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Notizen zum Nationalismus in Deutschland

Bizarre Debatten werden derzeit in Deutschland gefuehrt. Selbst in den hiesigen norwegischen Zeitungen ist in den letzten Tagen mehrmals darueber zu lesen gewesen, obwohl die Medien hier nur wenig ueber Geschehnisse im Ausland berichten. Gestern wurde in einem Radiobeitrag eine Saengerin (Mia?) erwaehnt, die offenbar mit deutsch- patriotischen Texten beliebt geworden ist.

Ein Blick ins Netz zeigt, dass die Debatte immer neue Tiefen erreicht. Nationalhymne bei Abiturfeiern fordert die CDU. Eine Wellness-Seite trumpft mit einer Serie auf zum Thema “Was ist deutsch?” und diskutiert – auf nicht unproblematische Weise – die Begriffe Volk, Nation und Rasse. Beim heutigen Parteitag der CSU ist Patriotismus offenbar das wichtigste Thema. Und die SPD eifert hinterher, Schrøder sagt, “Patriotismus ist das, was ich jeden Tag tue”. Den Vogel schiesst der Chef der bayerischen SPD-Fraktion Franz Maget ab, der den Begriff “Lebensraum” wiedereinfuehrt – ein zentraler Begriff im Nazismus.

Nationalismus ist ein zentrales Thema in Ethnologie. An der jetzigen Debatte laesst sich gut studieren, wie Nationalismus entsteht und konstruiert wird.

Irgendwie fuehle ich mich an das Buch erinnert, das ich gerade lese. Krig heisst es, eine Satire von Knut Nærum. Es erzaehlt vom Krieg zwischen Norwegen und Holland, der in 2005 ausbricht. Der Anlass: Ein norwegischer Eisschnellaeufer wirft im entscheidenden Endspurt seinen Konkurrenten aus der Bahn und verhindert so den Sieg der Niederlaender. Nach und nach wird ein Feindbild konstruiert, Verschwoerungstheorien kommen auf, Nationalismus wird geschuert, bis der Krieg unausweichlich scheint.

MEHR DAZU

Kolumne: Lieben Sie Deutschland? (schøner Text aus der Financial Times Deutschland)

The Nationalism Project (Alles zum Thema Nationalismus)

Thomas Hylland Eriksen: So what kinds of people exist – really? (Der Text des norwegischen Ethnologen hinterfragt gaengige Einteilungen der Menschen nach Ethnizitaet / Nationalitaet)

Bizarre Debatten werden derzeit in Deutschland gefuehrt. Selbst in den hiesigen norwegischen Zeitungen ist in den letzten Tagen mehrmals darueber zu lesen gewesen, obwohl die Medien hier nur wenig ueber Geschehnisse im Ausland berichten. Gestern wurde in einem Radiobeitrag eine…

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Die soziale Produktion bösen Verhaltens muss wissenschaftlich untersucht werden

Florian Rötzer, Telepolis

Die Psychologinnen Susan Fiske, Lasana Harris and Amy Cuddy von der Universität Princeton haben nach dem Folterskandal von Abu Ghraib die Forschungsliteratur mit der Fragestellung “Warum normale Menschen feindliche Gefangene foltern” durchgesehen.

Mit dem richtigen oder falschen Kontext könne man, so die Wissenschaftlerinnen, fast jeden Menschen zur Aggression und Gefolgsamkeit bringen. “Gewöhnliche Menschen können ein unglaublich destruktives Verhalten ausüben, wenn ihnen dies durch legitime Autoritätspersonen befohlen wird. … Untergebene machen nicht nur, was ihnen befohlen wird, sondern das, von dem sie denken, dass ihre Vorgesetzten ihnen dies nach ihrem Verständnis der allgemeinen Ziele der Vorgesetzten befehlen würden.”

Die Psychologinnen schlagen vor, dass die soziale Produktion “bösen Verhaltens” weiter wissenschaftlich untersucht werden sollte, um Mittel zu entwickeln, mit denen es sich bessern verhindern lassen könnte – sofern dies wirklich gewünscht wird, müsste man hinzufügen. >> weiter

Florian Rötzer, Telepolis

Die Psychologinnen Susan Fiske, Lasana Harris and Amy Cuddy von der Universität Princeton haben nach dem Folterskandal von Abu Ghraib die Forschungsliteratur mit der Fragestellung "Warum normale Menschen feindliche Gefangene foltern" durchgesehen.

Mit dem richtigen oder falschen Kontext könne…

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Soldaten misshandeln Untergebene – Anmerkungen zu Gewalt und Gesellschaft

Nils Zurawski, Ethnologe (Universität Hamburg), Telepolis

Soldaten haben andere Soldaten misshandelt, gedemütigt, zumindest aber ihre Stellung als deren Ausbilder und Vorgesetzte missbraucht. Der Verteidigungsminister hält diese Männer nicht für würdig, eine Uniform zu tragen, Politiker regen sich auf, sind empört, wollen Aufklärung. Einzelfälle – offenbar nicht.

Gewalt ist in der Bundeswehr nicht nur ein Teil des sozialen Kontextes, sondern das verbindende Element schlechthin. Gewalt entsteht in der Mitte dieser Gruppe. Die Unterwerfung durch Gewalt, das Aufzwingen der ungeschriebenen Gesetze auf die neuen Rekruten – Initiationsriten in die harte Welt der Soldaten sind überall auf der Welt Teil von Armeen. >> weiter

Nils Zurawski, Ethnologe (Universität Hamburg), Telepolis

Soldaten haben andere Soldaten misshandelt, gedemütigt, zumindest aber ihre Stellung als deren Ausbilder und Vorgesetzte missbraucht. Der Verteidigungsminister hält diese Männer nicht für würdig, eine Uniform zu tragen, Politiker regen sich auf, sind empört, wollen…

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“Parallel- Gesellschaften” – kurzer Weg wissenschaftlicher Begriffe zu Politik

Christian Semler, taz

Eben noch wurde von dem Soziologen Wilhelm Heitmeyer der Begriff “Parallelgesellschaften” ins Spiel gebracht, um die Probleme ethnisch-religiöser Abgrenzung zu diskutieren. Schon ist er bei den Talkshows gelandet – als handlicher Schlagstock.

Als Heitmeyer und seine Mitarbeiter von den heraufziehenden Parallelgesellschaften sprachen, untersuchten sie den gesellschaftlichen Kontext, der zu ihrer Entstehung führt. Sie zeigten, dass solche Subgesellschaften das Produkt einer sozialen und kulturellen Segregation sind, die ihren Ausgang von ökonomischen und sozialen Krisen der Mehrheitsgesellschaft nimmt. Wo der Arbeitsmarkt nahezu geschlossen, Aufstiegschancen versperrt sind, öffnet sich erst das Tor zu den scheinhaften Sicherheiten der Binnenintegration, zum Beispiel im türkischen oder islamischen Milieu.

Wenn jetzt den “Parallelgesellschaften” der Kampf angesagt wird, so wird der Zusammenhang von Integration und Segregation ausgeblendet. >> weiter

SIEHE AUCH

Multikulturalismus: Interessantes Audio-Interview mit Soziologen Claus Leggewie – DeutschlandRadio (Link via ethno::log)

“Unter Integration versteht jeder etwas anderes” – Interview mit Integrationsbeauftragter Marieluise Beck (taz)

Christian Semler, taz

Eben noch wurde von dem Soziologen Wilhelm Heitmeyer der Begriff "Parallelgesellschaften" ins Spiel gebracht, um die Probleme ethnisch-religiöser Abgrenzung zu diskutieren. Schon ist er bei den Talkshows gelandet - als handlicher Schlagstock.

Als Heitmeyer und seine Mitarbeiter von den…

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Von »Parallelgesellschaften«, Bringschuld, Lust und Angst mit & in der Diaspora

Ethnologe Thomas Zitelmann, Neues Deutschland

Das britische Imperium hat sich über ein Jahrhundert auch durch seine Attraktivität für Fremde und sein Aufsaugen von Fremden gestärkt. Das Deutsche Reich ist einen anderen Weg gegangen und schnell gescheitert. Vom ersten Scheitern nichts gelernt, ist es ein zweites Mal gescheitert.

Größe organisiert man durch Aufsaugung von Fremdem. Solange eine kopftuchtragende, knollenverteilende Politesse in Deutschland undenkbar ist, sind die Chancen für erfolgreiche Strategien der Weltgeltung gering.

Deutsche Sprachkenntnisse gelten hier zu Lande als Schlüssel zur Integration. Eine Studie deutet auf eine Nuance hin. Anerkannte Flüchtlingsfrauen in Berlin und Brandenburg, die individuell oder als Familie nicht am Sozialtopf hängen, sind keinesfalls diejenigen, die auch die besten deutschen Sprachkenntnisse haben.

In Großbritannien sind ethnische Nischen erkannte Motoren der beruflichen Eingliederung. Die Entwicklung parallelgesellschaftlicher Strukturen kann sehr rational sein, wenn die Mehrheitsgesellschaft die Ausschlusskriterien vom Einstieg zum Erfolg weit außerhalb der Sprachkenntnisse bestimmt. Meister der Ausgrenzung haben sich durch gemeinsame Sprache nie beschränken lassen. >> weiter

Ethnologe Thomas Zitelmann, Neues Deutschland

Das britische Imperium hat sich über ein Jahrhundert auch durch seine Attraktivität für Fremde und sein Aufsaugen von Fremden gestärkt. Das Deutsche Reich ist einen anderen Weg gegangen und schnell gescheitert. Vom ersten Scheitern nichts gelernt,…

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