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Die Schlacht im Teutoburgerwald und die Relevanz von antiker Ethnologie

Antike Ethnologie? Wurden schon vor 2000 Jahren Ethnographien geschrieben? Warum sollen sich Ethnologinnen für die Schlacht im Teutoburgerwald (Varusschlacht) interessieren? Ethnologe Martin Henking hat mir einen Text zur Relevanz von antiker Ethnologie geschickt. Er hat viele Jahre über Tacitus geforscht, und auch eine Magisterarbeit über ihn geschrieben, die demnächst als Buch erscheinen soll.

Tacitus und antike Ethnologie

Martin Henking

Dieses Jahr jährt sich zum 2000.Mal die Schlacht im Teutoburger Wald zwischen Römern und Germanen. Welche Bedeutung hat das Jubiläum für Ethnologen im Jahr 2009?

Warum sollten wir uns im Jahr 2009 mit der antiken Ethnologie beschäftigen? Was hat unsere moderne Ethnologie mit den römischen und griechischen Ethnographien zu tun und können diese überhaupt an unsere wissenschaftliche Disziplin heranreichen?

Am Beispiel der Ethnographie der Germanen, die Tacitus im Jahr 98 nach Christus veröffentlichte, werde ich die Relevanz der antiken Ethnologie aufzeigen.

Ein herausragendes Werk zur antiken Ethnologie ist das Buch „Geschichte der antiken Ethnologie“ von Klaus E.Müller. Dieses Buch behandelt die Geschichte der Ethnologie von den alten Ägyptern bis zu den Byzantinern.

Müller schreibt zu Beginn seines Werkes, dass wir als Ethnologen auch die Ursprünge unseres Fachs kennen müssen. Was wissen wir heute über die Germanen im 1.Jahrhundert nach Christus? Eine Feldforschung können wir nun mal nicht betreiben, also sind wir auf schriftliche Quellen angewiesen.

Für das erste Jahrhundert nach Christus ist hier Tacitus die wichtigste Quelle und für uns als Ethnologen am bedeutsamsten, denn sein Buch „De origine et situ germanorum liber“ (zu Deutsch “Vom Ursprung und Sitz der Germanen” oder “Germania“) ist eine Ethnographie der Germanen und für die damalige Zeit einzigartig. Andere Autoren hatten sich mit fremden Völkern beschäftigt, doch immer nur in der Form eines Exkurses (siehe Livius, Sallust) in ihren geographischen oder geschichtswissenschaftlichen Werken.

Tacitus schrieb die erste Ethnographie der Welt. Noch heute, in Ermangelung germanischer Quellen, stellt er die wichtigste Quelle zu den Germanen dar.

Tacitus war einer der letzten Vertreter der senatorischen Geschichtsschreibung. Deren Werte waren das Streben nach Tapferkeit und Tüchtigkeit (virtus) und Ruhm (gloria), Disziplin, Treue und Zuverlässigkeit (fides), das Eintreten für die res publica, der Schutz der socii, Beachtung des Götterwillens (pietas). Von diesen Begriffen ausgehend, wurden die Herrscher und die zentralen handelnden Persönlichkeiten (wie Senatoren und Feldherrn) beurteilt.

Die Germanen wurden bei Tacitus als sehr positiv dargestellt, sie galten als die perfekten Krieger, waren noch von einer ursprünglichen moralischen Sittlichkeit und dienten Tacitus dazu seiner eigenen Gesellschaft, die als korrupt und obrigkeitshörig galt, einen Spiegel vorzuhalten. Tacitus verwies mit der idealisierenden und typisierenden Darstellung der Germanen und Britannier auf die Zeit vor der Herrschaft der ersten Könige. Er ließ seine Landsleute an die ursprünglichen Römer denken.

Die Darstellung der Fremden, auch Barbaren genannt, d.h., derjenigen, die außerhalb der römischen Welt, des orbis terrarum oder orbis romanum, lebten, war auch von moralisch-erzieherischen Interessen geleitet und keineswegs so objektiv, wie Tacitus immer behauptet hatte. Tacitus stellte nicht alle Fremden so positiv dar. Seine Darstellung der Juden in den Historien V, 1-13 war voller Vorurteile und Hass. Er bezeichnete ihre Sitten als „schäbig und abgeschmackt“, sprach von diesem „abscheulichen Volk“. Es muss hier also zwischen der Darstellung der nördlichen Barbaren, den Germanen und Britanniern einerseits und der Juden andererseits, die bereits im Römischen Reich lebten, unterschieden werden.

Warum sollen wir uns nun im Jahr 2009 mit der antiken Ethnologie beschäftigen?

Durch die Schlacht im Teutoburger Wald und die Ereignisse der darauf folgenden Jahre wurde ein Großteil des Gebiets, das wir heute als Deutschland kennen, nicht römische Provinz, sondern verblieb weiterhin Siedlungsraum der Germanen. Tacitus ist insofern wichtig für uns, da sein Germanenbild bis heute unsere Vorstellung von den Germanen entscheidend geprägt hat. Tacitus ist in der Antike die wichtigste Quellen zu den Germanen. Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist antike Texte zu studieren. Seine Darstellung der Germanen ist zwar stereotyp und idealtypisch, jedoch bietet er eine erste Einteilung der Germanenstämme im Sinne einer Art von Kulturkreislehre.

Die Ursprünge der Ethnologie, wie wir sie verstehen, liegen bei Herodot (der von Müller zum Beispiel als Vater der Ethnologie benannt wird), Tacitus und anderen, die unser Bild der Antike entscheidend geprägt haben. Ihre Darstellung fremder Völker, der sogenannten Barbaren, die außerhalb der römischen und griechischen Welt leben, stellt erste Ansätze von Ethnologie dar. Die Germania des Tacitus ist die erste Ethnographie der Geschichte. Andere Autoren fügten in ihre geographischen und historiographischen Werke ethnographische Exkurse ein. Im Sinne der Fachgeschichte sind diese römischen und griechischen Autoren auch heute noch relavant.

Der Autor dieses Artikels hat sein Studium der Ethnologie und Romanischen Philologie im Jahr 1999 an der Universität Göttingen mit dem Magister Artium abgeschlossen und forscht seitdem zu Tacitus. Momentan arbeitet er an wissenschaftlichen Artikeln zu Tacitus und Themen der antiken Ethnologie. Mehr Informationen: http://ethnologie.blog.de

Bild: Wikipedia

Antike Ethnologie? Wurden schon vor 2000 Jahren Ethnographien geschrieben? Warum sollen sich Ethnologinnen für die Schlacht im Teutoburgerwald (Varusschlacht) interessieren? Ethnologe Martin Henking hat mir einen Text zur Relevanz von antiker Ethnologie geschickt. Er hat viele Jahre über Tacitus geforscht,…

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Antropolog vil “knuse fundamentalistenes monopol på Koranen”

(Bilde: Wikipedia) Antropolog Malek Chebel vil med en ny (fransk) oversettelse av Koranen bidra til en mer nyansert islamdebatt, skriver Politiken. Chebel ville gjøre Koran lett tilgjengelig for folk flest:

Folk vil gerne forstå islam, men der har længe været et bizart samarbejde mellem islamofober og fundamentalister, der ikke ønsker at forklare folk, hvad islam handler om. Der er en mærkelig solidaritet imellem de to ekstremer. De har brug for hinanden. Hvis der ikke var islamistiske fundamentalister, ville der heller ikke være nogen islamofober.

Vi skal knuse fundamentalisternes monopol på Koranen. De foretrækker, at den forbliver tåget og uklar. Bliver den tilgængelig for alle, mister de deres vidensmonopol. Derfor er mit mål vel næsten undergravende. For alle, der læser min oversættelse, kan forstå den. Om de er gamle, unge, kvinder, mænd, muslimer eller ikkemuslimer.

Noe som er uklart i Koranen er spørsmål knyttet til hijab og omskjæring:

Hovedtørklædet (…) omtales som ’djilbab’ i Koranen. Men ingen aner, hvad det betyder. Selv ikke arabiske ordbøger kender ordets eksakte betydning. Men det er der jo ingen i Frankrig, ja i verden, der ved«.

For nogle år tilbage på et universitet i Kairo hørte jeg en imam sige, at »omskæring af kvinder ikke var uforeneligt med islam«. Det er jo skandaløst. Ved at omskære kvinder taber man både sin værdighed som muslim og som menneske. Og da tænkte jeg, at man ikke kan lade kriminelle imamer have monopol på ordet.

Chebel mener både pressen og akademikerne bærer en del af skylden for den polariserte islamdebatten:

Vi har ikke gjort vort arbejde godt nok. Frygt skaber store overskrifter. Men vi, der kæmper for kundskaber, viden, dialog og et oplyst islam, er blevet fejet af banen. Viden har ikke prioritet. Den sælger ikke aviser og gør sig skidt i nyhedsprogrammer.

>> les hele intervjuet i Politiken

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Anthropological activism in Pakistan with lullabies

Thesis: Hijab empowers women

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Hvor vestlig er sekularismen?

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Folk vil gerne forstå islam, men der har længe været…

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Gjør lav klasse etnisitet mer synlig?

Når elever gjør det dårlig i skolen og har innvandrerbakgrunn, gjør man ofte et poeng ut av deres etniske bakgrunnn. Men når det er etnisk norske som er “problembarna”, blir deres norskhet ikke trukket fram, sier antropolog Ingrid Smette i et intervju med nettstedet Kilden.

Smette er doktorgradsstipendiat og prøver å finne ut hvordan etnisitet, klasse og kjønn virker inn på utdanningsvalg og ambisjoner blant ungdommene. Hun har vært på feltarbeid blant tiendeklassinger på to skoler i Oslo. Den ene skolen hadde en hovedvekt av elever med norskfødte foreldre med middelklassebakgrunn, den andre hadde en høyere andel minoritetselever, og mange av majoritetselevene hadde foreldre med arbeiderklassebakgrunn.

Ifølge antropologen blir etnisitet mest synlig hos elever med lav klassebakgrunn. Når man diskuterer såkalte “gettoskoler” blir fenomenet “problemelever” forklart med elevenes utenlandske bakgrunn. Men på skolene der hun gjorde feltarbeid var “problemelevene” først og fremst norske gutter med arbeiderklassebakgrunn. Men ingen forklarte deres problemer på skolen med deres bakgrunn som etnisk norske.

Men det betyr vel heller at det er kun innvandrernes etnisitet som blir mer synlig? Nordmenn “har” jo også en etnisitet? Eller at norskhet generelt ikke blir tematisert?

>> les hele saken på Kilden

Smette har tidligere forsket på prostitusjon, fritidsklubber og unge storbyjenter i Dakar.

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Etniske minoritetspiger – Etniske uddannelsespraksisser? Ny oppgave forklarer frafall i yrkesfag

– Skolens hvite middelklassenorm har skylda

Rapport: Foreldrenes bakgrunn viktigere enn etnisitet eller nasjonalitet

Doktoravhandling: Skolen skaper skiller

Kritiserer undervurdering av klasseforskjeller i innvandringsdebatten

Når elever gjør det dårlig i skolen og har innvandrerbakgrunn, gjør man ofte et poeng ut av deres etniske bakgrunnn. Men når det er etnisk norske som er "problembarna", blir deres norskhet ikke trukket fram, sier antropolog Ingrid Smette i…

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Claude Levi-Strauss is dead (updated)

A month before his 101st birthday, Claude Levi-Strauss, one of the most influential anthropologists, died at the age of 100. He died over the weekend, according to the office of the president of the School for the Advanced Studies in Social Sciences, in Paris, Bloomberg reports.

See also my collection of articles on Levi-Strauss’ 100th birthday

UPDATE – Obituaries: / Lots of posts about his death – here a selection

Greg Downey: Thinking through Claude Lévi-Strauss (Neuroanthropology.net)

Richard Price: My Teacher, Claude Lévi-Strauss (AAA Blog)

Kevin Karpiak: Claude Levi-Strauss on police (Anthropoliteia)

Scott Atran: A memory of Lévi-Strauss (Cognition and Culture)

Maurice Bloch: Claude Lévi-Strauss obituary (Guardian)

Claude Lévi-Strauss as Museum Ethnologist (Jason Baird Jackson)

Alex Golub: Remembering Claude Lévi-Strauss (Savage Minds)

Claude Lévi-Strauss, Anthropologist, Dies at 100 (New York Times)

Claude Levi-Strauss: Intellectual considered the father of modern anthropology whose work inspired structuralism (Telegraph)

Robert Mackey: The Influence of Claude Lévi-Strauss (New York Times News Blog)

Heather Horn: Remembering Claude Lévi-Strauss, Academic Giant (The Atlantic Wire)

Claude Lévi-Strauss (Telegraph)

Maximilian Forte: Claude Lévi-Strauss: à la prochaine fois (a collection of videos, Zero Anthropology)

I have also scanned the German (lots of articles) and Scandinavian media (only short notices, almost ignored).

A month before his 101st birthday, Claude Levi-Strauss, one of the most influential anthropologists, died at the age of 100. He died over the weekend, according to the office of the president of the School for the Advanced Studies in…

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Two months free access to AAA journals!

From now on until the end of December, the American Anthropological Association (AAA) is offering free access to a large number of its journals.

Why not free all the time? asks Kerim Friedman. Good question. The AAA has often been criticized for its restrictive publishing policies.

But maybe things are changing. Here is a selection of journals with free access in november and december 2009. I’ve picked a sample article from the most recent issue as well. Very interesting stuff and many catchy titles! For the full list of journals, visit the AAA Blog

SEE ALSO:

Free access to the 25 most popular Anthrosource articles!

From now on until the end of December, the American Anthropological Association (AAA) is offering free access to a large number of its journals.

Why not free all the time? asks Kerim Friedman. Good question. The AAA has often been…

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