search expand

Ethnologe schreibt Migrationsgeschichte – Interview mit Erwin Orywal

Die Migrationsgeschichte Deutschlands ist noch nicht geschrieben. Ethnologe Erwin Orywal hat den Historikern unter die Arme gegriffen und vor wenigen Wochen das Buch Kölner Stammbaum. Zeitreise durch 2000 Jahre Migrationsgeschichte auf den Markt gebracht. Ich habe mich mit ihm per Email unterhalten.

Warum dieses Buch?

Zurzeit findet ein Diskurs über die Frage statt, wie viel Multikulturalität wir uns erlauben wollen oder können (Änderung des Zuwanderungsgesetzes, die Leitkulturdiskussion etc). Köln “verkauft” sich als tolerante Stadt, als eine Stadt des Frohsinns, des Karnevals. Die Zustimmung zum multikulturellen Flair der Stadt ist tatsächlich groß, es gibt jedoch auch Stimmen, die sich gegen “parallelgesellschaftliche” Tendenzen und den Bau der Moschee aussprechen. Die Frage des Buches lautet daher: Wie sind denn nun die Kölner in ihrer über zweitausendjährigen Geschichte mit Fremden umgegangen? Ich habe solche Fragen in Afghanistan und Baluchistan (Pakistan) bearbeitet. Warum nun nicht einmal in Köln, meine Heimat?

Gibt es vergleichbare Buecher? Ist die deutsche Einwanderungsgeschichte geschrieben? In Norwegen kam erst 2003 das Buch “Norwegische Einwanderungsgeschichte” heraus, in Schweden nur wenige Jahre frueher.

Meines Wissens sind solche Bücher im Stil meines “Kölner Stammbaums” nicht vorhanden. Es gibt eine Fülle von wissenschaftlichen Arbeiten zum Bereich “Migration”, aber eine deutsche Migrationsgeschichte wäre eine Arbeit, die noch geleistet werden müsste.

Sie schreiben dass Sie bzgl Medienecho nicht klagen koennen (u.a. WDR, Lokalradio und Lokalpresse). Es passiert nicht oft, dass Ethnologieprofessoren Buecher schreiben wofuer sich die Medien interessieren?

Kölner haben einen gewissen selbstverliebten Zug, sodass ein Medienecho bei Kölnbezug erwartet werden kann. Es ist weniger eine Frage des Ethnologie-Professors, sondern eine Frage des Schreibstils. Ein Problem ist, dass vielfach für die akademischen Kreise geschrieben wird. Populärwissenschaftliches Schreiben gilt oft als “unfein” bzw. wird als unakademisch definiert. Es gibt erstklassige stadthistorische Arbeiten, die vom Umfang und vom Stil her zu “schwer” für eine Bett-, Urlaubs- oder Informationslektüre sind.

Es war nicht meine Absicht, eine wissenschaftliche Abhandlung zu schreiben, sondern als Übersetzer der Vielzahl von stadthistorischen Arbeiten tätig zu werden und in einem lesbaren Stil einem breiteren Publikum die Geschichte der Stadt nahe zu bringen.

Was sind Ihre Quellen? Wie haben Sie recherchiert?

Die Quellen sind die Vielzahl von stadthistorischen Arbeiten, Zeitungsberichten, Internetmaterialien sowie, im Rahmen von Seminaren, empirische Erhebungen zu aktuellen und beispielhaften Migrationsgeschichten.

Sie schreiben, dass Migration, kölnbezogen, schon präzise im Jahr 19 vor unserer Zeitrechnung begonnen hat. Warum gerade da? Ist das etwa die Gruendung von Koeln?

Die Geschichte Kölns, und auch die des Rheinlands, begann mit einem Genozid an der ursprünglichen Bevölkerung, die Eburonen. Julius Caesar hatte eine “Neue Weltordnung” formuliert, die vorsah, ganz Gallien und Germanien zu unterwerfen. Bei Widerstand erfolgte das, was kommen musste: die physische Vernichtung eines ganzen Volkes. Danach erfolgte – aus Eigeninteressen der Legionen – eine Umsiedlung der Ubier vom rechtsrheinischen Ufer auf das linksrheinische, und zwar, so unser Wissensstand, im Jahre 19 vor unserer Zeitrechnung. Dies war die erste “Anwerbung von Gastarbeitern”, eine erste Arbeitsmigration in der Kölner Geschichte.

cover

Wer waren die Migranten, woher kamen sie und warum kamen sie in den vergangenen 2000 Jahren nach Koeln?

Die Beantwortung dieser Frage würde den Umfang hier sprengen. Von allgemeiner Bedeutung ist der Aspekt, dass “Römer” nicht gleich frühe Italiener waren. Die Legionäre kamen im Falle Kölns aus Süd-Spanien, aus Frankreich, dem Balkan, vorderorientalischen Regionen, ja, und sogar aus Theben, also Ägypten, wenn man einmal einen gewissen historischen Kern der christlichen Gereons-Legende zugrunde legen würde. Möglichweise kamen daher mit den Legionären auch schon afrikanische Legionäre oder Hilfstruppen nach Köln.

Von einer besonderen Bedeutung ist die Tatsache, dass Köln die Mutterstadt der jüdischen Besiedlung Nord-Europas war und schon, nachweislich, im Jahr 321 hier die größte jüdische Siedlung nördlich der Alpen bestand. Zwischen ca. dem Jahr 300 und dem Jahr 1096 (Erster Kreuzzug) ist für Köln ein friedliches Zusammenleben zwischen jüdischer und christlicher Bevölkerung sowie Angehörigen anderer Religionen höchst wahrscheinlich.

Gab es Perioden, wo es mehr Einwanderer in Koeln gab als heute?

Nein, allein schon aus demographischen Gründen nicht. Aber in Relation gab es Perioden mit starker Einwanderung. Ich nenne nur die Zeit um 1250, als vorzugsweise “französische” Handwerker kamen, um die gotische Kathedrale, den Kölner Dom, zu bauen. Infolge der Zeit von Reformation und Gegenreformation kamen gleichfalls sehr viele Migranten nach Köln. In den Zeiten der “ersten Globalisierung”, also mit Beginn der Neuzeit, kamen vorzugsweise italienische und spanische Kaufleute nach Köln, und mit der erst in der französischen Zeit möglichen Religions-, Niederlassungs- und Gewerbefreiheit kamen dann weitere Migranten nach Köln. Ähnliches gilt für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wie war das Verhaeltnis der Koelner zu den Migranten?

Historisch gesehen, gab es die Probleme meistens zwischen den so genannten Religionsgruppen, also im späten Mittelalter mit der jüdischen Bevölkerung, dann mit den Protestanten. Köln war immer katholisch, das “Heilige Köln”. In der Preußischen Zeit Kölns (ab 1815) waren es vorwiegend aus dem Umland zugezogenen Protestanten, die eine neue ökonomische Elite in der Stadt darstellten.

Hilft uns Koelns Einwanderungsgeschichte, die Gegenwart besser zu verstehen was Einwanderung und Auslaender betrifft?

Jede Fallstudie kann dazu beitragen, Phänomene besser verstehen zu können. So auch möglicherweise mein Buch. Es zeigt, dass es lange, lange Zeiten friedlichen Zusammenlebens geben konnte, aber auch Zeiten, in denen die Mächtigen der damaligen Zeit an der “Ethnizitäts-Schraube” gedreht haben, und es kam folglich zu unfriedlichen Zeiten.

Koennen Sie das naeher erklaeren?

Nehmen wir einmal die Zeit um 1350, eine schlimme Zeit der Pest in Europa und in Köln. Der christlichen Bevölkerung fiel auf, dass die jüdischen Einwohner Kölns weniger von der Pest betroffen waren. Um das Unerklärliche der Pest erklärbar zu machen, mussten Begründungen gefunden werden. Einerseits Pest – andererseits die weniger betroffenen Juden.

Medizinische Erklärungen kannte man nicht. Also, wie es vielfach im menschlichen Leben so ist, wurde ein “Sündenbock” gesucht, und da boten sich die Juden an. Man behauptete nämlich, die Juden hätten die Brunnen der Christen vergiftet – und so wurden sie zu den “Brunnenvergiftern”.

Tatsächlicher Hintergrund war jedoch der, dass es in jeder jüdischen Siedlung eine Mikwe gab, ein jüdisches Kultbad, welches aus verschiedenen Anlässen von Frauen und Männern besucht werden musste. Fazit: Die Juden waren im Vergleich zu den Christen weitaus reinlicher, und das hatte geholfen, zumindest anfänglich weniger von der Pest betroffen zu sein. Da es schon seit dem ersten Kreuzzug Pogrome gegen Juden gegeben hatte, war es nun nicht schwer, den “anderen”, nämlich den Juden, den Sündenbock zuzuschieben.

So kam es, dass im Jahr 1424 bis zur französischen Zeit Kölns (um 1800) die Juden völlig aus der Stadt vertrieben wurden. Der vormalige Schutz der Juden durch die Kölner Erzbischöfe und deutschen Könige, weitgehend aus finanziellen Interessen gewährt, trat nun zugunsten des Stereotyps der “Brunnenvergifter” in den Hintergrund.

Konflikte waren groesstenteils religionsbedingt (kombinert mit Klasse wie Sie andeuten) – ausser in Zeiten da an der Ethnizitaets-Schraube gedreht wurde?

Da Religion ein Merkmal, sehr oft ein zentrales Merkmal, der Gruppenidentität ist, würde ich nicht unbedingt zwischen Religionsgruppen oder Sprachgruppen oder ethnischen Gruppen trennen. “Ethnische Gruppe” ist für mich der umfassende Begriff, wobei dann z.B. Religion gruppenkonstituierende Qualität hat. Ethnizität – nach meinem Verständnis der Prozess von Selbst- und Fremdzuschreibung spezifischer Traditionen – so definiert, kann instrumentalisiert werden, und zwar, wie zu sehen, zu allen historischen und rezenten Zeiten. Ethnizität ist somit gleichfalls kein Phänomen der Moderne, wie gerne behauptet wird.

Sie sagten vorher, dass Angehoerige verschiedener Religionen auch lange Zeit friedlich zusammengelebt haben. Da waere es interessant herauszufinden, wann / warum es zu Konflikten kommt?

Identitäten können instrumentalisiert werden, um Schuldzuweisungen machen zu können (siehe Pest-Beispiel), um der Eigengruppe irgendwelche Vorteile zu verschaffen, oder man definiert sich schlicht und einfach als höherwertig (z.B. das “auserwählte Volk”, “gods own country”, “Herrenmenschen”, oder wir “Städter” und der “Hillbilly”).

Im Falle der Kölner Protestanten verknüpfte sich die Ablehnung auch mit der wirtschaftlichen Stärke und Aktivität der Gruppe (“protestantische Ethik“), in denen die katholischen Zünfte der Stadt eine Konkurrenz sahen. Man konnte daher nur als Katholik Mitglied der Zünfte sein. Erst durch die Reformen der französischen Zeit wurde das Monopol der Zünfte aufgelöst und damit auch “ent-ethnisiert”.

Ich habe gelesen, dass Sie sich als Stadtfuehrer ausgebildet haben. Wird es bald Stadtfuehrungen zur Migrationsgeschichte geben?

Es ist mir ein Bedürfnis, eine breitere Öffentlichkeit zu informieren, und mittlerweile weniger ein Bedürfnis, in reiner akademischer Weise zukünftig potenziell arbeitslose Studenten auszubilden. Daher bezieht sich auch ein Großteil meines Unterrichts auf Themen, die in unserer Gesellschaft angesiedelt sind, sodass sich die Studenten mit verständlichen MA-Arbeiten außeruniversitär dann auch besser “verkaufen” können.

Ich bediene sozusagen eine Nische im akademischen Betrieb – aber mit voller Unterstützung meiner Institutskollegen. Als außerplanmäßiger Professor kann und muss ich mir auch eine größere Flexibilität erlauben. Und Stadtführungen bieten hervorragend die Möglichkeit, in historischer als auch aktueller Perspektive Fragen der Migration und der Multikulturalität aufgreifen und sie aus dem akademischen in den öffentlichen Raum tragen zu können.

Letzte Worte an die Leser vor den Bildschirmen?

Auf den ersten Blick erscheint mein Buch ganz bewusst nicht als “Be-Lehrbuch”. Unterschwellig jedoch werden die Leser schon chronologisch durch die Zeiten geführt, entlang des roten Faden von Migration im Wechselspiel mit Ethnizität. Von daher kann mein Buch durchaus als eine ethnologische Fallstudie gesehen werden, aber frei von Fußnoten, analytischen, hermeneutischen oder post-modernen Positionsdiskussionen. Und einmal so, “befreit” von akademischen Grundsatzdiskussionen, schreiben zu können, hat großen Spaß gemacht!

Sollte sich nun ein Interesse an dem Buch bei dem Einen oder der Anderen eingestellt haben, wünsche ich gleichfalls viel Vergnügen beim Lesen und bedanke mich bei der Redaktion für die Möglichkeit, hier einige Gedanken äußern zu können.

Vielen Dank fuer das Interview!

UPDATE WDR5-Interview mit Erwin Orywal

PS: Erwin Orywal hat eine sehr schoene Webseite mit sowohl Texten, Bildern und Videos.

Eine rasche Websuche zu Migrationsgeschichte ergab folgendes Ergebnis:

Deutsche Migrationsgeschichte seit 1871

Einwanderungsgeschichte der Schweiz

Neuere Arbeitsmigration in Oesterreich

Einheimische und Fremde in Linz im 19. und 20.Jahrhundert

Migration Audio-Archiv – hörbare Migrationsgeschichten

SIEHE AUCH:

Wie nützlich ist der Begriff “Kultur” in der Zuwanderungsdebatte?

For free migration: Open the borders!

Die Migrationsgeschichte Deutschlands ist noch nicht geschrieben. Ethnologe Erwin Orywal hat den Historikern unter die Arme gegriffen und vor wenigen Wochen das Buch Kölner Stammbaum. Zeitreise durch 2000 Jahre Migrationsgeschichte auf den Markt gebracht. Ich habe mich mit ihm per…

Read more

Neue Webseite zur Ethnologie im Nationalsozialismus

Wie uns Franka Winter im Forum mitteilt, haben die Ethnologen in Hamburg eine neue Webseite zur Ethnologie im Nationalsozialismus erstellt.

Auf der Startseite schreibt Cristian Alvarado:

Einsichten in die damalige Wissenschafts- und Gesellschaftspraxis können unseren Blick für heutige Verhältnisse, Möglichkeiten und Zwänge wissenschaftlicher Arbeit schulen. Angeleitet sind wir dabei von der Haltung, dass uns unsere Vergangenheit verpflichtet, an die Opfer zu erinnern – was eben auch bedeutet: jene Praktiken zu untersuchen, die Menschen im “Dritten Reich” zu Opfern sozialer Ausgrenzung machten, bis hin zu ihrer Ermordung.

Wir wollen dazu beitragen, den moralischen Imperativ Wehret den Anfängen wissenschaftlich und zivilgesellschaftlich zu unterstützen. Daher beschränkt sich das aufzubauende Forum thematisch nicht auf die Ethnologie als wissenschaftliche Disziplin oder auf die Zeit von 1933 bis 1945 allein. Beides trüge dazu bei, historische Kontinuitäten vor und nach dem “Dritten Reich” als auch disziplinäre Verflechtungen und Überschneidungen zu übersehen.

(…)

Wir wollen zur Erforschung des Themas beitragen und sind überzeugt davon, dass das Internet für die erste Orientierung und zur eigenständigen Einarbeitung in dieses Forschungsfeld dienen kann, gerade indem es auf vorliegende Arbeiten zum Thema “Ethnologie im Nationalsozialismus” und auf relevante Werke möglichst umfassend hinweist.

(…)

Wir wollen mit dem Internetforum einer auf den Elfenbeinturm begrenzten Reichweite wissenschaftlicher Erkenntnisse entgegenarbeiten, um die demokratische Gesellschaft gegen Ungleichheit und Ausgrenzung zu stärken und an die Opfer nationalsozialistischer Gesellschaft mahnend zu erinnern, damit deren Erfahrungen des Grauens nicht vergessen werden.

Da noch viele Aspekte der Ethnologie im Nationalsozialismus kaum bis gar nicht untersucht sind, werden Wissenschaftler und Studierende aufgefordert, sich am Forum Ethnologie im Nationalsozialismus zu beteiligen

>> zur Webseite “Forum Ethnologie im Nationalsozialismus”

Eine aehnliche Webseite haben die Wiener Ethnologen erstellt, siehe Themenschwerpunkt Völkerkunde und Nationalsozialismus

SIEHE AUCH:

Nackte Nagas, Nationalsozialismus und Ethnologie

Wie uns Franka Winter im Forum mitteilt, haben die Ethnologen in Hamburg eine neue Webseite zur Ethnologie im Nationalsozialismus erstellt.

Auf der Startseite schreibt Cristian Alvarado:

Einsichten in die damalige Wissenschafts- und Gesellschaftspraxis können unseren Blick für heutige Verhältnisse, Möglichkeiten und…

Read more

Formidling: – Bruk heller film enn skrift

Film når flere mennesker enn skrift, og bør brukes for å dokumentere fortellinger om Afrika. Dette mener representanter fra Universitetet i Mali som holder på etablere sin egen mastergrad i visuelle kulturstudier (en utdanning innen sosialantropologi) i samarbeid med Universitetet i Tromsø, melder Tromsøflaket.

– Vi må ha noen som kan dokumentere disse store omstillingene i Mali, hvor borgerskapet spirer frem og spiser jorda opp under føttene på bøndene som dyrker den. Det skrives mye om denne problematikken, men det er viktig at det er visuelt fortalt, sier professor Drissa Diakité.

Han er ikke imot at europeere forsker på Afrika eller diskuterer Afrika, men han mener at afrikanere må delta i debatten i mye større grad. Samarbeid mellom universitetssamfunn er det som kan avhjelpe denne situasjonen, mener Drissa.

– Hele målsetningen med et universitet er å bryte ned denne dominanssituasjonen som har oppstått i forskningen om Afrika. Vi må utvikle en fellesforståelse for Afrika, og det kan vi bare gjøre om vi samarbeider om hvordan Afrika skal fremstilles.

>> les hele saken i Tromsøflaket

SE OGSÅ:

Bilder som brobygger: Første samfunnsfaglige doktorgrad basert på film

Kristiansand Dyreparks tvilsomme bilde av Afrika

Geldof’s Live8 and Western myths about Africa

Film når flere mennesker enn skrift, og bør brukes for å dokumentere fortellinger om Afrika. Dette mener representanter fra Universitetet i Mali som holder på etablere sin egen mastergrad i visuelle kulturstudier (en utdanning innen sosialantropologi) i samarbeid med…

Read more

Det lukkede rommet rundt arbeiderklassen: Oppgave om arbeiderklasseidentitet (del I)

Hva og hvem er arbeiderklassen er i dagens samfunn? Hvilken betydning og hvilke verdier ligger i begrepet? Hva er det så igjen av arbeiderklassen når de klassiske industriarbeidsplassene forsvinner? Antropolog Gjertrud Lian har skrevet en spennende hovedoppgave, basert på et ganske omfattende feltarbeid i en arbeiderklassebydel på østkanten i Newcastle.

Mange informanter er arbeidsledige og ser seg som fattige. Området er preget av lav sosial moblitet: Engang arbeiderklasse, alltid arbeiderklasse. Dette skyldes både den rådende økonomiske politikken og deler av “arbeiderklassekulturen”. Utdanning, for eksempel, distanserer informantene seg fra:

Det å jobbe seg opp verdsettes høyt. Videre uttrykker ’hardt arbeid’, ’fysisk arbeid’ eller å få ’gjort et godt dagsverk’ grunnverdier i arbeiderklassen. Selv om utdannelse, i alle fall i teorien, har blitt tilgjengelig, synes det å ’jobbe seg opp’ fortsatt å være høyest verdsatt. Dette er tydelig i diskusjoner om utdannelse versus det å gå i lære.

Svært mange gir uttrykk for at det ikke er bedre å ta høyere utdanning enn å jobbe seg opp. Folk understreker sitt poeng med å vise til at det har holdt for de fleste av dem å ta fagutdanning. Man trekker frem seg selv og sine naboer, venner og familie for å illustrere. Man trenger ikke utdannelse for å ha et anstendig liv, blir jeg forklart. Dette er et tydelig tegn på at man anerkjenner arbeiderklassens kjerneverdier og dermed også til sine egne valg.

Informantene har liten kontakt med middelklassen. Man holder seg til dem man definerer som like en selv, skriver hun:

Det er også en klar idé om hvem som er ’de andre’. De andre oppleves som radikalt forskjellig fra en selv, ofte som noen man ikke trakter etter å likne, og noen man mener man ikke har noe til felles med. Denne klare delingen mellom oss og de andre er med på å skape et lukket rom rundt arbeiderklassen, et rom som vi skal se kommer til uttrykk både sosialt og fysisk, og som er selve kjennetegnet på denne innovervendtheten.

Disse trekkene, som sammen utgjør innovervendthet, forsterkes ytterligere av makrostrukturelle trekk. Det er stor arbeidsledighet på østkanten og mange folk er trygdet. Folk opplever at de er avhengige av støtten de får fra myndighetene. Dette gir, som vi skal se, en sterk opplevelse av fattigdom. Kapitaltilgang styrer også muligheter til å forflytte seg mellom sosiale og fysiske rom, som dermed oppleves som ikke bare kulturelt, men også økonomisk, lukket.

Antropologen mener:

Ved å distansere seg fra utdanning, slik vi har sett at man gjør, fratar man seg selv en konkret mulighet for sosial mobilitet. Det samme gjør seg gjeldende når man danner bilder av middelklassen som kalde og materialistiske. Ved å bygge opp, erkjenne og støtte verdier i egen kultur (blant annet hardt fysisk arbeid som læringsinstitusjon og rå og direkte humor), ved å gi seg selv kreditt på den måten, reduserer man sin egen mulighet til å ta i bruk andre ressurser. Man styrker sitt eget selvbilde ved å distansere seg fra mulig bruk av andres ressurser.

Det er forresten ingen etniske minoriteter blant informantene. Selv om nesten alle butikker på hjørnet drives av folk med minoritetsbakgrunn bor de fleste innvandrere på den andre siden av byen. For mange var antropologen den eneste utlendingen de kjente.

>> last ned oppgaven

(Part II om oppgaven følger)

SE OGSÅ:

For mer fabrikkantropologi

Nyrike er annerledes

Fattigdomsforskning: Sats på universelle ordninger!

Hva og hvem er arbeiderklassen er i dagens samfunn? Hvilken betydning og hvilke verdier ligger i begrepet? Hva er det så igjen av arbeiderklassen når de klassiske industriarbeidsplassene forsvinner? Antropolog Gjertrud Lian har skrevet en spennende hovedoppgave, basert på et…

Read more

Slik skaper de et felles verdigrunnlag

Likhet i ulikhet. En studie av hvordan en flerkulturell ungdomsgruppe i Uppsala, Sverige, skaper ett felles verdigrunnlag for samhandling heter masteroppgaven av Lillian Aune som nettopp er blitt publisert. Egentlig hadde antropologen tenkt å studere ungdomsvold og kriminalitet i en mindre privilegert bydel i Uppsala, men etterhvert fant hun ut at “multikulturelle gruppeprosesser og en felles identitetsdannelse var mer aktuelt”.

Hun gjorde så feltarbeid blant en “venninnegjeng” som består av sju jenter i alderen 16 – 17 år. To av jentene er etniske svensker, to er kurdere, en er iransk, en har iransk far og tjekkisk mor og en er libanesisk. Hun fant ut noe lignende som Viggo Vestel som studerte en ungdomsklubb utenfor Oslo. Ungdommene er pragmatiske:

Jentenes gruppesamhold blir et resultat av bevisste valg hvor enkelte verdier og stilarter integreres og omformes til en egen kulturell uttrykksform, der det vokser fram en ”ny” felles kultur på tvers av kulturelle og etniske linjer. Det vil si at de med sine ulike bakgrunner har ulike verdier, holdninger, tradisjoner og erfaringer i bagasjen, noe Barth (1993) referer til som ”cultural stock”. For at samhandling mellom jentene skal kunne finne sted må de selv bestemme hva som er relevant for samhandlingssituasjonen.

Gjennom et ”relevansfilter” bestemmer jentene hva som er relevant for situasjonen og ikke. Til tross for ulike bakgrunner skaper de likhet i ulikheten som fører til felles verdier og en felles ”cultural stock” som gjelder for gruppen.

Er oppgaven like spennende som temaet? Innledningen etterlater i hvertfall ikke noe spesielt godt inntrykk hos meg som leser. En begynner å tvile når forfatteren skriver at en i ungdomsforskningen ofte har konsentrert seg om forskjellene og ulikhetene som mange av subgrupperingene representerer – og så oppgir Ålund 1991 som kilde. Få sider senere skriver hun at det “i de siste årene er blitt mer vanlig med ”mainstream” – forskning på jenter også” og kilden er fra 1997. Oppgaven virker ikke særlig oppdatert?

Så skriver hun: “Sverige har tidligere vært preget av å være en homogen kultur, men antallet ”nysvensker” er med på å legge inn nye føringer i samfunnet.” Dette er også et ganske tradisjonelt perspektiv som burde utfordres på samme måte som bruken av ordet “multikulturell”: Er det nok at jentegruppas medlemmer har foreldre fra et annet land (de kom til Sverige da de var 3 – 4 år gamle) at de kan betegnes som “multikulturell”?

Og hvorfor fortsatt et eget kapittel om “feltarbeid i eget samfunn”. Er det ikke svært vanlig – spesielt innen nordisk antropologi?

>> last ned oppgaven

SE OGSÅ:

– Ungdommen håndterer kulturforskjeller ved å vektlegge det de har felles

Kritiserer undervurdering av klasseforskjeller i innvandringsdebatten

For an Anthropology of Cosmopolitanism

– Her er grunnlaget for en global etikk – om seminaret “Verdifellesskap i verdimangfoldige samfunn”

Likhet i ulikhet. En studie av hvordan en flerkulturell ungdomsgruppe i Uppsala, Sverige, skaper ett felles verdigrunnlag for samhandling heter masteroppgaven av Lillian Aune som nettopp er blitt publisert. Egentlig hadde antropologen tenkt å studere ungdomsvold og kriminalitet i en…

Read more