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Der zweifelhafte Einfluss der Ethnologie

Die Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) hat selten Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen. Wenn es dann doch geschah, dann war die Wirkung eher von zweifelhafter Art, schreibt der Wiener Ethnologe Andre Gingrich in der Presse.

Ein dunkler Fleck in der Fachgeschichte ist der Rassenwahn, in dem biologische Konstrukte zum Maß aller Dinge eingesetzt wurden, schreibt er. Peinlich ist auch, dass man im deutschen Sprachraum in der Ethnologie lange Zeit von “Naturvölkern” gesprochen habe. Bis zuletzt herrschte oft eine romantische Auffassung vor, nach der indigene Gesellschaften mit ihrer natürlichen Umwelt in völliger Harmonie verbunden seien.

Die Ethnologie, so Gingrich, tue gut daran, deutlich umzudenken, wo dies nicht schon begonnen hat.

>> zum Text in der Presse (Link aktualisiert)

Von Andre Gingrich siehe auch Nationale Ethnologie und exotische Anthropologie (ORF), mehrere Texte siehe Wikipedia.

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Die Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) hat selten Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen. Wenn es dann doch geschah, dann war die Wirkung eher von zweifelhafter Art, schreibt der Wiener Ethnologe Andre Gingrich in der Presse.

Ein dunkler…

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Multimedia-Webseite: Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

Ein Multimedia-Boom bei den Ethnologen? Kanal8 meldet, dass an der Freiburger Universität gestern die neue multimediale Datenbank folklore europaea vorgestellt worden sei. Sie dokumentiert erstmals Feste, Bräuche und Traditionen aus den verschiedenen Regionen Europas. Entwickelt wurde die Datenbank im Fach Europäische Ethnologie an der Uni Freiburg unter der Leitung von Professor Werner Mezger in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk Stuttgart (SWR).

Die Webseite ist viersprachig (deutsch, englisch, franzoesisch und italienisch) und noch im Aufbau. Ein kurzer Test ergab, dass noch ein paar Texte fehlen.

Schauen wir nach Ereignissen in dieser Woche, erfahren wir, dass am 5. Februar frueher in Aha (Breisgau-Hochschwarzwald) der Agathatag gefeiert wurde:

In Aha klebte man am Abend des Agathentags, also am 5. Februar, auf ein Brettchen Kerzen, gewöhnlich für jeden Verwandten eins, bei deren Schein alle Familienmitglieder eine gewisse Anzahl Rosenkränze beten. Das abgetropfte Wachs wurde gesammelt und zu einem Kreuzchen geknetet, das später dem Hirtenbuben oben ins Hosenbrisele, d. h. in den Hosensaum, eingenäht wurde.

Am 2. Februar ist Lichtmess. In Adelsheim (Neckar-Odenwald) fand da frueher die Kerzenweihe statt. Via Multimedia-Suche kommt man zu einer kleinen Lichtmess-Bildergalerie.

Sehr lustig ist das Video ueber das Butzentragen in Ailringen (Hohenlohe, Baden-Wuerttemberg) – ein aus Staedtersicht exotisches Ritual, das weiterhin gepflegt wird.

Die Buben des siebten Schuljahres machen seit unbekannter Zeit am 3. Fastensonntag den Butz. Mehrere Wochen vorher beginnen sie an mehreren Abenden in einem Stall das für die Einbindung verwendete Roggenstroh fein säuberlich herzurichten. Am Sonntag Oculi wird dann in einer geheimgehaltenen Scheune unter Mithilfe eines erfahrenen Mannes der Butz gebunden. Einer der Schüler wird mit dem Roggenstroh eingebunden, erst Füße und Arme, dann der ganze Junge.

Man findet auch Materialen von Braeuchen ausserhalb Deutschlands, z.B. Bilder vom Perchtenumzug in Bad Gastein bei Salzburg oder ein Video vom Basler Morgestraich (Fasnacht) oder Bilder vom Fischsuppenkochfest in Baja (Ungarn) sowie ein Interview zum Eierlaufen in Nagy Kapus (Rumaenien).

Coole Seite! Viel zu entdecken!

>> zur Webseite Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

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Wissensintensiver Alltag in der Wüste

Ethnologen neigen bekanntlich dazu, andere Gesellschaften exotischer dazustellen als sie eigentlich sind. In Zeitungsartikeln stehen oft Steretypien Schlange. Anders in diesem Beitrag von Cornelia Brück im Main-Rheiner ueber Ethnologen Nikolaus Schareika, der in der Kinder-Uni ueber den Alltag in der Wueste berichten wird.

Zwei Jahre lang hat der Ethnologe bei den Wodaabe im Staate Niger gelebt und ist mit ihnen und ihren Rinderherden umhergezogen.

Wir lesen:

Bei der Tierhaltung und Arbeit konnte der Ethnologe seinen Gastgeber nicht helfen, denn “das Leben in der Sahelzone setzt Fertigkeiten voraus, die man nicht von heute auf morgen erwerben kann”. Welche Stelle im Busch ist günstig für ein Camp? Wie behandele ich ein krankes Tier mit einem Brandeisen? Ist das Risiko, die Tiere zum Tschadsee zu führen, vertretbar oder nicht? Diese und ähnliche Fragen bestimmen den Alltag der Wodaabe und es braucht viel Erfahrung, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Kinder sind ein Teil dieser nomadischen Lebenswelt und werden schon früh mit einbezogen. “Sie holen Wasser oder treiben auch schon mal als Dreijährige die Kälber nach Hause”, berichtet Dr. Schareika. “Ihre Schule ist der Busch, nicht schriftliches Wissen, sondern praktische Erfahrung bereitet sie auf das Leben in einem Dürregebiet vor.”

Die Wodaabe sind hier nicht “eine andere Kultur”, sondern Menschen, die mit einer anderen Wissenstradition gross geworden sind. Der Ethnologe zeigt dass ihr Leben genauso wissensintensiv ist wie der Alltag von IT-Experten.

>> weiter im Main-Rheiner

UPDATE: >> Bericht ueber den Vortrag

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Forschungsvermittlung einmal anders: Forschungsergebnisse auf Ethno-Kalender

Statt ein Buch zu schreiben oder Zeitschriftartikel oder gewoehnliche Seminararbeiten haben Studierende am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Wien einen Wandkalender erstellt meldet DieUniversitaet-online, die Zeitung der Universität Wien. “Der Kalender ‘Herz 2007’ ist ein Versuch, neue Formate zur Vermittlung wissenschaftlicher Forschung zu erproben, erklärt die Herausgeberin Elisabeth Timm.

Denn die Ergebnisse kulturwissenschaftlicher Forschung sollen auch außerhalb der Universität nutzbar gemacht werden”, sagt sie:

“Das Studienprojekt nutzt das Format eines Wandkalenders auch deshalb, weil wir es für notwendig halten, dass die Europäische Ethnologie als empirische Kulturwissenschaft solche populären Medien nicht nur untersucht, sondern sie auch für die Popularisierung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse einsetzt.”

Der Kalender dokumentiert auf zwölf Monatsblättern Forschungen zur Geschichte und Gegenwart des Herzens als Organ und als Symbol:

“Im Mittelpunkt der Forschungen stand das Herz als Symbol im Alltag. Jedes Blatt wurde von einem Studierenden betreut, die Themen reichen von “Valentinstag und Muttertag: Das Herz als Angebot” (Mai-Blatt), “Die Nation als Herz, Herz für die Nation” (Oktober-Blatt) oder “Herz als Mahlzeit: zwischen Tabu und regionaler Spezialität” (Dezember-Blatt). Zeitgenössische Zitate, Fotos und Grafiken zur jeweiligen Monatsthematik vermitteln anschaulich die Welt des Herzens.”

>> mehr in der Zeitung “Die Universitaet”

Ueber eine andere innovative Art der Wissensvermittlung war hier kuerzlich zu lesen, siehe Musikethnologie des Alphorns – neue Multimedia-Webseite

Statt ein Buch zu schreiben oder Zeitschriftartikel oder gewoehnliche Seminararbeiten haben Studierende am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Wien einen Wandkalender erstellt meldet DieUniversitaet-online, die Zeitung der Universität Wien. "Der Kalender 'Herz 2007' ist ein Versuch, neue Formate…

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Die neue Ethnologik ist im Netz!

Sehr schoen. Powerflower – die aktuelle Herbst-Ausgabe der Muenchner Ethnologie-Zeitschrift Ethnologik ist nun im Netz.

Warum heisst die neue Ausgabe Powerflower? In der (kontroversen) Einleitung steht:

Wenn es sich bei der Ethnologie nur um ein hübsches Blümchen handeln soll, dann aber nicht um eine Orchidee. Ethnologie ist wie eine Blume – schön anzusehen – doch birgt sie durch ihr Potential etwas noch viel wichtigeres in sich. Sie hilft, uns selbst und die anderen zu verstehen. Daher sagen wir: Wenn schon Blume – dann Powerflower!

Es gibt Beitraege zu Ethnologie und Oeffentlichkeit, Ethnologie und Praxis und neue Beitraege ueber die sogenannte Muenchner Normalitaet.

Eine Besprechung folgt.

>> Download von Ethnologik 2/2006 (pdf, 1,8 MB )

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Ethnologik 1/2006 nun endlich im Netz

Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Sehr schoen. Powerflower - die aktuelle Herbst-Ausgabe der Muenchner Ethnologie-Zeitschrift Ethnologik ist nun im Netz.

Warum heisst die neue Ausgabe Powerflower? In der (kontroversen) Einleitung steht:

Wenn es sich bei der Ethnologie nur um ein hübsches Blümchen handeln soll, dann…

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