search expand

Gefährlicher “interkultureller Dialog” in Jugendbüchern

Vor zwei Jahren gaben Studentinnen der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien das Buch Das Fremde. Konstruktionen und Dekonstruktionen eines Spuks heraus, das auf Seminararbeiten basierte. Soeben ist ein neues Buch mit Seminararbeiten zu diesem Thema erschienen: alltäglich | fremd, herausgegeben von Katharina Leitner und Nicole Czekelius.

Einer der Beiträge setzt sich kritisch mit sogenanntem “interkulturellen Dialog” in der Kinder- und Jugendliteratur auseinander. Mehr und mehr Kinder- und Jugendbücher behandeln das Thema “kulturelle Fremdheit” und Migration.

Susanna Sulig analysiert ein Buch, das für friedvolles Miteinander zwischen Bewohnern Israels und Palästina eintritt und dafür sogar einen Unesco-Preis erhalten hat: Samir und Jonathan von Daniella Carmi. Es handelt um eine Freundschaft zwischen einem palästinensischen (Samir) und einem jüdischen Jungen (Jonathan). Wegen einer komplizierten Knieoperation muss Samir in ein israelisches Krankenhaus gebracht werden. Dort lernt er Jonathan kennen.

Ein offenbar guter Ausgangspunkt für eine Geschichte, die Vorurteile herausfordert und den Konflikt entmystifiziert. Doch das Buch scheint unter ähnlichen Problemen wie manche andere “interkulturellen” Initiativen zu leiden. Obwohl man für “Verständigung wird”, schreibt man Vorurteile über “die anderen” fest. Die Botschaft scheint zu sein: Ja, die anderen sind anders und vielleicht etwas primitiv, doch Freunde können wir trotzdem werden.

Bestehende Fremdheitsverhältnisse werden als überbrückbar gesehen, schreibt Susanna Sulig. Freundschaft zwischen Juden und Palästinensern wird als etwas bereicherndes dargestellt. Soweit so gut. Doch die Autorin, die selber aus Israel stammt und Jüdin ist, verbreite in ihrer Gesellschaft vorherrschende Stereotypen über den Alltag in einem Palästinenserdorf.

Die Verleihung des Unescopreises für Kinder- und Jugendliteratur im Dienste der Toleranz sieht Sulig als nicht gerechtfertigt an.

Die beiden Jungen werden vollständig unterschiedlich dargestellt.

Jonathan taucht vom ersten moment an als leiser, sensibler, interessierter und intelligenter Charakter auf. Er wird nach und nach zu Heldenfigur stilisiert. Samir dagegen ist arm, nicht besonders intelligent, resigniert und stets traurig.

Jonathan gilt als Freund der Wissenschaften, Samir als ein Freund der Magie und des Aberglaubens. Bei ihren ersten Treffen erzählt Jonathan Geschichten von der Entstehung des Universums und des Lebens auf der Erde. Jonathan kann mit einem Computer umgehen und beherrscht Englisch.

Davon weiss Samir alles nichts. Das einzige was er auf Englisch weiss, ist der Anfang aus “Aladin und die Wunderlampe”

“Die Autorin lässt Samir den Beginn von Aladin und die Wunderlampe als eine art Zauberspruch benutzen. Immer wenn Samir Angst hat und Böses abwehren will, spricht er diesen Satz leise vor sich hin”, so Sulig.

Dass Samir in Zusammenhang mit Religion, Aberglauben und Mystik gebracht wird ist nicht zufällig, meint Sullig. Die Gegenüberstellung von Westen =Aufklärung und Wissenschaft und Orient = Aberglaube und Irrationalität widerspiegelt verbreitete Sichtweisen in westlichen Gesellschaften. Edward Said hat dies in seinem Klassiker Orientalism dokumentiert.

Dies ist problematisch: Stereotypen werden von Leserinnen wiedererkannt und damit bestätigt.

Die Autorin erwähnt zwar Ausgangssperren, Unruhen und Militärkjontrollen bettet Samirs Alltag jedoch nicht in einen weiteren politischen Kontext ein. Man erfährt offenbar nichts über die Gründe seines harten Alltags. “So entstehe nur allzu leicht das Bild der verbitterten (palästinischen) Familie auf der einen und der glücklichen (jüdischen) Familie auf der anderen Seite”, kritisiert Sulig.

Einen positiven Beitrag könne das Buch nur leisten, wenn kritisch mit den stereotypen Darstellugen umgegangen würde.

Samir und Jonathan ist übrigens erst spät ins Arabische übersetzt worden, merkt sie an: erst nach Preisverleihung.

Susanna Suligs Artikel ist einer von vielen Beiträgen dieses Buchprojektes, dasin einem studentischen Verlagskollektiv (HammockTreeRecords) verlegt wurde.

Die Artikel entstanden in einem Seminar bei Peter H. Karall am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien und wurden in monatelanger Freiwilligenarbeit von Fokus_Irrt, den Herausgeberinnen, den Autorinnen und von Teilnehmenden des HammockTreeRecords Kollektivs bearbeitet und zur Publikation vorbereitet. Siehe auch früheres Interview zum ersten Buch und meine Besprechung des Buches

SIEHE AUCH:

Ethnologe: Zuviel Gerede um “das Fremde”!

– Ethnisierung verhindert Frieden

(aktualisiert) Ethnologen: WM-Berichte verbreiten Vorurteile über Afrika

Initiationsriten: Merkwürdige Weisse

Neuperlach: Wie Schule, Eltern und Medien “Ausländerprobleme” schaffen

Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Populärethnologie von Christoph Antweiler: Heimat Mensch. Was uns alle verbindet

Christians and Muslims: That’s why there is peace

Vor zwei Jahren gaben Studentinnen der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien das Buch Das Fremde. Konstruktionen und Dekonstruktionen eines Spuks heraus, das auf Seminararbeiten basierte. Soeben ist ein neues Buch mit Seminararbeiten zu diesem Thema erschienen:…

Read more

Muslim Christmas Parties in Egypt = Celebration of religious diversity?

“I have been invited to at least four Christmas parties this year, and three of them are being held by Muslims. This is the first time I’ve felt such a huge emphasis on Christmas,” 33-year-old investment banker Osama Abdelshafy says.

Hotels in Egypts have long celebrated Christmas for tourism-related reasons. However, over the past few years, Christmas has been visibly gaining ground throughout various strata of Egyptian society according to the Egyptian newspaper Al-Masry Al-Youm:

Around 10 December, the Christmas buzz starts to hit with displays popping up in almost every major Cairo mall. Banners with “Merry Christmas and Happy New Year” adorn different store and restaurant fronts, and it becomes all too evident that the consumer fever that hits many other parts of the world has caught on here this year too. Some reports say that around 500,000 Christmas trees will have been sold this year in Egypt by 25 December.

Social anthropologist Reem Saad reminds us that the celebration of Christmas has always existed as part of Egypt’s heritage. “People in Egypt have traditionally celebrated religious diversity and joined each other in their celebrations”, she says. “It has been a mainstay of Egyptian culture in the past.”

But Christmas in Egypt has departed from its roots as a celebration of the birth of Christ and taken on a more social role. “It’s not about being Christian or not, I just like the idea of getting together and giving gifts in a festive atmosphere”, Rania El-Nazer, who works in PR.

>> read the whole story in Al-Masry Al-Youm

It seems that Christmas is turning into a global secular ritual. Not only in Egypt. Only a minority in Norway for example (23%) is attending the church service at Christmas. Maybe it’s best to describe Christmas as a celebration of the family and capitalism. Many muslims and people from other religious minorities in Norway celebrate Christmas.

At the same time, the Guardian writes that Egypt’s Coptic Christians struggle against institutionalised prejudice.

At GlobalVoices you find an overview over Christmas Recipes in Global Food Blogs

SEE ALSO:

Book review: Religious globalization = Engaged cosmopolitanism?

Earth Hour – The first globalized ritual?

Christians and Muslims: That’s why there is peace

Eating Christmas in the Kalahari

Why you always get a present you don’t want – Social Sciences and Gift-Giving

Germans critical of Santa Claus’s spread – “symbol of American commercialism”

“I have been invited to at least four Christmas parties this year, and three of them are being held by Muslims. This is the first time I've felt such a huge emphasis on Christmas,” 33-year-old investment banker Osama Abdelshafy says.

Hotels…

Read more

Wie das Militär an deutschen Hochschulen Fuss fasst

In einem ausführlichen Aufsatz in der Jungen Welt zeigt Politologe Peer Heinelt wie das Militär zunehmend die Forschungsthemen an deutschen Universitäten bestimmt.

Bestimmungen, die Universitäten auf eine ausschließlich zivilen Zwecken dienende Forschung verpflichten, seien häufig blosse Makulatur.

Heinelt erwähnt u.a. die am Institut für Sozialwissenschaften der Uni Oldenburg angesiedelte Arbeitsstelle Interventionskultur. Über das »Netzwerk Interventionskultur« sei sie mit dem Sonderforschungsbereich 700 der Freien Universität Berlin Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit und dem “massgeblich” von der Bundeswehr gestalteten Studiengang Military Studies an der Universität Potsdam verbunden.

Die Kontroversen um die Bundeswehr-Ethnologin Monika Lanik, die an der Universität Tübingen ein Seminar leitete und auch später an der Uni München Werbung für Karriere in der Bundeswehr machte, darf natürlich nicht fehlen.

Im Projekt AirShield an der Technischen Universität Berlin wird kräftig an der Entwicklung von Drohnen geforscht. Dies obwohl die Zivilklausel Rüstungsforschung untersagt.

Alle sogenannten “sicherheitsrelevanten” Entwicklungsvorhaben werden daher zudem von einer Akzeptanzforschung begleitet, wo sicher auch Ethnologen stets gefragt sind.

>> mehr in der Jungen Welt

Heinelt hielt bei den diesjährigen Ostermärschen einen Appell über „Zivil-militärische Zusammenarbeit”

SIEHE AUCH:

Bundeswehr-Werbung im Ethnologie-Seminar?

The dangerous militarisation of anthropology

Immer mehr Ethnologinnen bei der Bundeswehr

Protests against British research council: “Recruits anthropologists for spying on muslims”

Military spies invade anthropology conferences?

Militarisation of Research: Meet the Centre for Studies in Islamism and Radicalisation

Cooperation between the Pentagon and anthropologists a fiasco?

Anthropology and CIA: “We need more awareness of the political nature and uses of our work”

War in Iraq: Why are anthropologists so silent?

Thomas Bargatzky – ein rechtsradikaler Ethnologe?

The return of colonial anthropology?

Selected quotes from “On Suicide Bombing” by Talal Asad

In einem ausführlichen Aufsatz in der Jungen Welt zeigt Politologe Peer Heinelt wie das Militär zunehmend die Forschungsthemen an deutschen Universitäten bestimmt.

Bestimmungen, die Universitäten auf eine ausschließlich zivilen Zwecken dienende Forschung verpflichten, seien häufig blosse Makulatur.

Heinelt erwähnt…

Read more

Europas første antropolog som disputerte på tegnspråk

På nettsidene til Örebro universitet er det en kort og interessant sak om Europas første antropolog med doktorgrad som er døv: Goedele De Clerck fra Universitetet i Gent.

Hun holder på med en sammenlignende studier om døve i Flandern, Kamerun og Sverige.

Til våren skal hun på fire måneders feltarbeid i Örebro. Denne byen er ifølge henne unik i verden fordi det finnes så mange innbyggere som kan kommunisere ved hjelp av tegnspråk.

Goedele De Clercks disputas i 2009 var den første disputas som ble avholdt på flandersk tegnspråk.

>> les hele saken

I en nylig publisert artikkel Deaf Epistemologies as a Critique and Alternative to the Practice of Science: An Anthropological Perspective (ikke tilgjengelig uten abonnent), oppfordrer hun til samarbeid mellom hørende og ikke-hørende forskere. Det finnes altfor få døve forskere, og deres innsats trenger støtte, mener hun.

Det finnes lite om henne på nett. Men jeg fant noen notater om et tidligere prosjekt: (Trans)national commonalities in Deaf people’s lives. An exploration of Deaf empowerment, identity, and agency in Flemish and international Deaf people (Word-fil). Det handler blant annet om konseptet “Deaf Culture”: Døve ser seg ikke som funksjonshemmede men som kulturell og språklig minoritet.

I Norge er det Jan-Kåre Breivik som har forsket på dette, se Døve som etnisk gruppe? og New Ethnography: The Deaf People – A Forgotten Cultural Minority.

På nettsidene til Örebro universitet er det en kort og interessant sak om Europas første antropolog med doktorgrad som er døv: Goedele De Clerck fra Universitetet i Gent.

Hun holder på med en sammenlignende studier om døve i Flandern, Kamerun…

Read more

Digital antropologi: Derfor er internett så viktig i Tanzania

I Sverige brukes Facebook til å holde kontakt med folk i samme by. I Tanzania er Facebook veien til verden. Det er på nettet studentene får kunnskap, for i biblioteket er det nesten ingen bøker.

Dette forteller sosialantropolog Paula Uimonen i et intervju med Computerworld Sweden.

I løpet av våren kommer hennes nye bok ut: Digital Dramas. Art, Culture and Multimedia in Tanzania, i tillegg en hjemmeside med forskningsresultater, bilder og videoer fra hennes feltarbeid blant studenter på en kunsthøyskole i Tanzania.

– Många av de studenter jag träffat där har aldrig använt internet innan de kom till konsthögskolan. Och så börjar de använda Facebook. De går från inget till Facebook, forteller hun i intervjuet.

– För dem som inte har råd att resa innebär det en möjlighet att hitta information och få kontakter över hela världen. Det skapar en känsla av samhörighet – men också en insikt om vad de saknar.

Paula Uimonen skrev den første avhandlingen i digital antropologi i Sverige. Hun disputerte i 2001 med Transnational.Dynamics@Development.Net Internet, Modernization and Globalization. Allerede på 90-tallet interesserte hun seg for nettets potensial i fattige land. I 1997 skrev hun for ekstempel om The Internet as a Tool for Social Development og så i 2003 om Networks of Global Interaction (pdf)

For tre år siden var Arjun Appadurai i Oslo. Digitale media og nettsamfunn kan hjelpe marginaliserte grupper til å designe en alternativ humanitet, fortalte han. De nye mediene utvider menneskenes horisont og styrker menneskenes “capacity to aspire”. Denne evnen til å ville noe, til å lengte og strebe etter noe annet og bedre er etter hans overbevisning et av de viktigste ressursene for å bekjempe urettferdighet.

SE OGSÅ:

Ethnographic study: Social network sites are “virtual campfires”

How internet changes the life among the First Nations in Canada

Internet and development in India

Internett – samenes og antropologens beste venn

Nettet som hjem. Antropologioppgave om internett og den tibetanske diasporaen

Flere antropologer med i boka: Internett i praksis. Om teknologiens uregjerlighet

Online: New book on the cultural significance of Free Software

Democraticize scholarship! Happy Open Access Week!

I Sverige brukes Facebook til å holde kontakt med folk i samme by. I Tanzania er Facebook veien til verden. Det er på nettet studentene får kunnskap, for i biblioteket er det nesten ingen bøker.

Dette forteller sosialantropolog Paula Uimonen …

Read more