TV der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellen Forscher in dreiminütigen Videos ihre eigene Arbeit vor. Und zwar schon seit drei Jahren.
Nun hat soeben eine dritte Staffel mit Beiträgen begonnen. Die Ethnologie ist auch vertreten. In einem neuen Video…

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Aus Seminararbeiten werden Wikipedia-Artikel

10 Jahre alt ist Wikipedia geworden. Ethnologe (und Informatiker) Nando Stöcklin hat seit 2003 rund 200 Artikel geschrieben und an über 6000 Artikeln mitgearbeitet, lesen wir in der NZZ.

Während er studierte, konnte er ganze Ferienwochen damit verbringen, seine Seminararbeiten in Wikipedia einzubringen, u.a. über Indianer in Nordamerika. Inzwischen setzt er sich Bildungsinformatiker an der Pädagogischen Hochschule Bern wissenschaftlich mit dem Thema Wikipedia auseinander und ist er vom Autor zum «Administrator» aufgestiegen. Er ist auch Verfasser des Buches Wikipedia clever nutzen – in Schule und Beruf.

Die “Wikipedia-Feindlichkeit vieler Lehrer” hält er für “unangebracht”.

>> weiter in der NZZ

>> Nando Stöcklins Blog

SIEHE AUCH:

Interview with Michael Wesch: How collaborative technologies change scholarship

Online: New book on the cultural significance of Free Software

Volkskunde-Studenten entwickeln Wiki über bayrische Bräuche

Ethnographic study: Social network sites are “virtual campfires”

antropologi.info survey: Six anthropologists on Anthropology and Internet

10 Jahre alt ist Wikipedia geworden. Ethnologe (und Informatiker) Nando Stöcklin hat seit 2003 rund 200 Artikel geschrieben und an über 6000 Artikeln mitgearbeitet, lesen wir in der NZZ.

Während er studierte, konnte er ganze Ferienwochen damit verbringen, seine Seminararbeiten in…

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Forscher widerlegen Sarrazin in neuem Report

Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand (pdf) heisst ein neuer Report, in dem ein Team aus Politologen, Sozialwissenschaftlern, einem Islamwissenschaftler und einer Ethnologin die Aussagen von Thilo Sarrazin über Muslime in Deutschland widerlegen.

Den Forschern der Humboldt Universität in Berlin geht es im Report in erster Linie um Fakten und weniger um Sarrazins Weltbild (als alternatives Projekt könnte man evt Sarrazins Nähe zu Hitler aufzeigen).

Sie schreiben u.a. über “Interethnische Partnerschaften”, “Kriminalitätsrate nicht in Abhängigkeit zur Religiosität”, “Sprachkenntnisse bei großer Mehrheit gut”, “Bildungsanstieg bei zweiter Generation” und – sehr interessant “Deutschland droht zum Auswanderungsland zu werden”.

Ob Sarrazins Anhänger sich überzeugen lassen?

Im Report räumen die Forscher selbst ein, dass in der öffentlichen Debatte wissenschaftliche Analysen “dem Bauchgefühl einer meinungsbildenden Mehrheit unterlegen” war. “Gegenläufige Trends und Ergebnisse, die von der Wissenschaft gemessen werden, verschärfen eher das Misstrauen gegenüber der Forschung, als zu einem Stimmungswechsel innerhalb der Gesellschaft zu führen.”

Der Report wird von der Politologin Naika Foroutan herausgegeben. Sie leitet das Forschungsprojekt Hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle.

In mehreren Medien wurde der Report besprochen, siehe u.a. Interview mit Naika Foroutan im Deutschland-Radio sowie Berichte im Standard, im ORF und in der Frankfurter Rundschau.

SIEHE AUCH:

Sarrazin-Protest: Ethnologin Sabine Hess hatte Recht

Racism: The Five Major Challenges for Anthropology

Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand (pdf) heisst ein neuer Report, in dem ein Team aus Politologen, Sozialwissenschaftlern, einem Islamwissenschaftler und einer Ethnologin die Aussagen von Thilo Sarrazin über Muslime in Deutschland widerlegen.

Den Forschern der Humboldt Universität in Berlin…

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Verständliche Wissenschaft: Der Siegeszug der Science Slams

Mit Zeichentrickserien seine Forschung über die Lebenswelt indischer Migranten erklären? In höchstens 10 Minuten? Auf einer Konzertbühne, während die Zuhörer Bier trinken?

In immer mehr Städten werden Science-Slams veranstaltet, wo Wissenschaftler auf möglichst unterhaltsame und anschauliche Weise ihre Forschungsprojekte erklären. Wie bei einem Poetry Slam bestimmt das Publikum dann einen Sieger.

In Münster lockte dieser Wissenschaftswettstreit letzte Woche wieder viele Zuschauer, meldet die Münstersche Zeitung. Lange Schlangen vor dem Eingang. Viele mussten wieder nach Hause gehen. Es gab nur 350 Plätze.

Science Slam vom 18. Oktober - der Lokalzeit-Rückblick

Darunter war laut ddp auch Ethnologin Julia Koch. Sie verweiste auf den aus der US-amerikanischen Zeichentrickserie “Simpsons” bekannten Inder Apu, um den Zuhörern das Leben indischer Migranten in Südafrika, speziell deren Heiratspraktiken, nahezubringen.

“Unsere Forschung wird ja zu einem großen Teil durch öffentliche Gelder bezahlt. Ich finde, da hat jeder das Recht zu erfahren, was wir da machen”, sagt Biochemiker Patrick Seelheim in der WELT.

Mehr zu Science Slams auf http://scienceslammuenster.blogsport.de und http://www.scienceslam.org

Science Slam - zehn Minuten für die Wissenschaft

Vorträge auf Konferenzen sind oft eintönig. In letzter Zeit ist mit vielen neuen Präsentationsformen experimentiert worden, siehe meine früheren Beiträge Pecha Kucha – the future of presenting papers? und die Kommentare zu Beware: No Pecha Kucha allowed without consent from Tokyo.

Mit Zeichentrickserien seine Forschung über die Lebenswelt indischer Migranten erklären? In höchstens 10 Minuten? Auf einer Konzertbühne, während die Zuhörer Bier trinken?

In immer mehr Städten werden Science-Slams veranstaltet, wo Wissenschaftler auf möglichst unterhaltsame und anschauliche Weise ihre Forschungsprojekte erklären.…

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Leipziger Ethnologiestudierende starten “Ethnoradio”

Seit letztem Jahr protestieren sie für bessere Studienbedingungen. Nun ist die Idee entstanden, produktiv mit der Situation umzugehen und den Protesten einen ethnologischen Blick zu verleihen – mittels eines Ethnoradios, meldet die flaschenpost, der ethnologische Blog der Uni Leipzig.

Auf http://weltempfaenger.wordpress.com/ lassen sich die Beitrage anhören zu Themen wie Griots – Dichter und Sänger Westafrikas oder Waskati – Selbstmordattentäter in Afghanistan.

Es gibt auch einen interessanten selbstkritischen Beitrag Warum Ethnologie im Radio. “Wir” ziehen in die Welt und schreiben ueber “die anderen”: Besteht da nicht die Gefahr des Ethnozentrismus?

Eine Berufskrankheit von Ethnologinnen ist das Exotisieren anderer Menschen, ausserdem das Ueberbetonen von “Kultur” und “Religion”, wie auch im Beitrag über Selbstmordbomber in Afghanistan deutlich wird. In den Erklärungen, die uns da geboten werden, ist kaum etwas vom Krieg in Afghanistan und der Rolle der USA zu hören, dafür viel über Ehre und Religion, traditionelle Konfliktlösung etc. Diese kulturalistischen Perspektiven hat Ethnologe Talal Asad in seinem Buch On suicide bombing kritisiert. Als Hörer frage ich mich ausserdem: Was sind die Quellen des Beitrages?

Andere (deutschsprachige) Radio-Projekte / Podcasts: ethnowelle und talking anthropology

SIEHE AUCH:

Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie?

Ethnologie-Einführungen und die Sonderstellung der deutschen Ethnologie

Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Michael Schönhuth: Mehr Interesse für eine öffentliche Ethnologie?

Seit letztem Jahr protestieren sie für bessere Studienbedingungen. Nun ist die Idee entstanden, produktiv mit der Situation umzugehen und den Protesten einen ethnologischen Blick zu verleihen - mittels eines Ethnoradios, meldet die flaschenpost, der ethnologische Blog der Uni Leipzig.

Auf…

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